Auf der Suche nach Asyl während des karibischen Lockdowns

Für die Ausreise aus Barbados müssen wir mit dem Boot schon wieder ins Hafenbecken, was uns nicht ganz einleuchtet, denn wir wollen ja weg. Dieses Mal müssen wir zwingend im großen Hafenbecken für die Kreuzfahrtschiffe anlegen. Glücklicherweise haben wir wenig Wind, so dass Alex gut manövrieren kann, aber das Anlegen an den riesigen harten Bumpern ist für unser Boot eine Tortur. Nachdem Alex im Zollgebäude war und wir die Ausreisegebühr bezahlt haben, sind wir auch schon draußen und segeln frohen Mutes nach St. Vincent und die Grenadinen. Es ist der 13. April 2020 um die Mittagszeit, als wir loskommen und erreichen nach einem sehr angenehmen Törn bei 10-16 Knoten Wind nach 100 NM bereits um 6:45 Uhr am nächsten Morgen die Hauptinsel St. Vincent. Wir ankern außerhalb der Blue Lagoon (dort befindet sich die Marina) direkt neben der Coast Guard. Da die Marina erst um 9:00 öffnet, frühstücken wir in Ruhe, hissen die gelbe Quarantäne-Flagge und bereiten uns aufs Einchecken vor.

Gegen 9:00 Uhr legen wir mit dem Dingi an und stehen auf der kleinen Brücke, die an Land führt, da kommt uns bereits eine Marinamitarbeiterin mit Mundschutz und Latexhandschuhen entgegen. Während sie mit den in Latex gefangenen, schwitzenden Fingern an der Maske herumzuppelt, fragt sie, woher wir kommen. Sie geht kurz telefonieren und eröffnet uns, das wir in Quarantäne müssten – und zwar an Land! Wenige Hotels hätten offen und wir müssten uns um alles selbst kümmern, dürften während der 14 Tage auch überhaupt nicht raus, müssten uns selbst um Belieferung mit Nahrungsmitteln kümmern, jeden Tag würde ein Arzt vorbeikommen, der unsere Gesundheit checkt und am Ende würde ein Test durchgeführt werden, der dann hoffentlich negativ sei; erst dann dürften wir uns frei innerhalb des Inselstaates bewegen. Und diese immensen Kosten sollen wir natürlich alle selbst tragen. MOCEAN müsste an eine Mooringboje der Marina, klar, denn draußen vor Anker würden wir sie definitiv nicht ganze 14 Tage unbeaufsichtigt lassen wollen. Der Schaden ginge in die Tausende. Wir fragen, ob das denn wirklich für uns gelte, weil wir doch seit Dezember in der Karibik seien, gerade von Barbados mit Ausgangssperre kämen und ich im Internet gelesen hatte, dass ja nur Reisende aus bestimmten Ländern (Festland) in Quarantäne müssten. Ja, müssten wir und die neuen Bestimmungen seien brandneu und deswegen noch nicht im Netz. Na toll. Und ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, die Quarantäne an Bord zu machen? Sie telefoniert wieder und verneint. Das ist uns definitiv zu teuer und wir lehnen die Einreise dankend ab. Jetzt haben wir aber ein Problem: wohin können wir denn, wenn sämtliche Inseln ihre Grenzen (also auch die maritimen) geschlossen haben? „Bleibt ja nur Martinique!“ sagen wir, weil wir Europäer sind. Aber ob man uns reinlassen wird? Auf dem Weg zu MOCEAN halten wir noch kurz – natürlich Social Distancing beachtend – bei einem österreichischen Pärchen. Für uns telefonieren Chris und Karin extra mit Bekannten, die in Martinique ankern und lassen sich rückversichern, dass dort Quarantäne auf dem Boot möglich sei. Aber ob wir überhaupt reinkommen, ist immer noch ungewiss.

