Man-OMAN

Der Oman ist das bisher vielfältigste Land, das wir bereist haben. Ein Traumland zum Überwintern, findet man hier doch alles, was das Herz begehrt: Wadis, Wüste, Berge und Meer. Das Monatsvisum war viel zu kurz und hätte uns das Iran-Visum für mich nicht so viel Ärger gemacht, hätten wir das Land noch länger genießen können. Ein Monat jedenfalls reicht nicht, um die Schönheit dieses Sultanats in Gänze auszukosten.

Länderwechsel VAE – Oman

Wir stehen in Al Ain an der Grenze VAE – Oman. Das Besondere an der Stadt, dass sie Grenze durch den Ort verläuft. Wir passieren den Grenzposten im Süden der Stadt auf der 137, die als 21 im Oman weiterläuft.

Den Dubai Grenzposten haben wir schnell passiert. Hier ist man außerordentlich hilfsbereit, stempelt unser Carnet de Passages schnell ab, erklärt uns noch genau, wo hin wir müssen, wir zahlen unsere Ausreisegebühr in Höhe von 35 AED (fas t 8 €) pro Person, alles easy. Auf der Omanischen Seite dauert es etwas länger. Wir müssen zunächst unsere Pässe vorzeigen und entscheiden, wie lange wir im Oman bleiben wollen. 4 Wochen kosten 20 Oman Rial (ungefähr 40 €) pro Visum. Verlängern können wir immer noch in den großen Städten Maskat und Salalah. Wir bezahlen in AED, der grob umgerechnet wird mit 1 OR = 2 AED. Wir bekommen ein Visum in die Pässe gestempelt, nachdem wir den bürokratischen Akt des Zettelausfüllens hinter uns gebracht haben, und müssen eine Versicherung für das Fahrzeug kaufen, bevor auch unser Benz in den Oman einreisen darf. Der Schalter befindet sich im selben Gebäude gleich links neben dem Immigrationsschalter. Netterweise versteht der Herr, dass wir zwar einen Truck fahren, dieser aber ein CaraVAN ist, daher bezahlen wir auch nur 19 OR für die Versicherung eines VAN für einen Monat – Pragmatismus, der uns gefällt. Grundsätzlich wird bei der Einreise in den Oman das Carnet de Passages abgestempelt. Interessanterweise hat das bei uns niemand getan. Auch bei der späteren Ausreise wollte niemand das Carnet sehen. Bei anderen Reisenden wurde das Carnet jedoch ganz normal abgestempelt.

Wadis

Als erstes wollen wir in die Wadis, wollen ausgetrockneten Flussbetten folgen. Das ist gar nicht mehr so einfach, wie wir feststellen müssen, denn Planierraupen und Walzen erobern die Wadis und so entstehen immer mehr Asphaltstraßen, die eine Durchfahrt weniger abenteuerlich machen. Wir haben Glück und finden noch einige schöne Wadis. Das Wadi Suwayh hat uns sehr gut gefallen. Am Ende des Wadis gelangt man zu einem schönen Pool, in dem man schwimmen kann.

Weitere schöne Wadis, in denen man baden kann, weil sie ganzjährig Wasser führen, sind: Wadi As Shab und Wadi Bani Khalid (alles im Nordosten Omans gelegen und von Maskat gut erreichbar).

Warme Quelle

Der Oman hat sogar eine warme Quelle zu bieten: die Nakhal Hot Spring in Saybah. Allerdings ist diese sehr touristisch, so dass Reisebusse aus Maskat viele Touristen dort absetzen und man die knabbernden Fische nicht ganz so genießen kann, wie man es gerne würde.

Wüsten

Wahiba Sands

Ein besonderes Highlight, auf das wir uns schon die ganze Zeit gefreut haben, ist die Wüste Wahiba im Norden Omans. Eine 140 km lange Piste führt durch den Sandkasten, die wollen wir fahren. Es soll wohl eine bessere Route innerhalb der Wüste existieren, aber warum einfach, wenn es auch schwierig geht? Wir folgen dem Desert Path laut maps.me. Immer wieder suchen wir den Weg, der durch die Sandverwehungen nicht sichtbar ist. Hier und da müssen wir die Dünen etwas umfahren, aber insgesamt ist die Strecke gut mit niedrigem Reifendruck befahrbar. Nach ca. 70km Fahrtstrecke, mitten in der Wahiba Sands bleiben wir neben der Wüstenpiste in sicherer Entfernung zur Zivilisation zum Übernachten stehen.

