Der Kampf ums Iran-Visum

Also, irgendwie habe ich kein Glück mit meinen Iran-Visa. Das war ja für die erste Durchreise schon schwieriger als gedacht, aber was mir für den zweiten Visumsantrag blühen soll, konnte ich nicht ahnen.

Noch im Oman beantrage ich am 23.01.2018 gut gelaunt wieder für uns beide über die Travel Agency in Shiraz jeweils Touristenvisa für 30 Tage mit Abholort in Maskat, Oman. Weil das beim ersten Mal mit Hilfe der Travel Agency so gut geklappt hat, habe ich ein gutes Gefühl und mache mir keine Gedanken. Nach einigen Tagen, wir befinden uns gerade im Südwesten Omans in der Nähe der Jemenitischen Grenze, da bekomme ich eine Nachricht von Mina, die für die Travel Agency in Shiraz arbeitet und quasi schon meine persönliche Betreuerin ist: Für Alex sei das Visum genehmigt, unglücklicherweise sei mein Gesuch abgelehnt („rejected“) worden. Das Ministry of Foreign Affairs (MFA) sei der Meinung, ich hätte „Iran Business“ und verlange einen Invitation Letter vom Business Partner. Den solle ich ihr schnellstmöglich zusenden. Sie schickt mir gleichzeitig ihre Handnummer, unter der ich sie jederzeit erreichen könne. Ungläubig starre ich auf mein Handy und mir wird schlecht. Irgendwas erst klären zu müssen ist immer übel. Ich verstehe Mina nicht, weiß sie doch ganz genau, dass wir letztes Jahr aus der Türkei in den Iran gereist und nunmehr auf dem Rückweg sind. Ich erkläre ihr, dass ich keinen solchen Letter beibringen könne, denn ich sei ja Touristin. Zudem arbeite ich seit 2015 nicht mehr. Sie schlägt vor, dass ich ihr meinen Lebenslauf in Englisch zukommen lasse, den ich ihr noch am selben Abend zusende. Erst auf meine Nachfrage hin meldet sich Mina etliche Tage später, dass dem MFA mein Lebenslauf nicht reiche und deshalb rein gar nichts passiere. Sie bleiben bei ihrer Meinung, dass ich „Iran Business“ hätte. Und so schickt mich Mina zum Konsulat nach Dubai, weil sie nichts mehr ausrichten könne. Da wir von Dubai die Fähre nach Bandar Abbas nehmen wollen und ich bereits ahne, dass die Klärung etwas dauern wird, fahren wir zum Konsulat nach Dubai. Es ist nämlich so, dass uns ganz verschiedene Wochenenden das Leben schwer machen: das Iranische Wochenende ist Donnerstag und Freitag, das Wochenende in den Emiraten ist Freitag und Samstag. Das heißt, drei Wochentage fallen komplett weg.  Zu allem Übel laufen auch noch unsere Visa für den Oman ab. Da wir den Ausgang der Entscheidung des MFA erst mal abwarten wollen, bitte ich Mina, den Abholort für Alex‘ Visum von Maskat nach Dubai zu verlegen.

Dubai als Austragungsort meines Visumkampfes soll sich als eine schlechte Entscheidung entpuppen, aber das kann ich ja nicht wissen…

Eine weitere Woche später (es ist inzwischen der 5. Februar) stehen wir in Dubai am Jumeirah Beach. Kaum sind wir da, hupt draußen ein Wagen von der Municipality: ob wir ein „Permit“ (Erlaubnis) zum Stehen hätten. „Nein.“ Dann müssten wir eine kaufen. „Wieso? Wir parken doch nur.“ Nein, Wohnmobile und Wohnwagen bräuchten grundsätzlich ein Permit. „Ja, und wo bekommt man das?“ Das wüsste er auch nicht, aber er werde fragen und später wiederkommen. Dazu muss man wissen, dass wir zum Jahreswechsel schon am Jumeirah Beach standen. Die Regelung mit dem Permit gibt es seit 01.01.2018; darauf hatte uns bereits Christian, ein Langzeitreisender auf dem Fahrrad, vorbereitet. Der Typ von der Stadt kommt auch tatsächlich später noch mal vorbei und zeigt Alex: 22 km am Dubai Creek neben den Rolex Twin Towers, 6. Etage, da müssten wir hin und uns jemanden suchen (!), der uns ein Permit verkauft. „Was? Das ist aber ganz schön blöd für Touristen!“ beschwert sich Alex bei ihm. Der zuckt aber nur mit den Schultern.

