Einreise mit dem Benz in die V.A.E. (Sharjah)

Nach der Nacht mit den Kühlkoffern um uns herum sind wir mäßig ausgeruht, als wir gegen 11:45 Uhr (inklusive Zeitumstellung von +30 Minuten) mit etwas Verspätung den Hafen von Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate erreichen. Wir fahren als erster unser Fahrzeug von der Fähre und parken ihn direkt gegenüber an der Mauer – wir sollen warten. Es empfängt uns ein sehr gut gekleideter Mann, der das Carnet de Passages sehen will. Er sieht aus wie ein Agent und uns schwant schon wieder Böses, aber er ist Hafenangestellter. Ein anderer überprüft die Chassisnummer. Um die Ecke steht ein Container, wo unser Carnet bearbeitet wird. Der Mann sagt, dass gleich die Polizei komme, mit der wir mitfahren sollen. Die Reisenden von der Fähre werden nach Geschlechtern getrennt in Busse verfrachtet (wobei die Frauen den tollen klimatisierten Bus bekommen und die Männer im traurigen kleinen Bus ohne Klimaanlage sitzen müssen) und sogar auf unterschiedlichem Weg zur Passkontrolle gefahren werden.

Getrennte Fahrt für die Passagiere der Hormuz-12
Getrennte Fahrt für die Passagiere der Hormuz-12: der große Bus hinten für die Frauen, der klägliche kleine Bus vorne für die Männer

Um 12:07 Uhr geht es für uns mit der Polizeieskorte zwischen riesigen Bergen von Containern zum Immigration Office; es ist das Gebäude links vom Gebäude mit der blauen Kuppel. (Wenn man auf dem Parkplatz steht, muss man durch die linke Tür zur Passkontrolle. Rechts befindet sich die Halle mit der Sicherheitskontrolle und dem Ausgang.) Die Iranerinnen müssen in einen extra Raum; wir dürfen sofort in der Wartehalle in der ersten Reihe, allerdings getrennt voneinander, Platz nehmen. Der Wachmann zeigt, dass wir vor allen anderen als nächstes zur Passkontrolle vortreten dürfen. Und dann sind wir auch schon dran. Der Beamte kann sogar ein paar Wörter Deutsch: Guten Tag! und Auf Wiedersehen! Wir bekommen die Einreisestempel und fahren wieder zurück Richtung Fähre zum Container von vorhin. Der Agent von der Shipping Co. , ein Inder, erwartet uns schon. Es ist 12:35 Uhr.

Alex muss unter seine Passkopien seine Unterschrift leisten und 140 $ (oder 510 AED; ca. 113€) Hafengebühr zahlen, die wir später aber wieder umtauschen werden, weil es dem Agenten lieber ist, wenn wir in AED zahlen (und wir sparen sogar 1€). Außerdem möchte er natürlich die 800$ für die Verschiffung haben. Als wir ihm die Dollarnoten geben, guckt er sich jede genau an. Auf Nachfrage erklärt er, warum: alle Banknoten vor dem Jahr 2000 haben eine schlechte Changerate, alles ab 2000 sei also gut. Unsere Cargo Declaration wird überprüft. Dann übergibt uns der Agent eine Checkliste, die wir abarbeiten müssen. Was für eine Wohltat nach dem Iran! Keine Grenzschlepper, keine Extrakosten, die Abfertigung können wir allein durchführen. Von ihm bekommen wir außerdem die Delivery Order.

Es ist 13:00 Uhr und wir arbeiten Punkt 1 der Liste ab: Customs – Zoll. Wir befinden uns im Gebäude mit der blauen Kuppel. Wenn man drin steht, muss man nach links zum Schalter 30. Unser Sachbearbeiter hat Kopfhörer in den Ohren und guckt Videos. Von ihm bekommen wir eine Unterschrift auf unsere Delivery Order. Weiter zu Schalter 22: wir bekommen einen Stempel auf die Delivery Order. (Rechts am Eingang des Gebäude befindet sich übrigens der ATM, an dem auch wir Geld abgehoben haben.)

