Cayos Zapatillas und eine tierische Überraschung

Uns zieht es hinaus aufs Meer, denn Alex will endlich wieder einen Fisch fangen. In den ruhigen Gewässern des Archipels haben wir, bis auf ein paar kleinere Fische, einfach kein Glück. Alex träumt vom Mahi-Mahi, Barrakuda und/oder Thunfisch. Ihm gefällt gar nicht, dass es heißt, dass wir dazu angeblich auf die „andere Seite“ müssten: in den Pazifik. Da wir einige Stunden unterwegs sein wollen, brauchen wir ein Ziel, das wir gegen Abend ansteuern können, denn eine Nacht auf hoher See wollen wir uns lieber sparen. Was passt da besser als die Zapatillas?! Das sind zwei kleine Inseln, die zum nationalen Marinepark von Isla Bastimentos gehören. 

Fische wollen überhaupt nicht anbeißen. Alex probiert voller Vorfreude sämtliche Köder durch, aber keiner hat die nötige Überzeugungskraft. Und das, obwohl wir uns von den Locals haben versichern lassen, dass da draußen quasi „schon etwas abgeht“. Etwas enttäuscht werfen wir den Anker im Sand vor Cayo Zapatilla Nr. 2 (der größeren Insel) und sind begeistert vom Postkartenidyll: klarstes Wasser, viele Korallen mit Schwärmen hübscher Fische, weißer Sandstrand, Palmen, Palmen und nochmals Palmen (nicht, dass es hier an Palmen mangeln würde).

Cayo Zapatilla No 2

Die lokale Legende besagt, dass die Inseln entstanden sind, als Gott auf die Erde trat. Deshalb sind sie wie des Gottes Hausschuhe geformt. Da muss er aber unterschiedlich große Füße gehabt haben, denn die größere von beiden misst stolze 34 Hektar, während die kleinere lediglich 14 Hektar groß ist. Die Inseln sind unbewohnt, wobei die größere Insel eine Rangerstation der panamaischen Umweltbehörde beherbergt. Und prompt kommt er auch schon angetuckert, der Ranger. Er fragt höflich, wie es uns geht, überreicht uns ein Buch und bittet um eine Spende. Ich bin überrascht, dass wir selbst entscheiden dürfen, wie viel Geld wir spenden wollen, denn ich hatte etwas anderes gelesen (vielleicht war das noch zu anderen Zeiten und heute ist er froh, dass überhaupt noch ein Segler vorbeikommt). Ich fülle die Spalten im Buch aus (unsere Namen, der Name des Bootes und ich sehe, dass kaum jemand hier war), Alex zückt einen 10-Dollar-Schein und ich hole noch zwei eiskalte Bier aus dem Kühlschrank, weil wir wissen, dass es auf den Inseln an Strom eher mangelt. Der Ranger und sein Fahrer bedanken sich und tuckern wieder zurück, nachdem Alex sich noch schnell die Erlaubnis zum Angeln geholt hat: privates Angeln sei gar kein Problem (allerdings scheinen diese Fische hier zu schlau für unsere Köder zu sein). In den nächsten Tagen erkunden wir ausgiebig die Gegend. So viele Fische auf einem Fleck haben wir schon lange nicht mehr gesehen und dafür müssen wir nicht mal weit schwimmen: direkt hinter uns wimmelt es nur so. Auch die Insel selbst ist ein Hingucker.

Mit dem Dingi fahren wir zum Strand und laufen einmal um die ganze Insel. Die Palmen tragen so viele große Kokosnüsse, dass wir ständig ein Auge darauf haben, denn eine ‚Kopfnuss‘ ist das Letzte, worauf wir Lust haben. Derzeit ist nichts los. Die Touristen, die mit Wassertaxis für einen Tagesausflug hier her gefahren werden, kann man quasi an einer Hand abzählen. Angeblich soll es in der Hauptsaison (Dezember bis April) richtig voll werden – wir werden sehen. Nach Bocas del Toro kann man eigentlich das ganze Jahr über reisen, obwohl es in Panama Regen- und Trockenzeit gibt, denn in Bocas ist das Wetter das gesamte Jahr über eher gleich. Meistens hält die karibische See die Wolken schön auf dem Festland, was zu dem Paradox führt, dass Bocas in der Regenzeit tatsächlich auch mal austrocknet. Dann kommen die Trucks mit ihren großen Wassertanks vom Festland mit der Fähre nach Bocas Town, um die Wasservorräte der Bevölkerung wieder aufzufüllen.

Zurück zu Cayo Zaptillas: aufgeräumt wird hier nicht. Alles wird natürlich belassen und so springen wir über umgekippte Palmen und Kokosnüsse. Es ist wunderschön hier: am liebsten würden wir gleich unsere Zelte an Ort und Stelle aufschlagen und einfach hierbleiben. Geht aber leider nicht, da Naturschutzgebiet. Und so genießen wir die Ruhe und das Geschaukel der Wellen. Das sind wir schon gar nicht mehr gewohnt, denn in dem ruhigen Wasser des Archipels hinter bzw. zwischen den Inseln bewegt sich das Boot kaum.

Am Abend versucht Alex sein Anglerglück. „Da muss doch mal was anbeißen“ sagt er. Im Schein der Stirnlampe fummelt er gerade an der Rute herum, als er kleine dunkle Flecken auf dem Wasser sieht. Wir halten es erst für abgefallene Blätter, als ich mit der richtigen Lampe leuchte und wir sehen: Es sind frisch geschlüpfte Meeresschildkröten. Im Grunde wollte ich bereits auf Martinique das Schlüpfen gerne sehen, allerdings haben wir uns aus Respekt dagegen entschieden. Und nun schwimmen die kleinen Schildis erst an uns vorbei und dann gegen die Strömung auf uns zu. Und weil ich denke, dass sie möglicherweise verletzt sind, gucke ich sie mir an. Aber alles ist in Ordnung, und es dauert etwas bis wir verstehen: es ist unser Licht im Salon, das die kleinen Tierchen zu uns treibt. Wir schalten also alles aus und beobachten im Schein des Mondlichts, wie die Baby-Schildkröten an uns „vorbeipaddeln“. Bereits nach 30 Minuten ist der „Spuk“ vorbei und keine einzige Schildkröte mehr zu sehen. Hatten wir Glück oder was? 

frisch geschlüpfte Lederschildkröte

Wir haben genug vom Geschaukel, denn die Wellen werden sehr unangenehm. Besonders dann, wenn die Wellen listig von der Seite gegen das Boot kommen und alles vom Tisch fegt. Wir lichten den Anker, um uns wieder ins ruhige Innere des Archipels zu verlegen.


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