Ein Blitzbesuch in Chefchaouen und: Segelpassage von Al Hoceima nach Gibraltar

Die Marina liegt am Fuße des hübschen, hügeligen Ortes Al Hoceima. Da wir einige Tage Zeit haben, wollen wir erst mal das Boot saubermachen und uns einen Überblick verschaffen, was uns Marokko in der näheren Umgebung so bieten könnte. Bereits am zweiten Tag unseres Aufenthaltes bekomme ich dann aber plötzlich doch noch eine Nachricht aus Gibraltar: ob ich denn vielleicht spezifizieren könnte, wann genau wir gedenken zu kommen. Was, jetzt doch? Gibraltar hatte uns ja bereits abgesagt und wir warten immer noch auf eine Nachricht aus Ceuta. Ich reagiere sofort und gebe die ungefähren Daten per Mail durch. Leider zurrt die Marina in Gibraltar die Ankunftsdaten allzu fest, so dass wir auf ein bestimmtes Datum festgenagelt werden. Das ist für uns, die ja lieber ohne verbindliche An- und Abreisezeiten (allein schon wegen des Wetters) unterwegs sind, eher unerfreulich.  Aber wir haben unendliches Glück, dass wir überhaupt einen Liegeplatz bekommen, in – buchstäblich – letzter Sekunde, daher diskutieren wir auch gar nicht erst mit der Dame rum. Leider bedeutet das für unseren Marokkoaufenthalt, dass wir keine 5 Tage Zeit haben, was unseren Zeitplan komplett durcheinander wirft. Es ist bereits 10:30 Uhr am Vormittag des zweiten Tages und schon morgen Mittag müssen wir Richtung Gibraltar aufbrechen, um gegen 9:00 Uhr am übernächsten Morgen anzukommen. Und ich wollte doch aber unbedingt noch nach Chefchaouen! Schon so lange haben wir uns nichts angesehen und es wäre schade, wenn wir Marokko ohne wenigstens einen kleinen Ausflug verlassen. Also organisiere ich in Rekordzeit eine private Fahrt in die „Blaue Stadt“. Das ist leider nicht ganz billig, aber ich würde mich ärgern, würden wir zumindest das nicht mitnehmen. Gegen 11:45 Uhr steht der junge Marokkaner Rafiq vor uns. Normalerweise braucht man für die Strecke 3 1/2, eher 4 Stunden, aber unser ca. 25jähriger Chauffeur beweist, dass er unter Missachtung sämtlicher Verkehrsvorschriften diese überraschenderweise doch sehr kurvige Strecke innerhalb von 3 Stunden schaffen kann. Rafiq fragt immer mal wieder lachend nach, ob alles ok sei, weil wir seine Überholaktionen mit weit aufgerissenen Augen quittieren, aber wir winken gespielt lässig ab. Nach den 3 Stunden tun uns die Hände und Arme vom etwas verkrampften Sitzen weh. In Chefchaouen haben wir ungefähr 2 Stunden Zeit, weil Alex unbedingt noch vor Dunkelheit die Rückfahrt antreten möchte: die rasante Fahrt ohne Tageslicht wäre der Horror. 

Chefchaouen ist eine nordmarokkanische Stadt und war und ist immer noch eines der Zentren des Haschisch-Anbaus, das offiziell verboten ist. Auch wir werden gefragt, ob wir etwas kaufen wollen, lehnen aber dankend ab. Dem „No Problem!“ der Einheimischen sollte man keinen Glauben schenken, denn für Grenzbeamte ist das sehr wohl ein Problem. Und als bei unserer Ausreise ein schnüffelnder Schäferhund auf MOCEAN losgelassen wird, bestätigt sich der Verdacht, dass der Haschisch-Anbau- und Konsum innerhalb Marokkos wohl nur geduldet wird.

Nach bereits drei Tagen heißt es gegen 11 Uhr dann leider schon wieder „Adieu Maroque“ und wir entschuldigen uns mehrmals beim netten Marinapersonal, dass wir nun doch nicht länger bleiben können. Um die 20 Stunden benötigen wir für die Überfahrt nach Gibraltar unter Motor: es ist total windstill! 

Alborán-Meer
Verkehr im Alborán-Meer

Das Alborán-Meer ist sehr geschäftig und wir müssen das Fahrwasser der großen Frachter und Tanker schnellstens queren. Besonders gruselig ist der dichte Nebel in der Nacht, der uns umhüllt: Alex hat gerade Wache, als sämtliche Frachter im Nichts verschwinden und Alex noch keine Ahnung hat, warum die Positionsleuchten entweder ganz plötzlich nicht mehr zu sehen oder ganz plötzlich auftauchen. Dann sind wir selber mitten im Nebel. Im Morgengrauen erreichen wir am 28. September 2019, im Dunst eingehüllt, Gibraltar. Wir umfahren die Spitze des Felsens, den Europa Point, denn unsere Marina befindet sich im Westen. Nur ganz langsam löst sich der Nebel auf, Sonnenstrahlen erhellen die Umgebung und geben den Blick auf den berühmten Gibraltarfelsen frei. Unsere Marina liegt wie in einem Innenhof umsäumt von Häusern. Die Mooringleinen muss ich zum ersten Mal selbst befestigen – Premiere. Vom Preis sind wir positiv überrascht, weil wir horrende Summen  von einer so frequentierten Marina erwartet haben: 33€ pro Nacht (exklusive Strom und Wasser) für unsere Dicke, also genauso viel wie Monastir und Al Hoceima von uns verlangt haben. 

