St. Lucia und: Was Boots- und Hundebesitzer gemeinsam haben

Wir klarieren wieder auf Union Island ein

und segeln zügig nach Bequia. Glenn und Michelle haben wir sofort auf dem Plotter und wissen, wo sie in der Bucht stehen. In der Nähe ankern wir, allerdings ist der Boden der freien Plätze schlecht: kein Sand, sondern tote Korallen/Stein, da gräbt sich der Anker nicht ein. Von oben sieht man schlecht, ob es sich bei dem hellen Boden um Sand oder tote Korallen/Stein handelt. Nur, wenn das Wasser ganz glatt ist, kann man den Boden sehen. Wir müssen fünfmal den Anker werfen und am nächsten Tag nochmal, weil der Anker laut Ankeralarm über Nacht ein bisschen gerutscht ist. Dann haben wir Glück, erwischen ein Sandfeld und der Anker hält. Die nächsten vier Tage verbringen wir mit Glenn und Michelle, laden uns gegenseitig aufs Boot ein, gehen Cocktail in der Floating Bar mitten in der Admiralty Bay trinken, lernen dabei ihre Bekannten Charly und Suz kennen, gehen essen, was wir sonst eher selten tun.

Danach trennen sich unsere Wege: wir wollen MOCEAN auf Martinique rausholen, Glenn und Michelle ihre ROSIESKYE auf Grenada – Glenn und Michelle wollen die Zeit des Haul-Outs nutzen, um kurz nach Australien zu fliegen, um dann nach ihrer Rückkehr ihr Boot selbst zu streichen und die Karibik bis zur Hurrikansaison weiter zu besegeln. Sie werden jedoch lange in Australien bleiben müssen, denn es wird vorerst keine Flüge mehr nach Grenada geben.

Alex hat in der Zwischenzeit nach günstigem Kitesurfequipment gesucht und einen Anbieter in der Slowakei gefunden (CrazyFly), der uns das Zeug nach Martinique schickt, denn auf den karibischen Inseln ist das gebrauchte Equipment wesentlich teurer als das neue aus der Slowakei, inklusive Lieferung (!). Außerdem hat sich Alex jetzt für Folding Propeller (FlexoFold) entschieden. Was wir in der Türkei vor allem aus Kostengründen noch abgelehnt haben, wollen wir jetzt ändern: es nervt, dass die Originalpropeller ständig Ärger machen. Die Bauweise der Folding Props verspricht lange Ruhe, also probieren wir es und bestellen sie aus Dänemark.

Wir besprechen mit der Werft auf Martinique, Carenantilles Le Marin, dass sie die Lieferungen entgegennehmen, bzw. uns Bescheid geben, sobald sich eine Lieferung ankündigt.

Von Bequia segeln wir nach St. Vincent; in der Chateaubelair-Bucht klarieren wir aus. Es ist Sonntag; das erkennen wir daran, dass der Beamte namens Keith den saftigen Aufschlag berechnet. Wir wissen nie, wann Wochenende ist, geschweige denn, wann Feiertage sind. Er hat alles fertig bis auf die Ausreisestempel in unseren Pässen. Den könne er nicht geben und der zuständige Beamte sei gerade nicht da; der komme auch erst Dienstag wieder. Es entsteht eine Diskussion zwischen ihm und mir, während Alex draußen am Strand aufs Dingi aufpasst. Ich bin unglücklich darüber, keinen Ausreisestempel zu bekommen, denn ich weiß nicht, wie genau die Inseln darauf achten. Keith meint, auf St. Lucia wäre das überhaupt kein Problem; noch nie sei jemand zurückgekehrt oder hätte sich beschwert. Ich hätte aber gerne die Stempel, weil ich aus anderen Ländern schon gehört habe, dass sie die Reisenden wieder zurückschicken. Dann wirft er mir vor, ich würde ihm nicht glauben und wird böse, weil ich seiner Meinung nach indirekt sage, dass er lügt. Ich versuche ihm deutlich zu machen, dass ich mich lediglich an ihre eigenen Vorschriften halten möchte. Er wird immer böser. Das ist der Punkt, wo ich erst mal aufhöre. Nachdem auch Alex erfolglos mitdiskutiert hat, lassen wir es sein und segeln ohne Ausreisestempel nach St. Lucia. Dazu muss man wissen, dass es sehr viele Segler gibt, die in der Karibik überhaupt nicht einklarieren und niemanden scheint das zu stören. Kontrolliert wird offensichtlich nie. Man kann sich jedoch nie sicher sein  und da wir keinen Ärger haben wollen, wollen wir notfalls, falls uns St. Lucia ablehnt, nach Martinique weitersegeln. Wir merken uns, dass wir in Chateaubelair nie wieder ein- oder ausklarieren wollen.