Stellplatz am La Mer
Stellplatz am La Mer

„Was kostet das denn eigentlich?“ 500 AED pro Woche (also um die 100€). „Stolzer Preis!“ Die Strafe für Parken ohne Permit sei noch höher. „Wie hoch denn?“ will Alex wissen, um zu rechnen, ob sich der Aufwand lohnt. Wieder Schulterzucken. Das wüsste er nicht. Alex erklärt, dass wir verzweifelt auf unsere Visa warten und fragt, ob er einen anderen Platz wüsste, der sich in der Nähe befände. Nein. Aber wir können bis morgen stehen bleiben – immerhin. Am nächsten Morgen kommt der nächste Aufpasser von der Municipality, der uns verjagen will. Ob wir ein Permit hätten? „Nein.“ Dann müssten wir eine kaufen. „Dann verkaufen SIE mir doch eine!“ schlägt Alex vor. Beim ihm ginge das nicht, wir müssten zum Office und uns jemanden suchen, der uns ein Permit verkauft. Ja, ja, das kennen wir ja schon. Krass. Wir werden verscheucht, denn sonst würde es teuer, sagt der Mann im weißen Auto. „Wie teuer?“ Weiß er nicht. Weil wir schon von Taxifahrern in Dubai von den horrenden Bußgeldern gehört haben, wollen wir nichts riskieren. Und so stehen wir schließlich am La Mer auf einem Parkplatz. Schön da.

Im Konsulat Dubai ziehe ich eine Nummer. Es ist verdammt voll und jetzt versuche ich der Dame an Schalter 2 zu erklären, was los ist. Sie sagt, da ich kein „Resident“ von Dubai sei, könne sie überhaupt nichts für mich machen und schickt mich wieder weg. Ich sage, dass ich den Konsul sprechen möchte. Das sei ja nicht nötig, sagt sie. Aber die Agency hätte mich nach Dubai geschickt, damit ich mit dem Konsul spreche, beharre ich. Keine Chance. Ich gebe nicht auf und erkläre, dass ich zusammen mit meinem Mann mit dem Fahrzeug reise und ob sie nicht mal beim MFA anrufen könnte. Da wird sie doch mal hellhörig: Achso, Auto… Ah… Sie wendet sich an den älteren Herrn an Schalter 1, erklärt kurz, und nach einigem Hin und Her ruft er tatsächlich irgendwo an. Ich muss warten. Schließlich bekomme ich durch die Dame mitgeteilt, was der Herr herausgefunden hat, nämlich dass das MFA immer noch sagt, ich hätte Iran Business. Ob ich schon mal im Iran gewesen sei? Ich sage: „Ja, aber das war im August 2013, da sei ich mal kurz geschäftlich in Teheran gewesen.“ Sie zieht die Augenbrauen hoch, was heißen wohl soll: Na sehen Sie! Ja, aber das ist doch total irrelevant. Selbst wenn ich noch arbeiten würde, kann ich doch als Touristin unterwegs sein. Aber ich arbeite ja noch nicht mal, erkläre ich. Sie zuckt mit den Schultern. Dann soll ich meine Kündigung als Beweis schicken und im übrigen soll sich die Travel Agency darum kümmern. Als ob ich jetzt alle Dokumente dabei habe… Frustriert verlasse ich das Konsulat. Ich finde aber tatsächlich das Zeugnis meines früheren Arbeitgebers in meinen Unterlagen, in dem steht, dass ich die Firma zum Zeitpunkt XY auf eigenen Wunsch verlassen hätte. Ich schicke es Mina, aber die deutsche Mitarbeiterin ist gerade im Urlaub und kann nicht in Farsi übersetzen. Und so landet das Zeugnis in deutscher Sprache beim MFA. Ich ahne, dass die das nicht lesen können, oder wollen, denn ein Mail nach Deutschland ins Iranische Konsulat würde ja reichen. Ich finde auf die Schnelle auch kein Translation Office in Dubai für Deutsch-Farsi. Ich hake bei Mina nach und bekomme keine Antwort.

