Martinique: Postkartenidylle im Lockdown

Nach unserem Aufenthalt auf der Yard ankern wir neben THEORY, dem Boot von Gilles. Wir haben einen wundervollen Blick auf den schönen hellen Sandstrand von Pointe Marin, den wir nicht betreten dürfen. Eigentlich. Gilles hatte uns beim Bierchen erzählt, er sei mit seiner Crew Tony und Camille in der Nähe des Strandes geschwommen, da sei bereits eine Polizistin auf sie zugestürmt und hätte sie angeschrien, was sie am Strand zu suchen hätten, obwohl er im Wasser war. Gilles erklärte gelassen, dass er ja gar nicht am Strand sei, mithin vom Boot käme, also trottete sie davon. Gut, vielleicht sollten wir nicht unbedingt am Wochenende dort hin. Ich beobachte den Strand mit dem Fernglas und stelle fest, dass ein paar Locals dort jeden Tag liegen und sich sonnen, im Wasser planschen. Wunderbar! Irgendwann ist das Boot einfach zu klein und wir brauchen Bewegung, also laufen wir nach dem Einkaufen einfach drauf los und gucken uns den Strand aus der Nähe an. Zur Not erklären wir eben, wir hätten uns verlaufen. Es ist ein schöner Strand. Außer uns sind nur wenige andere Menschen dort. Niemand checkt uns, selbst der Wachposten im Häuschen am Strand macht die Augen zu.

Einige Tage später sind wir auf der THEORY eingeladen. Gilles hatte uns erzählt, dass man Seeigel essen kann und da sind wir natürlich hellhörig geworden. Da unsere Angelversuche eher unglücklich verlaufen, könnten wir ja zu Seeigel übergehen – die liegen einfach auf dem Boden herum und können abgesammelt werden, was erfolgsversprechender wäre als unsere Angelversuche. Also bereiten Tony und Camille ein 3-Gänge-Menü für uns vor, mit der Hauptspeise Seeigel. Das Beste daran ist, dass ich zugucken kann, wie sie an das Fleisch der Seeigel kommen, da man sie sehr frisch zubereiten muss, und erklärt bekomme, wie alles zubereitet wird. Bis auf die Tatsache, dass sich die kleinen weißen Stacheln der Seeigel die ganze Zeit in der Hand bewegen, ist das Öffnen und Herausholen des Fleisches easy. Fünf Schalen werden gesäubert und dienen als natürlicher Essnapf. Genial! Seeigelfleisch, zwei Eier und etwas Butter, Pfeffer & Salz – fertig ist die Delikatesse. Es schmeckt köstlich.

Tony und Camille erzählen uns, dass sie in der Nähe der Fahrrinne schnorcheln waren, jedoch die Gendarmerie gekommen sei und sie vertrieben habe, nachdem sie sich die Namen der bösen Schnorchler haben geben lassen. Dann ging die Gendarmerie selber tauchen. Tony und Camille mussten keine Strafe zahlen, aber der kleine Schreck durch die Einschüchterung der Polizisten, die im vorauseilendem Gehorsam agier(t)en, bleibt, denn wir dürfen uns ja immerhin 1km bewegen und Sporttreiben ist, soweit wir das mitbekommen haben, nicht verboten. Ätzend. Wahrscheinlich hatten sie nur Pech: zur falschen Zeit am falschen Ort. Auffällig ist aber schon, dass ein Hubschrauber der Gendarmerie die Küste abfliegt; teilweise sogar dicht über dem Boden/Wasser. Aber trotzdem dort Locals am Strand sind, werden sie nicht aufgefordert, nach Hause zu gehen.

Ankerplatz vor dem Strand Pointe Marin; links der tieffliegende blaue Hubschrauber der Gendarmerie (durch die dunkelgrünen Bäume kaum zu sehen)

Alex und ich beobachten das Geschehen um uns herum. Immer wenn wir einkaufen gehen, laufen wir noch ein Stück in irgendeine Richtung. Am Straßenrand gibt es einen Stand, der Kleinigkeiten zum Mitnehmen (Bier, Eis usw) verkauft. Da stehen einige Menschen dicht zusammen ohne Maske mit dem Bier in der Hand und quatschen. Dann kommt die Gendarmerie mit dem Auto und… nix passiert. Auf einer unserer Touren entdecken wir den Einstieg zu einem Wanderweg zur Grand Anse des Salines. Den wollte ich ohnehin gehen: eine schöne 12km lange Tour. Da wir uns im Lockdown befinden, ist es ziemlich leer auf dem Weg, es sind nur wenige Menschen unterwegs; auch am Strand und im Wasser. Wir freuen uns, dass sich nicht alle das Schwimmen und Laufen verbieten lassen. An jedem Strandabschnitt treffen wir auf Locals, wenige, aber immerhin. Wir grüßen uns freundlich, wünschen uns gegenseitig eine schöne Wanderung, einen schönen Tag. Grand Anse des Salines ist der Hammer: normalerweise ist dieser Strand voller Menschen. Jetzt entstehen Postkartenfotos mit von Palmen gesäumten leeren Stränden. Dass es hier überall Palmen gibt, ist übrigens ein Trugschluss: häufig muss man die suchen, damit man das gewünschte Foto machen kann, Palmen gibt es nämlich relativ wenig an den Stränden.

