Es hat uns auch überrascht, dass wir immer noch nicht in den Bahamas sind, aber der Captain meinte, die Chance, den Kuba-Haiti-Kanal zu treffen, wäre von Curaçao aus realistischer, weil wir schon aufgrund der Strömung (bis zu 4 Knoten) stark nach West abdriften.
Also landen wir nach 4 Tagen reinen Motorens schon wieder auf Curaçao in der Spanish-Water-Lagune – es ist jetzt unser drittes Mal auf der Insel. Mit der Ankunft sind beide Motorlüfter hinüber, die wir dank Budget Marine mit entsprechender Wartezeit auf die Ankunft des zweiten Lüfters austauschen können. Wir klarieren ein

und müssen hier einige Zeit verbringen, weil sich vorher wieder kein Wetterfenster finden lässt. Der Wind über den Bahamas ist ungewöhnlich stark, so dass wir entscheiden, abzuwarten. Stattdessen schauen wir also jeden Tag auf den Tagebau Mijnmaatschappij am Tafelberg, wo Kalkstein abgebaut wird.
Unser Aufenthalt auf Curaçao ist schnell erzählt: Die Zeit nutzen wir zum Windsurfen (ich hänge inzwischen im Trapez, obwohl ich ja mehr als 1 1/2 Jahre so gar nichts gemacht habe) und… beim Warten auf den Bus. Denn dieses Mal entscheiden wir uns, komplett auf einen Mietwagen zu verzichten und spaßeshalber den Bus zu nehmen. Ist auch billiger. Und wir haben ja Zeit. Umgerechnet 1,25$ (2 ANG) kostet eine Fahrt (ohne Umsteigen) pro Person. Wir kommen dadurch in den Genuss, viele Busshaltestellen näher kennenzulernen (mit und ohne Dach, wobei wir die überdachten Bushaltestellen aufgrund der starken Insolation/solaren Exposition sehr schnell zu schätzen wissen), denn wir müssen sehr, seeehr lange auf den Bus warten. Die Busse fahren nämlich nur im 1 1/4 bis 1 3/4 Stunden-Takt (wenn man Glück hat; bei Stau dauert es selbstverständlich länger; und das kommt oft vor. Oder wenn man den Bus gerade so verpasst hat, weil es nämlich keinen Fahrplan gibt und man „Pi mal Daumen“ die Ankunftszeit an der Haltestelle vom Startpunkt des Busses ausrechnen muss… Und laufen kann man auch nicht, da es (leider) kaum Fußgängerwege gibt. Zum Ein- und Ausklarieren geht das noch; die Wartezeit in Willemstad kann man sich bei einem kleinen Snack oder in einem Café verkürzen. Wir wollen aber noch weiter, denn wir haben GOISCO noch in sehr guter Erinnerung, wo wir wunderbares, günstiges Rinderfilet sowie große Boxen Kräuter und Gewürze kaufen können. Außerdem gibt es da günstige Kopfkissen, da unsere nach dem sehr schweißtreibenden Panama dringend ausgetauscht werden müssen. Um zum GOISCO zu kommen, müssen wir jedoch in Willemstad umsteigen. Und daher fahren wir zum GOISCO auch nur ganze zweimal, weil uns die Warterei dann doch ziemlich schnell auf den Keks geht und wir einen ganzen Tag einplanen müssen, was Alex dazu bringt, unsere Expedition zum großen Supermarkt immer wieder nach hinten zu schieben. Ich locke ihn mit dem Rinderfilet. Aber das Rinderfilet bleibt eben nur dann günstig, wenn man den Bus nimmt und der kommt ja bekanntlich…. – ein Teufelskreis. Auch mal eben bei der ersten Apotheke auszusteigen, kostet uns ordentlich Warte- bzw. Lebenszeit. Und das nur, weil ich unbedingt neue Scopolamin-Pflaster wegen meiner Seekrankheit kaufen möchte, die sie dann doch nicht da haben. Nur ein einziges Mal müssen wir nicht warten, weil es da gerade anfängt, in Strömen zu regnen und wir bereits nach den ersten paar Tropfen von einem supernetten Local, der in der Nähe der Lagune ein Hotel betreibt, aufgegabelt und „nach Hause“ zur Caracasbaai gefahren werden – mit unseren typischen Decathlon-Rucksäcken wurden wir sofort als Segler enttarnt.