Etwas niedergeschlagen und auch ein bisschen ratlos fahren wir zurück zu MOCEAN. „Wir hätten Barbados nie verlassen sollen.“ sagt Alex. Aber es ist nunmal wie es ist. Als wir zurück auf dem Boot sind, fährt die Küstenwache an uns vorbei. Wir wollen wenigstens eine Nacht ankern, um uns auszuruhen und am nächsten Tag nach Martinique aufzubrechen (wieder Segeln über Nacht). Durch die Nacht in 3-Stunden-Schichten zu segeln schlaucht, da kann das Wetter noch so angenehm sein. Alex ruft also die Küstenwache zu uns und wir fragen erstmal, ob wir nicht Quarantäne auf dem Boot machen könnten. Sie verneinen. Auch nach einem Telefonat mit dem Vorgesetzten ändert sich die Antwort leider nicht. Ob wir wenigstens eine Nacht zum Ausruhen vor Anker bleiben können. Nein, wir müssen sofort weg. Auch das noch. Wir sind total müde, aber es hilft ja nichts. Und dass wir nicht wissen, ob wir auf Martinique unterkommen, macht die Stimmung nicht besser. Gegen 10:00 Uhr geht es also schon wieder weiter, an St. Vincent und an St. Lucia vorbei. Am Vormittag des 15. April steuern wir nach 120 NM auf Martinique zu und befinden uns gerade vor der Küste im Süden, da sehen wir die Coast Guard auf uns zuschießen. Oh je, jetzt wird’s ernst. Über Funk unterhalten wir uns mit den Jungs von der Küstenwache, die neben uns in ihrem Boot sitzen. Woher wir kommen? Barbados. Unter welcher Flagge unser Boot segle? Oh shit, das könnte zum Problem werden. „USA.“ sagen wir ehrlich, fügen aber ganz schnell mehrfach aufgeregt hinzu: „We are Germans, we are Germans!“ Außerdem sagen wir, dass die Geschäfte auf Barbados geschlossen hätten und wir dringend Nahrung und Diesel bräuchten. Die Jungs beraten sich und mein Herz klopft wild. Schließlich das Urteil: „Normally, you have to stay outside, but for you… ok!“ Und damit sind wir drin. Wir bedanken uns überschwänglich und können unser Glück kaum fassen. Wir brauchen noch ca. 4 Stunden an der Südküste entlang gegen den Wind nach Le Marin immer mit der Angst im Hinterkopf, die Coast Guard könnte es sich wieder anders überlegen, weil sie nach Fort-de-France gerast ist und dort möglicherweise Rücksprache hält. Um 13:00 Uhr werfen wir den Anker an der Stelle, wo wir vorher bereits standen. Überglücklich ruhen wir erst mal aus. Wir wissen, dass die Capitainerie für heute sowieso geschlossen ist (knapp verpasst), also wollen wir einen Tag später einklarieren. Wir sind jetzt tiefenentspannt. Unser Ankerplatz ist derart ruhig, dass man das Gefühl haben könnte, wir seien gar nicht auf dem Wasser. Ich kann sogar Backzutaten ganz genau abwiegen :).

Das Einchecken funktioniert wieder problemlos: ich muss mir nur die Hände desinfizieren, bevor ich an den PC darf, mehr nicht. Und die Anzahl der Menschen, die sich in der Capitainerie aufhalten dürfen, ist begrenzt. Wir zahlen wieder 10€ und sind offiziell drin. Keine Aufforderung zur Quarantäne, weder von der Küstenwache noch von der Capitainerie. Haben wir Glück, oder was? Da wir ja auf Barbados ohnehin Quarantäne hatten, sind da Segler ganz schön gebeutelt, wenn sie auf jeder Insel erst mal 14 Tage Isolation über sich ergehen lassen müssen – und nicht jeder Segler hat so viel Platz auf seinem Boot. Wir nehmen die Quarantäneflagge runter, hissen die Flagge von Martinique und fahren erst mal einkaufen. Martinique ist ein Paradies für Segler, was das Einkaufen betrifft: günstiges Bier, preiswerter Wein in 3 oder 5 Liter-Packs, bestes Obst und Gemüse, es gibt viele Früchte, die es sonst nirgends gibt (zB Nektarinen, Pfirsiche, manchmal Himbeeren und Brombeeren, verschiedene Äpfel (manchmal sogar meine Lieblingssorte ‚Pink Lady‘), Birnen usw., es gibt französischen Käse (!), und auch ungesunde Sachen wie Erdnussflips für mich. Die Freude ist riesig.

