Verschiffung von Sharjah nach Bandar Abbas

Alles fängt mit dem Ticketkauf in Sharjah an. Weil wir auch unseren Benz verschiffen müssen, ist unsere Adresse Al Hili in Sharjah. Das Büro von Al Hili befindet sich in der Nähe des Sharjah Aquariums im Al Ikhlas Tower. Im Office sitzen wir dem Chef gegenüber, einem Inder, der uns erklärt, dass die Verschiffung ingesamt 4.800 AED kosten soll. Ob wir mit Dollar oder Euro zahlen könnten, wie bei der Hinfahrt? Nein, er akzeptiere nur AED, lacht er. Und nur in bar. Uns ist der Preis zu hoch. Aber Al Hili verhandelt nicht. Leider. Was denn alles enthalten sei? In den 4.800 AED seien „Customs“ mit drin (was auch immer das heißt, weil dazu ja mehrere Schritte notwendig sind) und die Agency kümmere sich – worum auch immer, das sagt der Inder nicht genau. Was er aber genau sagt, ist, dass er das Carnet de Passages, unsere Pässe und den Fahrzeugschein haben will. Pässe geben wir nicht ab, sagen wir entschieden. Ok. Dann eben Kopien. Das Carnet geben wir auch nicht ab, sagen wir. Das brauche er aber. Da das Carnet wie bares Geld ist, wollen wir das nicht. Wir wollen den Zoll lieber komplett selber machen, schließlich haben wir Zeit, wenn wir schon am Morgen im Hafen sind. Und bei der Einreise sei das auch kein Problem gewesen. Was das denn dann kosten würde? Kein Problem, sagt der Inder und zieht einige kleine Beträge ab:

Nicht enthalten sind dann:

  • 15 AED Customs Clearance
  • 20 AED Inspection Report am Hafen-Gate
  • 410 AED Port Handling
  • 80 AED Export Declaration

4.140 AED sollen wir jetzt zahlen. Das stimmt ungefähr mit dem Preis überein, den wir nach Sharjah bezahlt haben. Die Gebühr für den Inspection Report kommt uns komisch vor: wie wollen die denn überhaupt einen Inspection Report anfertigen, wenn das Auto gar nicht da ist? Wir fragen den Inder und bekommen keine Antwort. Er lacht nur. Nein, wir machen das selber. Dass das gar nicht geht, können wir aber nicht wissen…

Wir gehen Geld wechseln in einer Wechselstube in der Nähe und bezahlen die Light-Version: 4.140 AED inklusive Personenticket, Bill of Lading und Ausreisegebühr (35 AED pro Person). Er macht Fotokopien von unseren Pässen, von Fahrzeugschein und Carnet.

Ein paar Tage später stehen wir erst am Sonntag Morgen um 10:45 Uhr am Hafeneingang von Sharjah – wir haben ja Zeit. Dort müssen wir zuerst ins Gebäude mit der blauen Kuppel, dem Zollgebäude. Schalter 1 auf der rechten Seite ist für uns zuständig. Der Mann erklärt uns, dass wir den Zoll nicht machen können, weil wir nicht im System stehen. Das leuchtet uns nicht ein, weil bei der Einreise die Customs Clearance ja schließlich auch hier gemacht wurde. In diesem Gebäude. Ja, erklärt der Angestellte, bei der Einreise sei Schalter 32 zuständig, aber für die Ausreise gelte etwas anderes, da sei hier niemand zuständig. Das machen die Shipping Companies alle selber. Ach was? Er ruft bei Al Hili an, weil dummerweise bei „Verschiffer“ auch noch Al Hili steht und nicht Alex. Da wir die Zollformalitäten ja selber machen wollen, muss da Alex‘ Name stehen. Das Telefon geht zwischen Alex und Schalter 1 hin und her, aber es führt zu nichts. Die Dame von Schalter 3 nebenan würde uns ja gerne helfen, ist aber nicht für diesen Schritt zuständig. Theoretisch müsste der Mann einfach unsere Daten eintragen, aber das macht er nicht. Das ist nicht seine Aufgabe. Er schickt uns zurück zu Al Hili, aber dafür ist es schon spät und wir kömnen nicht in die Stadt zurück; wir haben ja noch einige Schritte vor uns. Und was, wenn der Chef von Al Hili gleich gar nicht im Büro ist? Er zuckt mit den Schultern und wir sind auf uns allein gestellt.