Die Lebensmittelpreise erscheinen uns sehr hoch. Das ist natürlich nach Ländern wie Panama und Kolumbien sehr bitter. Immerhin hatten wir uns nach den 1 1/2 Jahren in Bocas del Toro an die Preise gewöhnt und sind nun schockiert über eine Papaya, die 10$ kosten soll (in Panama 2-3$). Zur Sicherheit fragen wir einen jungen Niederländer, ob uns das nur so vorkommt, aber er bestätigt uns, dass alles viel teurer im Vergleich zu 2021 geworden ist; und da war es ja auch schon nicht gerade günstig. Was uns auch die Sprache verschlägt, ist, dass der Supermarkt Jan van den Tweel (Jan Thielbaai) einen Kühlschrank-Zuschlag („Cold Beverage Charge“) für kalte alkoholfreie Getränke iHv 0,17$, sowie 0,56$ für jedes kalte Bier fordert. Gab es das schon immer und wir haben das nur übersehen? Es ist mir beim Studium des Kassenzettels jedenfalls nie aufgefallen. Jedenfalls weiß bei der Hitze Jan van den Tweel ganz genau, wonach es den armen, verschwitzten, halb verdursteten Seglern gelüstet, wenn sie in der sengenden Hitze der sonnengeplagten Insel mit schwerem Gepäck insgesamt 6km zum Supermarkt und zurück laufen müssen. Es ist leider der einzige Laden, der in relativer Geh-Nähe vom Dingi-Dock liegt, wir also nicht ständig auf einen Bus warten müssen und der eine ziemlich gute Auswahl für so einen kleinen Laden hat – aber eben teuer. Macht nichts, denken wir, sind ja eh bald weg. Immerhin soll das dann doch einen Monat dauern.
Ansonsten verbringen wir ziemlich ruhige Weihnachtsfeier- und Silvestertage – bis auf die Silvesterböller, die leider schon Tage vor Silvester verkauft werden, sich teilweise wie Kanonenschüsse anhören und uns jedes Mal zusammenzucken lassen. So auch, als wir einmal in einem Straßenimbiss essen und urplötzlich hinter uns mit ohrenbetäubendem Getöse eine 150m (!) lange Kette von supergroßen Knallfröschen abgefackelt wird. Viel los ist auf Curaçao nicht. Nur, wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen, wimmelt es in den Gassen vor kalkweißen Touristen.
Der Wind, erst gar nicht vorhanden, bläst schließlich mit 25-35 Knoten durch die Lagune – gut zum surfen. Nur für die Bahamas bzw. zum Segeln dahin ist es einfach zu unruhig.

Wir laufen unsere übliche Runde um die Caracasbaai und schauen uns die Offshore-Ölförderplattformen an, die hier auf Curaçao am „Tugboat Beach“ monatelang gewartet werden und die sogar aus Panama (!) hier herkommen.
Erst am 30. Januar 2024 gegen Mittag ist es endlich so weit: ein hübsches sonniges Wetterfenster mit angenehmer Brise und wenig Wellen. Wir zapfen noch goldenes Elixier in MOCEANs Tanks ab und los geht’s…

Ihr seid/bleibt aber ziemlich lange in der Karibik. Bin gespannt ob Ihr es no hmal zu den Bahamas schafft.
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Hallo Manfred, wir sind selber überrascht, denn so war das ja überhaupt nicht geplant. Aber wie heißt es so schön: es kommt immer anders – und meistens – als man denkt. 😄 Liebe Grüße von einer sonnigen Insel, Alex & Nicole
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