Vom Aralsee nach Buchara und: Kühe im PKW

  Bevor wir der Werkstatt einen Besuch abstatten, kommen wir am eigentlichen Ziel, dem Schiffsfriedhof bei Muynak vorbei. Die frühere Hafenstadt lag mal auf einer Halbinsel am südlichen Ende des Aralsees, aber das ist inzwischen 50 Jahre her. Heute ist das Ufer 80 km entfernt und der Ort liegt nun am südlichen Ende der Aralkum-Wüste. Noch in den 1960er Jahren war Muynak bekannt für den Fischfang. Aufgrund der dramatischen Verlandung und der damit einhergehenden Versalzung des Sees ist heute vom Industriezweig Fischfang nichts mehr zu sehen. Als Mahnmal stehen nun verrostete Schiffswracks im früheren Hafen von Muynak und unterstreichen das Bild einer der weltweit größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen.

  Der starke Wind bläst uns den feinen salzigen Staub ins Gesicht, daher endet der Aufenthalt schnell. Wir müssen uns ohnehin um unseren Benz kümmern, also folgen wir der A380 weiter Richtung Buchara. An den folgenden Tankstellen fragen wir mal vorsichtig nach Diesel – nicht, dass wir schon Nachschub bräuchten, aber es schadet ja nichts. Viele Tankwärter schütteln die Köpfe. Die meisten Autos, Busse ja sogar LKWs fahren mit großen roten Gastanks herum. Diesel: Fehlanzeige. An zwei, drei Tankstellen könnten wir unter der Hand Diesel erhalten. Als ein Tankwart lächelnd mitteilt, dass er pro Liter 8.000 SOM (fast 1€) verlangt, lehnen wir ab – viel zu teuer.

Stellplatz kurz vor Nukus, Usbekistan
Stellplatz kurz vor Nukus, Usbekistan

Erst in Beruniy, kurz vor Urgench, entdecken wir die erste echte Dieselzapfsäule und ein Liter soll 5.500 SOM kosten – schon besser. Nun haben wir ein anderes Problem: unser umgetauschtes Geld reicht nicht zum Tanken und wir müssen erst Geld wechseln, denn einfach Geldabheben an einem Automaten ist in Usbekistan nicht möglich. Also geht es zunächst nach Urgench.

Wir fahren gleich vor zur MAN-Werkstatt, zeigen unseren Schaden und diskutieren, was die Werkstatt machen kann. Die Front schweißen kann sie zwar nicht, aber die Öle nachschauen und ggf. wechseln sowie Ölfilter wechseln schon. Außerdem möchte Alex die Räder von links nach rechts gewechselt haben. Wir fragen, ob die Werkstatt Dollar akzeptiert. Nein, wir müssen wechseln. Es ist Samstag, der 21. April 2018 und bereits 15:30 Uhr und ich muss mich beeilen, denn während Alex beim Auto bleibt, stiefle ich los, um eine Bank zu finden, die Geld wechselt. Die von der Werkstatt empfohlene Bank wechselt kein Geld, die zweite Bank auch nicht. Erst bei der dritten Bank, der Xalq Bank, habe ich Glück. Und ich wechsle Euro statt Dollar, weil der Wechselkurs besser steht: bei 400 € habe ich umgerechnet satte 70 € mehr und bin Millionärin: um die 3.800.000 SOM trage ich in meiner Tasche. Als ich zurück bin, haben die Jungs in der Werkstatt das Motoröl 10W40 getauscht (weil es nach 30.000 km einfach Zeit war). Obwohl der Benz eigentlich nur eine Watttiefe von 50 cm hat, wir jedoch bis zu einem Meter im Wasser standen, waren alle Öle waren in Ordnung. Alex bekommt noch 5 Liter Öl, der Ölfilter ist getauscht, die Reifen von links nach rechts montiert, und alles zusammen kostet uns der Spaß 1.048.000 SOM, 110€. Erst gegen 19 Uhr sind wir entlassen und tanken Diesel in Beruniy.