Ein Inder, der normalerweise die Clearance für Unternehmen macht und dafür Geld verlangt, mischt sich ein. Sein Name ist Maddin. So heißt er natürlich nicht, aber das verstehe ich zumindest. Maddin sagt, wir könnten zum Typing Office irgendwo am zweiten Kreisel um die Ecke, aber Alex versteht sofort, dass das nur ein Internet Café ist. Dort könnten wir uns ins System einloggen, erklärt Maddin. Ja, aber dafür bräuchten wir doch ein Passwort? Ja, richtig. Das haben wir doch nicht, gibt Alex zu bedenken. Stimmt. Nach etwas Hin und Her macht Maddin für uns die Clearance an Ort und Stelle an seinem Handy über seine Firma. Kostenlos. Ich hatte glücklicherweise noch die Zolldokumente von der Einreise aufgehoben und in unseren Ordner gelegt. So kann Maddin die Daten einfach übernehmen, etwas, das der Typ von Schalter 1 eigentlich auch hätte tun können. Er tippt alles innerhalb von wenigen Minuten ein und schickt ein Mail mit dem Formular an den Zoll, damit sie die Daten vor Ort haben. Wir bedanken uns überschwenglich bei Maddin. Er hat uns echt gerettet. Wir bekommen an Schalter 1 einen Zettel ausgedruckt und müssen zum nächsten Schalter.

Schalter 22, es ist 11:46 Uhr: der Mann am Schalter vergleicht alle Daten, tippt was. Wir müssen zum Schalter 15 zum Bezahlen: 110 AED für die Export Declaration. Zurück am Schalter 22 beweisen wir, dass die Rechnung bezahlt ist und geben die Kopie unseres Fahrzeugscheins ab, dazu müssen wir aber erst zum Schalter 4 zur Frau, die Kopien für uns macht. Wir bekommen bunte Blätter (Export Declaration) und müssen zu Schalter 4, die bunten Blätter abgeben mit Kopie des Fahrzeugscheins und Kopie des Carnets.

Mit den Zolldokumenten müssen wir zum Schalter 11, zur Kasse, um 430 AED Port Handling zu bezahlen. Zurück zum Schalter 4: wir bekommen die Export Deklaration mit Stempel und Unterschrift sowie einen Gatepass, damit wir ins Hafengelände rein kommen. Es ist inzwischen 12:05 und wir stehen am kleinen Gebäude in der Mitte der Hafeneinfahrt. Wir müssen die bunten Blätter abgeben und 20 AED für eine Inspection bezahlen, die nie stattfindet. Niemand guckt sich das Auto an. Wohin als nächstes?, fragen wir den Beamten der Hafeneinfahrt. Zu Al Hili. Ach ja, der Container bei der Fähre. Kennen wir ja schon. Wir melden uns bei Al Hili an, aber der Inder schickt uns zu einem überdachten Stellplatz gleich schräg gegenüber. Dort sollen wir warten bis ca. 16 Uhr wegen der Passkontrolle. Er werde kommen und uns abholen. Kurz darauf kommt jemand vorbei, der die Daten des Fahrzeugs abfragt und wir bekommen einen Aufkleber auf die Scheibe.

Also verbringen wir die Zeit im Auto. Ein Iraner im grünen Shirt parkt auch dort und spricht uns an. Er hat ein Auto gekauft, dass er in den Iran importieren möchte. Er macht zunächst einen netten Eindruck, aber dann versucht er, uns mit einem seiner Bekannten zu verkuppeln, der Guide im Iran ist. Wir versuchen mehrmals zu erklären, dass wir nur 7 Tage Zeit haben und nur durch das Land rasen können. Obwohl er gut Englisch spricht, will er immer wieder seinen Guide für die Wüsten verkaufen. Da waren wir schon und haben dort mehrere Tage allein verbracht, sagen wir. Sehr gefährlich sagt er. Da dürfe man nur mit Guide hin. Wir haben inzwischen auch schon gelesen, dass Alleinreisenden die Fahrt in die Wüste Lut vermiest wird, indem erzählt wird, dass die Wüste vermient sei und man ohne Guide keinesfalls 2 km abseits der Straße fahren dürfe. Was für ein Blödsinn. Vielleicht wird es bald gar nicht mehr möglich sein, die Wüste Lut allein zu erkunden. Gut, dass wir vorher noch da waren. Als wir immer wieder erklären, dass wir keine Zeit haben, verliert er das Interesse und geht einfach.

