Bishkek: Auf der Suche nach Ersatzteilen

Ich hatte ja in einem der Tadschikistan-Artikel geschrieben, dass es Länder gibt, in denen eine auffällige Anzahl bestimmter Automarken herumfahren, anhand derer man sich als Reisender gut orientieren kann, wo man gerade ist. Kirgisistan ist wieder so ein Land: gefühlt jedes dritte Auto ist ein Audi 100. Warum hier ausgerechnet der Audi 100 Hochkonjunktur hat/hatte, ist bei den Straßenverhältnissen unbegreiflich; Lada 4×4 und UAZ passen da viel besser ins Bild und auf die Straßen…, was man so Straßen nennen kann, denn häufig sind es doch noch Pisten. Was noch auffällt, sind die unzähligen Übersee-/Schiffscontainer, die hier überall im Land verteilt herumstehen. Sie dienen als Verkaufsbuden, Werkstätten (der meiste Verwendungszweck), ja sogar Häuser mit (!) Erker werden aus den Containern gebaut und letztens habe ich – unglaublich, aber wahr – eine Moschee (!) gebaut aus Schiffscontainern gesehen; mit zwei Fenstern drin. Wahnsinn.

Am 7. Juni 2018 erreichen wir am Abend Bishkek, Kirgisistans Hauptstadt. Unser Hauptanliegen immer noch: Ersatzteile für den Benz, vor allem neue Luftfilter müssen her. Zunächst brauchen wir jedoch einen Übernachtungsplatz in Bishkek. Von Mirco und Sahra haben wir den Namen eines Hostels bekommen, das sogar mit ähnlichem Namen in maps.me verzeichnet ist, nicht ahnend, dass wir uns missverstehen. Als wir in der engen Straße ankommen, ist da kein Hostel mehr. Ich spreche eine Frau in der Nähe an und frage nach dem Hostel, aber das ist natürlich nicht bekannt. Sie fragt für mich sogar noch eine Reihe anderer Leute, obwohl sie sicherlich besseres zu tun hat, denn sie ist im 8. Monat schwanger. Und dann stellt sich heraus, dass Sahra dachte, wir hätten nach dem Hostel in Astana, Kasachstan gefragt! Da können wir natürlich lange suchen. Wir stehen gerade noch unschlüssig auf dem engen Hof herum, als uns plötzlich ein Mann auf Deutsch anspricht. Seinem Dialekt nach vermute ich, dass er aus Berlin kommt. Ralf lebt schon jahrelang im Ausland; derzeit in Kirgisistan. Wir teilen ihm unter anderem unser Leid mit, dass wir auf der verzweifelten Suche nach Ersatzteilen für den Benz sind. Und wie der Zufall es will, kennt er doch tatsächlich jemanden, der bei Asia Motors (Koordinaten: 42.855313, 74.642325) arbeitet und sogleich vorbeikommt. Der junge Man gibt uns seine Visitenkarte. Asia Motors vertritt Mercedes Benz, Hyundai und Renault. Wieviel Glück kann man eigentlich haben? Wir übernachten gleich in der Nähe der Werkstatt auf einem ruhigen Parkplatz (Koordinaten: 42.853561, 74.636637).

So werden wir am nächsten Tag bei Asia Motors vorstellig und wollen die Luftfilter bestellen. Es soll einen Monat dauern. Wir sind entsetzt. Nein, so lange warten wir nicht. Sie bekämen nur einmal im Monat Ersatzteile aus Deutschland, daher die Wartezeit. Wir fragen, ob das nicht schneller ginge? Es wird telefoniert und gefragt. Schließlich erhalten wir die gute Nachricht: Ja, die Luftfilter seien in drei Tagen da und würden nun aus Moskau kommen. Toll! Man will noch nicht mal Vorkasse von uns!