Wir folgen weiter der A380, kommen der Turkmenischen Grenze ganz nah. Die A380 ist hier sehr gut ausgebaut, 4-spurig und führt unter anderem durch die Kysylkum-Wüste, eine rote Kies- und Sandwüste. Noch weit vor Buchara wird die schöne Autobahn leider wieder einspurig und schlecht. Nur durch Zufall halten wir am Straßenrand, weil wir beraten, ob wir heute noch nach Buchara reinfahren wollen oder nicht (es ist inzwischen kurz vor 18 Uhr), da kommt uns ein junger Mann entgegen. Wir können sehen, dass etwas mit seinem PKW auf der anderen Straßenseite nicht stimmt. Er erklärt uns etwas auf Usbekisch; wir vermuten, er hat Probleme beim Radwechseln und fragt, ob wir mit Werkzeug helfen könnten. Na klar! Und so wechseln auch wir die Straßenseite, während der junge Mann zu seinem PKW zurückläuft. Es handelt sich um zwei Männer, die vergeblich versuchen, ein plattes Rad zu wechseln. Der Wagenheber passt nicht unters Auto, das richtige Werkzeug fehlt und Luft hat er auch nicht. Ohne uns loben zu wollen: wir sind für die beiden der 6er im Lotto, denn wir haben alles dabei, was sie brauchen. Alex holt das Hebekissen, legt es unter den PKW-Boden. „Da musst Du aber vorsichtig Luft hineinfüllen, guck mal wie der Boden aussieht!“ sage ich. Der Boden des PKW ist total verrostet, hat schon ein großes Loch. Alles geht gut und Alex hilft, das Rad zu wechseln. Ich gehe derweil um das Auto herum, weil ich meine, etwas Plüschiges gesehen zu haben, und staune nicht schlecht:

Wie haben die denn die Kühe in das Auto gekriegt? Ich lehne mich ins Auto, um ein Foto zu machen. Es stinkt fürchterlich und ich kann mir vorstellen, dass das sehr unangenehm sein muss, die ganze Fahrt über den Po der Kuh im Gesicht zu haben. Die viel interessantere Frage, nämlich wie sie die Kühe wohl wieder aus dem Auto bekommen werden, werde ich leider nicht beantwortet bekommen. Umso besser, dass wir schnell helfen können, damit die armen Tiere aus dem kleinen Auto wieder rauskönnen. Dass das Fahrzeug diese Last überhaupt aushält?! Alex lässt gerade die Luft in den Reifen, lässt die beiden Jungs noch die anderen Reifen füllen, damit sie bei den schlechten Straßen nicht gleich den nächsten Schaden haben, die beiden machen noch Fotos und dann geht’s auch schon weiter.

Kurz vor Buchara entscheiden wir spontan, unseren verstaubten Benz waschen zu lassen. Wir können kaum noch eine Klappe oder eine Box öffnen, ohne schmutzige Hände davon zu bekommen. Also höchste Zeit für eine Autowäsche. Mit Hochdruckreiniger und Schaum bewaffnet, machen sich zwei junge Männer über unser Fahrzeug her – das kostet dann umgerechnet um die 4€.

Wir fahren noch bis Buchara zum Hostel Rumi, weil da nun mal alle Overlander hinfahren. Außerdem wollen wir gerne Wäsche waschen. Wir parken vor dem Hostel und müssen, trotzdem wir nichts in Anspruch nehmen wollen, 7,50 $ pro Nacht/pro Person zahlen. Das Wäschewaschen ist ebenfalls sehr teuer: 2$/Kilo; es kommen um die 50$ nur fürs Wäschewaschen zusammen. Insgesamt mit Registrierung zahlen wir fast 100$ für 3 Nächte. Den ersten Tag nutzt Alex, um das restliche Werkzeug zu säubern und zu sortieren, ggf. wegzuwerfen. Zufälligerweise sind Mirko und Sahra, die wir bereits  in Baku getroffen haben, mit ihrem Mercedes Rundhauber auch dort und so gehen wir mit ihnen essen. Es ist ein lustiger Abend in einem Restaurant unter dem Himmel in einer warmen Nacht. Herrlich: es ist bunt, Frauen wie Männer sitzen an den Tischen, Musik spielt laut.

Den zweiten Tag nutzen wir, um uns Buchara anzuschauen. Die Stadt liegt an der alten Seidenstraße und ihr historisches Zentrum zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Wir überlegen noch kurz, einen wirklich sehr hübschen Seidenteppich zu kaufen. Der Verkäufer behauptet, die ganzen Teppiche seien von der jungen Damen am Fenster, die sich gerade wieder demonstrativ hingesetzt hat, um so zu tun, als würde sie arbeiten bzw. von seiner Familie hergestellt worden. Bei der Masse an Teppichen stellt sich unweigerlich die Frage, wieviele Familienmitglieder wohl Teppiche knüpfen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass die Teppiche aus der Fabrik kommen. 550 $ will er für den kleinen 100×70 cm großen Läufer haben. Er fühlt sich sooo schön an und glänzt wunderbar im Licht, aber für das Wohnmobil ist er einfach zu schade. Er ist überhaupt viel zu schade, um darauf herumzulaufen. Und der Verkäufer lässt sich auf Verhandlungen nicht ein, also verlassen wir Buchara ohne einen Teppich.

Buchara, Usbekistan
Buchara, Usbekistan

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