ÜberRUSSIANde Grenzerfahrung

Am Samstag, den 23. April 2016 stehen wir wegen der Einfuhrbestimmungen vorsichtshalber mit fast leerem Kühlschrank um 12:30 Uhr an der finnisch-russischen Grenze bei Vaalimsa/Seleznevskoye. Den finnischen Grenzbereich haben wir schnell passiert: Alex und ich müssen aus dem Auto aussteigen, der Grenzbeamte will uns kurz sehen und dann dürfen wir auch schon weiterfahren. 4 km weiter stehen wir vor einer Schranke in der Schlange für die russische Grenzkontrolle und warten. Es werden immer nur ein paar Auto durchgelassen. Es hat ein bisschen „überfülltes-Parkhaus-Charakter“: 4-5 Fahrzeuge kommen aus Russland auf der Gegenspur vorbei, dann dürfen auch 4-5 Fahrzeuge die Schranke Richtung Russland passieren. Die russischen Bürger brausen an der Schlange einfach vorbei; offenbar werden sie schneller „abgefertigt“. Es fängt an zu schneien; so heftig, dass der Schnee liegenbleibt. Ich mache uns etwas zu essen. Nach 2 1/2 bis 3 Stunden dürfen wir die erste Schranke passieren, müssen noch ein Stück fahren und werden bei den Grenzkontrollen eingereiht. Schnell fällt uns auf, dass wir für 3,10 m ’n bisschen zu hoch sind. Wir setzen langsam zurück, da kommt schon die junge Dame, die uns eingereiht hat. Da sie kein Englisch spricht versuche ich ihr per Handzeichen zu erklären, dass wir mit unseren 3,60 m einfach nicht durch 3,10 m passen, auch wenn wir uns Mühe geben. Sie guckt erst ein bisschen böse, nickt dann und lässt uns zurücksetzen.

Wir wechseln in die Busspur nach ganz links. Dort dürfen wir aber nicht etwa einfach vorfahren, sondern müssen erst mal den Fusel links am Bordstein parken. Ein junger Grenzbeamter kommt vorbei und erklärt mit ein paar Brocken Englisch, dass wir erstmal zur Passkontrolle müssten; dann sollen wir zu ihm kommen. Wir also in das Gebäude. Dort will man uns gleich wieder wegschicken, aber wir versuchen aufzuklären und zeigen auf unseren Fusel. Die Damen verstehen kein Englisch. Sie gucken kurz auf unser Auto, sagen irgendetwas und verstehen. Es dauert, bis alle Papiere durchgeschaut sind: das Gesicht wird mehrmals mit dm Passfoto verglichen, es raschelt geschäftig hinter dem Schalter und dann bekommen wir unsere Stempel in die Pässe. Wir sitzen schon wieder im Auto, da holt uns der junge Mann von eben wieder raus und geht mit uns zum Grenzposten. Er fordert von dem dort sitzenden Mann Dokumente, die er uns gibt und zeigt auf ein als Beispiel ausgefülltes Exemplar, das an der Wand hängt. Alles klar. Als wir im Auto sind, weil wir natürlich keinen Kugelschreiber zur Hand haben und es obendrein nur 5 Grad draußen sind, sehe ich: alles auf Russisch. Keine Ahnung, was da steht. Ich flitze zurück und komme mit einem Foto von dem Beispielformular zurück. Ich fülle ein Dokument für Alex und eines für mich aus. Damit gehen wir wieder zum Grenzposten, der junge Mann steht schon da und guckt sich unsere Dokumente an. Er sagt irgendwas, was ich nicht verstehe. Ein anderer kommt hinzu. Wir haben irgendwas falsch gemacht. Der andere Grenzbeamte ruft dem Grenzbeamten im Kabuff etwas zu und drückt uns schließlich zwei Dokumente in die Hand; das, was ich eigentlich schon ausgefüllt habe, aber dieses Mal auf Englisch. Er sagt nur „Copy“ und zeigt auf die Dokumente, während er mein Explemplar zerknüllt. Lediglich den Halter und die Daten zum Fahrzeug wollen sie wissen und das in zweifacher Ausfertigung… Warum sagt man das nicht gleich… Ich „kopiere“ also und wir haben einen ruhigen Moment am Posten erwischt, denn niemand steht gerade an. Der Grenzbeamte im Kabuff ist sehr nett. Er guckt sich die Dokumente an, streicht eines meiner Kreuzchen einfach durch und ersetzt es durch ein anderes Kreuzchen. Über dieses Kreuzchen haben Alex und ich im WoMo während des Ausfüllens schon beraten: das ist eine Fangfrage :). Eine Frage in Form einer Verneinung; ganz tückisch. Wir sind uns sicher, dass unsere Antwort darauf „ja“ lautet, aber der Grenzbeamte ist anderer Meinung; er streicht einfach „ja“ durch und kreuzt „nein“ an. Dann streicht er noch ein bisschen herum, knallt insgesamt 5 Stempel (!) auf ein Dokument, 3 Stempel auf das andere und wir haben’s fast geschafft; Dokumente akzeptiert.