Einsamer Wanderer in der Wahiba Sands
Einsamer Wanderer in der Wahiba Wüste

Kaum sitzt Alex auf unserer „Terrasse“ und hat sein 0,000% Dosenbier geöffnet, meldet er einen weit entfernten weißen Punkt, der sich auf uns zubewegt. Es dämmert bereits, der Punkt wird größer und größer, bis er schließlich zu einer großen schlanken Gestalt in weißem Gewand wird. Dann steht er, ein barfüßiger Inder, direkt vor uns. Woher er kommt, erschließt sich uns nicht, da war doch weit und breit nichts zu sehen, was auf ein Camp hindeutet. Er gestikuliert mit seinen Händen, dass er Wasser bräuchte, also renne ich nach hinten und hole die letzte Flasche mit super leckerem Wasser aus Montenegro. Er setzt an und trinkt sie in einem Zug aus. Dann schmeißt er die Flasche einfach in die Wüste, steht da vor uns und schaut uns an. Alex deutet ihm, dass er uns doch bitte die Flasche geben soll; Müll in der schönen Wüste geht gar nicht. Der Inder bleibt etwas unschlüssig vor uns stehen und fragt lächelnd: „Bakschisch?“ Er reibt dabei Zeigefinger und Daumen aneinander. Alex fragt schulterzuckend zurück „Backfisch?“ Das geht so, begleitet von zuckenden Schultern und fragenden Blicken, ein paarmal hin und her. Wir wissen natürlich, was Bakschisch heißt, wollen aber nicht verstehen. Alex deutet ihm mit seinen besten Gesten, dass er, der Inder, jetzt gehen müsse, weil es gleich ganz dunkel sei. Die weiße Gestalt verliert die Geduld und setzt sich in Bewegung, strebt wieder sein eigentliches Ziel an: die höchste Düne am Horizont. Ein wenig besorgt, verfolgen wir seinen Weg. Als er sein Ziel erreicht hat, telefoniert er; offensichtlich hat er nur auf der Düne Empfang. Wir bleiben an ihm dran und fragen uns, wie er wohl im Dunkeln den Weg zurückfinden will. Bald verschluckt ihn die Dunkelheit komplett.

Die Wahiba ist am besten vom Norden aus ab Al Ghabbi an der 23 zu befahren, dann kommt man im Süden irgendwo zwischen Sherkh und Ghalat raus. An der Ausfahrt befindet sich ein Zeltdorf, das man ohne eindeutige Pisten im Sand durchquert. Die Einfahrt zur Wüstenroute ist von hier nicht ersichtlich und es gibt auch keinerlei Hinweisschilder.

Rub al Khali

Ja, ich weiß, da waren wir doch schon mal? Richtig, vom Emirat Abu Dhabi aus an der saudischen Grenze entlang. Der größte Sandkasten der Welt ist aber so groß und erstreckt sich über mehrere Länder, dass wir auch noch vom Oman aus einen Abstecher in die Wüste machen. Von Shisr (im Eck zwischen der 31 und 45 nahe Thumrayt im Westen Omans) fährt man am besten nach Fasad. Der Weg ist eine Zumutung: eine üble Wellpiste, erst bei 80 km/h wird es wieder ruhiger, bis dahin ist es trotz luftgefederter Sitze unerträglich für den menschlichen Körper und vor allem für den Benz. Mit 80 Sachen fliegen wir über die Piste, um die Wellen kaum bis gar nicht zu spüren. Je näher man Fasad kommt, desto höher erheben sich die – beinahe schon vertrauten – orange farbenen sanft geschwungenen Sanddünen der Rub al Khali. Ja, und von hier aus kann man sich austoben; kann einfach irgendwo entlangfahren; Spuren folgen oder eben nicht. Einfach erkunden, wie man lustig ist. Und vor allem: auf den hohen Dünen Spaß haben. Auf einer der Dünen finden wir einen schönen ebenen Übernachtungsplatz. Der Wind fegt um uns herum, als plötzlich der Benz geräuschvoll einige Zentimeter absackt. Verunsichert schauen wir nach und sehen, dass der Wind uns langsam den Sand unter den Rädern weg bläst. Das geht noch einige Male so bis dann endlich der Wind nach gelassen hat.

