Über die Reiseapotheke und Verletzungsgefahr unterwegs

Bei meinem früheren Arbeitgeber war es so, dass die unfallfreien Tage gezählt wurden; ganz groß im Eingangsbereich auf einem Monitor prangte unübersehbar für jeden Mitarbeiter eine Nummer, die – so alles gut ging – täglich zulegte. Hatte der Standort einen Hunderter-Schritt voll, gab’s Kuchen für alle. Gab es hingegen einen Unfall, wurde genullt. Bei uns war gestern so ein Tag, wo wir nullen mussten. Das hat mich dazu bewegt, mal etwas über die Verletzungsgefahr beim Reisen und unsere Reiseapotheke zu schreiben – und zwar ohne Kuchen.

Entsprechend den Umwelt- und Hygienebedingungen können Krankheitserreger auftreten, gegen die unser Körper machtlos ist, weil er keinen natürlichen Schutz aufgebaut hat. Die Gesundheit kann auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt werden:

  • Lebensmittel
  • Wasser
  • Klimaextreme
  • Sicherheitsstandards von Autos/Straßenverkehr
  • Umweltbedingungen (zB Malaria)
  • Hygiene

Gegen bestimmte Krankheitsrisiken kann man sich nicht im Vorhinein schützen. Umso wichtiger ist es, darauf vorbereitet zu sein und Ernstfall Schlimmeres verhindern zu können.

Impfungen

Impfungen gehören zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen. In Ländern mit wärmerem Klima, einfachen Lebensbedingungen, schlechtem Gesundheitswesen machen heute noch Infektionskrankheiten einen großen Anteil an Todesursachen aus. Daher haben wir die Grundimpfungen (gegen Tetanus, Diphterie und Poliomyelitis) vor unserer Reise beim Hausarzt erledigt. Je nach Reiseziel können aber noch andere Impfungen wichtig sein, zB Hepatitis, Gelbfieber usw. Darüber sollte man sich beim Auswärtigen Amt für jedes Reiseland erkundigen.

Hygienestandards

In Deutschland ist es kein Problem, mal eben ins Krankenhaus zu fahren. Die Hygienestandards sind hoch, die Verständigung perfekt. Außerhalb Deutschlands wird es schon schwierig, auf Englisch zu erklären, was einem eigentlich fehlt. In vielen Ländern entspricht das Gesundheitswesen nicht dem deutschen Standard; die ärztliche Versorgung ist unzureichend. Hier in Zentralasien will man erst recht nicht ins Krankenhaus: die wenigsten sprechen Englisch und wenn man auch noch das Pech hat, sich die Verletzung nicht gerade in der Nähe einer Großstadt zugefügt zu haben, dann sieht es sowohl sprach- als auch hygienetechnisch eher schlecht aus. Deshalb ist Alex auch immer derjenige, der sagt: „Sei bloß vorsichtig!“ Dass sich das nicht unbedingt mit den zugezogenen Verletzungen deckt, sieht man unten.

Was haben wir in der Reiseapotheke?

Unsere Medikamentenschublade
Unsere Medikamentenschublade

Es ist immer gut, einigermaßen vorbereitet zu sein. Auf alles kann man sich nicht vorbereiten, aber es ist hilfreich, Schlimmeres zu verhindern, indem man ein paar Medikamente dabei und ein paar Grundkenntnisse in „Erste Hilfe“ hat. Es gibt zwar fertige Sets mit Medikamenten in der Apotheke zu kaufen, aber besser ist, man stellt sich das Set selber nach eigenen Bedürfnissen zusammen. Daher habe ich mir die Mühe gemacht und mal in einem PDF alles an Medikamenten zusammengetragen, die wir dabei haben:

Unsere Reiseapotheke als PDF

Achtung: Auf Fernreisen sollte man immer die länderspezifischen Vorschriften beachten! Was in Deutschland erlaubt ist, kann in anderen Ländern verboten sein. Gutes Beispiel ist Georgien: schon die Einfuhr von harmlosen Halstabletten mit einem bestimmten Wirkstoff kann dazu führen, dass man sich vor Gericht verantworten muss. Aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Singapur haben besonders strenge Regeln für Schmerz- und Beruhigungsmittel. Also, Vorsicht bei der Einfuhr von Medikamenten. Manchmal kann bei wichtigen Medikamenten auch eine ärztliche Bescheinigung mit Stempel und Unterschrift des behandelnden Arztes hilfreich sein, die bei einer möglichen Kontrolle einfach vorgelegt werden kann, um Diskussionen zu vermeiden.