Alex kauft für ungefähr 12€ eine Flasche Bourjoulais im Duty Free Shop (das ist der Duty Free Shop auf der linken Seite in dem Container, der kaum auffällt. Der Duty Free Shop rechts hat alle möglichen Sachen, nur keinen Alkohol). Wir lernen außerdem Maria und Vincente aus Spanien kennen. Sie sind mit einem Toyota unterwegs und wollen ebenfalls durch den Iran. Mit ihnen und dem Agent von Al Hili fahren wir noch vor 16 Uhr auf die Fähre. Wir bekommen die Bill of Lading vom Agenten in die Hand gedrückt.

Danach geht es zur Passkontrolle. Schnell sind die Ausreisestempel im Pass und wir dürfen auf die Fähre in unsere Autos. Wir machen schon mal den Rotwein auf, denn bis wir in Bandar Abbas landen, muss die Falsche leer sein. Alex freut sich. Endlich mal wieder Rotwein! Wir müssen uns oben auf dem Deck anmelden. Die Fähre fährt unter Iranischer Flagge, daher herrscht bereits hier auf der Fähre Kopftuchpflicht für weibliche Personen. Wir bekommen unser Abendessen: Hühnchen mit Reis. Als die Fähre den Hafen verlassen hat, verschwinden wir wieder in unseren Benz. Wir trinken den Rest des Weins und schlafen ein. Kraft tanken für die Einreise in den Iran.

Insgesamt hat die Überfahrt gekostet: 560 AED (Kosten am Hafen) + 4140 AED (bei Al Hili bezahlt) = 4700 AED = 1.040€ in Sharjah. Wir haben gerade mal 100 AED gespart, hatten aber dafür den Ärger mit der Customs Clearance. Wir haben versucht, den Fährpreis zu verhandeln, leider erfolglos. Es sind wohl feste Preise, dabei haben wir gesehen, dass Al Hili dem Fährbetreiber gegenüber einfach eine falsche (wesentlich geringere) Tonnage angibt. Obwohl wir fast 11 Tonnen wiegen, hat er nur 4.500 kg auf der Bill of Lading angegeben…

Auf der Hormuz-12
Geschafft: wir sind mit dem Benz auf der Fähre nach Bandar Abbas

 

Bandar Abbas

Es ist 10:14 Uhr. Die Fähre legt an und wir stehen mit Maria und Vicente zusammen vor dem Passenger Terminal.

Für uns steht fest, dass wir keinen Cent an Agenten zahlen wollen. Das Prozedere kennen wir ja schon von der Ausreise, die Einreise sollte daher nicht so schwierig sein. Außerdem sind wir zu viert und wir haben Zeit. Im Passenger Terminal gehen wir wieder durch die getrennte Passkontrolle. Auch dieses Mal bekommen wir nicht einfach einen Stempel, sondern die Beamten (die selben wie bei der Ausreise) behalten den Pass und wir müssen hinter der Passkontrolle warten. Wenige Minuten später erhalten wir die Pässe wieder. Wir fragen ihn, wohin wir mit unserem Carnet müssen und er zeigt auf einen Mann, der gerade den angekommenen Iranern behilflich ist. Der sieht doch aus wie ein Agent? Wir gehen einfach allein drauf los und fragen uns durch. Am Ausgang des Gebäudes sitzt ein Mann, den wir fragen. Er schickt uns zum Tisch hinter uns zurück, an dem eine Frau sitzt. Von ihr erfahren wir den Namen „Mrs. Tahebi“ und dass wir raus müssen ins nächste große Gebäude. Wir sind noch gar nicht richtig draußen, da steht plötzlich ein Mann neben uns und spicht uns auf Farsi an. Wir ahnen sofort, was er will. Er will seine Dienste verkaufen oder die eines anderen. Weil wir ihn nicht verstehen, zückt er sein Handy, ruft jemanden an und lässt Vincente, wahrscheinlich weil er am ältesten von uns aussieht, mit dem Mann reden. Vincente verneint und sagt, dass wir die Abfertigung selber machen möchten. Damit ist das Thema für uns erledigt. Im großen Zollgebäude fragen wir uns nach Frau Tahebi durch. Sie sitzt ganz hinten an der Stirnwand, wir kennen sie schon. Wir halten unser Carnet hoch und sie zeigt uns, dass sie Fotokopien braucht vom Carnet und den Pässen; sie gibt uns ein Formular, das wir ausfüllen sollen – exakt wie bei der Ausreise. Wir füllen das Formular aus. Jetzt müssen wir Fotokopien machen. Ich weiß noch, wo sich der Copyshop befindet, lotse alle da hin. Aber als wir links um die Ecke biegen, ist da kein Copyshop mehr. Nur noch Baustelle. Dann kann er sich ja nur noch in der anderen Richtung befinden. Wir fragen uns durch und in einem der vielen Container, die da plötzlich stehen, ist auch der Copyshop. Wir lassen Fotokopien anfertigen: 2 x Vorderseite Carnet, 2 x erste Seite im Carnet, 2 x Pass, 2 x Visa. Eine Kopie kostet 2.000 Rial. Da wir bereits einige Kopien von den geforderten haben, bezahlen wir insgesamt 10.000 Rial.