Glücklicherweise müssen wir keine Maske tragen. Ungefähr die Hälfte der Einkaufenden tragen Masken; sie tragen sie auch, wenn sie allein im Auto sitzen. Mancher Segler kommt mit Dingi an und hat bereits ab Verlassen seiner Yacht eine Maske auf, obwohl es gar nicht vorgeschrieben ist. Aber die Maske stört erheblich, weshalb sie mit ihren Fingern ständig an der Maske herumfummeln, sie unter die Nase und manchmal sogar unter den Mund ziehen, womit sie es nur noch schlimmer machen und Viren und vor allem ihre Bakterien noch viel schneller verbreiten. Dann kann man’s ja im Grunde auch gleich sein lassen. Ich bin einfach nur dankbar, dass keine Maskenpflicht besteht, denn mit Alex gäbe das Diskussionen: er hat nicht nur Asthma, sondern auch noch einen gesunden Verstand und würde so ein Ding niemals tragen wollen. Wenn wir das jetzt auf Französisch irgendwo erklären müssten…, oh je.

Alex möchte gerne wieder in den Angelladen, aber sämtliche Geschäfte sind geschlossen. Wir gucken eigentlich nur durch Zufall ins Fenster, um wenigstens durchs Gucken den Kaufhunger zu stillen, da sehen wir tatsächlich Menschen in dem Laden. Da uns der Besitzer bereits kennt, lässt er uns schnell rein und schließt hinter uns ab. Auf Nachfrage sieht er sich selbst als systemrelevant, denn wo sonst sollen die Fischer ihr notwendiges Equipment kaufen? Alex sieht das genauso: systemrelevant, jawohl! So richtig systemrelevant nach dem Gesetz ist er nicht, aber die Polizei drückt ein Auge zu. Er hat nur an bestimmten Tagen geöffnet und so wissen wir, wann wir einkaufen können. Alex liebäugelt nämlich mit einer Harpune und kauft ein paar Tage später schließlich eine. Das Angeln ist manchmal wenig erfolgreich und so will er die Chancen auf ein Abendessen mit der Harpune erhöhen. Ich bin gespannt.

Menschen schauen sich nicht mehr an, grüßen sich nicht mehr, machen einen riesengroßen Bogen umeinander – von Social Distancing und Solidarität ist die Rede, dabei produziert man lediglich soziale Kälte, Einsamkeit und Angst. Hubschrauber fliegen die Strände ab und kontrollieren, ob sich alle an die Vorschriften halten. Die Strände sind absolut tabu. Wer einen Hund hat, darf an Land spazieren gehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass manche Segler ihre Hunde dann einfach weitergeben, damit jeder mal „raus darf“ :). Jetzt haben wir Kiteequipment und dürfen es nicht nutzen. Nicht mal absolut ungefährliches Standup-Paddling ist erlaubt. Eine Drohne umfliegt die Segler und rügt Fehlverhalten: sie verfolgt eine junge Dame auf dem SUP und fordert sie auf Französisch auf (!), sofort zu ihrem Boot zurückzukehren! Hightech auf Martinique, wer hätte das erwartet. Die Drohne verfolgt sie so lange, bis sie wieder auf ihrem Boot ist. Wir sind selber ab und zu mit dem SUP unterwegs, allerdings immer gegen 16-17 Uhr und werden nie erwischt. Die Polizei fährt mit dem Schnellboot die Ankerplätze ab und kontrolliert die soziale Isolation; auch mit Helikopter.

Zum Einkaufen benötigen wir immer noch einen Passierschein. Wir haben zumindest davon gehört, aber da wir kleine Rebellen sind, haben wir keinen. Und wir gehen jeden Tag quasi „einkaufen“, damit wir etwas Auslauf haben. Wir werden auch nicht kontrolliert, aber am Mittwoch, den 29. April werden wir tatsächlich mal angehalten: Wir sind gerade raus aus der Marina und geben Gas, da winkt uns die Polizei heran. Drei Polizisten und eine Dame mit Mikrofon sind auf dem Boot.