Wir wechseln unseren Standort und stehen jetzt am Strand von Jumeirah Pearl. Dort sind gerade schöne Wellen und Surfer toben sich aus. Es ist ein bisschen wie Ausdruckstanz auf Boards.

In der Zwischenzeit überlegen wir, was wir machen. Woanders hinverschiffen? Alex hat schon keine Lust mehr, durch den Iran zu reisen. Ihm reicht das Theater schon wieder und alleine hat er sowieso keine Lust. Aber uns von diesen Bürokraten Tadschikistan und Mongolei versauen lassen? „Kommt nicht in Frage!“ sage ich kampfbereit. Außerdem kostet eine Verschiffung in die Türkei 5.400$ – viel zu viel – und würde in etwa 43 Tage (whaaaat?) dauern – viel zu lange.

Da keine Antwort vom MFA kommt und Mina offensichtlich die Lust verloren hat, dort anzurufen, werden wir wieder beim Konsulat Dubai vorstellig. Alex ist dieses Mal dabei und beantragt an Schalter 4 die Ausstellung seines Visums (die Grant Notice ist ja lediglich die Erlaubnis an das/die entsprechende Konsulat/Botschaft, ein Visum ausstellen zu dürfen) für den nächsten Tag, während ich an Schalter 2 erneut mein Glück bei der Dame von neulich versuche. Sie erinnert sich an mich.

Ich erkläre der Dame an Schalter 2, dass ich alles dem MFA geschickt hätte, ich aber keine Antwort bekomme. Ich merke, dass sie mir gerne helfen möchte, aber sie darf nicht beim MFA anrufen; das darf nur der Mann an Schalter 1. Und so erklärt sie wieder dem Herrn an Schalter 1 was los ist. Der sieht gar nicht ein, nochmal beim MFA nachzufassen. Wieder heißt es, ich hätte Iran Business und ich müsse einen Invitation Letter vorlegen. Dass ich das nicht kann, ist ihm total egal. Alex fragt, ob wir mit dem Herrn an Schalter 1 direkt reden dürften. Wir dürfen. Und so gehen wir drei Meter weiter nach rechts. Sein Englisch ist nicht besonders gut. Er hört uns nicht zu, sondern sagt immer nur ich hätte Iran Business, Iran Business, Iran Business… Mir gehen die Nerven durch und ich haue drei mal mit meiner rechten flachen Hand auf den Tresen vor ihm, während ich ihm deutlich zu verstehen gebe: „I don‘t have any business in Iran!“ Ich mutiere gerade von einer Touristin zur Terrouristin. Das findet der überhaupt nicht lustig und ruft plötzlich: „No Visa! No Visa!“ Damit ist das Thema für ihn erledigt. Alex traut sich dann doch noch zu fragen, ob er uns nicht die Nummer der Visa Section in Teheran geben könne. Er schreibt uns eine Nummer auf, mit der ich später nichts werde anfangen können.

Alex muss eine iranische Krankenversicherung für die Zeit seines Aufenthalts abschließen. Dies sei seit Februar 2018 obligatorisch. Das sagt ihm der Herr an Schalter 4 aber nicht, sondern das erfährt er erst, als er an der Kasse steht, nachdem er über eine Stunde in der Schlange gestanden hat. Wir haben eine weltweite Versicherung. Als Alex das erwähnt, lachen alle um ihn herum. Es sei wohl davon auszugehen, dass der Iran nicht gewillt ist, seine Krankenversicherung zu akzeptieren. „Das akzeptieren die nie.“ heißt es grinsend von den anderen Wartenden. Also schließt Alex eine Krankenversicherung ab. Kostet noch mal 115 AED extra für 31 Tage. Alex hat 15 AED (ca. 3€) zu wenig dabei. Glücklicherweise schenkt ihm ein Mann in der Warteschlange 15 AED, damit er sich nicht noch mal anstellen muss. In der Zwischenzeit versuche ich, Mina zu erreichen. Auch die Visa Section Nummer rufe ich an. Alles ohne Erfolg.

