Eine verhängnisvolle Flussdurchfahrt

Nach dem Song Köl wollen wir noch mal einen kurzen Abstecher ins Landesinnere machen, damit wir auch noch eine Idee vom zentralen Kirgisistan bekommen. Wir werden mit schönen Passstraßen mit herrlicher Aussicht belohnt. Dann fängt es an zu regnen, die Piste weicht auf. Vor dem nächsten Pass haben wir jetzt etwas Bammel: es geht relativ steil bergauf und die Piste ist matschig. Wir lassen einen Kirgisen mit seinem LKW vorfahren, um zu gucken, wie der sich schlägt. Kein Problem, aber trotzdem er kaum etwas wiegt, weil er nämlich leer ist, rutscht er hin und her. Nur beeindruckt das Kirgisen nicht besonders, da heißt es erst recht: „Dawai!“ Wir hinterher. Der Kirgise sieht uns und bleibt stehen, um zu gucken, ob wir es schaffen. Mit Gerutsche und Gewackel kommen wir durch.

Danach will der Kirgise mit uns Vodka trinken. Da wir noch Strecke machen wollen, lehnen wir dankend ab. Da die Verständigung ohnehin kaum möglich ist, gehen wir lieber auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz, denn das ist hier gar nicht so einfach: kaum gerade Stellen und die Wiesen sind wässrig; da fahren wir lieber nicht drauf.

Jetzt soll es aber endlich vom Yssykköl gehen. Wir haben eine schmale Straße von der A 365 abgehen sehen und wollen noch mal ein bisschen Abenteuer. Ich hatte in der Karte gesehen, dass ein Abschnitt der Straße mit „4×4“ benannt ist; cool, haben wir ja, da will ich lang und so navigiere ich Alex zur „4×4-Straße“. Der Asphalt hört, wie bereits gewohnt, bald auf und wir folgen der Piste bergauf, die sich durch die Berge und durch mehrere Täler windet.

Am Tag drauf stehen wir plötzlich vor einer Brücke. Ein Schild steht davor: 3t. Oh je, denken wir, das passt rein rechnerisch nicht: 3t zu 10,irgendwas t. Wir inspizieren die Brücke und stufen sie als nicht besonders Vertrauen erweckend ein. Löcher und die Brückenenden lassen erahnen, warum die Brücke nur für 3t gedacht ist.

Was ist mit dem Fluss? Sieht auch nicht gut aus: ein paar große Steine, sonst eher sandig. Ich bin dagegen und will eigentlich einen LKW-Fahrer fragen, aber Alex hat bereits die Schuhe aus und watet schon wieder im Fluss. Eine Stelle hat er auserkoren, die seiner Meinung nach kein Problem sein dürfte. Ich melde kurz Bedenken an, steige dann aber doch in den Benz. Ich muss einen kleinen Abhang hinunter, dann ins Flussbett und was ich dann machen soll, da sind wir uns bis heute uneinig: Alex meint, er hätte gesagt, ich soll einen kleinen Bogen nach links fahren; ich meine, er hätte gesagt, einfach geradeaus rüber. So kommt es, dass ich nach Alex‘ Ansicht – nach meiner natürlich völlig richtig – vom Kurs abkomme und den „falschen“ Weg durchs Flussbett einschlage, den Alex wohl gar nicht gecheckt hatte. Ende vom Lied ist: ich schaffe es mit den Vorderpfoten aus dem Flussbett, das hintere linke Rad schafft es gerade noch aus dem Wasser, aber das hintere rechte leider nicht. Die Graskante ist auch etwas höher als vom Fahrersitz vermutet. Ich bleibe also hängen. Dummerweise ist genau an der Stelle Matsch/Schlamm. Dass Alex „Scheiße!“ gerufen hat, hab‘ ich gar nicht gehört.

