Mensch, wie doch die Zeit vergeht… Ist wirklich schon ein ganzes Jahr rum? Unglaublich.
Und fast hätten wir uns gar nicht mehr fortbewegt. Zunächst hatten wir ja die hübsche Idee, uns hier hübsch niederzulassen, uns auf einem hübschen Grundstück ein hübsches Haus zu bauen und einen hübschen großen Garten anzulegen. Aber dann kamen die ganzen nicht so hübschen Broker mit ihren vielen und vor allem falschen Versprechungen, so dass wir uns – Gott sei Dank – dagegen entschieden haben. Dann hielt uns beinahe das inzwischen sehr bequem gewordene Leben davon ab, weiterzuziehen. Mit unserem Postservice auf der Insel und unserer Postadresse in Miami stand uns quasi der komplette amerikanische Markt offen. Und da haben wir ordentlich zugeschlagen und – gefühlt – halb Amerika leer gekauft. Man glaubt ja gar nicht, was man alles so „braucht“. So hatten wir beinahe jeden Monat Weihnachten, denn bis die Pakete eintrafen hatten wir schon wieder vergessen, was wir eigentlich bestellt hatten – es war ja schon das nächste Paket unterwegs. Da wir in Bocas selbst so gut wie nichts von Interesse und Qualität bekamen, hatten wir gar keine andere Möglichkeit als alles aus den USA zu bestellen. So haben wir jetzt u.a. zwei zusätzliche Stühle im Cockpit am großen Esstisch, neue Schuhe, einen Hochleistungsmixer, ein Trafo zur Herstellung von kolloidalem Silber, Messer aus Damaststahl (quasi Samurai-Schwerter aus VG-10-Stahl für besonderen Nervenkitzel beim Kochen)…, was man eben so braucht. Und was das Boot nun noch schwerer macht. Der Bauch unserer Dicken ist nun prall gefüllt. Für Überfahrten brauchen wir jetzt bestimmt einen Tag länger.
Die letzten drei Jahre (also seit März 2020) haben wir unter anderem dazu genutzt, eine Art Crash-Kurs in alternativen Heilmitteln zu machen und siehe da: mit Erfolg. Alex, der rund 50 Jahre an Asthma litt, jeden Tag Viani und Salbutamol zu sich nehmen musste, weil die Ärzte der Schulmedizin keinerlei andere Mittel überhaupt nur in Erwägung ziehen (wollen?), hat kein Asthma mehr. Seit nunmehr fast drei Jahren ist er vom Asthma befreit, nimmt keinerlei Chemie mehr zu sich, stattdessen unter anderem zu Pulver verarbeitetes Astragalus und Ballonrebe – und das ohne Nebenwirkungen. Auch seine Neurodermitis hat sich dadurch erheblich verbessert und nur noch bei ganz akuten, starken Schüben, die selbst bei den sehr hohen Temperaturen hier in Panama immer weniger werden, ist er auf etwas chemisches Kortison angewiesen. In den USA können wir diese Pülverchen quasi säckeweise bestellen, das heißt, wir haben einen ordentlichen Vorrat an Bord.
Des Weiteren versuchen wir seit einiger Zeit, möglichst viel selbst herzustellen. Nein, nicht um „plastikfrei“ zu werden, denn alles Bestellte ist ja nunmal in irgendwelchen Verpackungen, sondern um genau zu wissen, was drin ist. So stelle ich mittlerweile Zahnpasta (die der gekauften in nichts nachsteht) und Deo gegen den Schweißgeruch sowie Insektenabwehr (gegen Moskitos und No-Seeums) selbst her (Rezepte folgen). Die gängigen Repellents enthalten unterschiedlich viel DEET (Diethyltoluamid), also pure Chemie. Unsere tägliche Hygiene hat sich daher etwas geändert, weil wir wieder mehr auf natürliche Produkte wie Heilkräuter, Gewürze, Aloe Vera, Natron, Öle usw. zurückgreifen. Sogar Schokolade haben wir mal selber hergestellt:
Und dann kam StarLink. Lange haben wir überlegt, ob wir uns darauf einlassen, weil die mobile Exklusiv-Variante, doch sehr exklusiv, soll heißen: teuer ist. Da aber auf Isla Colón ständig der Strom und/oder das Internet abgestellt wurde, wir jedenfalls zu oft überhaupt kein oder nur sehr langsames Internet hatten, war plötzlich der Button „Bestellung abschließen“ angeklickt und das Paket unterwegs. Wir sind begeistert. Schnelles Internet wo auch immer wir sind und noch sein werden. Wir hatten zwar StarLink primär aus Sicherheitsgründen gekauft, weil der Wetterdownload über unser Satellitentelefon Iridium entweder gar nicht oder viel zu langsam ging (manchmal über mehrere Tage!), als dass man da hätte einer gefährlichen Situation ausweichen können, aber grundsätzlich ist es eben schön, auch an „remote places“ nicht ganz abgeschnitten zu sein. Es sei denn, wir möchten es; dann schalten wir das Ding einfach aus. Falls es in der Karibik mal schneien sollte, können wir „Schnee schippen“ (dh. schmelzen, dh Heizung anschmeißen), sobald die Antenne damit bedeckt ist; dieser Button ist in Sichtnähe in der App, was uns hier unter der heißen Sonne Panamas kurzzeitig auf frostige Gedanken bringt.

