SVG – Bequia, Mayreau, Union Island, Petit St. Vincent und die Tobago Cays

Zugegeben: Wir hatten ein bestimmtes  Bild von der Karibik: Obst in Hülle und Fülle, überall leckere, frischgepresste Säfte zu ebenso schmackhaften Preisen…, wächst doch schließlich überall – ist ja ständig warm mit einer Prise Regen… Als wir einkaufen gehen und zum ersten Mal die Preise hören, schlackern uns die Ohren. Haben wir richtig gehört? Für 4 kleine Tomaten 10 EC$? (3 EC$ ~ 1€) Für eine mittlere Ananas 18 EC$? Eine Mini-Gurke 4EC$? 2,5kg Kartoffeln 30 EC$? Mir bleibt die Spucke weg.

CARIB, kühles Blondes in der Karibik

„Wo kommt denn das Zeug her?“ fragen wir immer noch schockiert. „Kommt alles aus St. Vincent, deshalb ist das so teuer.“ – „Gibt es Spezialpreise für Touristen?“ fragen wir, weil wir einfach nicht glauben können, dass die Märchenpreise stimmen sollen und wir in der Türkei gelernt haben, dass es lohnt, mal nachzufragen. „Nein, alle zahlen denselben Preis.“ Die Verkäuferin auf Bequia hat Geduld mit uns und nimmt uns die Frage nicht übel. Angesicht der Preispolitik kann ich es mir nicht verkneifen zu fragen: „Und was esst ihr hier so auf der Insel?“ Sie lacht und beantwortet die Frage nur mit: „Ja, ist sehr teuer hier!“ Teuer ist gar kein Ausdruck. Aber verzichten wollen wir auch nicht, also kaufen wir das erste Mal äußerst vorsichtig ein: 4 Tomaten, vier Bananen, 2 Gurken, eine Ananas, eine kleine Papaya, wohl wissend, dass das nicht lange reicht. Den Schock müssen wir erst mal verdauen – am besten mit Bier, also verschlägt uns im Supermarkt gleich noch mal der Atem. Wenn man noch die europäischen Preise von den Kanaren im Kopf hat, hauen einen die Zahlen echt aus den Socken. Ich will nur Milch, Bier und Eier kaufen; Grundnahrungsmittel halt. 1l Milch kostet 6-7,50 EC$, ein kleines Carib (Bier, 275 ml) 6 EC$, jedes Ei 3 EC$, von Wein will ich gar nicht erst anfangen. Schnell sind die ersten 300 EC$ (ca. 100 Euro) einfach verpufft. Krass, denken wir, das ist ja wie auf Island! Beim nächsten Einkauf sind wir schon mutiger und trauen uns sogar an Avocados. Da kommen uns dann etwas zeitversetzt die Tränen, weil der Kern so verdammt groß ist, dass wir etwas sparsam auf den verbliebenen Rest gucken. Und so beschließen wir, komplett auf Mutter Natur zu setzen und zumindest das Meer für unsere Zwecke zu nutzen…

Interessanterweise gewöhnt man sich mehr oder weniger an die Preise: sobald ein paar Wochen vergangen sind, wird es Normalität und … ja, was soll’s? Und trotzdem muss ich immer wieder jammern: als später eine junge Dame von einem Obststand auf Union Island mir hübsche kleine Granny-Smith-Äpfel verkaufen will, bin ich gleich begeistert und sehe mich schon, mit dem Beutel allerlei Leckeres zubereiten. Als sie jedoch für 10 Äpfel umgerechnet 30 Euro haben will, bekomme ich heftige Schnappatmung. Ich werde kreidebleich und sage den Tränen nahe, ich könne mir nur 4 leisten. Daraufhin lacht sie und schenkt mir eine kleine Mango.

