Aserbaidschan – Im Land des Feuers

Diesen Titel habe ich mir nicht selber ausgedacht, sondern wird in den Medien so verwendet. Umso gespannter sind wir auf dieses Land. Bevor wir aber direkt über Baku herfallen, übernachten wir nahe der Hauptstraße an einer verlassenen, alten Tankstation. Sie ist zwar nicht mehr in Betrieb, das heißt aber nicht, dass Grund und Boden, auf dem sie steht, niemandem gehört. Und so klopft am Abend, kaum dass wir stehen, ein älterer Herr und fragt auf Aserbaidschanisch (ja, richtig, Aserbaidschanisch. Klingt kompliziert, aber ist der türkischen Sprache sehr, sehr ähnlich), wer wir seien. Wir verstehen zwar kein Wort, aber wir kennen ja die Standardfragen schon. Wir verstehen, dass wir auf seinem Grund und Boden stünden, er jedoch kein Problem damit habe, wenn wir hier übernachten. Und dann ist er auch schon weg. Das komische Gefühl bleibt trotzdem: geht das jetzt hier so weiter? Kurze Zeit später kommt ein Polizist vorbei, der gerade auf dem Weg nach Hause ist. Ob alles ok sei? Ja, alles ok. Dann fährt er wieder. Bis auf die LKW, die die ganze Nacht fahren, ist es ruhig.

Nachdem die Grenzbeamtin so von Baku geschwärmt und es mit Dubai verglichen hat, sind wir umso gespannter auf die Hauptstadt Aserbeidschans. Wir haben so gar keine Vorstellung von der Stadt, ist uns der Namen der Hauptstadt gerade mal durch den Eurovision Songcontest geläufig. Zunächst sieht die Umgebung nicht nach moderner Großstadt aus: es riecht nach Schweröl und vor Baku nicken unzählige Pumpen. Sie stehen dicht an dicht und verrichten langsam ihren Dienst. Baku liegt mitten in einem Ölfördergebiet. Hatte die Dame übertrieben? Als wir jedoch den Berg umfahren und auf der E60 von oben auf Baku schauen, nicken wir anerkennend: die Flame Towers fallen sofort ins Auge, auch noch zwei, drei andere verstreute gläserne Wolkenkratzer, aber das war es dann auch schon mit der Ähnlichkeit zu Dubai – Gott sei Dank!

Wir stellen den Benz auf dem großen öffentlichen Parkplatz an der Waterfront beim Hotel Dalga Plaza an der E60 (Koordinaten: 40.357495, 49.835201) ab und zahlen gleich für drei Tage/Nächte insgesamt 6 Manat (ca. 3 €). Der Benz wird bewacht und wir können beruhigt in die Stadt gehen. Sofort sind wir begeistert von der schönen Stadt mit historischem Kern, der noch aus persischer Zeit stammt und aus einem Labyrinth enger Straßen und hübschen Stadthäusern besteht. Paläste, Jungfrauentum und Bäder stammen aus dem 11. Jahrhundert. Um diese Altstadt herum befinden sich Gebäude aus der Gründerzeit, die ein bisschen an Paris erinnern. Um diesen Teil herum befinden sich Gebäude aus der Sowjetischen Zeit. Wir laufen quasi durch die Geschichte Bakus. Die Stadt, die fast 30 m unter dem Meeresspiegel liegt, begeistert, das Wetter nicht. Es regnet und ist extrem windig mit starken Böen bei 9 Grad und weniger. Wir frieren, etwas, das wir seit der Türkei nicht mehr erlebt haben.

Hält man sich länger als 10 Tage in Aserbaidschan auf, muss man mindestens eine Registrierung vorweisen können. Normalerweise erledigen das Hotels. Wir sind ein Sonderfall. Das Leben im Wohnmobil kennt man in Aserbaidschan nicht und somit kann man das auch nicht im Registrierungszettel angeben. So suchen wir uns ein billiges Hostel und fragen, ob man dort gewillt wäre, unsere Registrierung gegen ein kleines Entgelt vorzunehmen. Schließlich finden wir das Main Street Hostel, das auch so einen angenehmen Eindruck macht, das für uns für insgesamt 10€ die Registrierung übernimmt und sie uns später einfach per Mail zusendet.

Bei der Suche nach einer geeigneten Wäscherei, lernen wir Tural kennen, der uns nicht nur beim Übersetzen hilft, weil wir die Wäsche nicht gebügelt haben wollen, sondern uns auch bei einem traditionellen Çay über Aserbaidschan erzählt.