„Wir sind quitt“ sagt Alex, als er neben mir steht. Ich bin da anderer Meinung, aber egal, wir haben jetzt ein Problem: Der Benz hängt total schief im Wasser und schafft es nicht raus. Alex holt die Schaufel und buddelt im eiskalten Flusswasser – das kommt ja direkt aus den Bergen. Er schaufelt und schaufelt, bis er der Meinung ist, er hätte genug geschaufelt. Ich habe derweil Steine herangeschleppt, die wir unter die Räder legen, Alex gibt vorsichtig Gas (den Benz wieder rauszuholen überlasse ich gerne ihm) und – nix passiert. Er buddelt weiter, inzwischen ist schon der Unterfahrschutz im Sand des Flussbettes verschwunden; den muss er nun auch noch freibuddeln. Blöd, dass der Fluss auch noch Strömung hat, das heißt, es ist ein bisschen verlorene Liebesmüh, was er da macht. Schließlich legt er unsere Auffahrkeile drunter, probiert es nochmals, nichts bewegt sich. Keine Chance.

Also gehe ich zu den Jurten hinter uns und versuche, Hilfe zu holen. Ja ja, sagt der Mann, ein Kamaz käme. Vier Leute aus der Jurte steigen prompt in ein Auto und düsen los. Ich bin der Meinung, dass sie Hilfe holen, aber das ist ein Missverständnis, wie sich später herausstellen soll. Ich soll in die Jurte kommen, etwas essen, aber ich will Alex nicht allein lassen. Also stehe ich wieder neben ihm. Schließlich kommt der Mann von der Jurte zu uns und sagt, ein Kamaz würde kommen. Dabei zeigt er in immer wieder andere Himmelsrichtungen. Wir sind verwirrt: kommt denn nun einer? Der PKW mit den vier Leuten ist doch in eine andere Richtung gefahren? Wann der Kamaz denn kommen würde, fragen wir. Schulterzucken – keine Ahnung. Oh je, denken wir. Erst später geht uns auf: es hat niemand Hilfe geholt, sondern hier fahren immer wieder in bestimmten Abständen zwei Kamaz vorbei: ein weißer und ein orange farbener und auf einen von den beiden warten wir nun. Inzwischen haben zwei Kleintransporter gehalten und es stehen 12 Mann um uns herum, begutachten den hilflosen Benz, unser Bergeequipment, das Alex vorsorglich schon herausgeholt hat, falls der Kamaz gleich kommt. Der Mann aus der Jurte erzählt uns irgendwas, das wir nicht so richtig verstehen. Seiner Meinung nach seien wir wohl falsch durch den Fluss gefahren – ach was?!

Unser Retter
Der orange farbene Kamaz; der Reiter fängt ihn bereits ab

Irgendwann kommt der orange farbene Kamaz. Ein Kirgise auf einem Pferd reitet schnell zu ihm, sofort biegt er in unsere Richtung ab, stellt sich vor uns, Alex macht das Seil fest, der Kamaz zieht uns einfach raus – ohne Probleme. Wir sind wieder frei. Alex drückt dem Kamaz-Fahrer als Dank Geld in die Hand, das er gerne annimmt. Der Mann aus der Jurte will auch Geld und fordert Alex auf, ihm etwas zu geben, obwohl er eigentlich nichts gemacht hat. Das ist mal ehrlich!

Schließlich stellen wir fest, dass wir uns den ganzen Ärger hätten sparen können, und zwar aus zwei Gründen:

  1. fährt der voll beladene Kamaz über die 3t-Brücke, als wär nichts. Ja ja, es gibt zwar dieses 3t-Schild, aber das sagt nichts aus. Und
  2. können wir mit dem Benz überhaupt nicht die 4×4-Straße befahren, erklärt uns der Reiter. Er käme von dort: die Straße sei statt mit 204 PS mit nur lediglich 1PS „befahrbar“, der Pass sei ohnehin gesperrt.

Na toll. Und so säubern wir schnell das Equipment, lassen wieder mal Wasser aus den hinteren Staukästen auf der Beifahrerseite heraus und treten über die 3t-Brücke den Rückzug an.

Yaks
Eine Herde Yaks

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