Der Medizinische Ratgeber
Der Medizinische Ratgeber

 

Darüber hinaus haben wir einen „Medizinischen Ratgeber„, ein kleines Handbuch, dabei, den ich noch von meinem letzten Arbeitgeber in meiner Reiseapotheke bekommen habe. Darin sind ein paar interessante Informationen zu den verschiedensten Erkrankungen: Vorbeugung, Übertragung, Krankheitsbild, Diagnose, Behandlung/Erstmaßnahmen sowie allgemeine Informationen zu Impfungen und Ausrüstung zu finden.

Wie lagert man Medikamente?

Wie zu Hause auch muss man auf die optimale Kühlung der Medikamente achten. Sie sollten kühl, trocken und dunkel gelagert, meist so zwischen 15 und 25 Grad werden. Wir haben dafür eine extra Schublade. Einige Medikamente lagern wir im Kühlschrank, zB Advantan.

Und wie sieht denn unsere bisherige Verletzungsbilanz aus?

Viele werden denken: „Was soll schon groß passieren, wenn man die meiste Zeit im Auto hockt und herumfährt?“. Daher liste ich hier mal unsere Verletzungen auf:

Alex

Alex Fußverletzung
Alex‘ Fußverletzung nach etlichen Tagen: immer noch stark geschwollen und der Bluterguss bis fast zum Knie gut zu sehen

Mai 2015, Spanien: Wir gehen in Sardenes klettern. An einer eigentlich sehr leichten Wand mit Reibungskletterei befindet sich der Ausstieg 6m über dem letzten Sicherungspunkt. Alex will nur mal einen seiner Keile ausprobieren, weil es sich gerade so schön anbietet. Leider hält er nicht und Alex stürzt mindestens 12 m (plus Dehnung des Seils) in die Tiefe. Dabei zieht er die in Mitleidenschaft, die ihn hält. Ich werde ruckartig an die Wand gezogen, aber abgesehen von leichten Prellungen und Abschürfungen ist alles ok. Bei Alex sieht das anders aus. Aufgrund der Schwere der Fußverletzung wollten wir schon fast ins Krankenhaus, aber Alex kannte das schon und wir haben eine Aircast-Schiene gekauft. Der Bluterguss ging nach ca. zwei Wochen langsam von allein weg und durch’s Schonen konnte Alex nach einigen Wochen wieder gut laufen. Alex konnte mehr als 1 Jahr lang nicht klettern und noch heute spürt er die Verletzung, wenn er den Fuß überanstrengt!

Februar 2017, Deutschland: Bei der Metallbearbeitung während des Ausbaus vom Benz gerät Alex‘ Daumen in die Tischkreissäge. Gott sei dank nicht zu tief, so dass die Verletzung leicht zu versorgen war und schnell abheilen konnte.

Fiskars-Säge
Fiskars-Säge: mit diesen Zacken schnitt sich Alex in die Ferse

August 2017, Türkei: Wir machen ein Lagerfeuer am See und Alex möchte das Holz klein sägen. Dafür eignet sich unsere Fiskars-Säge hervorragend. Aber Alex sägt irgendwie zu tief, jedenfalls sägt er plötzlich seinen Fuß mit! Die Zähne der Säge arbeiten sich tief ins Fleisch der Ferse hinein und hinterlassen eine unschöne Wunde. Nachdem ich den Schmerz nochmal mit Jod-Tinktur vergrößert habe, verbinde ich alles. Wir müssen mehrmals den Verband wechseln, weil es höllisch blutet. Die Verletzung heilt jedoch relativ schnell gut ab, Alex trägt nur eine Narbe davon.

September 2017, Griechenland: Alex will mal schnell unters Auto gucken. Leider gibt es hier sehr viele scharfe Kanten. Als er wieder hervorkommen will, tut er das am falschen Ort unterm Benz. Es wummert ordentlich und er hat einen tiefen Schnitt in der Kopfhaut. Ich versuche, so gut es geht zu säubern und mit antiseptischer Salbe zu verarzten. Nach einigen Tagen ist die Wunde gut verheilt und Alex mit einer weiteren Narbe verziert.