St. Lucia ist ähnlich eindrucksvoll wie St. Vincent: beides sind Inseln vulkanischen Ursprungs und deren Berge sind beeindruckend – zuweilen auch etwas düster. Die beiden berühmten Pitons von St. Lucia ragen majestätisch empor. Und ähnlich wie auf St. Vincent überraschen uns zwischen den Bergen immer wieder Fallwinde, die hochgehen bis auf 30 Knoten. Gerade eben war es noch beinahe windstill und ganz plötzlich schießt die Windanzeige von 4 Knoten auf 30 Knoten hoch. Das ist der Grund, weshalb wir an den Inseln nie mit dem Code 0 segeln, sondern nur mit unserer Fock. Wir segeln bis zur Rodney Bay im Norden von St. Lucia. Der Rest interessiert uns nicht, da wir nirgendwo ankern dürfen: alles voller Mooringbojen und wir haben noch keine Idee, wie wir die Mooringleinen am Boot so befestigen können, ohne uns die beiden Positionsleuchten und/oder die Sitze vorne abzureißen (bei anderen Booten schon passiert). Erst wenn wir dafür eine Lösung haben, können wir an eine Mooring – wenn wir das überhaupt wollen, denn wir ankern am liebsten schwojend. Den Platz im Norden der Bucht geben wir gleich wieder auf, nachdem ich beim Schnorcheln sehe, dass der Anker nur auf Stein liegt, die Spitze nur an einem kleinen Vorsprung festhängt und drum herum überhaupt kein Sand ist. Wir ankern um, vor dem Reduit Beach. Hier ist das Wasser so schmutzig, dass ich absolut nichts sehen kann und werde beim Schnorcheln nach dem Anker beinahe von einem Jetski überfahren. Ich hasse diese Dinger; deren Fahrer denken immer, sie hätten alles unter Kontrolle und preschen dann ständig durch das Ankergebiet, obwohl Menschen im Wasser sind, sind laut und rücksichtslos.

St. Lucia interessiert sich nicht die Bohne für Ausreisestempel. Wahrscheinlich von der ARC, die mit mehreren hundert Teilnehmern nach der Atlantiküberquerung dort landet, gewohnt, stempeln sie einfach nur alles ab, was ihnen vorgelegt wird. Ich habe zuvor per SailClear online einklariert, daher sind wir aus dem Office bei der Marina nach Vorlage der Bootspapiere schnell wieder draußen. Wir hätten auf St. Lucia überhaupt nicht einklariert, wenn wir lediglich eine Nacht geblieben wären (die Inseln gewähren unterschiedliche Grace Periods). Da wir uns aber mit der Familie von TikiTour (Dave und Diane) treffen wollen, mit denen ich Kontakt über Instagram pflege und die uns seit der Türkei folgen, klarieren wir für die zwei Tage ein. Das ist übrigens ein interessantes Phänomen: Segler sind ein bisschen wie Hundebesitzer, meistens kann man sich eher den Namen des Bootes merken, als die Namen des Skippers bzw. der Crew: ‚Hey, seid ihr nicht von der MOCEAN?‘; ‚Hey, bist Du nicht von der THEORY?‘; ‚Ich bin von der SALTY‘ – bei Hundebesitzern ist das ähnlich: ‚Hallo, ich bin Herrchen/Frauchen von Luna!‘ Häufig erlebt man, dass beim Kennenlernen überhaupt keine Namen ausgetauscht werden. Erst nach längerem Gespräch kommt dann: ‚Wie heißt Du/Ihr eigentlich?‘. Leider vergessen wir alle die Namen schnell wieder; es geht nicht nur uns so. Und man hat nicht etwa die Crew schon mal gesehen, sondern natürlich das Boot! ‚Ah ja, euer Boot hab ich schon mal gesehen!‘ Bei Union Island hat sich nach einer langen Unterhaltung mit der Dame, die auf Happy Island einen Cocktail neben uns getrunken hat, herausgestellt, dass „wir uns kannten“, soll heißen, die Boote haben hintereinander geankert. MOCEAN ist ziemlich auffällig, weil wir die Fender wie Torpedos an der Seite festgezurrt haben. Auf Union Island habe ich Wäsche gewaschen und die Dame war hin und weg vom ordentlichen Wäschetrockenen, weil wir uns extra Leinen gespannt haben. Da unser Boot ohnehin auffällig ist, hat sie sich den Namen gemerkt. Und interessanterweise reden Alex und ich auch so: ‚Wollen wir heute mal zur FLOW rüberfahren auf ein Bierchen?‘ oder ‚Die PURRR fragt an, ob…‘ Das ist eigentlich ziemlich witzig. Wahrscheinlich, weil es einfacher ist, den Bootsnamen zu nennen als beide (oder mehr) Namen der Crew. 

Mit der Crew von TikiTour (sie haben noch zwei Kinder, Keira und Fynn) treffen wir uns gleich zweimal. Zufälligerweise machen sie gerade Housesitting für einen verreisten Arbeitskollegen und so können wir gleich mal reinschnuppern, wie man so auf St. Lucia lebt – gar nicht schlecht.

Am nächsten Tag, am 20. Februar 2020 checken wir wieder aus und segeln weiter nach Norden nach Martinique. St. Lucia können wir ja später noch mal besuchen.

Sundowner mit Himbeeren und Vodka: der Vodka war ein Geschenk von einem polnischen Skipper, dessen teures SUP wir gerettet haben 🙂

Carriacou -> Union Island = 19 NM; Union Island -> Mayreau = 3 NM; Mayreau -> Bequia = 30 NM; Bequia -> St. Vincent = 22,5 NM; St. Vincent -> St. Lucia = 53,5 NM

NM insgesamt: 6.794 NM


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