Um Weihnachten herum frischt der Wind bis 25-30 Knoten auf: Weihnachtswinde, völlig normal hier. Außerdem wird es um Weihnachten rum am Ankerplatz extrem voll, was sich bis Neujahr auch nicht ändert. Durch die Ferien sind unzählige Charterboote unterwegs; auch völlig normal. Wir haben sogar Weihnachtsessen dabei: Ente, Rotkohl und – zwar leider keine Klöße, aber – Kartoffeln. Bei 30 Grad etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir haben uns die ganze Überfahrt darauf gefreut. Bis Neujahr bewegen wir uns kein Stück. Wir laufen am Strand entlang, gehen frisch gemachtes Eis essen, schwimmen, schnorcheln, ruhen uns aus. Dann wird uns die Insel zu klein und wir verlegen uns am 01.01.2020 nach Mayreau. Die zwischen Bequia und Mayreau liegende Insel Canouan sparen wir aus Angst aus, überfallen zu werden. Angeblich wurde derjenige, der Segler terrorisierte, gefasst und ins Gefängnis gesperrt, aber so richtig Vertrauen mag dennoch nicht aufkommen, um darüber einfach hinweg zu lesen. Mayreau bietet mit der Salt Whistle Bay eine schöne, aber auch um die Ferienzeit äußerst enge Bucht. Da sie bekannt ist wie ein bunter Hund und das ideale Sprungbrett zu dem Traumziel Tobago Cays ist. Trotzdem halten wir es hier einige Tage aus, genauso wie in der unweit gelegenen hübsche Saline Bay.

Da es jedoch die nächsten Tage windmäßig ziemlich turbulent zugehen soll und wir Proviant brauchen, den es auf der Miniinsel Mayreau mit den paar Einwohnern nicht gibt, verlegen wir uns ein Stück weiter nach Union Island.

Nur eine der farbenfrohen Verkaufsstände in Clifton, Union Island, SVG – hier bei Christine Jordan (CJ)

Hier gibt es einen wunderbaren, kunterbunten Obst- und Gemüsemarkt in Clifton, dem Hauptort. Dann ankern wir um, weil es uns im Hafen zu geschäftig ist und stehen auf der Lee-Seite von Frigate Island. Das ist ein herausragender Spot zum Kiten und ideal für Anfänger. Es dauert mehr als eine Woche bis uns dämmert, dass wir ja auch mal einen Kitekurs machen könnten. Gesagt, getan: der Kite-Instructor namens Butter (ja, tatsächlich, kein Witz), der seit 8 Jahren kitet, ist schnell organisiert und bringt uns in buchstäblich Windeseile das Kiten bei. Nach 5 Stunden können wir bereits auf dem Board stehend kiten, nach weiteren 4 Stunden sogar schon Upwind fahren. Butter fährt häufig nach den Kursen rüber nach Clifton, um vor Happy Island (eine selbstgebaute Mini-Insel) sein Kitekönnen zu zeigen; da fahren wir dann auch gerne mit dem Dingi vorbei und schauen bei einem Rum Punch zu. Nach dem Kitekurs ist der Wind plötzlich weg, ein perfekter Zeitpunkt, um die Tobago Cays zu besuchen. 

Die Tobago Cays, eine Gruppe von fünf kleinen unbewohnten Inseln, die durch das große Korallenriff Horseshoe-Reef, ein hufeisenförmiger Schutzwall, vor der Atlantikdünung geschützt werden. Die Unterwasserwelt ist in dem klaren Wasser ein Traum, die Meeresschildkröten sind leicht zu finden und Rochen gar von oben zu sehen. In dem schillernden Blau heben sich die grünen Mini-Inseln mit den weißen Sandstränden unter Palmen ab. Ein Parkranger kommt vorbei und möchte die Gebühr von 10 EC$ pro Person/Nacht haben. Wir wollen 5 Nächte bleiben und müssen nur für 4 bezahlen. Das Strand-BBQ für 100 EC$ pro Person lassen wir sausen und kaufen stattdessen einem Fischer eine große Languste ab. Am liebsten wären wir noch viel länger geblieben, aber da warten noch so viele andere Inseln in der Karibik auf uns :).

Am 29. Januar 2020, nach mehr als einem Monat im wundervollen St. Vincent und die Grenadinen klarieren wir also aus, hissen die gelbe Flagge und segeln nach Carriacou, Grenada, allerdings nicht ohne einen kleinen Abstecher nach Petit St. Vincent mit einem besonderen Sundowner auf Mopion Island zu machen.


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