Am nächsten Tag will Alex sein Visum abholen, steht am Schalter 2: da klappt der Sachbearbeiter Alex‘ Pass auf, bevor er diesen überreicht, aber anstatt eines Bildes von Alex im Visum schaut ihn eine Asiatin an. Der Sachbearbeiter bekommt große Augen und man sieht, wie er denkt: „Ach du scheiße!“ Alex soll warten. Mehr als eine Stunde später hat irgendjemand das Visum der Asiatin aus Alex‘ Pass wieder herausgefummelt  und stattdessen ein Visum mit Alex‘ Bild eingeklebt. Die neuen Stempel und Unterschriften sind leider nicht so gut gelungen, als dass man denken könnte, es sei original so drin gewesen. Aber so schnell kann’s dann doch gehen: Wir haben erlebt, wie Visasuchende grundlos hingehalten werden, denn einige müssen einen Tag, andere mehrere Tage warten, nur für das Einkleben des Visums, um dann später festzustellen, dass sie gar nicht hätten vier Tage warten brauchen, das Visum war nämlich schon sofort im Pass!

Inzwischen sind schon vier Wochen vergangen. Ich habe immer noch keine Nachricht, was mit meinem Gesuch ist. Was machen wir jetzt? Ich habe noch eine Idee: zum einem kontaktiere ich die Deutsche Botschaft in Teheran und bitte sie, dem MFA gegenüber zu bestätigen, dass ich meinen Job aufgegeben habe, indem ich sämtliche Dokumente anbei füge. Zum anderen versuche ich jemanden im Iranischen Konsulat in Frankfurt zu erreichen. Während die Deutsche Botschaft extrem hilfsbereit ist und tatsächlich eine entsprechend lautende Kurzmitteilung an das MFA schickt, welche allerdings erst 3 Tage später (wegen Wochenende) den zuständigen Sachbearbeiter erreichen sollte, ist man im Iranischen Konsulat Frankfurt mal wieder überhaupt nicht hilfreich. Ich vertelefoniere ein Vermögen, weil der Deutsch-sprechende Iraner dem Konsul mein Anliegen simultan übersetzt. Schließlich eröffnet er mir, dass er mir leider nicht helfen könne. Wenn ich in Deutschand wäre, könnte er mir helfen, aber so… Ich komme mir verarscht vor. „Was macht das für einen Unterschied? Es geht doch nur darum, dem MFA gegenüber zu bestätigen, dass ich nicht mehr arbeite.“ Das mache er nicht (obwohl er das Dokument vor sich hat), er rufe doch nicht beim MFA an und überhaupt, ob ich glauben würde, dass die Deutsche Botschaft in Teheran sowas machen würde? Ganz sicher nicht, sagt er. Wieso ich denn nicht gleich zwei Visa beantragt hätte? Ich frage zurück, was das genau mit meinem Problem zu tun hätte. Das passt ihm nicht. Nein, ich solle mich an Dubai wenden. Das sei ja das Problem, erkläre ich, die schicken mich auch weg, weil ich kein Resident sei. Ja, dann hätte ich Pech gehabt. Ich soll nach Deutschand kommen, dann könne er helfen. Auch er hört mir im Grunde überhaupt nicht zu. Der Wille, durch den Iran zu reisen schwindet auf Null, aber es ist nunmal der einzige offene Weg nach Norden. Während Alex mal wieder eine Fährverbindung in die Türkei recherchiert, bekomme ich ein Mail vom Iranischen Konsulat Frankfurt, das meinen Fall gerne abgeschlossen sehen möchte: Ich solle mich an Dubai wenden. Da hätte ich genauso gut auch gegen eine Wand reden und über 30€ (Telefonkosten) verbrennen können – hätte ich mehr von gehabt.

Al Qudra Lakes im Emirat Dubai - Arabischer Oryx
Al Qudra Lakes im Emirat Dubai – Arabischer (Weißer) Oryx

Ich warte nun ungeduldig auf den Samstag und Sonntag, wo doch die Nachricht der Deutschen Botschaft beim Sachbearbeiter eintreffen soll. Wir fahren zu den Qudra Lakes im Emirat Dubai, machen eine kleine Radtour und sehen tatsächlich eine Arabische/Weiße Oryxantilope.

Zwischendurch frage ich in Shiraz bei Mina nach. Aber an beiden Tagen verneint sie einen positiven Ausgang des Verfahrens. Das MFA behauptet schlicht, es sei nichts angekommen.

Wir finden uns langsam damit ab, dass Alex allein durch den Iran reisen muss, obwohl uns das überhaupt nicht passt; ich schaue nach Hotels in Dubai und Baku sowie nach Flugverbindungen.