Queens Way Quay Marina
Unser Liegeplatz in der Queens Way Quay Marina

Leider werden wir von den Einkaufsmöglichkeiten enttäuscht: Gibraltar ist einfach zu klein, um einen so großen Marinashop zu beherbergen, der einfach alles hat. Vielleicht haben wir auch nur zu hohe Erwartungen. Jedenfalls werden wir in den kleinen Shops nicht fündig. Wir lassen die Yanmar-Motoren servisieren und kaufen nochmal LiFePo4-Akkus bei RELION, die aus Mallorca kommen.

LiFePo4-Akkus in der Lagoon 42
Unsere 4 LiFePo4-Akkus im Motorraum (steuerbord)

Die Lieferung erfolgt extrem fix, was in Gibraltar aufgrund des Zolls angeblich nicht immer ganz so reibungslos verlaufen soll. Aber dann steht der Fahrer mit seinem Transporter vor der Marina und will Geld haben. Mit Blick auf die leere Ladefläche fragt Alex vorsichtig: „Wofür genau jetzt?“ Nach einem kurzen Telefonat mit dem Chef mit ALEX’ (!) Handy mit teurem Auslandstarif, weil seines natürlich leer ist, zeigt der junge Mann, der kein Englisch, sondern nur Spanisch spricht: „15 minutes!“ Er hat die Lieferung vergessen und muss jetzt nochmal los… Die beiden zusätzlichen LiFePo4-Akkus geben uns nochmal mehr Autarkie: wir werden nämlich langsam ein bisschen größenwahnsinnig. Ich träume von einer Waschmaschine an Bord, um immer und (fast) überall Wäsche waschen zu können, außerdem von einem Brotbackautomaten und dann wäre es doch noch schön, ein bisschen auf Gas zu verzichten und stattdessen mittels Induktionsplatte zu kochen… Natürlich haben wir von diesen Sachen noch gar nichts an Bord, aber WENN… Außerdem geben uns die zusätzlichen Akkus mehr Tage bei schlechtem Wetter. Stellt sich nur die Frage: wohin jetzt mit den ganzen Akkus? Zunächst sieht der Platz im Motorraum extrem klein aus und wir gucken unterm Bett, ob und wie wir am besten Kabel verlegen können. Nachdem die Suche aber eher ergebnislos verläuft, weil schwierig, MUSS denn doch alles irgendwie in den Motorraum reimgezimmert werden. Und tatsächlich: es passt gerade so.

Auch wenn es Morrison’s (großer Supermarkt mit vorwiegend britischen Produkten) gibt, zieht es uns zu LIDL und ALDI, in der Hoffnung auf bekannte Produkte. Irgendwann sehnt man sich wieder nach heimischen Produkten. Dazu müssen wir auch „nur“ 6 km von der Marina nach Spanien hineinlaufen, um dann festzustellen, dass es sich leider gar nicht um ALDI-SÜD handelt, wie die geografische Lage ja nunmal vermuten lässt, sondern nur um ALDI-NORD. Weder ALDI noch LIDL können unsere Bedürfnisse befriedigen und so können wir den Ausflug zumindest als „Work-out“ verbuchen, Trainingseinheiten, die an Bord etwas zu knapp kommen. Und dann lasse ich mir noch einen Fun-Stempel von Gibraltar (normalerweise wird nicht gestempelt, sondern die Pässe werden lediglich kurz begutachtet) in meinen Pass reinhauen, und Alex bekommt auch einen Stempel, obwohl er eigentlich gar keinen will, aber der Grenzbeamte ist schneller. Dass ausgerechnet das später für Probleme in der Karibik sorgen wird, kann ja keiner ahnen…

Und so warten wir auf ein günstiges Wetterfenster, um durch die Straße von Gibraltar zu den Kanaren zu segeln. Innerhalb der gebuchten Woche weht der Wind jedoch genau aus der falschen Richtung; nämlich INS Mittelmeer. Dazu noch die Strömung… Gegenan ist etwas, auf das wir seit der Segelei durchs Mittelmeer ganz gern verzichten möchten. Da wir aber gelesen haben, dass die Gibraltar-Marinas Segler aufgrund der begrenzten Liegeplätze bei jedem Wind und Wetter rausschmeißen (müssen), sind wir unruhig, als wir das Marinabüro betreten, um um ein paar Tage Aufschub zu bitten. Unser Platz ist schon vermietet, der Nachfolger hat bereits bezahlt und wird sein Winterquartier auch pünktlich antreten, aber erst … oh Gott sei dank … die Woche drauf. Uns bleiben also noch 7 Tage, die wir aber gar nicht komplett in Anspruch nehmen müssen. Am 08. Oktober 2019 heißt es: Leinen los!

Marokko -> Gibraltar: 103 NM —– NM insgesamt: 2.807 NM


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