„Ihr seid zu schnell gefahren!“ Innerlich muss ich ein bisschen lachen, weil ich nie gedacht hätte, dass uns mal die Polizei wegen überhöhter Geschwindigkeit mit einem Dingi anhalten würde, zumal außerhalb der Marina und im Fahrwasser der Schiffe! Also gucken wir spärlich um uns herum, verstehen die Welt nicht und entschuldigen uns, auch wenn wir nicht so richtig wissen wofür eigentlich. Sie wollen unseren Passierschein sehen. Wir zeigen auf unsere Einkäufe; es ist offensichtlich, dass wir shoppen waren. Sie möchten aber unbedingt diesen Zettel haben. Da wir keinen haben, zückt einer der Beamten seinen Block für die zu zahlende Strafe. Ich übernehme das Gespräch, weil Alex sich bereits über die Notwendigkeit dieses Zettels aufregt (denn wir haben gelesen, dass Macron vorhat, den Passierschein in ein paar Tagen sowieso abzuschaffen und da wollen wir jetzt im Endspurt keine Strafe mehr zahlen); das Gespräch geht sinngemäß wie folgt weiter:

„Warum habt ihr keinen Passierschein?“

„Wir haben keinen Drucker.“ Stimmt nicht, aber das weiß er ja nicht.

„Das kann man auch handschriftlich machen.“

„Woher sollen wir wissen, was draufstehen soll?“

„Internet!“

„Wir haben kein Internet, weil alle Shop geschlossen sind und wir keine SIM-Karte kaufen können.“ Stimmt auch nicht, wir nutzen schon seit immer das CaptainWiFi in der Bucht; es ist nicht besonders gut, weil wir weit weg vom Accesspoint stehen, aber es geht.

Dann zählt der Polizist auf, was alles auf dem Zettel stehen muss. Eigentlich sind sie sich selber darüber uneinig, aber Name, Herkunft, Bootsname, Ankerplatz, Grund des Ausgangs und Datum natürlich.

„Für jeden einen Zettel oder kann ich für uns beide einen machen?“ Sie überlegen.

„Für jeden einen Zettel. Und zwar unterschiedliche: einen Zettel für das Einkaufen der Lebensmittel, einen Zettel für Arztbesuch, ein Zettel für Apotheke, ein Zettel für Tanken…“ Im Kopf zähle ich die ganzen Zettel zusammen; was für ein Unsinn. „Und unterschreiben nicht vergessen.“

Ich hätte noch mehr Fragen stellen können, um sie zu nerven, aber der eine Polizist hat den Block schon wieder weggelegt und wir werden – nachdem wir Besserung geloben – entlassen. Da der Polizist nichts von der Größe des Zettels gesagt hat und wir Papier sparen wollen, schreiben wir alle Infos ganz klein auf einen Zettel der Größe A8. Sollen sie halt eine Lupe nehmen. Aber wir werden nie wieder gefragt und so streichen wir jeden Tag das Datum durch und ersetzen es durch das aktuelle. Einige Tage später entfällt die Notwendigkeit des Passierscheins.

