Möbel im Fernreise-/Wohnmobil

Will man ganzjährig und während aller 4 Jahreszeiten in einem Wohnmobil leben steigen die Anforderungen an Kabine, Fenster, Belüftung, Heizung, Wasser, Elektrik, Raum bzw. Stauraum und an Möbel. Für die ersten 6 Monate unserer Reise im Sommer durch Südeuropa war unser Tikro eine hervorragende Lösung; alles hat funktioniert und gehalten. Die vereinzelten Schotter- und Sandpisten zu den Stränden oder Bergzielen hat er locker weggesteckt. Wenn der Kleine das so einfach wegsteckt, dachten wir, kann man ja fast nichts falsch machen.

Unsere Erfahrung

Auch bei einem Fahrzeug mit 60mm Wänden aus GFK-Sandwich mit 2mm GFK-Deckschichten und einem Isolierkern aus Polyurethanschaum -kältebrückenfrei- gibt es Kältebrücken und somit Stellen, an den sich die Feuchtigkeit sammelt. Besonders, wenn hier und da Ausschnitte, Durchführungen nicht ordentlich ausgeführt oder die Isolierung der Wände für den Einbau von Komponenten ausgehöhlt wurden. Wenn die Isolierung im Alkoven unter der Matratze nicht ausreichend ist, sammelt sich hier über Nacht sehr viel Feuchtigkeit. Eine komplett um die Matratze (alle 4 Seiten) herum gelegte Heizung verhindert die Zirkulation. Die feuchte Luft wird erwärmt und steigt wieder in die Matratze. Unten in die Schränke eingelassene, aber oben fehlende Öffnungen sorgen dafür, das Feuchtigkeit in die Schränke zieht, jedoch nicht mehr herauskommt. So entsteht in kurzer Zeit Schimmel.

Die Maße ändern sich: was bei 20° passt, hat bei 35° plötzlich breite Spalten. Gut ist dies an der Decke unseres Benz zu sehen, diese hebt sich z.B. bis zu 5mm an. Wenn die Möbel in alle Richtungen hin festverklebt sind, lösen sich die schwächsten Verbindungen und Schrauben.

Um das Fahrzeuggewicht möglichst gering zu halten, haben wir im Fuso und Benz Leichtbauholz eingesetzt. Dies hat natürlich zur Folge, dass einfache Holzschrauben nicht mehr den gleichen Halt finden wie in Spannplatten. Schnell reißen z.B. die Schrauben, mit denen die Fronten der Schubladen oder die Tischplatte am Gestell befestigt sind, aus.

Schon die leichten Erschütterungen auf den isländischen Pisten sorgten z.B. dafür, dass die einfach einzubauenden Pushlock-Verschlüsse aus Kunststoff auseinander brachen. Vor allem, wenn die kugelgelagerten Vollauszüge die Schubladen nicht wenigstens ein bisschen geschlossen halten.

Mit Echtholzfurnier wollten wir nicht nur die Optik sondern auch das Raumklima im Fuso angenehm gestalten. Schon beim Einzug haben wir dann aber gemerkt, dass die mit Klarlack behandelte Oberfläche sehr kratzempfindlich und auch das Holz nahezu vollständig versiegelt ist. Somit war der erhoffte Vorteil nicht gegeben.

Was sich bisher bewährt hat

Wir haben sämtliche Schränke hinten zur Wand hin, unten und oben mit einem 20mm bereiten Lüftungsausschnitt versehen, oben sind die Schränke dann mit einem Abstand von 20mm zur Decke montiert. Auch wenn wir keine Kältebrücken haben, kann so die Luft hinter den Schränken frei zirkulieren und es bleibt trocken (hier bei ALDE auch gut illustriert). Auf den Schränken bleibt so auch gleich genug Platz für die indirekte Beleuchtung.

Unsere Matratze wird rund um mit Abstandshalter 20mm von den Aussenwänden ferngehalten, an zwei Seiten (unten im Schrank und unterhalb des Fensters) Heizkonvektoren von ALDE montiert. Zum Wohnraum hin ist ein Lüftungsgitter eingebaut, durch das eine Zirkulation gewährleistet wird.

Nachdem wir festgestellt haben, dass Häfele auch Pushlocks aus Zinkdruckguss herstellt und es diese auch noch mit einem Schnappriegel gibt, haben wir uns auch im Benz wieder für Pushlocks entschieden. Die Zinkdruckgussausführung der Pushlocks hat die abenteuerlichen Pisten in Albanien, Iran, VAE, Oman und Zentralasien bisher ohne Defekte überstanden. Lediglich vier der Kunststoff-Schließwinkel sind gebrochen (davon haben wir noch 50 Stück dabei). Durch die selbsteinziehenden Vollauszugsschienen von BLUM und den Schnappriegeln bleiben die Schubladen bei normalen Fahrten auch verschlossen, wenn die Pushlocks mal nicht verriegelt sind.

Unsere Möbel habe ich als zweiteilige, einzelne Elemente geplant, die wir auf Möbelfüßen mit einer Höhe von 5cm in die Kabine gestellt haben. In die Wände der Kabine sind rundherum im unteren und oberen Bereich 3mm Aluminiumbleche verklebt; in denen finden Schrauben hervorragend Halt. Die Schränke haben wir nun an den Außenwänden mit Sika-Flex 252 (Primer und Grundierung) verklebt und mit Winkeln und Blechschrauben an den Außenwänden befestigt. Für die Klappen der Oberschränke haben wir Klappenbeschläge verwendet, die robust und mit einer einstellbaren Feder ausgestattet sind. 

Sämtliche Schrauben für die Winkel, Scharniere und Verschlüsse haben wir mit einem Tropfen Kleber (Sika-Flex 252) eingesetzt; so lösen sich diese nicht mehr durch die Vibrationen und thermischen Einfüsse. Verschraubungen, die eine höhere Last tragen müssen, wie z.B. die Scharniere der Duschkabinentür, Heizkörperbefestigungen oder unsere Tischplatte, haben wir mit Eindrehmuffen und Gewindeschrauben ausgeführt. Erst haben wir die Eindrehmuffen (Muttern mit Außengewinde) eingeklebt und dann die Schrauben mit einem Tropfen Loctite gesichert.

Für die Möbel im Benz haben wir 15mm Indo. Blockboard (wie Tischlerplatte) Leichtbauholz verwendet, die uns der Schreiner mit Echtholz Asteiche-Furnier beklebt hat. Die Einzelteile haben wir vor dem Verkleben mit Hartwachsöl weiß gekalkt. Das Hartwachsöl verschließt die Poren des Holzes nicht, schützt es aber vor zu viel Feuchtigkeit. Nun können wir sagen, dass wir ein tolles Raumklima haben und die Möbel unempfindlich gegen Verschmutzung und Kratzer sind.


6 Gedanken zu “Möbel im Fernreise-/Wohnmobil

  1. Vielen Dank Alex, dieser Artikel hilft mir enorm und verdeutlicht sehr gut die Wichtigkeit von hinterlüfteten Möbeln.

    Eine gute Reise wünscht Euch beiden und sendet viele Grüße aus München
    Clemens

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