Wohnungswechsel: Alles neu macht die Yacht.

Eigentlich wollten wir uns ja Zeit lassen und „nur mal schauen, was es so gibt“. Wollten in der Türkei mal anfangen, nach Booten zu schauen und uns bis Portugal vorarbeiten. Zumal ich ja noch nicht überzeugt vom Wechsel war. Und dann kam alles anders als gedacht. Nachdem wir uns ein paar Lagoon 450 angesehen hatten, war da plötzlich die Lagoon 42, kaum gebraucht und in genau der Ausführung, wie wir sie haben wollten: Eignerversion. 3 Kabinen statt 4; die Eignerkabine in einem Rumpf und das beste: sie ist gut Einhand-segelbar, hat genau die richtige Größe für uns. Die Entscheidung fiel daher schnell, den Preis handelten wir noch einmal runter, obwohl er im Vergleich schon sehr viel niedriger als bei den Vergleichsmodellen lag, weil der Wassermacher nicht funktionstüchtig war und wir nicht wussten, ob wir ihn austauschen müssen oder nicht. Der Kauf war noch einmal aufregend, denn wir kannten den Eigentümer überhaupt nicht und sollten jetzt eine Menge Geld überweisen. Auch die Maklerin hatten wir nur ein einziges Mal gesehen. Alles ging gut und am 18. Dezember 2018 hieß es von Yiliz, der Maklerin von Turmarin: „You have a boat!“

 

Um überhaupt auf das Boot zu kommen, brauchten wir dringend eine Gangway. Die in den Yachtshops angebotenen Modelle sind sauteuer und da wir eigentlich nicht vorhaben, oft Zeit in Marinas zu verbringen, wollten wir dafür so wenig Geld wie möglich ausgeben. Daher kauften wir für wenig Geld Holz aus dem Baumarkt, Schrauben und Lack und bauten uns einfach am Pamucak Beach nahe Kusadasi einfach selber eine. Rutschfest wurde sie durch Strandsand, den wir vorher gesäubert und getrocknet haben. Hat uns 17 Euro gekostet, statt 300 Euro aufwärts.

Eine Aufenthaltsgenehmigung für die Türkei: Ikamet

Als Deutscher Staatsbürger darf man sich exakt 90 Tage visumsfrei in der Türkei bewegen. Nach den 90 Tagen ist man für 180 Tage gesperrt. Das war mal anders: es ist noch gar nicht so lange her, da ist man kurz rausgesegelt und hat wieder neu einklariert, fertig, man hatte wieder volle 90 Tage. Die Möglichkeit gibt es aber nicht mehr. Also muss eine Aufenthaltserlaubnis her, entweder in Form eines Visum – wenn man sich im Heimatland befindet, oder – sofern man sich bereits in der Türkei befindet – ein sogenanntes Ikamet. Im Grunde ist das ganz einfach: online beantragen, Betrag zahlen, mit dem Antrag zum Migrationsamt, fertig. Die Praxis sieht mal wieder ganz anders aus. Ich habe es wirklich versucht, mit dem Onlineantrag, aber abgesehen davon, dass das System ständig abstürzt oder eeeeeelendig langsam ist, bin ich bereits bei der Eingabe der Adresse gescheitert, denn die muss zwingend ganz genau eingegeben werden. Normalerweise sind das Apartment-Nummern. Da wir aber in der Marina leben, haben wir natürlich keine Apartment-Nummer, also was soll ich da eingeben? Und es gibt nur ein Auswahlmenü; ich darf also nicht frei irgendwas hinschreiben. Hilfe bekamen wir von Cihan (Marine-Mitarbeiter), der uns an einen Agenten vermittelte, der für uns kostenlos diese Prozedur übernahm. Und das dauerte sage und schreibe 5 Stunden! 5 Stunden saßen wir im Büro des Allianz-Versicherungsmakler und warteten und warteten bei Kaffee und Kuchen. Mihrac (e-Mail:mihracturkoz@hotmail.com) hatte trotz aller Langsamkeit immer ein Lachen auf den Lippen. Wenn das System mal wieder abstürzte, zuckte er lachend mit den Schultern – sei halt so. Wir hatten ein mega schlechtes Gewissen, ihm die Zeit zu stehlen, schließlich hat der Mann noch etwas anderes zu tun. Was wir aber noch von ihm brauchten, war eine Krankenversicherung. Leider wurde unsere private Krankenversicherung nicht akzeptiert und so mussten wir für kleines Geld eine bei ihm abschließen.