Delivery Order Sharjah
Delivery Order mit Unterschrift und Stempel

Zurück am Benz möchte der Mann von der Passkontrolle gerne unser Auto von innen sehen. Kein Problem: wir schließen auf und eigentlich sieht er gar nicht viel – nur die Sitzgruppe. Aber das reicht ihm schon und bedankt sich. Wir fahren mit dem Benz Richtung Ausgang des Hafengeländes, bleiben aber noch vor den kleinen Büros, die sich links befinden stehen. Wir brauchen nämlich den Inspection Report. Da man uns gesagt hat, es wäre klüger, eine Frau das erledigen zu lassen, weil es dann wesentlich schneller ginge, kümmere ich mich darum. Zunächst muss ich 20 AED bezahlen, bevor überhaupt irgendetwas passiert. Die Kasse befindet sich links von den Jungs im selben Raum – nicht zu verfehlen. Dann kommen zwei der Jungs mit zum Benz und fragen ein bisschen, was im Koffer sei, woher wir kommen usw. Es ist ein wirklich nettes und lockeres Geplauder. Sie wollen nur kurz in eine der Heckklappen gucken, das war’s schon. Dann vergleichen sie die Chassisnummer. Alex liest sie ein paar Mal falsch vor, weil die gestanzten Zahlen und Buchstaben, die obendrein auch noch schwer zu erreichen sind, schwer zu lesen sind. Es ist ein bisschen wie beim Augenarzt: Raten ist erlaubt. Dem Mann reicht dann schließlich das Typenschild auf der Beifahrertür, auf dem alle Daten stehen. Alex erklärt ihm, dass das ja eigentlich keine zuverlässigen Informationen seien. „Wieso nicht?“, fragt der Beamte interessiert. Weil man das Typenschild einfach abschrauben und ersetzen kann. Das wissen wir deswegen so gut, weil wir selber das Auto auseinandergeschraubt hatten, bevor es lackiert wurde – so auch das Typenschild. Sie fragen freundlich, wohin wir wollen, wie lange wir bleiben. Wir fühlen uns willkommen. Dann muss ich mit den Jungs wieder mit ins Büro, die Quittung über die 20 AED abgeben, ebenso die Delivery Order vom Inder, die ich aber gleich wieder zurück erhalte. Kurz vor 14 Uhr ist der Inspection Report fertig. Ich muss ins Gebäude gegenüber, um den Report gegenzeichnen zu lassen. Es gibt mehrere Büros, aber ich gehe leicht links in das Büro, in dem zwei Männer sitzen. Sie sind unglaublich nett. Ja, ich sei hier richtig. Wir kommen ein bisschen ins Plaudern über Deutschland. Wenn wir nach dem Ort fragen, der besucht wurde, hört man immer nur eine Stadt: München! Der Mann regt sich noch kurz auf Arabisch über den Kollegen auf, weil er das Datum auf dem Inspection Report vergessen hat. Das Dokument wird natürlich noch gestempelt und unterzeichnet.

Dann müssen wir wieder zurück zum Gebäude mit der blauen Kuppel. Am Schalter 32 müssen wir den Inspection Report abgeben. Wir bekommen die Bill of Entry und das Carnet wird abgerissen. Wir erhalten einen Zettel mit einer Nummer und müssen zum Kassierer, Schalter 17. Dort müssen wir 90 AED zahlen, rund 20€. Nach dem Bezahlen zurück beim Schalter 32 bekommen wir lauter bunte Blätter – die Zolldokumente. Wir müssen zum nächsten Schalter irgendwo auf der rechten Seite. Aber welcher von den vielen? Wir halten Carnet und bunte Blätter in die Luft, wedeln ein bisschen fragend rum. Schalter 4 (Traffic Department) meldet sich. Der Mann dort will die bunten Blätter und die Delivery Order haben. Er schickt uns weiter zum Kassierer, Schalter 9-11. Wir müssen die Handling Fee in Höhe von 430 AED (rund 96€) bezahlen. Der Kassierer erzählt uns, dass er unser Auto gesehen hätte und es toll fände. Er möchte die Adresse unserer Homepage haben und schreibt sie sich auf.

Wir denken, alles sei erledigt und sind schon fast am Ausgang, da ruft uns Schalter 4 zurück. Er behält zwei der drei bunten Blätter.

Jetzt müssen wir zum Scanning. Auf der Suche danach werden wir (!) von vielen Hafenmitarbeitern angesprochen, alle helfen uns einfach so, zeigen in eine bestimmte Richtung, erklären und schnell ist der Scanner gefunden. Dort steht schon eine ganze Reihe LKW mit Containern, die gescannt werden müssen. Wir stellen uns hinten an. Nur ein Scanner ist in Betrieb – na das kann ja dauern, denken wir. Es ist 14:25 Uhr, der Scanner arbeitet aber erst ab 15 Uhr wieder, haben wir erfahren. Wir nutzen die Zeit, um eine Kleinigkeit in der Pfanne zu braten. Kaum ist die Butter warm, da wird es hektisch. Alles um uns herum fährt. Wir packen schnell alles zusammen. Wohin mit der verflixten Pfanne? Wir stellen die heiße Pfanne einfach auf die Fußmatte und fahren vor. Wir wissen nicht so richtig, wo wir stehen sollen, also fahren wir ganz vor und stehen in zweiter Reihe vor einem anderen LKW vor dem Scanner. Es bildet sich sogar noch eine dritte Reihe. Ein netter Inder im LKW rechts von uns lässt uns vor und so haben wir nur 5 oder 6 Container vor uns. Noch vor 15 Uhr startet der Scanner. Als wir dran sind, müssen das Auto bis zur Markierung vorfahren und das Fahrzeug verlassen. Ich gucke zu, wie unser Auto gescannt wird. Was man wohl sieht? Nicht viel: Ums Fahrgestell herum ist der Benz rot, knapp drüber orange und darüber alles grün. Offensichtlich nichts rot, wo nicht rot sein darf. Und so bekommen wir auch Stempel und Unterschriften auf die Zolldokumente.

