Ein bisschen SPA(ß) muss sein – Von der Seidenstraße zu den Canyons

Als erstes schauen wir uns Kandovan (nahe Täbris/Tabriz) an. Es handelt sich um einen Ort mit hinkelsteinartigen Häusern, für deren heutige Erscheinung maßgeblich Erosion, Verwitterung und menschliches Eingreifen verantwortlich sind. Es ist wie in einem Museumsdorf, nur dass die Menschen hier noch richtig leben. Als wir durch die engen steilen Gassen gehen, läuft uns Blut entgegen. Gerade eben wurde hier ein Tier auf der Straße geschlachtet. Wir gucken nur mal kurz hinter eine Tür hinter der wir klägliche Laute hören: ein einsamer Esel steht im Dunkeln. Als uns beim weiteren Herumlaufen die Bewohner entgegenkommen, fühlen wir uns unwohl (es ist wie in einen Zoo, nur mit Menschen) und verlassen den Ort.

Als wir knapp hinter Teheran auf die Seidenstraße fahren, sind wir enttäuscht. Es handelt sich um eine 6-spurige Autobahn, die nach Osten führt. Allerdings haben wir hier eine gute Möglichkeit, die am dringendsten benötigten Lebensmittel in einem Geschäft zu kaufen. Die Auswahl ist gering, also ist der Einkauf zackig erledigt. Über die Preise sind wir erschrocken. Das sind deutsche Preise für die Lebensmittel. Gemessen am Dieselpreis eine horende Summe. Da an den Lebensmitteln keine Preise zu finden sind, ist die Preisbildung sehr intransparent bzw. überraschend. Der Verkäufer Mehdi bringt unseren Einkauf zum Auto. Obwohl er fast kein Englisch spricht, drückt er uns seine Telefonnummer in die Hand – falls mal was ist. Sehr schön finden wir die Caranvanseraien links und rechts entlang der Straße. Wie eine Festung stehen sie abseits der Straße und zeigen eindrucksvoll vergangene Zeiten. Die Caranvanseraien sind nicht mehr belebt. Nur wenige fungieren als Museum mit stattlichem Eintrittspreis: 5€ pro Person will der Wächter von uns haben. Das ist uns doch zu viel für eine renovierte „Burg“, in der es im Grunde nichts zu sehen gibt. Bei einer weiteren Caranvanserai, an der wir übernachtet haben, werfe ich morgens schnell einen Blick in den Innenhof.

Ursprünglich hatten wir vor, bis nach Maschdad zu fahren, aber da die Seidenstraße für uns nicht viel zu bieten hat, biegen vor schon vorher bei Sabsevar auf die 87 in die Kavir-Wüste ab, der wir bis Bardaskan folgen.

Nahe der Kaviar-Wüste
Abseits der Straße nahe der Kavir-Wüste

Fast am Ende des Ortes biegen wir nach rechts ab auf die 36, bei Doruneh schließlich fahren wir nach links Richtung Tabas. Kurz vor Tabas befindet sich auf der linken Seite der Jenni Canyon. Ein riesiger Parkplatz vor der Schlucht lädt nicht nur zum Parken, sondern auch zum Übernachten ein. Als wir ankommen, sind noch vier PKWs dort. Viele junge Leute sitzen um einen brennenden Palmenstamm herum. Sofort kommen die jungen Iraner auf uns zu und sprechen uns an. Auf Englisch. Was für eine Wohltat. Die ersten Menschen, die Englisch sprechen! Für den Canyon ist es schon zu spät, daher fragen sie, ob wir mit ihnen essen wollen. Es gibt Salat mit Thunfisch und Gemüse im typischen dünnen Fladenbrot. Später werden wir diese Art zu essen auch in den anderen Ländern übernehmen, da man europäisches Brot nicht oder nicht überall bekommt.

Irgendwo in den malerischen Bergen Irans
Irgendwo in den malerischen Bergen nahe der Kavir-Wüste im Iran

Wir lernen Neda, Mehdi und ihre ganzen Freunde kennen. Neda reist auch unheimlich gerne und so haben wir schnell ein gemeinsames Thema. Nach dem Essen tanzen wir. Mehdi erklärt, dass Tanzen im Iran verboten ist. Schon gar nicht dürften Männer und Frauen zusammen tanzen. Aber hier, wo sonst niemand ist, die Hauptstraße 3,5 km entfernt ist, ist alles egal. Wo kein Kläger, da kein Richter. Wir tanzen und drehen uns! Männer und Frauen tanzen zusammen im Kreis. Im Grunde sei im Iran alles verboten, aber man tue es trotzdem – heimlich eben, sagt Neda. Sie versprüht pure Lebensfreude. Es ist bereits spät am Freitag (dem iranischen Sonntag, kann man sagen) und die jungen Leute müssen zurück nach Teheran. Wir tauschen Nummern und wenn alles gut geht, dann treffen wir uns auf der Rückreise in Teheran. Mehdi gibt uns noch einen buchstäblich heißen Tipp: den Sardar Canyon. Und wenn wir in die Wüste wollen, dann sei Boshruyeh der richtige Ausgangspunkt. Richtig schön, aber nichts ohne Guide, sagt er.