Es ist bereits der 20. Februar. Eine Idee habe ich dann doch noch: Ich frage Mina, ob sie nicht einfach ein Transitvisum beantragen kann. Die Antwort ist niederschmetternd: das sei nicht erfolgsversprechend. Wir sollen getrennt reisen.

Das will ich nicht akzeptieren und beantrage einfach selber über das E-Visa-Verfahren, das nicht zuverlässig funktioniert, ein Transitvisum im Eilverfahren für mich. Dauer: mindestens 5 Tage! EILverfahren. Laut Mina war ja mein erstes Gesuch bereits „rejected“, also zurückgewiesen. Und im schlimmsten Fall, denke ich kampflustig, werde ich jede verdammte Woche ein Visum beantragen. Während der Wartezeit von 5 Tagen fahren wir nach Musandam, Omans Exklave. Ausspannen. Nachdenken. Eigentlich erwarte ich schon, dass nach den 5 Tagen immer noch „Waiting for Verification“ auf der E-Visa-Seite für mein Visum steht, aber die Iraner können mich tatsächlich noch überraschen: das MFA hat meinen Antrag einfach… GELÖSCHT. Ein Antrag unter meiner Trackingnummer ist nicht mehr zu finden. Wahnsinn. Ich muss lachen als ich das sehe. Galgenhumor.

Auf Musandam lernen wir Günter kennen. Er hätte sein Iran-Visum ganz schnell in Maskat bekommen, das ganze sogar ohne Referenznummer, erklärt er! Klasse, ich will nach Maskat. Alex sagt, dass das Quatsch sei und er das nicht glauben könne, schließlich vergibt das MFA die Referenznummer, warum sollte es in Maskat anders laufen? Das weiß ich, aber vielleicht haben die andere Möglichkeiten? „Ach Quatsch!“ sagt Alex. „Außerdem sind das 500 km eine Strecke; zu viel Fahrerei, zu viel Stress!“ Ich bin frustriert. Das alles führt beinahe zu einer Ehekrise. Beinahe :). Tatsächlich Günther laut eigener Angaben auf seiner Homepage sehr wohl eine Referenznummer beantragt und 14 Tage warten müssen; also bloß gut, dass wir nicht gefahren sind! Ich überlege, dass Dubai ja irgendwie „verbrannt“ ist. Der ältere Herr von Schalter 1 kennt mich ja schon und selbst wenn das MFA mir ein Visum gewähren würde, stellt der mir nach meinem kleinen Ausraster überhaupt noch eins aus?

Dann fällt uns ein: Abu Dhabi wäre doch was? Immerhin nur etwas mehr als 100 km weiter. Erreichbar. Weniger stressig. Genauso nicht oder vielversprechend wie Maskat.

Also gut, wir fahren nach Abu Dhabi. Wir haben wieder Hoffnung, wir haben einen Plan. 28. Februar 2018: In Abu Dhabi befindet sich die Iranische Botschaft und die ist… gähnend leer. Kein Gedränge wie in Dubai mit Nummern ziehen wie beim Einwohnermeldeamt und mit ähnlichen Wartezeiten. Keine genervten Sachbearbeiter. Wir erklären dem netten Mann hinter der Glasscheibe namens Mohammad unseren Sachverhalt. Er spricht so leise, dass wir ihn kaum verstehen; ich muss sogar meinen Schal vom Ohr nehmen.  Mal versteht Alex ein paar Fetzen, mal ich. Daraus reimen wir uns etwas zusammen. Er nickt und will den Sachverhalt prüfen. Hoffnung. Offensichtlich klärt er den Sachverhalt mit seinem Chef im Hinterzimmer. Er kommt zurück und sagt, dass er nichts tun könne, weil der Ausstellungsort für das Visum auf Dubai laute, wir mithin keine Residents seien usw usw. Och nö, bitte nicht die selbe Leier. Eine Stunde reden wir auf ihn ein, bitten und betteln, erklären, dass Dubai nicht tätig werde, wir schon seit fast 6 Wochen auf ein Visum bzw. auf überhaupt irgendeine Antwort warten, mein Gesuch nach einem Transitvisum einfach gelöscht wurde. Er schüttelt den Kopf und sagt, wir sollen nach Dubai fahren und dort fragen, wie der Stand sei. Die seien zuständig. Alles sei in Ordnung. „No problem.“ sagt er. Ich werde noch wahnsinnig. Das Problem ist nämlich, dass der Sachbearbeiter beim MFA mein erstes Gesuch nach einem Touristenvisum offensichtlich doch nicht geschlossen hat, obwohl mir Mina erklärt hat, es sei „rejected“. Zwei Verfahren nebeneinander lässt das MFA aber nicht zu. Deshalb wurde mein Gesuch nach einem Tranvitvisum einfach gelöscht. Gibt ja schon ein Verfahren. Ich frage noch, ob er denn bitte mal in Dubai anrufen könne, ob dort eine Entscheidung oder irgendetwas vorläge. Es ist nämlich schon wieder Mittwoch und heute würden wir es nicht mehr ins Konsulat Dubai schaffen. Nur noch Donnerstag und dann ist schon wieder Wochenende. Und die Zeit rennt! Wir sollen warten.