Unsere ID-Cards für die Türkei (Ikamet)
Unsere ID-Cards für die Türkei (Ikamet)

Und dann kam es zum Bezahlen. Das Problem ist, dass man für den Antrag bezahlen muss, was allerdings nur mit einer Türkischen (!) Kreditkarte geht, die wir natürlich nicht haben. Eine Türkische Kreditkarte bekommen wir nur, wenn wir eine Steuernummer haben. Erst hieß es, dass wir die nur bekommen, sobald wir das Ikamet haben. Ein Teufelskreis. Also sprang Mihrac ein und bezahlte mit seiner Kreditkarte. Schließlich ging es zwei Tage später für uns zum Migrationsamt. Die vier (!) Passbilder pro Person hatten wir dabei und dachten, damit wäre alles erledigt. Nein. Dort angekommen hieß es, wir müssten noch einmal 500TL extra bezahlen, weil es ein Erstantrag sei und Deutschland zähle zu den Ländern, die noch mal extra abkassiert würden. Das Bezahlen ohne Steuernummer geht aber in der Türkei nicht und wie gesagt, wir hatten ja noch keine. Weil wir nicht glauben konnten, dass wir tatsächlich extra zahlen müssen, riefen wir Mihrac an. Er diskutierte ebenfalls mit der Angestellten. Schließlich standen wir aber wieder bei Mihrac vor der Tür und baten um Hilfe, weil wir eine Steuernummer beantragen mussten, um den Betrag einzahlen zu können. Also fuhr Mihrac mit Alex auf seinem Moped zum Tax Office um die Ecke, während ich im Büro wartete.  Beide kamen mit Steuernummern zurück, der Betrag war bezahlt. Wieder beim Migrationsamt erhielten wir ein Dokument, das besagte, dass wir einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung gestellt haben. Solange wir also keine Absage erhielten, konnten wir einfach in der Türkei bleiben. Mehr als 6 Wochen später hatten wir beide unsere ID-Cards.

Setur Kuşadasi Marina: Wie fängt man als Anfänger an?

Im Preis für die Yacht inbegriffen war bereits der Liegeplatz der Setur Marina Kuşadasi und zwar für beinahe noch ein Jahr. Perfekt für uns, wo wir uns doch zunächst mit dem Boot vertraut machen mussten. Der Clou am Marinavertrag mit der Setur-Gruppe ist außerdem, dass wir in den anderen Marinas, die zur Gruppe gehören, jeweils 30 Tage kostenlos bleiben dürfen. Da wir vorhaben, die Türkische Küste entlang Richtung Antalya zu segeln, ist das für uns sehr komfortabel. Die erste Zeit auf dem Boot war merkwürdig. Gerade noch im Benz gefahren, hatten wir plötzlich so sehr viel mehr Lebensraum, Luft zum Atmen. Aber auch ein größeres Vehikel mit Segeln und das, obwohl wir noch nie gesegelt sind. Alex hatte 2006 zwar den Sportbootführerschein gemacht, aber sonst keinerlei Erfahrung. Ich sowieso nicht. Ein Leben auf einer Yacht war mir nie in den Sinn gekommen. Was also tun? Wie lernt man am besten, mit so einem Boot umzugehen? Indem man es benutzt. Also sprachen wir beim Marina Office vor und erklärten, dass das unser erstes Boot überhaupt sei. Die Marinas der Setur-Gruppe stellen für jeden Hilfe bei An- und Ablegemanövern zur Verfügung. Das ist so gewollt: falls etwas beim An- oder Ablegen passiert, ist immer mindestens ein Marina-Mitarbeiter dabei. Bei jedem Manöver im Hafen hatten wir also ein Beiboot an der Seite, der notfalls „schubsen“ konnte. Außerdem klärte ich noch den Funkspruch ab, den ich absetzen sollte, weil ich das zuvor noch nie gemacht habe.

