Zusatzluftfederung für ein Fernreisemobil?

Schwerlastlagen gegen Zusatzluftfederung an der Hinterachse getauscht

Wir haben im Vertrauen auf die beworbene Erfahrung von 4Wheel24, während der Restauration unseres Fahrgestells, die Schwerlastlagen der Hinterachsblattfedern durch Zusatzluftfedern ersetzt. Ich versprach mir neben der verbesserten Fahreigenschaft auch einen Gewichtsvorteil. Es sollte so gebaut werden, dass die vorhandenen Federlagen, auch ohne Luftfederunterstützung ausreichen, um den uneingeschränkten Fahrbetrieb sicher zustellen. Da 4Wheel24 dies nach eigenen Angaben bereits mehrfach erfolgreich umgesetzt hat und der genannte Preis von 1.500€ sehr verlockend war, musste ich einfach zuschlagen.

Durch einen Belastungstest mit 3to Gewicht, verteilt auf die Ladefläche, sollte sichergestellt werden, dass die Haupt-Federlage die Last alleine tragen kann. Die 3to für die Kabine sollten auch meiner Meinung nach hinkommen, aber was mir in meiner Euphorie gar nicht auffiel: dass die 650kg für Tanks, 200 kg für Tank-Unterfahrschutz, 500kg für Belastung durch den Heckträger, Werkzeug, Schneeketten etc. fehlten. Also fehlten bei dem Test etwa 1,5t. Jetzt auf dem Bild sehe ich den Fehler auch sofort.

Über eine Bedienkonsole im Fahrerhaus werden mit einem Druckschalter beide Luftbälge gleichzeitig gefüllt. Um den Luftdruck wieder verringern oder anpassen zu können, wurden zwei 6mm Luftschläuche von den Luftbälgen zur Bedienkonsole gelegt, die hier einzeln auf Ventile und zwei Manometer enden. An den Manometern kann man den Druck der Luftbälge ablesen und über die beiden Ventile einzeln den Druck reduzieren.

Unsere Erfahrungen:

Am Tag unserer Abreise, noch nicht sehr weit gekommen, zischte es plötzlich. Die Manometer zeigten 0 Bar an, die Luft war raus und wir fuhren auf den Anschlaggummis. Wir stellten dann fest, dass beide Luftschläuche von den Luftbälgen zu den Manometern/Ventilen in der Nähe des Motors geplatzt waren. Da die Löcher dicht beieinander lagen, tippte ich auf eine Beschädigung durch Schweißperlen oder eine mechanische Verletzung der Schläuche. Die Schläuche wurden in jeweils einem Wellschutzrohr im Chassisrahmen verlegt.

In Griechenland, zwei Monate später, platzte wieder ein Schlauch und ich schaute genauer hin, ob es nicht an dem verwendeten Material liegen könnte. Ich fand raus, dass die Schläuche aus PE (Polyethylen) waren und für eine Betriebstemperatur von -10°C bis max. +60°C bei einem max. Betriebsdruck von 13 Bar geeignet sind. Eigentlich sind die pneumatischen Leitungen eines LKWs aus Polyamid (PA) und halten bei einem Betriebsdruck von 27 Bar Temperaturen von -60°C bis max. +100°C stand. Also war klar: die Schläuche müssen getauscht werden.

Im Januar 2018, nach den ersten 20.000km, mitten in der omanischen Wüste „Wahiba Sands“ platzte dann der rechte Luftbalg. Durchgescheuert. Die Luftbälge scheuern beim Einfedern an den inneren Wänden der Aufnahmen. Ein ungünstiger Platz für einen Platzer, windig, staubig und heiß. Zum Glück hatte NEFF die Hinterachse noch mit Anschlägen ausgestattet, auf denen wir die Wüste verlassen konnten, um den Balg zu tauschen.

Im Mai 2018, keine 10.000km (insgesamt 30.000km) weiter mitten auf dem Pamir-Highway, wieder ungünstig, sehr windig und kalt, platzte dann der linke Luftbalg. Wieder aus dem gleichen Grund: durchgescheuert. Wie es so kommt, sprengte ich beim Versuch die Radmuttern zu lösen die 30er Stecknuss meines ¾ Zoll Steckschlüsselsatzes. Wir mussten einen Ersatz suchen. Nach drei Tagen fanden wir einen LKW-Fahrer, der uns sein Bordwerkzeug lieh, um die Radmuttern zu lösen. Die Fahrt über den Pamir-Highway ohne Federung hat der Anschlag leider nicht überstanden. Eine Gewindestange, die das Gummi hält, ist abgerissen.

Bereits in den VAE haben wir erfolglos versucht, einen Fahrwerksspezialisten zu finden, der uns die Federlagen verstärkt. Hier in Zentral-Asien ist die Qualität der zur Verfügung stehenden Materialien und Werkstätten so miserabel, dass es ebenfalls aussichtslos ist.

Original-Federblätter hätten wir ohne Schwierigkeiten bereits in Dubai austauschen können, auch in Bischkek (Kirgisistan) auf dem Auto-Bazar gibt es jede Menge Original-Federblätter. Nur einen Federschmied haben wir noch nicht gefunden.

Wir haben wieder gelernt, dass das Basisfahrzeug für eine lange Reise fernab von heimischen Werkstätten:


weit verbreitetet – einfach aufgebaut – technisch im originalen Zustand


sein sollte.

Ergänzend:

Nicht problematisch, aber ebenso unsinnig sind teure, verstellbare „Spezial-Stoßdämpfer“ für einen LKW, der auf weite Reise geht. Wir haben nach einer kurzen Unterhaltung mit dem Hersteller KS-Suspension über Sinn und Unsinn der „High-Tech Dämpfer“ in einem Fernreisemobil die Servo-Motoren der Stoßdämpfer abgebaut und zurückgesandt. Dafür haben wir von KS-Suspension kleine Handrädchen bekommen, die die Einstellungsöffnungen verschließen und mit denen wir die Stoßdämpfer einmal auf hart eingestellt haben, fertig. Selbst wenn eine Verstellung den Fahrkomfort verbessern würde, ändern sich die Fahrbahnbedingungen so schnell und oft, dass man immer zu spät umstellen würde. Eine Straße ist z.B. in Zentralasien viel zu abwechslungsreich…


2 Gedanken zu “Zusatzluftfederung für ein Fernreisemobil?

  1. Leider merkt man oft erst viel zu spät wenn man auf den falschen Vertraut hat. Ein Glück konntet ihr trotz dieser Problematik eure Reise vortsetzen. Leider lernen diese bestimmten Menschen nicht daraus und drehen weiteren unwissenden ihre fehlerhaften Produkte an.

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    1. Liebe Verena,

      vielen Dank für Deinen Kommentar! Wir hoffen, dass wir mit unseren Berichten dazu beitragen können, dass anderen ähnliche Erfahrungen erspart bleiben.

      Viele Grüße
      Alex und Nicole

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