Schließlich kommt er wieder und sagt, er habe sich meinen Fall von Dubai übersenden lassen. Man würde sich jetzt in Abu Dhabi um alles kümmern. Man habe meine Dokumente (mein Visum für Aserbaidschan und das Carnet für den Benz, also zwei Seiten) an das MFA geschickt, wir sollen 5 Tage warten, dann werde das MFA VIELLEICHT entschieden haben. Waaaaas? 5 Tage um zwei Blätter anzuschauen? Wieso vielleicht? Er zuckt bedauernd mit den Schultern. Hängt alles vom Goodwill des MFA ab. Wir versuchen klarzumachen, dass wir schon so lange warten, unsere Visa für die VAE langsam ablaufen, auch wenn das nicht ganz stimmt.

Dann kommt auch noch der Chef persönlich an den Schalter und erklärt, er werde sich kümmern. Auch ihm erklären wir die Dringlichkeit und vor allem, dass Alex den Benz nicht allein durch den Iran fahren kann. Es müsse ja schließlich immer einer fahren und einer navigieren. Und was, wenn ihm etwas verstößt? Er verstehe, aber wir müssten leider warten, denn das MFA werde entscheiden. Wären wir Residents, könnten sie uns das Transitvisum einfach ausstellen, aber so… Ob wir morgen wiederkommen sollen?, fragt Alex. Nein, wir sollten jetzt bloß nicht jeden Tag kommen, man werde uns Bescheid sagen. Wir tauschen Telefonnummer und beide versprechen uns, anzurufen, sobald das MFA entschieden hat. Wir bedanken uns und gehen. Das ungute Gefühl bleibt.

Wir fahren zum Strand Al Bateen und bekommen Besuch von einem kleinen Äffchen namens Lucky, das als Haustier gehalten wird. Er hat Bewegungsdrang und rennt um unser Wohnmobil herum, bis er schließlich die Stufen hinein erklimmt. Und weil er dreckig ist, muss er gewaschen werden. Das Herrchen fragt nach Wasser, Alex hilft, das arme Tierchen zu säubern. Es gefällt dem Äffchen überhaupt nicht.

Noch am selben Abend gegen 18 Uhr erhalte ich meine Grant Notice für ein Transitvisum für 7 Tage. Halleluja! Wir haben das Gefühl, dass wir das dem Chef zu verdanken haben.  Schon am nächsten Tag stehen wir wieder am Visaschalter in der Botschaft in Abu Dhabi und ich bekomme ohne Krankenversicherung innerhalb von 15 Minuten mein Visum eingeklebt. Es ist Donnerstag, der arabische Freitag. Gleich nach der Visumserteilung rasen wir nach Sharjah und buchen die Fähre bei Al Hili (Shipping Company), denn wir haben Angst, dass die Agentur am Freitag, also dem arabischen Samstag nicht geöffnet sein könnte und wir wollen ja die Fähre am Sonntag nehmen. Alles geht gut. Wir machen uns noch zwei entspannte Tage am Jumeirah Beach, inzwischen kann man dort nämlich doch wieder stehen, ohne dass jemand kommt und nach einem Permit fragt. Verrückt!


2 Gedanken zu “Der Kampf ums Iran-Visum

    1. Danke! 🙂 Der Weg über den Iran ist leider der einzige Weg Richtung Norden – über Afghanistan haben wir uns nicht getraut. Na ja, und wenn alles glatt laufen würde, wär’s ja auch langweilig 😀

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