Das war beim letzten Mal der Moment, wo ein Agent hinzukam, den wir nicht mehr loswurden. Dieses Mal kommt keiner. Wir gehen zurück zu Frau Tahebi, geben alles ab. Sie schaut sich das ausgefüllte Formular überhaupt nicht an. Wir haben einige Fragen in dem Formular nicht verstanden und offen gelassen; es interessiert sie nicht. Sie füllt das Carnet für die Einreise aus und gibt es dem Mann rechts in der Ecke. Er macht das Car Checking. Wir warten noch mit ihm auf Maria und Vicente, damit es schneller geht und er nicht zweimal in den Hafen muss. Zuerst müssen wir aber zur Hafenpolizei: die Eigentümer der Fahrzeuge bekommen einen Hafenpass, müssen dafür ihre Reisepässe abgeben. Es ist 11:29 Uhr. Plötzlich steht ein Agent im Raum und regt sich auf. Er spricht nur Farsi, aber wir wissen sofort, dass es um uns geht. Ihm passt es nicht, dass wir alles allein machen und dass die Beamten das unterstützen, indem sie uns bedienen. Den Beamten lässt das ziemlich kühl und schließlich dampft er wieder ab. Alex fragt, ob das ein Agent gewesen sei? Die Beamten nicken lachend.

Um 11:41 werden die Eigentümer der Fahrzeuge (Alex und Maria) zu den Fahrzeugen gefahren. Vicente und ich warten bei der Polizei. Um 11:58 Uhr ist die Inspection abgeschlossen: es wurden Chassisnummer und Motornummer verglichen. Mehr nicht. Zurück bei Mrs. Tahebi: das Carnet wird gestempelt. Wir sind angeblich fertig: „Finish“ sagt sie. Das Auto kann geholt werden. Aber so wirklich „finish“ sind wir nicht. Alex und Vicente fahren jetzt zu unseren Fahrzeugen. Maria und ich unterhalten uns in der Zeit vor dem Zollgebäude…, über eine Stunde lang. Wir fragen uns, was da so lange dauert. Ich erinnere mich, dass Alex bei der Ausreise da hinten so viele Stationen ablaufen musste „Das wird jetzt ähnlich sein“ sage ich. Endlich kommen die beiden mit den Fahrzeugen zurück. Verschiedene Stellen waren notwendig: eine, die stempelt, eine, die unterschreibt, eine, die stempelt, dass Stempel und Unterschrift vorhanden sind, eine, die stempelt, dass Hafengebühr von 590.000 Rial (19 €) gezahlt wurde, und eine, die stempelt, dass sämtliche Stempel und Unterschriften da sind. „Wahnsinn,“ sagt Alex „immer wenn uns jemand gesagt hat, wir seien fertig und wir schon wegfahren wollten, kam der Nächste und schickte uns irgendwo hin!“ Die beiden gehen zurück zur Polizei, um noch Hafenpass gegen Reisepass zu tauschen.

An der Hafenausfahrt müssen wir wieder rechts in den Container. Der Beamte dort trägt das Carnet in das System und händisch in das Hafenbuch ein. Dann muss er nach nebenan, um Stempel und Unterschrift zu holen, danach sind wir wirklich fertig und dürfen das Gelände verlassen. Wir sind drin. Die Wege trennen sich: wir müssen uns ranhalten, Maria und Vicente dagegen haben Zeit. Wir verabschieden uns herzlich und düsen sofort los Richtung Norden.


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