Danach fahren wir zum Inder im Container an der Fähre zurück. Wir tauschen die 140$ gegen 510 AED. Er zeigt uns noch, wohin wir als nächstes müssen, dann verabschiedet er sich und gibt uns seine Visitenkarte mit. Wenn wir wieder eine Fähre bräuchten, dann sollten wir uns dort melden. Und bloß nicht die Fähre am Donnerstag nach Bandar Abbas (Iran) nehmen! Man kommt nämlich am Freitag an und da ist Wochenende im Iran, das heißt, da arbeitet keiner! Ich rufe ihm die einzige unter Hindus verbreitete Grußformel zu, die ich kenne: „Namaste!“ Er freut sich sehr darüber, antwortete etwas, das ich nicht verstehe. Als ich schon im Auto sitze, kommt er noch schnell vorbei und überreicht mir zwei Äpfel. Ich bin gerührt!

Wir fahren um die Ecke zum Container mit der Aufschrift Yard 6. Wir bekommen den Hafenpass in weiß, rot und blau. Alex muss alle drei Blätter unterzeichnen.

Wir stehen nun bereit zum Verlassen des Hafengeländes (5 m weiter, wo unser Inspection Report entstanden ist) ab. Dort wird nochmals die Fahrgestellnummer gecheckt. Alex, nun schlauer, zeigt nur noch das aufgeschraubte Typenschild an der Beifahrertür.

Noch vor 16 Uhr verlassen wir das Hafengelände. Es ist ziemlich gut gelaufen: wir haben etwa 4 Stunden gebraucht, alles war gut zu finden und alle Mitarbeiter unheimlich hilfsbereit. Auch wenn das obige Prozedere etwas an Asterix&Obelix‘ Passierschein A38 erinnert, haben wir die Abfertigung als sehr angenehm empfunden.


Ergänzung:

  1. Haftpflichtversicherung

Die Haftpflichtversicherung in den Vereinigten Arabischen Emiraten (V.A.E.) ist obligatorisch! Es fragt nur niemand danach. Es war auch keine Bedingung für die Einreise, daher sind wir gar nicht auf die Idee gekommen, extra eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Das Verkehrsverhalten in den VAE ist sehr gesittet, rücksichtsvoll und entspannt. Daher sollte eine Haftpflichtversicherung auch nicht notwendig werden. Wenn man doch eine abschließen möchte, findet man in Sharjah oder Dubai entsprechende Büros der Insurance Agencies.

2. Einfuhr von Alkohol

Auf dem Hafengelände in Sharjah gibt es einen Duty Free Shop. Es gibt Reisende, die sich dazu verleiten lassen, dort Alkohol zu kaufen. Man sollte sich das gut überlegen, da in Sharjah die Einfuhr von Alkohol strengstens verboten ist. Wir haben von einem Fall gehört, wo ein Reisender Alkohol eingekauft hat und danach erpresst wurde, Geld zu zahlen, andernfalls würde man ihn verpetzen. Wir haben auf die Einfuhr von Alkohol verzichtet; sicher ist sicher.

3. Die Maut (Salik)

Es gibt in Dubai verschiedene Maut-pflichtige Straßen: auf der E11 drei Toll Gates (Al Garhoud Bridge, nahe Downtown (Burj Khalifa) und Al Barsha), auf der D80 Al Makoum Gate, D62 am Dubai Airport. Liste muss nicht vollständig sein! Wir sind durch mindestens zwei dieser Toll Gates durchgesaust und mit flauem Gefühl weitergefahren. Die Maut heißt hier Salik und angeblich kann man Salik an jeder Tankstelle kaufen. ABER: Wir haben nichts dergleichen getan. An der Grenze mussten wir auch nichts nachzahlen. Es mag daran liegen, dass man als Tourist diese Maut vielleicht schon beim Traffic Department bei der Einreise bezahlt. Aber das wissen wir nicht genau.


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