Wir laufen sogar noch den kleinen Holzweg des Observatoire Ornithologique im Étang des Salines, der aber unspektakulär und eher was für Kinder ist. Hier kann man Vögel beobachten, aber als wir den Weg entlanggehen, sehen wir nur einen einzigen weißen Reiher. Letztes Jahr im März war es hier derart mit Autos zugeparkt, dass wir uns nicht mal den Strand angeguckt haben.

Auf dem Rückweg stehen plötzlich Soldaten um ein Fahrschulauto herum. Niemand interessiert sich für uns. Auf dem weiteren Weg werden wir von einem anderen Wanderer vor der Gendarmerie gewarnt, die die Strände checken, aber wir können keine Gendarmerie sehen. Die Badenden von vorhin sind immer noch da. Am Ende der Tour landen wir an dem Stand an der Straße und trinken mit den Franzosen ein Bierchen.

Auf einem unserer Spaziergänge folgen wir einem Hinweisschild zu einem Hotel mit Aussichtspunkt. Als wir das Anoli Lodges Village, eine kleine hübsche Anlage, das von Emilie und David betrieben wird, erreichen, ist der Weg zu Ende. Wir werden gefragt, ob wir auf das Grundstück möchten, denn da sei ein Aussichtspunkt. Das Angebot nehmen wir natürlich gerne an und haben einen schönen Blick auf die Bucht von Saint Anne.

Ausblick vom Anoli Lodges Village

Da wir hier in einer Sackgasse sind, gehen wir den Weg, den wir gekommen sind, wieder zurück. Etwas die Straße runter stehen wir unter einem wilden Mangobaum. Martinique ist ein Paradies an Früchten: hier wachsen überall Ananas, Bananenstauden, Papaya-, Avocado-, Mangobäume und vieles mehr; leider stehen sie häufig eingezäunt in den Gärten. Wir sammeln gerade ein paar kleine herabgefallene Mangos ein, da macht sich die angebundene Ziege von der gegenüberliegenden Straßenseite lautstark bemerkbar. Als wir uns mit den Mangos in den Händen zu ihr umdrehen, start sie uns an, bewegt ganz aufgeregt ihre Zunge und ihr läuft schon das Wasser im Mund zusammen; die internationale Sprache für „Will haben!“ Wir wissen zwar nicht, ob Mangos für Ziegen sind, aber sie ist derart aufgeregt, dass Alex der Ziege eine Mango gibt, die sie gierig verschlingt. Den Mangokern lutscht sie gekonnt im Mund ab. Da die Mangos sehr klein sind, verlangt die Ziege nach mehr. Also teilen wir unsere gesammelten Mangos mit der Ziege.

Dann haben wir endlich Glück beim Angeln: Gilles hatte uns einen Tipp mit Schweinefleisch gegeben. Ein Stück Fleisch am Angelhaken im Wasser herunterbaumeln lassen und schwupps sei der Fisch quasi von ganz allein dran. Da wir kein Schweinefleisch essen, nehmen wir gutes Rindfleisch, lassen es im Wasser baumeln. Es dauert nicht lange, da ist ein dicker Mutton Snapper an der Angel: fast 2 kg schwer ist der Fisch. Dankbar für den Tipp zum Angelerfolg, laden wir kurzerhand die Segler der THEORY zu Grillfisch und Salat ein. Der Fisch ist derart groß, dass Kopf und Schwanz aus unserem Grill rausgucken. Leider angeln wir danach nur noch einen kleineren Mangroven-Snapper und dann gar keinen Fisch mehr – es war wohl Anfängerglück.

Und da uns das Seeigel-Dinner gut gefallen hat, probieren wir das selber auch mal.

Mehr von Martinique gibt’s im nächsten Beitrag…


4 Gedanken zu “Martinique: Postkartenidylle im Lockdown

    1. Liebe Karo, lieber Lutz,

      wir freuen uns immer wieder, von Euch zu hören! Wir hoffen, dass es Euch gut geht und Ihr Euer eigenes kleines Idyll genießt 😉 Wir erfreuen uns – wie immer – an der Natur; vielleicht hat die jetzige Situation auch dazu beigetragen, alles mit etwas mehr Ruhe anzugehen.

      Alles Liebe Euch und wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch – irgendwie, irgendwo, irgendwann… 😊,

      Alex & Nicole

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      1. Ihr Lieben Wir genießen seit Corona noch viel mehr Uns. Wir sind viel in der Natur und erhalten uns so gut es geht gesund. Wir halten uns die Außenwelt vom Leibe und lassen nur das wesentliche an uns heran.Somit bleiben wir fokussiert auf den eigentlichen Wandel in uns Selbst. Gerade genießen wir die Berge Österreichs und sind überwältigt dieser kraftvollen Natur. Von hier aus fühlt Euch gedrückt von Uns.🙋🏻‍♂️🙋🏼‍♀️❤️ Das Licht siegt.

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