Wir finden noch mit Hilfe der App „iOverlander“ einen Car Bazar und gucken nach weiteren Ersatzteilen. Das dauert. Der Basar ist riesig. Hier stehen besagte Schiffscontainer in Reih und Glied. Alles wird hier verkauft: vom kleinsten Nupsi zur Befestigung von Verkleidung im Fahrerhaus über Kardanwellen bis Federn, einfach alles. Wir finden ein paar Kleinigkeiten, weil wie das beim Shopping so ist: beim „Nur-mal-gucken-was-es-so-gibt“ bleibt’s ja meistens nicht; wir kaufen unter anderem Kupfermuttern für den Auspuffkrümmer, Universal-Kraftstofffilter für die Dieselheizung und Dichtringe für Kraftstoffleitung. Besonders hilfreich ist der Stand von Azeman, der sehr gut Englisch spricht und in vielen Fragen äußerst hilfreich zur Seite steht. Unter den Nummern kann man die Ersatzteile bei Azeman bestellen:

Und während wir so durch den Car Bazar laufen, summe ich unweigerlich das Lied „How Bizarre“ von OMC im Kopf mit. Ob das am Reim liegt, oder weil es wirklich für mich ein bizarres Bild ist…, wahrscheinlich beides.

Wir vertreiben uns die Wartezeit im Ala-Archa Nationalpark.

Auch dieser Nationalpark, ca. 40 km südlich von Bishkek, verlangt eine Eintrittsgebühr. Erst verlangen die Wärter eine merkwürdig hohe Gebühr, aber nachdem Alex versichert hat, dass er imstande ist, die Tafel mit den Eintrittsgeldern zu verstehen, muss er nur die dort aufgeführte Gebühr für einen LKW bis 10t zahlen. Wir dürfen wieder so lange bleiben, wie wir wollen. Unser Ziel ist eigentlich der Uchityel, ein 4.552m hoher Berg, den wir bequem vom Nationalpark aus erreichen. Doch da wir lange nicht mehr körperlich aktiv waren, wollen wir es langsam angehen lassen und am nächsten Tag zunächst bis zum Wasserfall (hin und zurück 10 km) laufen. Am nächsten Tag stiefeln wir los, ohne Essen, ohne Getränk. Doof. Nach 2 km bin ich schon durstig. Die Sonne brennt gnadenlos; dank „Zwiebel-Look“ können wir uns um einige Schalen erleichtern. Als wir nach 3 km das „Tepshi Plato“, einen hübschen Aussichtspunkt erreichen, verdunkelt sich der Himmel und schon ist es kalt. Alles, was wir ausgezogen haben, ziehen wir wieder an. Wenige Meter weiter fängt es an zu tröpfeln. Umkehren? „Nein!“ sage ich entschieden, „Wir haben schon lange nichts körperlich Anstrengendes mehr gemacht und die paar Tropfen werden uns jetzt nicht aufhalten!“ Wir kommen am ersten Wasserfall links vorbei und machen einen kleinen Abstecher, endlich trinken! „Schnell zum anderen Wasserfall!“ sage ich und im nächsten Moment rutsche ich blöd auf den Steinen im Flussbett aus und liege im eiskalten Wasser. Ich bin klatschnass und damit ist denn auch die Wanderung zum eigentlichen, großen Wasserfall buchstäblich ins Wasser gefallen. Dann fängt es zu allem Übel auch noch kräftig an zu schütten. Der Wanderweg ist innerhalb kürzester Zeit derart aufgeweicht und matschig, dass wir den steilen Weg kaum gehen können und ständig ausrutschen. Am Benz angekommen sind wir völlig durchnässt und ich zwei Tage später erkältet.

Einen Tag nach der Wanderung erhalten wir eine  Nachricht auf WhatsApp von Asia Motors; das klappt wirklich hervorragend: unsere Ersatzteile wären da. Wir fahren zurück, holen die Sachen ab und  machen uns auf zum Song Köl…

Ersatzteile Mercedes Benz, Bishkek
Unsere Ersatzteile; unter anderem die langersehnten Luftfilter

 


3 Gedanken zu “Bishkek: Auf der Suche nach Ersatzteilen

  1. „How bizarre“…..originates from New Zealand….I think…..It was a one hit wonder….something unusual in NZ….
    Are you intending to travel to Australia and New Zealand (the expense of shifting your vehicle from Australia to NZ is usually not worth it…..although the German“ Monster Truck“…a green early Mercedes truck did do it.(one of those trucks with a short nose….a former police truck)

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    1. Hi, thank you for your comment!

      We are intending to travel to Australia, yes. And maybe we will ship the car also to NZ. Why do think the shipment is not worth it?

      Regards
      Nicole & Alex

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