Am Tage herrscht hier auch in den Wintermonaten eine unerbittliche Hitze, da ist der Wind eigentlich ganz angenehm. In der Nacht fällt die Temperatur dann auf eine mehr als angenehmen Kälte ab. Die Dünen sind ein klasse Sandkasten, da können wir einfach nicht anders und müssen rumalbern….Wettlauf mit Haltungsnoten:

Plätze zum Übernachten, Erholen, Feuerchen machen, Grillen oder was auch immer, findet man überall. Die Wüste ist ein Traum! Die wunderbare Stille, die Schönheit der endlosen Weite, die Reinheit des feinen, farbigen Sandes lässt kaum begreifen, dass man sich an einem unwirtlichen Ort befindet. Zum Glück haben wir 380 Liter Wasser und genug zum Essen dabei;-)

White Dunes / Sugar Dunes

So genau weiß ich gar nicht, wie die wirklich heißen, nenne sie einfach mal so wie sie aussehen. Wir fahren ja ohne Reiseführer und ein Namensschild gibt es nicht, wo wir es hätten ablesen können. Wir hatten im Internet eigentlich nur ein Bild ohne Namen, Ort, Koordinaten etc. gefunden, das die Dunes zeigt. Nur so ungefähr ahnen wir, wo sich der Ort befinden soll. Die erste Suche auf dem Weg Richtung Jemen schlägt fehl und wir wollten es schon aufgegeben. Aber auf der Rückreise wollen wir es doch noch einmal versuchen, mit Erfolg: von der Küstenstraße 32 geht beim Dorf Rumayli nach rechts eine asphaltierte Straße ab, der man fast bis zum Wasser folgt. Da stehen ein paar Häuser rum, die man über eine sehr schmale (!) Brücke quasi rechts liegen lässt und der Piste einfach folgt. Man muss um die 7 km fahren, bis man den außerordentlichen schönen Ort erreicht und mitten in den weißen Dünen, direkt am Wasser steht. Vor sich das blaue Wasser des Arabischen Meers, hinter sich die beinahe schneeweißen Dünen aus feinstem Sand. Ein Traum!

Man kann auch vom Dorf Al Khalaf etwas weiter nördlich den Weg Richtung Süden suchen

Meer und Angeln

An der Küste Omans gibt es unzählige schöne Plätze zum Stehen. Die Küste ist zum größten Teil (noch) unverbaut; so standen wir sowohl an Steilküsten und direkt am Strand.

Angeln macht im Oman mal so richtig Spaß. Bereits in Griechenland hat sich Alex eine Angel gekauft, die kam aber bis Oman gar nicht zum Einsatz. Weil wir gerade nichts anderes als Köder hatten, wurde ein gutes Hähnchenbrustfilet geopfert. Also Hähnchen gegen Brasse. Tatsächlich lieben Doraden Hähnchen. Angel rein und Dorade raus, das ging so schnell, dass Alex das selbst kaum glauben konnte: dreimal Angel ausgeworfen, dreimal Fisch dran. Fertig. Mehr brauchen wir nicht. Später hat Alex aber lernen müssen, dass es nur an diesem einen Strand so reibungslos klappt. In der Nähe des White Beach bei Fins hat sich der Angelhaken unglücklich im felsigen Boden verhakt und musste geopfert werden. Und auch der letzte Angelversuch war mäßig erfolgreich: wir mussten alle Fische retten, weil sie zu klein waren und als wir dann keine Lust mehr hatten, gab’s eben Steak.

Berge und Felsen

Interessante Felsformationen

Zum einen gibt es eine interessante Felslandschaft an der Küstenstraße 41 am zweiten Bauch nördlich von Salala. An den markierten Stellen kann man die asphaltierte Straße verlassen und auf einer Piste in die Landschaft fahren.

