St. Vincent und die Grenadinen – Einreise mit Hindernissen

Es ist der 21. Dezember 2019 gegen 11:30 Uhr und wir haben es schon wieder eilig: gerade angekommen und Anker geworfen müssen wir schnellstens einchecken. Immigration und Zoll haben bestimmte Öffnungszeiten, deren Überziehen sich die Bürokraten bezahlen lassen; und das ist nicht gerade billig. Da wir nicht sicher sind, ob nur der Captain an Land darf oder wir beide (das wird überall anders gehandhabt), fährt erst mal Alex alleine mit den Unterlagen im Dingi nach Port Elizabeth an den Steg. Der Zollzettel ist schnell ausgefüllt, aber dann gibt es gleich mehrere Probleme:

  1. Ausreisebestätigung vom letzten Hafen
  2. Der Gibraltarstempel in meinem Pass

Der Zollbeamte will einen Ausklarierungszettel mit Stempel sehen. Das Problem: das haben wir nicht. Auf den Kanaren wurden wir überhaupt nicht einklariert; lediglich eine Info ging an die kanarische Polizei, das war’s. Der Zollbeamte findet das komisch und möchte gerne irgendetwas haben, womit er arbeiten kann.

Die Immigration macht ebenfalls Probleme: wir haben zwei Pässe. In meinem Pass ist der Gibraltarstempel (ein Fun-Stempel, der im Grunde nicht mal notwendig war) drin. Alex hat seinen Pass gewechselt, damit der Iran nicht mehr zu sehen ist und da fehlt der Stempel. Der gewiefte Beamte schnallt sofort, dass da was nicht stimmt. „Wo ist denn Dein Stempel?“ fragt er, während er den Pass durchblättert. „Im anderen Pass.“ antwortet Alex artig. Der Beamte stutzt. „Du hast ZWEI Pässe?“ fragt er ungläubig. Alex erklärt, dass das in Deutschland möglich und aufgrund der Beantragung verschiedener Visa durchaus von Vorteil sei. Der Beamte schüttelt weiterhin ungläubig den Kopf; er will Alex‘ anderen Pass sehen.

Bevor Alex‘ die geforderten Beweismittel holen darf, muss er aber erst noch die Cruisinggebühr in Höhe von 70 EC$ für uns beide zahlen, obwohl wir noch gar nicht eingecheckt sind. Nach Besuch beim Geldautomaten und Zahlung des geforderten Betrags ist Alex wieder am Boot und fragt nach: „Ich brauche meinen anderen Pass. Und, sag mal, haben wir irgendeine Zoll-Bestätigung von den Kanaren?“ – „Nein, wir waren nicht eingecheckt.“ — „Ja, das habe ich den Beamten auch gesagt. Haben wir wenigstens was von Gibraltar? Dann kann ich ihm irgendwas geben, womit er arbeiten kann…“ – „Gibraltar erfolgte ebenfalls dokumentenfrei. Aber ich habe die Check-out-Karte von Marokko noch.“ Ich hatte das Kärtchen absichtlich aus der Dokumentenmappe genommen und in mein Portemonnaie gesteckt, damit Alex nicht wieder in einem seiner Aufräumaktionen alles wegschmeißt (siehe Grenzerfahrung: Russland-Mongolei). Ich hatte nämlich irgendwo mal gelesen, dass in der Karibik solche Zolldokumente vorgelegt werden müssten – und man weiß ja nie. Mit den Dokumenten fährt er wieder zurück und kommt erst mal nicht wieder.

Der Beamte von der Immigration vergleicht jetzt Alex‘ Pässe. „Die sehen ja vollkommen identisch aus!“ stellt er richtig fest und begutachtet die beiden Ausweise akribisch. „Sogar das Datum ist gleich! Sind die gefälscht?“ Alex vewehrt sich gegen diese Behauptung und erklärt, dass die am gleichen Tag ausgestellt wurden; die Dokumentennummer sei aber verschieden. Er tippt auf die Nummern. Unschlüssig sitzt der Beamte da und überlegt. Dann will er Alex‘ Pass entwerten. „Nein!“ ruft Alex aufgeregt, „Den brauch‘ ich doch noch für die Beantragung von Visa!“ Mit Mühe und Not lässt sich der Beamte von seinem Vorhaben abbringen und knallt Alex‘ den gewünschten Einreisestempel in den ersteren Pass, ohne dem anderen Pass ein Haar zu krümmen.

Zolldokument Marokko

Jetzt steht Alex vor dem Zollbeamten und zeigt stolz das Marokko-Kärtchen. „Ich hab‘ was gefunden!“ – „Aber von Gibraltar hast Du nichts?“ fragt er auf das Dokument schauend. „Nein, das ist nicht üblich in Gibraltar.“ Zufrieden ist der Beamte immer noch nicht. Alex kramt hilflos in der Dokumentenmappe. Ich hatte die Zahlungsbestätigung von der Marina Teneriffa zufälligerweise aufgehoben und dort reingetan. Das Dokument ist auf Spanisch, aber es steht „Tenerife“ drauf. Das gibt er jetzt dem Zollbeamten. Er nimmt es, guckt sich das an und findet wahrscheinlich Alex‘ Bemühungen so klasse, dass er den Zettel nimmt, einfach unter den Tisch in den Mülleimer fallen lässt und stattdessen Zollstempel von SVG auf die Dokumente hämmert. Wir sind drin.

Die überstandene Passage nebst erfolgreicher Einreise feiern wir im idyllischen Ambiente der Admirality Bay mit Champagner (in Spanien gekauft) und einer Languste, die uns ein örtlicher Fischer anbietet.


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