 

Unser Plan war, auf windstille Tage zu warten, damit wir das An- und Ablegen trainieren konnten und nicht bei Wind auch noch gedreht werden. Alex wusste theoretisch schon, wie man wann und zu welchem Wind am besten ablegt, aber klappt das auch in der Praxis? Zur ersten Einstimmung guckten wir in den ersten Tagen YouTube-Videos darüber an. Sah einfach aus. Bereits nach wenigen Tagen, es war kaum Wind, legten wir das erste Mal ab. Wir hatten nur ein Problem: der Dieseltank war leer, die Toiletten waren voll. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt. Das hieß, wir mussten nicht nur aus unserer äußerst engen „Parkbucht“ an- und ablegen, sondern auch noch seitlich an der Tank- und Waste-Station anlegen. Das klappte alles erstaunlich gut. Cihan vom Marina Office kam sogar noch vorbei, um zu schauen, ob alles ok war.

 

Das Gefühl, das erste Mal draußen auf dem Wasser zu sein, war unbeschreiblich. Dieser freie Blick, das leichte Schaukeln und die Freude darüber, es tatsächlich hingekriegt zu haben, das Boot zu lenken, war riesengroß. Auch das Anlegen ging mit einmaliger Korrektur durch Alex erstaunlich reibungslos. Der Cat ist extrem gut zu steuern. Die Mooringleinen befestigten die Marinamitarbeiter selbständig, was beim ersten Mal ohnehin hilfreich war, weil ich durch das ganze Gucken auf beiden Seiten beim Rückwärtsanlegen etwas überfordert war. Schnell waren wir festgezurrt, allerdings fiel mir plötzlich in der Aufregung nicht mehr ein, wie der verdammte Palstek ging. Die Marina-Mitarbeiter waren äußerst geduldig; es war ohnehin niemand da, der rausfahren könnte. Die Saison begann erst sehr viel später. Es war noch Februar und erst ab April würde auch der ein oder andere den Hafen für einen Ausflug verlassen. Alex war nach dem ersten Anlegemanöver in unserer engen „Parkbucht“ nass geschwitzt. Wir beglückwünschten uns und tranken einen Wein darauf. Die nächsten Manöver klappten immer besser und schließlich versuchten wir es bei etwas Wind, dann etwas mehr Wind. Als wir bei fast 20 Knoten Wind außerhalb der Marina das Anlegemanöver trotz seitlichem Wind hinbekamen, waren wir bereit zum ankern.

 

Theoretisch wussten wir, wie es geht, aber nicht immer funktionieren Ankermanöver gleich auf Anhieb. Sei es dadurch, dass man nicht im Wind steht, sei es durch Kommunikationsprobleme, denn ich hörte Alex da vorne nicht, wenn er was rief und ich am Steuerstand stand. Seine Handzeichen waren für mich zum Teil unverständlich. Wir vereinbarten klare Handzeichen und wurden immer präziser beim Ankerwerfen. Hatte mir beim ersten Mal noch das Gefühl für die Bootsgeschwindigkeit gefehlt, klappte das nach einigen Ankermanövern deutlich besser. 

Im An- und Ablegen waren wir Anfang April, nach insgesamt siebenmaligem An- und Ablegen, bereits selbstsicher und benötigten keinerlei Hilfe mehr. Allerdings war das Marinapersonal zur seelischen Unterstützung immer dabei. Mal halfen sie dabei, die Mooringleinen festzuzurren, mal nicht. Das kam immer darauf an, wer da gerade vor einem stand. Für uns war das praktisch, weil wir irgendwann ohnehin alles selber machen müssen und keinen „Welpenschutz“ mehr haben.

Jetzt fehlte nur noch das „Tuning“ an der Yacht. 