Felsformationen Oman
Felsformationen an der 41 im Oman

An der 31 beim Ghaba Qarn Alam Airport verstecken sich hinter einem Plateau wunderschöne Kalksteinformationen, die durch stetige Erosion im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind. Nach Osten führt eine asphaltierte, jedoch scheinbar nicht mehr genutzte Straße, die teilweise schon von der Natur zurückerobert wurde. Am Ende dieser Straße führt der zerstörte Weg vom Plateau hinunter in eine scheinbar andere Welt. Von hier fährt man an den Kalkfelsen entlang in miteinander verbundene Täler, die fantastische Kalksteinskulpturen verstecken:

Tolle Übernachtungsplätze bieten sich hier hinter jeder Ecke. Am anderen Ende stößt man wieder auf eine asphaltierte Straße, die den Weg zurück auf die Hauptstraße 31 zeigt.

Klettern und Klettersteig am Jebel Shams im Hajar-Gebirge

Pink Lagoon

Eine etwas versteckte Schönheit, und am ehesten von oben zu betrachten, ist die pinke Lagune. Von der Küstenstraße 31 führt irgendwann eine asphaltierte Straße Richtung Meer, an der die Lagune ausgeschildert ist. Wo die Strasse abrupt endet, kann man direkt auf dem Strand weiterfahren. Die pinke Lagune fällt erst gar nicht auf, insbesondere wenn sie kaum Wasser trägt. Da muss man ein bisschen aufpassen, dass man nicht vorbeischießt. Von oben, mit der Drohne fotografiert, sieht man das beeindruckende Phänomen:

Maskat

Die Hauptstadt Omans steuern wir in der Hoffnung an, eine Wäscherei zu finden, die unsere Klamotten wäscht. Auf dem Parkplatz gegenüber des Riyam Parc stehen wir direkt unter dem ehemaligen Wachturm, im Glauben einen ruhigen Stellplatz gefunden zu haben. Aber wie es so ist, sobald es im Süden dunkel wird, füllen sich die tagsüber leeren Plätze an den Stränden plötzlich. Nachdem der Trubel in der Regel gegen 2:00 Uhr nachts nachließ, schrecken wir in der ersten Nacht gegen 4:00 Uhr von lauten Stimmen geweckt wieder auf. Direkt hinter unserem Benz, unter dem Schlafzimmerfenster, haben sich zwei Omanis auf Campingstühlen niedergelassen und machen lautstark mit Ihren Handys herum. Nachdem sich Alex kurz bemerkbar macht, sind sie gleich verschwunden. Nicht nötig zu erwähnen, dass der Parkplatz ansonsten leer war. Am nächsten Abend müssen wir fliehen, als Grillbegeisterte ein riesiges Lagerfeuer im Heck unseres Benz entfachen. Der Benz bietet aber auch einen tollen Windschatten. Mit dem Fahrrad ist es von hier eine schöne Tour nach Maskat hinein. Zum Laufen ist der Parkplatz jedoch zu weit weg. Am meisten begeistert hat uns die Royal Opera Muscat, die wir von innen besichtigt (ein Traum!) und von außen bei einem Kaffee in einem auf dem Gelände befindlichen Café bestaunt haben.

Auf der Suche nach Trinkwasser, landen wir nahe Maskat am sehenswerten Stausee Wadi Dayqah Dam. Unterhalb der Staumauer werden wir in einem Kanalschacht fündig und werfen gleich unsere Tauchpumpe rein. Kurz nachdem die Pumpe pumpt, erscheint ein Pickup mit einem Firmenlogo drauf. Der Fahrer grüßt freundlich zurück und verschwindet wieder. Allerdings nicht für lange, diesmal bringt er einen Kollegen als Verstärkung mit, der Englisch spricht. Freundlich erkundigt sich dieser, was wir denn da so machen würden. Er ruft seinen Boss an und reicht Alex das Telefon. Nachdem Alex erklärt, dass wir nur Wasser holen, sagt er, das sei kein Problem, wir aber, wenn wir wollten, auch gleich oben an den Stausee ranfahren könnten, um dort Wasser zu holen. Aber mittlerweile sind die Tanks schon fast voll und alle zufrieden.

Staudamm des Wadi Dayqah
Staudamm des Wadi Dayqah

Das Wasser aus dem Stausee schmeckt übrigens fantastisch.

Eine schöne Seite mit Aktivitäten: OmanTripper


2 Gedanken zu “Man-OMAN

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