Das Schwimmverbot bleibt. Segler dürfen exakt 50m um ihr Boot herumschwimmen – immerhin. Leider sind die spannenden Riffs alle weiter weg (klar, man ankert ja nicht direkt im oder vor eine Riff). Unser „Hausriff“ ist 100m weit weg, also in der verbotenen Zone. Sofern wir keinen Hubschrauber sehen, schwimmen wir zum Riff. Es ist allerdings kein entspanntes Schnorcheln, weil wir immer wieder befürchten, aufzufliegen. Wir fühlen uns wie Kriminelle, dabei brauchen wir dringend Bewegung. Wir haben von Seglern gehört, die eine Strafe von 135€ zahlen mussten, weil sie am zu weit entfernten Riff (ca. 200m) schnorcheln waren – zu zweit und vom selben Boot! Trotzdem traut sich Alex mit der Harpune zum Riff. Im Wasser ist er eigentlich nicht zu sehen, aber dann kommt der Hubschrauber und umkreist die Lagune einige Male. Alex kommt schnell zurück und ist glücklicherweise rechtzeitig am Boot, so dass ich schnell und unauffällig die Harpune nehmen kann, bevor sie jemand entdeckt. Und dann kommt auch schon der Hubschrauber und setzt sich 150-200m direkt hinter uns fast aufs Wasser und beobachtet uns, Alex ist immer noch immer Wasser und versteckt sich jetzt unter MOCEAN. Im Grunde sieht es so aus, als würde er nur das Boot checken. Ich beobachte das Geschehen mit dem Fernglas und nach kurzer Zeit ist der Hubschrauber wieder weg. Das war beängstigend. Einige Tage später dürfen wir alle wieder normal schwimmen. Das nutzen wir, um ein versenktes Motorrad zu erschnorcheln. Viele Eichhörnchenfische tummeln sich hier.

 

Yacht-Transport in der Le Marin

Es ankern immer wieder mächtige Transportschiffe in der Lagune von Le Marin, um Segel- und Motorboote abzuholen – wie jedes Jahr, wenn die Saison vorbei ist. Dann kommt der Katamaran, der in Barbados neben uns geankert hatte, auch auf Martinique an. Er wurde erst in Fort-de-France weggeschickt, weil der Skipper Amerikaner ist, aber dann reißt ihm glücklicherweise das Großfall und er darf bleiben, um sich um ein neues zu kümmern. Sie müssen in eine 14tägige Quarantäne in die Marina. Auch andere Boote müssen in Quarantäne. Wir hatten wirklich Glück. Mit Giles (Capitain der THEORY) haben wir immer noch Kontakt: er erzählt, dass der Supermarkt auf Barbados jetzt wieder geöffnet hätte, aber er nur an bestimmten Wochentagen einkaufen könnte (nämlich einmal pro Woche), denn man habe die Tage nach den Anfangsbuchstaben der Nachnamen aufgeteilt. Verrückt. Da sind wir auf Martinique schon besser dran und hoffen, dass eine Maskenpflicht niemals kommt.

Selbstgemachte Pfannenpizza

Aus der Not heraus lerne ich, wie man Pizza komplett selber in der Pfanne macht. Wir haben zwar einen Backofen, aber der braucht so viel Gas, das wir – übertrieben gesagt – nach jeder Pizza eine neue Flasche anschließen müssten :).

Mitte Mai hebt Frankreich endlich die Ausgangssperre auf, aber es ändert sich trotzdem erst mal nicht viel. Zwar öffnen die Geschäfte nach und nach und wir können jetzt wieder ein Auto mieten, um Wandern zu gehen, was wir auch prompt machen: Wir übernehmen uns gleich mit der ersten (sehr schwierigen) Wander-/Klettertour mit 2 km auf die Spitze des 1.197m hohen Piton Lacroix (einer stark bewachsenen Felsnadel) mit grandioser Aussicht. Der Weg wird schon lange nicht mehr gewartet/nicht mehr begangen und ist dementsprechend bewachsen. Alex geht mit einem dünnen Ast vor und versucht, uns einen Weg freizuschlagen. Die letzten 700m geht es so steil bergauf, dass wir auf allen Vieren im Modder klettern. Glücklicherweise hat es nicht geregnet, sonst wären wir gar nicht erst hochgekommen. Die letzten Meter kann ich kaum laufen: meine Beine sind wie Pudding und ich habe sie nicht mehr unter Kontrolle. Am Ende des Tages brennen uns derart die Oberschenkel, dass wir einen Tag Pause brauchen. Drei Tage schmerzen die Muskeln heftig. Dann gehen wir im Osten Martiniques eine riesengroße Runde von knapp 9 km im Réserve Naturelle de la presqu’île de la Caravelle an der Küste entlang und u.a. durch Mangroven, gehen den 4,5 km langen Trace des Jésuites, der relativ steil hinunter zum Fluss Petit Nicolas, wo eine Hängebrücke wartet, und wieder hoch führt komplett von vorne bis hinten und wieder zurück auf der Suche nach der berühmten Martinique-Baumvogelspinne und finden sie schließlich auf einer anderen Wandertour im Réserve biologique intégrale du Prêcheur Grand’Rivière im Norden. Den Abschluss bildet Boucle d’Absalon, einer weiteren knapp 4 km langen Rundtour durch den Regenwald Martiniques, die wir leider abbrechen müssen, weil es kübelt wie aus Eimern und der Boden extrem glitschig ist, was bei den steilen Wanderwegen nicht gerade ungefährlich ist.