Einfuhrdokument

Jetzt holt Alex schnell das WoMo nach vorn zur Schranke; ich warte zusammen mit den Grenzbeamten. Sie wollen das Auto von innen sehen. Dafür muss der Beamte ins Fahrzeug, aber so richtig rein will er auch nicht. Es ist ihm unangenehm, ins saubere Fahrzeug zu gehen. Wow! Es gibt Leute, die haben da überhaupt keinen Vertrag mit und gehen einfach mit dreckigen Schuhen ins WoMo, was ja quasi unser Wohnzimmer ist. Hier hätten wir das sogar erwartet, aber die Männer sind mehr als rücksichtsvoll. Wir haben noch eine Fußmatte, die Alex hinlegt, damit er seinen Fuß draufstellen kann. Weiter ins WoMo geht er nicht, sondern gibt Anweisungen, was zu öffnen ist. Schnell hat der Grenzbeamte mit seinem messerscharfen Blick erfasst, dass wir einen doppelten Boden haben – er will sehen. „Open! Open!“ Alles ist gut; wir haben keine versteckten Menschen an Bord :). Genauso schnell hat er erkannt, dass sich irgendetwas unter der Sitzgruppe befinden muss, weil da noch Platz ist. Richtig: unser Wassertank. Kurz gezeigt, fertig. Dann noch ein paar Schränke auf, eine Klappe der Sitzgruppe, das Bad und dann sind sämtlichen Außenklappen rund um das Fahrzeug dran. Das ist nicht wenig. In jede wollen sie kurz schauen, gucken sich interessiert unsere vielen Kletterseile an und dann sind wir auch schon durch. Wir bekommen freundlich das Dokument mit den meisten Stempeln in die Hand gedrückt und die Schranke geht hoch, aber wir kommen nur einen Kilometer: noch eine Kontrolle! Wir zeigen Papiere und der junge Mann will uns schon durchwinken, aber eine junge Dame stellt auf Russisch fest, dass das ein WoMo ist. Wir sollen aufmachen. Da von russischer Seite ein Auto kommt, ist sie wieder verschwunden. Der junge guckt nur ganz flüchtig in den Aufbau, wirft nur einen kurzen Blick in unsere Toilette und das war’s. Zwei Kilometer weiter erreichen wir gegen 16 Uhr wieder einen Grenzposten; der letzte: das Ende des Grenzbereichs. Wir werden schnell durchgewunken, bleiben aber trotzdem stehen: WIR haben eine Frage: wo wir denn eine Kfz-Haftpflicht abschließen könnten? Wir haben nämlich das Problem, dass unsere grüne Versicherungskarte nicht in Russland gilt. Alex hat gelesen, dass es knapp hinter der Grenze ein Büdchen geben soll, wo man eine Kfz-Haftpflich abschließen kann. Das ist aber eine andere, laaaaange Geschichte und die folgt im nächsten Beitrag.

Von der russischen Grenzkontrolle jedenfalls sind wir angenehm überrascht, haben wir uns das doch richtig unangenehm vorgestellt. Ich habe auch gelesen, dass es schon mal 15 Stunden dauern kann…, da sind wir mit unseren 3 1/2 Stunden ziemlich gut durchgekommen. Die Grenzbeamten waren allesamt nett; auch wenn sie im ersten Moment unfreundlich wirkten, waren sie sehr bemüht, uns zu helfen. Ein erster toller Eindruck von Russland, wo man doch so viele negative Sachen hört.


3 Gedanken zu “ÜberRUSSIANde Grenzerfahrung

  1. Ja, den guten Eindruck von ‚den Russen‘ kann ich nur bestätigen – nach meiner ersten Reise nach Moskau, und aufgrund der Zusammenarbeit mit russischen Kolleginnen und Kollegen sowieso.

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  2. Hallo, wir stehen hier in Moskau direkt neben euch.
    Zur Grünen Karte: Versicherung anrufen, RUS von denen verlangen, das machen die ohne Probleme. Grüne Karte nach Hause oder per E-Mail schicken lassen, audrucken,fertig.

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    1. Hey, danke für den Kommentar! Ja dann kommt doch mal rüber :). Wir dachten ja, das wäre total einfach, eine Versicherung abzuschließen, deswegen haben wir im Vorhinein nichts unternommen. Als es dann soweit war, war Wochenende und wir konnten unsere Versicherung nicht erreichen. Wir dachten ja auch immer: Gleich haben wir sie… Na ja, und einfach ausdrucken? Wir gehen davon aus, dass die Polizei das Originaldokument sehen will. Bekannte von uns hatten genau dieses Problem in Marokko: da wurde eine Kopie bzw. ein Ausdruck eben nicht anerkannt! Dh., da muss man dann Strafe zahlen.
      Man sollte einfach im Vorhinein schon RUS auf der grünen Versicherungskarte haben. 🙂 Hinterher ist man immer schlauer…

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