Grenzerfahrung: Tadschikistan – Kirgisistan

Tadschikistan

Am 18. Mai 2018 erreichen wir auf einer zerfurchten Piste gegen 14:15 Uhr den tadschikischen Grenzposten auf fast 4.300 hm auf dem Kyzyl-Art-Pass. Wir stehen direkt vor der Schranke und müssen ins rechte Gebäude zum Zoll. Draußen ist es bitterkalt, es schneit. Im einfachen Zoll-Gebäude sorgt ein Ofen mit Holzkohle für Wärme. Die Männer von der Grenzstation leben hier! Die Einrichtung ist minimalistisch: ein Schrank, ein schmales Bett, ein Tisch. Und obendrein noch die Höhe; die tadschikische Regierung hat keinerlei Mitleid mit seinen Grenzbeamten.

Grenzstation Tadschikistan
Die Grenzstation auf dem Pamir Highway nach Kirgisistan

Wir haben die Permission für den Benz um 5 Tage überzogen. Noch vor Erreichen der Grenze diskutieren wir, was wir den Grenzbeamten erzählen wollen, wenn sie die überzogenen Tage monieren sollten. Im Grunde steht zwar die Zahl 15, und zwar nur die Zahl 15 auf dem Blatt, aber das kann ja alles Mögliche bedeuten. Da steht nichts von Tagen. Zudem ist auch kein Enddatum eingetragen. Mein mit Bleistift eingetragenes Datum als Erinnerung radiere ich fein säuberlich wieder aus. Damit steht unsere Argumentation theoretisch fest. Das ist aber gar nicht notwendig. Ruslan, einer der jungen Männer im Zollgebäude, spricht Deutsch. Er arbeitet 10 Tage an der Grenze und hat dann 20 Tage frei. Nach den 10 Tagen fährt Ruslan immer mit dem Überland-Taxi über den Highway nach Duschanbe. Die Männer weisen uns darauf hin, dass wir am 13. schon hätten ausreisen müssen. Wir weisen darauf hin, dass 15 Tage für Touristen ja ganz schön kurz seien und dass das Dokument nicht aussagekräftig sei. Sie winken ab; kein Problem. Keine Strafe. Wir bekommen einen Çay (Tee) und Kekse, während die Ausreise des Benz vorbereitet wird. Der Zoll guckt sich unseren Benz nicht einmal an. Ob es zu kalt ist? Dann sind wir mit dem Zoll auch schon durch.

Wir müssen jetzt zum Gebäude (also, Hütte trifft es eher) des Ministry of Transportation, rechts vom Zollgebäude (bzw. wenn man den Zoll verlässt links): Der junge Mann will den grünen Zettel für den Benz sehen, aber wir haben nur den blauen Zettel. Nein, nein, schüttelt er seinen Kopf. Er muss grün sein, der Zettel, und auch nur halb so groß. Er zeigt uns ein Exemplar. Wir schütteln die Köpfe und erklären, dass wir dieses blaue Dokument an der Grenze erhalten und dafür auch schon ganz schön viel Geld bezahlt hätten. Das sei aber falsch. Wir geben ihm einfach alle Dokumente, die wir sonst noch haben. Er schaut sie sich im 5 cm-Abstand an; er braucht dringend eine Brille. Er schüttelt den Kopf. Wir sollen nach Murghab, 190 km (!) zurückfahren und 380 Somoni (ca. 35 €) in der Bank einzahlen. In Murghab würden wir dann den grünen Zettel erhalten. Dann sollen wir wiederkommen. Nein, sagen wir entschieden. Wir fahren ganz sicher nicht zurück. Alex sagt, das Auto sei kaputt. „Problem“, sagt der junge Mann, weil falscher Zettel. Wir drehen uns im Kreis. Ob wir hier zahlen können?, fragt Alex. Nein, er darf kein Geld annehmen. Es entsteht eine kurze Pause; wir wollen das aussitzen. Dann sagt er plötzlich: Ok, wie viel? Er würde das Dokument für uns einfach ausfüllen und wir bräuchten nicht zurück. Alex überreicht 200 Somoni (um die 18 €). Er freut sich und fragt, ob das für uns wirklich ok sei. Ja, nicken wir. Er drückt Alex und bedankt sich. Vielleicht war das ein bisschen viel Geld, aber dafür, dass wir nicht zurück müssen… und wir gönnen es ihm von Herzen. Wenn man sieht, in welchen Zustand die Unterbringung ist und wie er und die anderen hausen müssen… Er legt das Geld in seine Schublade und begleitet uns hinaus.

