Grün, grüner… Guadeloupe

Der Wind ist tatsächlich so gnädig, dass er uns durch die Inselwelt trägt. Wir müssen kaum den Kurs korrigieren und trotzdem schaffen wir es, um die Inseln herumzusegeln, obwohl es keine gerade Strecke ist und wir gegen die Strömung steuern müssen. Wir kommen exakt dort an, wo wir hinwollen: in der Bucht Deshaies (wenn Gilles das ausspricht, klingt es wie Dähä) von Basseterre/Guadeloupe. Es ist der 4. Juli 2021 gegen 12 Uhr am Mittag und wir wollen erst mal die Lage checken. Wir wollen hier in einem kleinen Shop einklarieren, aber das ist schon nicht mehr möglich, weil die kleine Boutique bereits seit einiger Zeit geschlossen ist. Sie scheint die Lockdowns nicht überstanden zu haben.

Ich schnorchle ein bisschen ums Boot. Guadeloupe hat beinahe die Form eines Schmetterlings, wobei der obere Flügel Grand-Terre und der untere Basseterre genannt wird; wir haben uns für den unteren Flügel entschieden, dem grüneren von beiden. Was uns nach dem eher trockenen St. Martin sofort ins Auge sticht, ist das saftige Grün von Basseterre. Berge mit Regenwäldern und – zumindest auf Basseterre, dem eher ärmeren Teil von Guadeloupe – vergleichsweise wenig Bebauung. Wir finden es so schön hier (nur vom Angucken), dass uns kurz der Gedanke kommt, uns hier niederzulassen. Am Abend zirpen die Zikaden – auch das hatten wir schon ewig nicht mehr. Bei den Geräuschen sieht man vor dem inneren Auge Affen von Baum zu Baum springen. 100-200m vom Boot entfernt an der felsigen Wand komme ich beim Schnorcheln auf meine Kosten. Alex hat seit Monaten schon mit seiner schlimmen Neurodermitis (vor allem an den Händen) zu kämpfen und kann leider nicht ins Wasser.

Am 7. Juli bewegen wir uns weiter Richtung Süden und ankern vor Pigeon Island. Da wir direkt vor einem Berg stehen, peitschen uns die Fallwinde mit 35 Knoten von links nach rechts. Nichts darf auf dem Tisch draußen stehen: es wird gnadenlos heruntergefegt. So kommt es, dass wir uns von unserem letzten Weinglas verabschieden müssen. Glücklicherweise ist kein Wein drin, als es in tausend Stücke zerbricht. Abgesehen von den starken Winden in den ersten zwei, drei Tagen ist der Ankerplatz sehr schön: mit Blick auf die umliegenden Berge, einem Dingidock in der Nähe zum Wandern und einkaufen sowie Pigeon Island hinter uns, das ausgewiesenes Naturschutzgebiet ist und zum Schnorcheln einlädt. Wir fahren mit dem Dingi an Land und wollen uns eigentlich nur etwas die Füße vertreten, was dann aber in einer Wanderung von 5,5 km ausartet. Ohne Wasser. Wir wollten ja nur kurz spazieren gehen. Wir entdecken nämlich einen hübschen Wanderpfad direkt an der Küste entlang mit herrlichen Aussichtspunkten. Zurück müssen wir leider die Straße entlang, aber das bringt uns auch schneller zum ersehnten kalten Bier. Zum Einkaufen fahren wir mit dem Dingi in einen winzigen Fischerhafen, machen unser Dingi unter einem Baum fest, der als Brutstätte für weiße Reiher dient. In der Nähe befindet sich ein kleiner Carrefour, der das Wichtigste im Angebot hat. Obst und Gemüse kaufen wir lokal an kleinen Ständen an der Hauptstraße: Wir wollen die lokale Bevölkerung unterstützen.

Pigeon Island bietet ein wundervolles Schnorchelgebiet mit dem tollen Namen „Le Jardin de Corail“ (Korallengarten), was natürlich Erwartungen weckt. Aber wir werden nicht enttäuscht. Was wir lange vermisst haben, finden wir hier in Hülle und Fülle rund um die kleine Insel: Korallen, Fische, Muränen… Wir entdecken Fische, die wir bisher noch nicht gesehen haben (zB schwarze Weißbinden-Drückerfische en masse, Weißflecken-Feilenfisch, Drachenköpfe) sowie eine Putzergarnele.

Da gerade Regenzeit ist (Juni bis September), ziehen öfter kräftige Regenschauer über uns drüber. Das würde nicht weiter stören, wenn wir dann nicht immer sämtliche Fenster schließen müssten, weil es andernfalls überall reinregnet. Das führt dazu, dass es im Boot in sekundenschnelle kaum auszuhalten ist, weil eine Sauna entsteht. Kann mir mal einer verraten, warum Bootsbauer, die seit Jahrzehnten nichts anderes machen, solche Boote bauen? Eine vernünftige Lösung, das bestehende Konzept sinnvoll abzuändern, haben wir noch nicht gefunden; aber wir arbeiten dran :).

Weitere Wanderungen ersparen wir uns bei dem ständigen Regen: die Wanderpfade weichen sofort auf, sind schlammig und extrem glitschig. Wir wollen das auf den Herbst verschieben (sofern möglich), sobald die Regenzeit vorbei ist. Guadeloupe muss ein Traum für Wanderer sein und wir freuen uns da schon mächtig drauf.

Pigeon Island mit der „Theory“ von Gilles

Gilles ist uns auf den Fersen. Inzwischen hat auch er mit seiner „Theory“ Deshaies und danach Pigeon Island erreicht. Bei einem Bier erzählt er uns von Antigua. Da Macron die Zügel ordentlich anzieht, was sich selbstverständlich auch in den Überseedepartments (alle französischen Inseln gehören ja zu und sind Frankreich) bemerkbar macht, werde ich unruhig: ich will schnellstens nach Martinique, bevor die Situation unerträglich wird und wir womöglich nicht mehr reinkommen. Martinique hatte erst kurz vor den französischen Sommerferien die Grenzen mit umfangreicher Test- und Quarantänepflicht bzw. Impfnachweis geöffnet (immerhin ist die Angabe und der Beweis des Vorliegens wichtiger Gründe weggefallen), aber man weiß ja nie, wie lange das so bleibt. Und von Stefan, den wir auf St. Martin kennengelernt haben, haben wir erfahren, dass das Einklarieren noch relativ entspannt verlaufen soll. Schauen wir mal…

Daher treibt es uns schon am nächsten Tag, den 12. Juli weiter nach Süden.


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