Neue LiFePo-Akkus – RELION

Uns ist Strom aus der Photovoltaikanlage sehr wichtig. Wir wollen den Warmwasserboiler und vor allem den Wassermacher mit Solarstrom betreiben. Ein Generator ist uns zu laut. Herkömmliche Gel- oder AGM-Batterien können die nötigen 1.300 Watt nicht über längere Zeit ohne großen Spannungsverlust abgeben. RELION AkkuUnsere Versuche mit den vorhandenen Gel-Batterien (4x120Ah) zeigten schnell, dass, obwohl die Solarzellen um die 800Watt produzierten, die Spannung auf <= 12Volt fiel. Deshalb führte wieder kein Weg an LiFePo vorbei. Das hat im Benz bereits mit Winston-Zellen super funktioniert, aber für MOCEAN gab es engere Vorgaben was den Einbauplatz angeht. Nach einigem Suchen fand Alex fertige LiFePo-Akkus, inkl. BMS und Schutzrelais, die von den Abmessungen etwas kleiner sind als 2x120AH Gel-Batterien und so an den originalen Einbauort im Steuerbord-Maschinenraum passen. So bestellte Alex 2 x RB-300HP in den USA bei RELION. Da die LiFePo nicht ins Flugzeug dürfen, wurden sie auf eine etwas mehr als 4-wöchige Reise von South Carolina nach Istanbul geschickt. Die Zollabfertigung sorgte kurz etwas für Kopfzerbrechen, weil Alex ein Dokument unterschreiben sollte, wonach er für die Lieferung komplett verantwortlich gewesen wäre. Nach zwei Wochen Diskussion war das Thema vom Tisch, er brauchte nichts unterschreiben und die LiFePo wurden bis zum Boot geliefert. Vor uns standen plötzlich der Transporteur sowie drei Angestellte vom Zoll. Das war für uns überraschend, weil Alex an den US-Verkäufer auch die Einfuhrumsatzsteuer bezahlt hatte. Warum also jetzt das Theater? Die Zollmitarbeiter sprachen kein Englisch, wir kein Türkisch. Schließlich half Cihan von der Marina und übersetzte. Man wollte die Akkus in unser Transit-Log eintragen, was aber bedeutet, dass die Akkus nie eingeführt, sondern an eine Yacht im Transit geliefert wurden. Das wiederum bedeutete, dass die Einfuhrumsatzsteuer überhaupt nicht fällig geworden war. Nach Rücksprache mit RELION war nur wenige Tage später das Geld wieder auf unserem Konto. Über die Erreichbarkeit und den Service von RELION können wir nur Gutes berichten. Sowohl per Email als auch telefonisch sehr gut erreichbar und bemüht, Lösungen zu finden. Die Türkei gilt ja nicht gerade als Land, das dafür bekannt ist, Lieferungen leicht durch den Zoll zu bekommen, obwohl wir bisher nur das Gegenteil erlebt haben (sowohl hinsichtlich der Akkus als auch bezüglich der Bremsbeläge für den Benz). Also, an dieser Stelle Tausend Dank an RELION (insbesondere an Mark)! Eine echte Empfehlung.

Neuer Wassermacher – AQUA-PRIME

Es hat sich herausgestellt, dass der eingebaute Wassermacher tatsächlich nix war und wir ihn tauschen mussten.

Water Maker von AquaPrime
Wassermacher von AquaPrime

Der Vorbesitzer hatte einen 12-kW-Generator an Bord, den wir noch vor Bezug des Bootes von ihm haben entfernen lassen. 12 kW sind Wahnsinn: das ganze Boot hat vibriert und es entsprach so gar nicht dem, was wir uns unser „leiser, ökologischer Stromversorgung“ vorstellten. Außerdem wäre noch ein Gerät zu warten und der viele Platz, den der Generator eingenommen hat, wollten wir für andere Sachen nutzen. Lange suchen mussten wir nicht: Mit AquaPrime aus Bodrum fanden wir einen guten Partner, der eine saubere, kompetente Lösung anbietet und dabei ein Auge auf den Stromverbrauch hat. Inzwischen lief der Wassermacher bereits etliche Tage immer mal wieder für 2-3 Stunden und wir sind sehr zufrieden mit der Qualität (sowohl was den Einbau betrifft, als auch der Wassermacher an sich). Er ist sehr leise, verbraucht nur 1.400 Watt (230V) und erzeugt immerhin 60-70 Liter pro Stunde frisches Wasser mit 140 ppm! Das selbstproduzierte Wasser schmeckt köstlich!