Es schneit jetzt stärker. Nun müssen wir ins Gebäude gegenüber auf der anderen Straßenseite. Wir müssen die anderen beiden Dokumente abgeben, die wir bei der Einreise bekommen haben; die mit dem bunten Emblem in der Mitte. Fertig. Die Schranke wird per Hand geöffnet und wir dürfen ein paar Meter weiter fahren. Es geht geradeaus im Matsch zur Drogenkontrolle, hübsches weiß-blaues Gebäude auf der rechten Seite. Ein Mann hüpft uns schon in der Kälte entgegen und wirft uns nur die Frage zu, ob wir Drogen dabeihätten. Wir verneinen lachend. Er winkt uns einfach durch. Dann müssen wir ganz vor zum letzten Gebäude auf der rechten Seite zur Passkontrolle an der Schranke, grünes Haus. Den Stempel haben wir schnell im Pass, die Schranke wird geöffnet und wir sind durch.

Jetzt müssen wir 20 km zur Kirgisischen Einreise bewältigen. Die matschige Piste führt über enge Serpentinen bergab, wir müssen großen Steinen und Schlaglöchern ausweichen. Inzwischen schneit es heftig. Von der Umgebung können wir fast nichts sehen. Die hohen Berge um uns herum können wir nur erahnen. Wir fahren sehr vorsichtig, weil die Piste sehr rutschig ist. Und so schleichen wir dem nächsten Grenzposten entgegen.

Kirgisistan

Erst gegen 17:47 Uhr erreichen wir die kirgisische Einreise auf „nur“ 3.460 hm und mit super Gebäuden im Vergleich zu den Kollegen in Tadschikistan. Der Beamte an der Schranke winkt uns durch; wir sollen knapp hinter der Schranke stehenbleiben. Er möchte kurz ins Auto gucken. Alex zieht die Treppe aus, er staunt. Da er dreckige Schuhe hat, bleibt auf der Treppe stehen und lässt sich von Alex ein paar Schränke öffnen. Das war’s. Dann müssen wir zur Passkontrolle, rechts hinter der Schranke. Aber der Computer funktioniert nicht; wir müssen im Auto warten. Wenig später muss jeder von uns in die Kamera schauen. Der Beamte amüsiert sich, dass so viele andere Länder Visa fordern, Kirgisistan nicht. Ein tolles Land. Wir dürfen ohne Visum 60 Tage im Land bleiben – wie cool ist das denn?!

Nach der Passkontrolle müssen wir weiter geradeaus unters Dach zum Zoll, Gebäude links. Während ich mit dem Beamten die Zolldokumente auf Russisch ausfülle, ist Alex mit zwei anderen Männern draußen und muss Klappen aufmachen. Alles ok. Wir müssen 2.500 Som (ca. 30 €) für die „Erlaubnis zur Einfuhr eines Fahrzeugs aus dem Ausland“ zahlen. Die Beträge staffeln sich wie folgt:


500 Som: Motorrad, 1.500 Som: Auto, 2.500 Som: für Busse und LKW.


Für uns bedeutet das: 38$ oder 360 Tadschikische Somoni statt Kirgisische SOM, denn wir haben ja noch kein kirgisisches Geld und noch so viele Tadschikische Somoni in der Tasche. Wir bekommen die Quittung sowie ein Zolldokument, das uns erlaubt, den Benz – unglaublich, aber wahr – 1 Jahr lang in Kirgisistan zu „parken“.

Das war’s schon. „Welcome to Kyrgyzstan!“ und genauso fühlen wir uns auch: Herzlich Willkommen!

Um 18:41 Uhr öffnet sich die Schranke und wir fahren nur 4 km weiter zum Übernachten auf einen Platz mit schönem Blick über ein satt-grünes Tal. Die kirgisische Einreise war eine der angenehmsten und einfachsten Einreisen, die wir bisher erlebt haben.

Kirgisische Grenze
Grenzabfertigung der kirgisischen Einreise

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