Einziger Nachteil (oder zweiter, wenn man den monetären Aspekt mitzählt) ist der Stromverbrauch. StarLink saugt so viel Energie aus den Batterien wie beinahe unsere drei Kühlschränke zusammen, dh, wir schalten regelmäßig das System über Nacht ab, dank „Ruheplan“. Apropos Kühlschränke: eine absolute Empfehlung! Wir hatten ja in Martinique alle ursprünglich verbauten „Kühlelemente“ umdisponiert: aus dem eigentlichen Gefrierelement innen im Salon wurde ein Kühlelement für Obst und Gemüse, der alte Kühlschrank im Salon wich einem neuen besseren Kühlschrank; der Kühlschrank draußen wich einem leistungsstarken Gefrierschrank. Unser Konzept ist aufgegangen und wir sind total zufrieden und unendlich froh, das in Martinique noch vor Panama geändert zu haben (dank der Tatsache, dass der Kühlschrank im Salon auf Martinique den Geist aufgegeben und der Gefrierschrank noch nie zufriedenstellend gearbeitet hatte). Trotz der doch sehr hohen Temperaturen und hohen Luftfeuchtigkeit hier in Panama laufen die Elemente zuverlässig und – anders als die ursprünglichen – nicht durchgängig. Dadurch verbrauchen sie natürlich auch viel weniger Strom.
Seit unserem letzten Marina-Aufenthalt haben wir unfreiwillige Mitsegler: kleine Geckos. Den ersten Gecko haben wir in der Marina vor Schreck wieder rausgeworfen, weil er plötzlich beim Abendessen an Alex‘ Bein klebte. Dann fanden wir das irgendwie doch schade, aber da war bereits der nächste eingezogen und der durfte bleiben (obwohl Alex heute noch um den zutraulichen Gecko weint; vielleicht hätte man ihn ja dressieren können?). Und nun werden wir sie einfach nicht mehr los. Es sind zum einen erfreuliche Mitbewohner, die sich um kleine Insekten „kümmern“, andererseits jedoch ihre unerfreulichen Spuren hinterlassen. Eingenistet hatte sich das erste Tier auf unserem Boot (oder waren es da bereits schon zwei?) in unserer Ananaspflanze und Alex war hellauf begeistert, weil er schon immer einen Gecko haben wollte; ja wir sogar zwei kunstvolle bunte Geckos aus Martinique im Salon kleben haben. Schnell waren wir in der Minderheit, denn leider bedenkt man nicht, dass Geckos sich fortpflanzen und eins plus eins dann eben doch viele werden. Aber nur ein Geckoweibchen allein macht auch mehr Geckos, weil die sich doch tatsächlich auch ohne Männchen fortpflanzen können. Du meine Güte. Es steht nun zu befürchten, dass hier eine ganze Kolonie Geckos entsteht, die unser Boot übernehmen.
Also habe ich immer einen Gecko, sobald ich einen gesehen habe, eingesammelt und ihn an einem Gecko-freundlicheren Ort an Land ausgesetzt. Jetzt fiept das aber immer noch an Bord und wir haben keine Ahnung, wo sich Gordon Gecko Nr. ? aufhalten könnte. Ein Mini-Gecko ist uns im Gefrierschrank erfroren – keine Ahnung, wie er es geschafft, da reinzukommen. Die Ananaspflanzen, die so groß geworden sind, dass sie uns beim Segeln immer in den Po piksten, haben wir an Danielle, dem Eigentümer der Dingi-Marina, die wir beinahe täglich besucht haben, abgegeben. Er war so glücklich über das Geschenk, dass er uns bereits am nächsten Tag gezeigt hat, was er extra für die Pflanzen gebaut hat. In ungefähr einem halben Jahr wird er hoffentlich zwei Piñas ernten können (dauert ja insgesamt immerhin zwei Jahre, bis da was kommt) und die Einladung zum Piña Colada steht bereits, auch wenn es wohl eine arg verspätete Piña Colada werden wird, denn wir sind ja nu weg.