Neue Photovoltaikanlage

Da die Yacht über keinerlei Solarzellen verfügte, musste eine Anlage her, die möglichst effizient arbeitet. Mit Levent Ustaoglu  (ustaogluyacht@hotmail.com) vom Yacht-Service in der Setur Marina Kusadasi fanden wir einen höchst zuverlässigen Partner, der qualitativ hochwertige, durchdachte Lösungen anbietet. Über ihn bestellte Alex die zu verbauenden Module für die Anlage, Levent sollte das Gestell dazu erarbeiten und die gesamte Anlage auf dem Boot verbauen. Da Alex sechs große Module über die gesamte Breite der Yacht haben wollte, was sehr selten zu sehen ist (die meisten Yacht sind auf der Breite lediglich mit 4-5 Modulen ausgestattet, 6 Module nebeneinander haben wir noch nie gesehen) und was Levent noch nie in der Größenordnung gebaut hat, stand Levent also vor der Herausforderung, ein stabiles Gestell zu erschaffen. Er hat es sogar geschafft, das Gestell (nach unseren Wünschen) in keiner Weise wuchtig aussehen zu lassen. Am Ende wurde die Anlage mit insgesamt 6 Männern auf das Boot gehievt.

 

Wir sind mega zufrieden, haben 1.890 Wp auf dem Boot und produzieren so viel Strom, den wir gar nicht verbrauchen können. Levent ist u.a. Yanmar und Honda zertifiziert und so ließen wir außerdem die Yanmar-Motoren von Mocean servisieren und bestellten Ersatzteile. Wir hatten großes Glück Levent getroffen zu haben, der uns wie ein guter Freund bei vielem weiterem geholfen hat.

Wartungsarbeiten

Zwar hatte der Vorbesitzer die Yacht angeblich nur in den Sommermonaten genutzt, leider hat er sie nicht besonders gut gepflegt. Die Toiletten waren allesamt mit irgendwelchem Zeug „vermüllt“, was dem Zerhacker nicht gut tat. In der einen war die Plastikkappe einer WC-Ente drin, in den anderen beiden Feuchttücher (!) und dicke Haarbüschel von lange Haaren. Und das, obwohl auf der Toilette selber ein Aufkleber angebracht ist, dass diese Sachen nichts in der Toilette zu suchen haben. Sehr ärgerlich und wir haben das nur gemerkt, weil sich die Toiletten komisch angehört haben. Eine funktionierte auch plötzlich nicht mehr… Alex hat alle Toiletten repariert und wir haben sogleich Ersatzteile besorgt. 

Ein großes Sorgenkind war da noch: der Vorbesitzer hatte die Endkappe der Führungsschiene der Selbstwendefock irgendwie verloren. Jetzt lag zwar Ersatz da, jedoch wurde diese Kappe nicht ersetzt. Erst später, nämlich als wir das Boot bezogen hatten, fiel uns auf, warum: um die Kappe zu ersetzen, muss eine Mutter gelöst werden. Das geht aber nur, wenn man die straff gespannte Decke im Salon entfernt. Ach Du meine Güte! Jetzt standen wir davor und trauten uns nicht an die Decke. Was, wenn die kaputt geht? Gemacht werden musste es aber, weil die Schraube lose war und die Gefahr darin bestand, dass die Schiene abreißt, wenn Druck auf der Selbstwendefock ist, wenn sie gerade an genau dieser Stelle steht, wo die Schraube lose war. Hilfe gab es vom türkischen Ansprechpartner für Lagoon. Er sandte uns eine französische Anleitung zum Entfernen und wieder Anbringen der Decke zu. Es kostete uns Überwindung und etliche Tage bis wir schließlich sagten: „Ach komm, wir machen’s einfach!“ Nach dem Entfernen des ersten Stückchens fiel uns auf, dass die Decke zwar nicht gerade reißfest, aber dennoch stabil genug ist, um sie zu entfernen. Man muss es eben nur sehr, sehr vorsichtig tun. Schließlich hatten wir die Decke soweit entfernt, dass wir an die Mutter kommen konnten.

 

Alles weitere war dann ein Kinderspiel zu zweit. Hinterher haben wir dermaßen gefreut, dass wir uns sagten: „Jetzt ist alles gut; den Rest schaffen wir spielend!“

Alex am Mast
Captain Alex am Mast

Dann stellten wir fest, dass dem Vorbesitzer das Großsegel mal runtergeknallt sein muss, weil das Segel überhaupt nicht richtig ins Lazy Bag (die Segeltasche) fiel. Tatsächlich gab es da einen abgerissenen Tampen, der darauf schließen ließ und den wir nur fanden, weil Alex den Mast „hochging“ (für Nicht-Segler: hochgehen kann er natürlich nicht, weil wir keine Maststufen haben; er wird mit der Winsch hochgezogen). Alex änderte also die Befestigung des Segelkopfes und des Großfalles, außerdem die Reffleinen, die falsch durch den Großbaum liefen, weil das wohl mal repariert, aber eben falsch repariert wurde.