Aber wir können nicht wegsegeln. Auch nicht nach Guadeloupe. Dafür müssten wir auf Martinique aus- und auf Guadeloupe wieder einchecken, weil wir ja in internationale Gewässer segeln würden, und das ist derzeit noch nicht erlaubt. Und weil wir nicht wissen, ob Guadeloupe die Einreise ähnlich leger handhabt (immerhin handelt es sich ja um verschiedene Präfekturen, auch wenn sie zu Frankreich gehören), wollen wir kein Risiko eingehen. Und weil wir uns nicht bewegen dürfen, sind inzwischen Ankerkette und Hahnebot (Bridle) komplett zugewachsen:

Wir erfahren, dass der kleine Carrefour (Supermarkt) Maskenpflicht hat, also gehen wir dort einfach nicht einkaufen. So halten wir es mit sämtlichen Geschäften, die eine Maskenpflicht vorschreiben. Wir haben ja nicht mal eine. Neulich konnten wir noch zu McDonalds rein, Essen bestellen und draußen auf dem Bürgersteig essen, jetzt plötzlich darf man im selbigen Lokal zwar drinnen ohne Maske essen, aber bestellen muss man zwingend MIT Maske. Nicht nachvollziehbar, denn die Kassen sind ja ohnehin mit transparenten Trennwänden abgetrennt. Man muss diese Maßnahmen ja nicht verstehen, also verzichten wir eben auf fettige Pommes und essen selbstgemachten Salat – wie immer. Wir halten auch noch mal kurz in Fort de France, weil ich unbedingt die Schœlcher-Bibliothek von innen sehen will, aber sie ist wegen SARS-CoV2 leider noch immer geschlossen.

Nach und nach erwacht Martinique immer mehr zum Leben. Und nach wenigen Wochen ist es genauso wie früher. Die Restaurants öffnen mit zwei, drei Tischen weniger, was ohnehin angenehmer ist, aber sonst ändert sich glücklicherweise nichts. Immer mehr Menschen tummeln sich in den Geschäften und auf den Straßen – eine Wohltat. Und Alex ist ziemlich erfolgreich mit seiner neuen Harpune (es gibt also oft Fisch bei uns):

Großkonzerte sind natürlich noch nicht erlaubt, dafür haben wir Segler einen Vorteil: Helmut gibt nämlich jeden Samstag Abend von seinem Boot ‚Kepasa‘ ein beinahe 3-stündiges (!) Live-Konzert querbeet durch etliche Musikrichtungen, dabei ständig wechselnd mit E-Gitarre, Konzertgitarre und Saxophon. Er hat zwei Leinen zur Befestigung an seinem Segelboot angebracht. Die Segler sitzen in ca. 20 Dingis mit Bier, Wein und Cocktails bewaffnet hinter dem Rumpf seines Bootes und schauen zu bzw. singen mit. Mega! Wir treffen uns mit Charly und Suz von der PURRR, die wir durch Michelle und Glenn in Bequia kennengelernt haben; außerdem mit den Hamburgern Romina und Martin von der FLOW.

Jetzt rückt die Hurrikansaison immer näher, aber die Einreise auf andere Inseln bleibt weiterhin problematisch. Wir hoffen, dass sich die Situation in den nächsten Monaten noch entspannen wird, denn unser Ziel sind die ABC-Inseln….

SUP in den Mangroven bei Le Marin: unsere Lieblingsrunde des Tages

Barbados -> St. Vincent: 100 NM; St. Vincent -> Martinique: 120 NM

NM insgesamt: 7.235 NM


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