Ja, und dann war eben *zack* ein Jahr rum. Ich hatte ja mal geschrieben, dass es bereits nach drei Monaten schwer ist, einen Ort zu verlassen, weil man sich mit dem Ort vertraut gemacht, Bekanntschaften geschlossen hat und weiß, wo man was bekommt. Wir haben Monate gebraucht, um herauszufinden, in welchem der vielen Mini-Supermärkte in Bocas Town wir Erdbeeren, Kiwis und Blaubeeren bekommen! Ja, wirklich. Blaubeeren! Und die gibt es eben nur in einem einzigen Supermarkt. Und Supermärkte gibt es hier alle paar Meter. Von außen sehen die alle gleich aus, aber das Angebot ist unterschiedlich. Auch unsere lieb gewonnenen Kakaobällchen (aus lokalem puren Kakao hergestellte handgroße Bällchen, die ich im Kühlschrank aufbewahre und jeden Morgen fürs Frühstück rasple) gibt es nicht überall. Und wenn man denkt, hier quellen die Supermärkte oder Obst- und Gemüsehändler nur so über von Kokosnüssen, weil es hier doch überall Palmen gibt und wir quasi im Land der Kokosnüsse sind – denkste. Monatelang einfach keine Kokosnuss (es sei denn, wir konnten sie bei den vorbeipaddelnden Locals vor Isla Bastimentos „bestellen“). Bis wir zwei Wochen vor unserer Abreise doch tatsächlich zufällig hinten an der Fleischtheke (!) in einem Laden außerhalb der „Stadt“ Kokosnüsse entdeckten. Ob die jetzt regelmäßig welche haben, wissen wir nicht, aber es gab sie wenigstens. Wir haben vor lauter Freude sämtliche Kokosnüsse aufgekauft.
Aber nun ist es eben an der Zeit weiterzuziehen. Isla Colón, die einzige Insel, auf der wir unsere tägliche 6,5km-Runde drehen konnten, wurde uns zu klein. Jetzt stehen wir an unserem Lieblingsankerplatz und sind auf dem Sprung nach Zapatillas, unser nächstes Zwischenziel.

Hallo Ihr beiden,
wie schön mal wieder von Euch zu lesen. Auf die versprochenen „Rezepte“ warten wir schon. Das klingt superinteressant. Ganz besonders die Sache mit dem Asthma. So schlimm ist es bei meinem Mann bei weitem nicht, aber ab und zu sind die Bronchien etwas belegt.
Wo geht’s hin für Euch?
Kurze Frage zum Bestellen aus USA und der Adresse in Florida: gibt’s da keine Probleme mit Zöllen? Hohe Frachtkosten und sonstige Fallstricke?
Nun, wir sind sehr gespannt, wie es bei Euch weitergeht, ist doch auch bei uns das Thema Boot ein immer wiederkehrendes und noch lange nicht vom Tisch.
Alles Liebe und kommt gut wieder in den Reisemodus,
J&R
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Hallo ihr Beiden,
wir freuen uns, von Euch zu hören. Das ist ja spannend, dass Ihr ebenfalls mal schaut, wo man sich ggf. niederlassen könnte. Ihr habt total recht: da muss man ganz genau hinschauen, denn auch Panama ist nicht gleich Panama. Es kommt sehr stark darauf an, wo man sich im Land befindet (wenn man Pech hat, „verbrennt“ einem der Boden in der Trockenzeit, der dann in der Regenzeit über Monate geflutet wird) und das gilt ja nicht nur für Panama. Deshalb finden wir zB Bocas del Toro gar nicht schlecht, weil das Wetter hier immer einigermaßen gleich ist.
Was das Bestellen in den USA betrifft muss ich Euch leider enttäuschen: das gilt nur für Panama. Wir bezahlen pro Pfund (lbs) etwa 4 $ beim Postservice auf Bocas del Toro; das beinhaltet den pauschalen Zoll (Sonderabkommen zwischen USA und Panama). Billig ist das auch nicht gerade, aber wir können alles bekommen und es wird sogar auf die Insel geliefert. Daher nein, es gibt grundsätzlich keine Probleme mit dem Zoll. Das ist auch einer der Gründe, weshalb für uns u.a. Panama in Betracht kommt, wenn wir keine Lust mehr zum Reisen haben: diese Infrastruktur.
Was das Asthma betrifft: das sollte lediglich eine Anregung sein, über die Schulmedizin hinauszuschauen. Alex hat es geholfen, aber das bedeutet ja nicht, dass das ein Patentrezept für jeden ist und jedem genauso hilft, zumal ja die Ursachen durchaus unterschiedlich sind. Was Alex geholfen hat, ist in erster Linie die Wurzel von Astragalus (er nimmt das zweimal täglich 1 TL in Pulverform im Wasser verrührt). Das kommt aus der TCM und Ihr findet dazu sehr viel im Netz. Astragalus und Ballonrebe wirken entzündungshemmend, in etwa wie Kortison.
Für uns geht es erst mal Richtung Colón und dann zu den San Blas. Danach sehen wir weiter, was wir wirklich machen.
Ganz liebe Grüße von unterwegs,
Nicole
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Schön von euch zu hören. Liebe Grüße
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Und wir freuen uns, dass Du uns noch verfolgst, lieber Stolli 🙂 Liebe Grüße nach Australien (dauert noch was, bis wir da aufschlagen)
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