Juni 2018, Kirgisistan: Alex will angeln. Mit seiner Angel klappt das hervorragend. Da ich keine Angel wollte, habe ich lediglich eine aufgewickelte Schnur mit Angelhaken und Gewicht, die ich durch geschicktes Schleudern ins Wasser befördere. Bisher hat das gut geklappt. Wir stehen am Yssykköl und wollen unser Glück versuchen. Während ich kurz weg bin, weil ich Fotos vom Stellplatz schieße möchte, macht sich Alex an meiner Angelschnur zu schaffen. Fixiert ausgerechnet das größte Gewicht und den größten Angelhaken, das bzw. den wir haben, holt aus und lässt los. Leider verfängt sich dabei der große Angelhaken übelst in seiner rechten Hand. „Das Gewicht flog aber trotzdem noch ordentlich und hat das Stahlvorfach zerrissen!“ erklärt er mir stolz. Der Haken steckte aber noch in Alex‘ Hand! Keine Ahnung, wie er das geschafft hat. Als ich zurück bin, hat er sich irgendwie selber den tief sitzenden Angelhaken aus dem Muskelfleisch mit der Kombizange herausgezogen. Jetzt muss nur noch Jod drauf und ein Pflaster. Dummerweise war am Angelhaken ein Stückchen Hähnchenherz und deswegen macht sich Alex berechtigterweise Sorgen. Alles geht gut und die Wunde ist bereits zwei Tage später wieder gut verheilt.

 

Nicole

Verletzung durch Steinschleuder
Verletzung durch Steinschleuder: spitzer Stein traf direkt auf den Knochen des Zeigefingers und einen Teil des mittleren Fingers

Juli 2015, Spanien: Wir haben uns Steinschleudern in Marvao gekauft. Jedes Kind spielt damit. Wir wollen jetzt auf dem „Torre“ in Spanien Wettschießen und zwar auf Dosen. Keine Ahnung warum und wie ich das geschafft habe, aber ich schieße mir den spitzen Stein auf die Finger der Hand, die die Steinschleuder hält. Das tut scheiße weh, ich kann tagelang den Zeigefinger nicht bewegen und noch ein Jahr lang spürte ich die Verletzung, wenn ich den Zeigefinger krümmte.

 

Bluterguss
Bluterguss durch eingeklemmte Finger in der Tür

Januar 2016, Island: Alex will raus und irgendwas machen. Er schlägt die Eingangstür schwungvoll zu; leider befinden sich meine Finger am Türpfosten und bekommen gnadenlos die Kante der Tür ab. Das tut verdammt weh. Außer einem Bluterguss, der erst nach laaaanger Zeit rauswächst, ist alles ok.

Dezember 2017, Deutschland: Wir gehen in die Kristalltherme in Bad Füssen. Eigentlich nicht weiter schlimm, denkt man. Doch einen Tag später ist mir schwindlig, und zwar den ganzen Tag. Alles dreht sich unentwegt; es ist, als ob ich die ganz Zeit Karussell fahre und es hört und hört nicht auf. Im Liegen geht es einigermaßen. Trotzdem kann ich nichts bei mir behalten und übergebe mich mehrmals am Tag. Instinktiv versuche ich, den Schwindel „wegzuschütteln“, aber offensichtlich nicht genug. Außerdem habe ich keine Ahnung, was mir fehlt. Nach drei Tagen gebe ich weinend auf; ich will ins Krankenhaus. Die Ärztin diagnostiziert Lagerungsschwindel – nie gehört. Dabei haben sich die Kristalle in meinem Ohr verschoben und den Schwindel verursacht. Was es nicht alles gibt. Die Therapie: Ich muss mich hinsetzen und Alex muss mich zur Seite schmeißen. Dabei ist es von Vorteil, darauf zu achten, dass sich links und rechts kein Schrank oder etwas anderes Hartes befindet, was im Wohnmobil ja manchmal eine Herausforderung ist. Durch diese Provokationsmanöver, die man mehrmals am Tag und ein paar Tage lang durchführen muss, habe ich buchstäblich aufgehört zu schwindeln..

Fazit

Bei uns werden die meisten Verletzungen gar nicht beim Fahren, durch Handwerk oder durch Krankheiten hervorgerufen, sondern bei Hobbys oder im Spiel! Von Magen-/Darmkrankheiten sind wir bisher verschont geblieben. Hin und wieder mal Kopfschmerzen und eine Erkältung, aber das war’s dann auch schon.

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