Es ist wirklich Zeit. Nach beinahe drei Jahren ist MOCEAN untenrum ganz schön bewachsen. Die Kupferteilchen unseres Antifoulings offenbar sämtlichst aufgebraucht, wuchert es inzwischen einfach viel zu schnell. Bereits im warmen Wasser Panamas konnten wir alle paar Monate eine dicke Muschelschicht abkratzen. In Cartagena haben wir Alfredo, der dort ständig Boote säubert, um Hilfe gebeten: insgesamt 35$. Er hatte tolle Arbeit innerhalb von nur 2 Stunden geleistet, wofür wir beide knapp zwei Tage bräuchten, weil wir nicht so gute Lungen haben und uns die Millionen superkleiner „Scampi“ an den Rümpfen immer ärgern. Und noch vor dem Haul-out auf Martinique kratzten wir erneut herum. Ursprünglich hatten wir überlegt, den Anstrich in Panama machen zu lassen, da ja dort angeblich alles so schön billig sein soll. Trotz eines durchschnittlichen Monatsverdienstes eines Panameños von ca. 600$ sollte allein die Arbeitszeit auf der Yard in der Linton Bay fast doppelt so teuer sein wie auf Martinique. Da das Yard-Areal nicht einmal versiegelt ist und wir wenig Lust hatten, im Matsch herumzulaufen, fiel die Linton Bay Yard schon mal raus.
In der Shelter Bay Marina fragten wir auch an und nachdem der Preis eigentlich klar sein sollte, war man sich trotzdem nicht sicher, ob tatsächlich alles inkludiert wäre und vor allem fiel ihnen plötzlich, also ein Tag vor dem Termin und auch nur, weil wir noch einmal explizit nachgefragt hatten, ein, dass ja „überraschenderweise“ Regenzeit war und ein „Regencape“ für MOCEAN vonnöten wäre. Alles wurde also viel, viel teurer als auf Martinique, das unter Seglern bereits als teures Pflaster gilt. Da wir die Qualität der Arbeit in Panama nicht kennen, entschieden wir, den Unterwasseranstrich zu verschieben und wieder auf Martinique mit Fabrice von NauticService zusammenzuarbeiten, den wir guten Gewissens empfehlen können. Und bloß gut, dass wir bei Fabrice sind, denn wir werden eine unangenehme Überraschung erleben…

Kurz überlegten wir noch in Cartagena, die Dienste dort auf der Yard in Anspruch zu nehmen, aber als wir von einem deutschen Seglerpärchen erfuhren, dass deren Termin immer wieder nach hinten verschoben wurde und auf die Arbeiter auch nicht hundertprozentig Verlass war, war auch Kolumbien für uns keine Option – wir haben es gerne möglichst reibungslos. Dann setzte uns Gilles, unser Franzose, den wir seit Barbados kennen, den Floh ins Ohr, das Boot vielleicht doch lieber auf Carriacou, Grenada rauszuholen. Die Haulout-Preise sind tatsächlich deutlich günstiger als auf Martinique, was uns schon beinahe auf den Weg nach Carriacou brachte. Doch die Organisation ist etwas komplizierter, weil wir uns selber um das Antifouling kümmern müssten (Fabrice auf Martinique dagegen besorgt das Antifouling und weiß exakt, wie viel er benötigt; außerdem verfügt er über ein professionelles Team). Das gewünschte Antifouling gab es schon mal nicht und wir haben von mehreren Seglern gehört und gelesen, dass man zwar einen Local für den Anstrich engagieren kann, der aber kommt, wann er gerade Lust hat – karibische Mentalität eben. Inklusive karibischem „Liming“ (Herumhängen) kann also das Anstreichen dann schon mal Wochen oder gar Monate dauern. Da wir selber viel am Boot zu tun haben, wäre es uns jedoch ganz lieb, wenn da jemand den Anstreichjob zuverlässig übernimmt. Daher landen wir also wieder bei Fabrice, der für uns Zeit hat. Einzig die Yard in Le Marin ist irgendwie – wie immer – schlecht organisiert. Das ist wirklich jedes Mal ein kleines Abenteuer, ob und wann man nun im Kran hängt. Ich habe einen guten Draht zu einer Mitarbeiterin und sie wiederum zum Kranmanager, also bekommen wir tatsächlich ziemlich zügig und viel schneller als gedacht einen Termin bereits im April anstatt, wie angekündigt, im Juli, denn eigentlich standen wir erst mal auf einer langen Warteliste (und wie das so ist, kann man da ziemlich lange bis ewig stehen, wenn man nicht weiter nachfragt). Außerdem wissen wir, dass die ersten Stürme in der Hurrikansaison immer über die südliche Karibik hinwegbrausen, wozu auch Martinique gehört, daher wollen wir um die Zeit (Juli) ohnehin nicht unbedingt an Land sein.

Und so stehen wir typisch Deutsch, wie vereinbart, Punkt 7 Uhr vor dem Travellift. Aber erst einmal geht gar nichts, weil bereits ein Monohull in den Schlaufen hängt: seit dem Vortag versucht man, die Hubkiele einzuziehen, aber da klemmt was. Bis weit nach 8 Uhr ist man am Hämmern, Ziehen und Machen. Gegen 8 Uhr schwimmt bereits der nächste Kandidat für den Travellift im Hafenbecken herum. Als ich an Land mal nachfrage, wie lange das jetzt noch dauere und darauf hinweise, dass es gleich wohl noch voller werde, ist man extrem karibisch entspannt: es dauert eben so lange wie es dauert. Ich verständige mich mit dem französischen Monohull, dass wir vor ihm in die Travellift-Bucht fahren und kurz vor 9 Uhr ist es dann für uns so weit. Man schiebt uns direkt an den Zaun mit nettem Blick zur Straße und setzt uns später prompt einen kleinen Monohull direkt vor die Nase.