Wir machen einen Abstecher auf die Absheron-Halbinsel in den Nationalpark nahe Baku. Hier ist es wunderbar ruhig und es könnte so schön sein, wenn Wind und Regen nicht wären. Wir versuchen es trotzdem, ziehen unsere Regenklamotten an und trauen uns raus. Es dauert gar nicht lange, da treten wir komplett durchgeweicht den Rückzug an. Wir machen den Spaziergang später bei schönem Wetter noch einmal.

Dann kommen Can und Esila zu Besuch und wir fahren nach Shaki (Şəki), 325 km von Baku entfernt nahe der Georgischen und Russischen Grenze. Shaki ist bekannt für den Khanspalast, die ehemalige Sommerresidenz des Khane von Shaki aus dem 18. Jahrhundert, und die Karawanserei, weshalb es uns überhaupt erst dort hinführt. Die Besichtigung ist ernüchternd: wir werden schnellstens durchgeführt; viel zu sehen gibt es ohnehin nicht. Fotos machen ist verboten. Die Fenster sind schön bunt und die Räume nett verziert mit Malereien und Intarsien, aber ohne Möbel will eine Begeisterung für den zweistöckigen Bau mit je drei Sälen und zwei Vorzimmern pro Geschoss nicht aufkommen. Wir wollen in dem Restaurant der Karawanserei, in der ein Übernachtung möglich ist, essen gehen, aber der kleine, düstere und muffige Raum wirkt nicht einladend. Die Karawanserei an sich ist jedoch sehr schön mit ihrem grünen Innenhof und den Rundbögen.

Unser Gastank ist plötzlich leer. Wir sind davon ausgegangen, dass es kein Problem sein kann, den aufzufüllen, aber keine Tankstelle weit und breit hat den passenden Adapter. Wir hatten von Wynen-Gas extra alle vorhandenen Adapter gekauft, nur der Adapter für Russland fehlt. Die Tankstellen in Aserbaidschan haben nur einen Adapter mit einem ganz eigenen Innengewinde. Wir haben nur einen Bajonett-Adapter mit einem Außengewinde G 21.8 R. Zunächst suchen wir nach einem Gewinde/Gewinde-Adapter 3/4 (19mm) Zoll und finden sogar eins in einem kleinen „Baumarkt“ Und es dauert, bis wir eine „Tankstelle“ finden, die mit uns ein bisschen herumprobiert. Der Mann hat nun aber ein Adapter mit einem Außengewinde so um die 20mm, schlussendlich hat die ganze „Verbinderei“ 1mm Spiel, das Alex einfach mit Teflonband abdichtet. Das Gastanken ist abenteuerlich, aber funktioniert einwandfrei.

Es geht weiter nach Gobustan, zur Kulturlandschaft mit Museum, das schnell durchlaufen ist, sowie zu einem der vielen Matschvulkane in der Region. Leider spielt das Wetter nicht mit und wir können die richtigen Matschvulkane gar nicht anschauen.

Schließlich begeistern uns die Candy Mountains nahe Baku in der Absheron Region an der R2 Richtung Khizi. Es handelt sich dabei um Schieferberge und sind Teil des Kaukasus-Gebirges. Die Farben der Berge werden durch das Grundwasser erzeugt, dass den Oxidationszustand der Eisenverbindungen in der Erde verändert hat. Die bunten Farben steht man schon von weitem und wir fahren nur staunend die R2 entlang. Schließlich finden wir einen geeigneten Stellplatz mitten in diesen Bergen und genießen die Aussicht.

Auch Yanar Dağ, der brennende Berg durfte nicht fehlen. Wir hatten uns unheimlich viel versprochen und waren umso enttäuschter, als wir vor den paar Flammen aus dem Berg standen. Es handelt sich um ein brennendes natürliches Erdgasfeuer aufgrund des großen Erdgasvorkommens unter der Halbinsel Absheron. Da es weltweit nur noch eine Handvoll natürlich brennender Erdgasquellen gibt, muss man’s halt trotzdem gesehen haben…

Als wir zum dritten Mal bei der Polizeistation zwischen Baku und Alat unseren Wassertank auffüllen, kommt wieder „unser Freund“, der Polizist, ein älterer Herr, freudestrahlend an. Wie beim zweiten Mal schon lässt er nicht locker und wir müssen mit ihm in der Polizeistation Cay trinken. Wir verstehen untereinander kein Wort. Aber Marsha, die mit ihrer Kollegin im Keller sitzt und die Männer der Station vorsorgt, freut sich über Besuch.

In der Zwischenzeit haben wir in der Usbekischen Botschaft in Baku unsere Visa beantragt und abgeholt. Jetzt geht es nach Alat zur Fähre über das Kaspische Meer. Wir haben schon abenteuerliche Sachen gelesen, lassen wir uns überraschen…


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