Wir erneuerten noch für wenig Geld beim Segelmacher und Schneider die Druckknöpfe der Außenpolster, denn die waren zur Hälfte herausgerissen. Der Fernseher, der zuvor in der Ecke stand und wertvollen Platz verschwendete, wurde kurzerhand an der Wand befestigt. 

 

Das sollte erst mal genügen. Neues Antifouling ist für später geplant, da wir die Yacht in Kusadasi aufgrund unserer Breite von 7,70m nicht rausholen konnten. Es soll auch ein Forward-Scan eingebaut werden. Außerdem schauen wir uns bereits nach einem Leichtwindsegel um und überlegen, einen Faltpropeller einzubauen. Erst mal wollen wir aber endlich ein paar Seemeilen Erfahrung sammeln. Dazu nötig ist unter anderem die

Tourvorbereitung

Der Plan ist, die Türkische Küste bis Kaş entlangzusegeln. Kaş hatte uns bereits gefallen, als wir mit dem Benz dort waren: ein beschauliches, erstaunlich hübsches Örtchen am Berg. Dort gibt es eine hübsche Marina, die glücklicherweise zur Setur-Gruppe gehört, wo wir uns von der ersten Tour etwas erholen können. Für die Segel-Tour haben wir uns mit dem Buch „Turkish Waters & Cyprus Pilot“ vorbereitet und nutzen das Buch für jeden Ankerplatz.

Kurz vor der Abreise haben wir uns mit Lebensmitteln und persönlichen Sachen eingedeckt, um 3-4 Wochen autark sein zu können (für ca. 650 Euro). Auch aus der Apotheke kamen wir mit 4 Plastiktüten wieder heraus, denn Arzneimittel sind in der Türkei sehr günstig. Der Apotheker hat uns sogar die Antibiotika verkauft, die man normalerweise (auch in der Türkei) nur auf Rezept bekommt. Sämtliche Lebensmittel, persönliche Dinge und Medizin haben wir schließlich in einer Excel-Datei aufgelistet, um einen Überblick zu bekommen, was wir verbrauchen und ob unser „Provisioning“ für eine längere Überfahrt taugt.

Setur Marina Kuşadasi zu verlassen fiel uns sehr schwer. Inzwischen beinahe zu so etwas wie einer Heimat geworden nach 4 Monaten Aufenthalt und die außerordentliche Hilfe der Marinamitarbeiter, allen voran Cihan und Zeynep wissen wir sehr zu schätzen. Auch auf Seiten der Marinamitarbeiter fiel der Abschied schwer und Levent sagte ein paar Abschiedsworte, bei denen ich Gänsehaut bekam. Er ist neben Cihan und Zeynep einer der nettesten Menschen, die wir kennenlernen durften. Nach 4 Monaten hatten wir bereits unseren Standard-Eisverkäufer, der uns mit Handschlag begrüßte, wurden am Fischmarkt mit Namen herzlich begrüßt und überhaupt kannten wir uns inzwischen spitzenmäßig aus. Aber genau an dem Punkt wird es dann Zeit, den Ort zu wechseln, bevor man träge wird und beinahe gefesselt ist. Schon Hermann Hesse sagte:

„Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung nicht entraffen.“

(aus meinem Lieblingsgedicht „Stufen“) Am 27. April 2019 hieß es dann Leinen los und unter Abschiedgewinke von unseren „Nachbarn“ und einem hupenden Levent ging es ins nächste Abenteuer:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

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3 Gedanken zu “Wohnungswechsel: Alles neu macht die Yacht.

  1. Hallo ihr Lieben,
    gestern haben wir uns kennen gelernt am G-Steg in Didim Marina während ich mit meinem Arbeiter Levent an der „Scandal“ feinarbeiten erledigten. Nun sitze ich mit ihm in einem Restaurant in Didim (Regen) und stöbern seit ca. 2 Stunden eure außergewöhnlichen Abenteuer….und ich bzw. wir sind tief beeindruckt von euren Reiseberichten…
    Wir werden euch auf Instagram und Facebook weiterhin folgen…
    Wir wünschen euch alles Gute
    fair winds
    Tuncay

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