Fabrice klärt mit uns den Antifouling-Anstrich und rät uns vom abermals gewünschten Seajet 039 Platinum ab, denn er habe bereits mehrfach schlechte Erfahrung gemacht: man scheint die Zusammensetzung geändert zu haben, so dass nach dem High Pressure Washing die Farbe nur so abblättert/abplatzt. Wir wollen erst mal schauen, ob wir auch so ein Pech haben und tatsächlich: die Farbe platzt komplett weg. Das hatten wir bisher mit Seajet nicht. Enttäuscht vereinbaren wir mit Fabrice, dass er alles abplatzende Farbe vom Rumpf nimmt und wir auf International Micron99 umsteigen. Das kostet alles viel mehr Zeit (denn das Sanding war ja nicht eingeplant und wir brauchen nun 1-2 Tage mehr) und ob er genug neue Farbe hat, da müsse er mal gucken.
In der Zwischenzeit freunden wir uns mit dem jungen polnischen Pärchen vor uns an. Er hat bereits die Welt in seinem Monohull single-hand umrundet – wir sind beeindruckt. Nun wollen sie zusammen an weiteren verschiedenen Regatten teilnehmen und – wir schauen auf die Uhr – sind eigentlich viel zu spät dran, denn die nächste Regatta ist ab Los Angeles und die beiden müssen sich sputen, da erst mal hinzukommen, denn dafür müssen sie ja erst mal durch den Panama-Kanal. Und so spät dran sind sie, weil sie, die Co-Capiteuse, sich während der letzten Regatta mal eben das Bein gebrochen hatte. Was ein Stress. Auch treffen wir den Franzosen, der mit uns zusammen auf den Haulout gewartet hat, wieder: nach einem kurzen Plausch bietet er uns freundlicherweise sein Auto zum Herumfahren auf der Insel an. Wir sind überrascht über dieses hilfsbereite Angebot, lehnen aber dankend ab.
Da es auch das polnische Boot vor uns ohnehin nicht vor Samstag ins Wasser schafft, vereinbaren wir gemeinsam mit dem Yard-Personal, dass wir zwei Boote ausnahmsweise am Samstag Vormittag zu Wasser gelassen werden – gegen Aufpreis versteht sich.
Die Jungs von Fabrice haben richtig viel zu tun bei uns und geben sich extrem Mühe, dass alles bis Samstag fertig ist. Bloß gut, dass die böse Überraschung bei Fabrice zutage trat, denn preislich müssen wir bei ihm keine bösen Überraschungen erleben. Natürlich wird die gesamte Arbeit teurer, aber nur um den zusätzlichen Aufwand entsprechend der Preisliste. Andernorts könnte das ganz anders enden. Zum Beispiel in Panama, wo alles, was nicht explizit (!) vertraglich aufgeführt wurde, hinterher hohe Extrakosten verursacht; das hat schon bei so manchem zu bösen Überraschungen geführt. Bei Fabrice ist alles im Preis inbegriffen und er hat immer selbst auch ein Auge auf die Arbeiten. Wir fühlen uns jedes Mal super aufgehoben. Während also MOCEANs Unterwasserschiff runderneuert wird, kümmern wir uns um das Innere und Äußere des Bootes, das nach der langen Passage (Panama – Ostkaribik) komplett gereinigt werden muss. Dieses Mal buchen wir bei Fabrice auch das Polishing der Rümpfe, weil die Sonne und das Salzwasser extrem am Gelcoat genagt und es haben stumpf werden lassen. Nach den Arbeiten sieht MOCEAN aus wie neu und glänzt stolz in der Sonne. Selbst die von Alex liebevoll polierten Folding Props sehen aus wie neu.
Samstag Morgen gegen 6:30 Uhr fährt bereits der Travellift für das polnische Pärchen an; sie werden mit ihrem hübschen und schnellen Race-Anstrich zu Wasser gelassen. Wir verabschieden uns herzlich und müssen uns ranhalten, denn wir sind nun dran. Es ist immer wieder aufregend, die Dicke in den relativ dünnen Gurten hängen zu sehen. Gegen 8:30 Uhr sind wir auch schon wieder im Wasser, bedanken uns beim Yard-Personal und motoren wieder in die große Bucht vor Sainte Anne, unserem Lieblingsankerplatz vor Martinique. Dort fangen wir an, den Teakboden abzuschleifen – eine bei den hohen und feuchten Temperaturen extrem schweißtreibende und äußerst staubige Angelegenheit, nebst Rückenschmerzen und tagelangen „good vibrations“ in Armen und Händen. Eine ganze Woche sind wir zu zweit beschäftigt, die durch unseren Vorbesitzer durch Hochdruckreinigung zerstörte Schicht in mehreren Schritten abzutragen: das Endergebnis kann sich sehen lassen. Trotz Imprägnierung wird aufgrund der starken Sonneneinstrahlung das schöne neue Braun, zumindest an den exponierten Stellen, nicht lange vorhalten und schnell wieder eine silbergraue Patina entstehen. Aber der Teakboden ist nun wieder schön glatt und leichter zu reinigen.
Außerdem bekommt MOCEAN endlich die vorderen Sitzplatten aus tropischem Almendro angeschraubt, die wir uns extra in Panama haben anfertigen lassen und die wir vor der langen Passage nicht dem Salzwasser aussetzen wollten.
Jetzt ist sie wieder bereit für neue Abenteuer.