Dann ist es ruhig, alle sind weg. Nur wir und der glühende Palmenstamm. Am nächsten Morgen qualmt der Stamm immer noch. Wir sind beeindruckt. Wir beschließen, ihn nach unserer Canyon-Wanderung für ein Lagerfeuer zu nutzen. Der Canyon ist super schön! Auf der Ebene des Parkplatzes geht es ganz plötzlich steil hinunter. Wir nutzen den Einstieg direkt vor uns, der sanft ins Flussbett führt. An zwei Tagen wandern wir im Canyon herum und man könnte noch mehr Zeit verbringen, um tiefer in die Schlucht vorzudringen. Man muss nur aufpassen, das man sich nicht verläuft bei den vielen Abzweigungen. Wir finden sogar Wasser im Canyon! Wo doch alles so trocken aussieht im Iran, haben wir damit am wenigsten gerechnet.

Am Abend qualmt der Palmenstamm immer noch! Für unser Lagerfeuer müssen wir ihn nur noch anpusten und schon lodert er wieder. Den restlichen Abend sorgt er für Wärme, denn die Temperaturen sinken auf eine Zahl, die uns zwingt, eine Jacke anzuziehen.

Als wir den Canyon wieder verlassen, sehen wir links große Löcher, in denen Palmen wachsen. Wir werden das noch an anderer Stelle sehen: Palmenzucht! Von Palmenzucht zur Palmensucht: wir wollen so einen Stamm haben! Wir sind derart von der Ausdauer des Feuers begeistert, dass wir gerne für uns ein Stückchen hätten. Erst in der Wüste Lut werden wir fündig.

Dank Mehdi finden wir uns nur wenige Kilometer am Sardar Canyon nahe dem Ort Kharv wieder. Wir parken am unteren Parkplatz direkt am Flussbett, in der Hoffnung auf mehr Ruhe. Am nächsten Tag gehen wir rechts in den Canyon. Man muss ein bisschen laufen und übers Wasser springen, bis man nach rund 400 m die warmen Quellen erreicht. Dort grünt es an der Wand. Links finden wir ein kleines Becken vor einer Höhle und weil ich, wenn die Größe der Höhle es hergibt, immer hinein muss, ziehen wir uns Stirnlampen über, Schuhe aus und gehen in gebückter Haltung hinein. Warme Luft strömt uns entgegen. Die Handys beschlagen sofort. Der Eingang schlängelt sich nur kurz in den Fels, um dann in einer Höhle zu enden, in der man gut stehen kann. Von den Wänden plätschert es warm herunter. Zu unseren Füßen hat sich so viel Wasser gesammelt, dass man darin liegen kann. Also spielt Alex den Wachposten und ich ziehe mich in der Höhle aus und lege mich ins Wasser. Ohne Stirnlampe ist es stockdunkel. Es ist wie Floating. Bin mit den Gedanken allein, entspanne. Alex sitzt derweil draußen und lässt seine Füße von kleinem Fischen anknabbern – SPA für Füße! Wofür man andererorts richtig viel Geld bezahlen muss, kann man hier kostenlos genießen.

Nachdem unsere Haut schon runzlig geworden ist, laufen wir noch kilometerweit bis zum Ende der Schlucht. Eigentliches Ziel scheint der unweit von den warmen Quellen befindliche fantastische Torbogen im Canyon zu sein. Es handelt sich um einen gemauerten Bogendamm, dem Taq-e Shah Abbas aus dem 17. Jahrhundert. Der macht echt was her, wie er da so plötzlich auftaucht.

Sardar Canyon Iran
Der Bogendamm im Sardar Canyon

Links vom Parkplatz aus sehen wir in der Felswand einen Riss; gerade so breit, dass wir etwas seitwärts laufend hineingehen können.

Sardar Canyon Iran
Die Quelle auf der linken Seite vom Parkplatz – hier tanken wir später Wasser

Dabei können wir richtig tief in die Felswand gehen, bis der weitere Weg versperrt ist und die kleine Höhle, aus der das Wasser kommt, zu niedrig zum Durchkriechen ist. Aus der Quelle tanken wir draußen Wasser, bevor es wieder losgeht. Wir stellen unsere Rundhalstonne unter den Wasserstrahl und tanken mit unserer Pumpe direkt aus der Tonne über zwei Filter in unseren Wassertank.

Hinter Tabas (ein sehr hübscher, grüner Ort) folgen wir der 68 Richtung Yazd, machen noch einen kleinen Abstecher über eine Piste zur zoroastrischen (Zoroastrismus/Zarathustrismus ist eine Religion, die im östlichen iranischen Hochland entstand) Pilgerstätte Chak-Chak, die wir allerdings schnell wieder verlassen: Es kostet Eintritt und wir haben gar kein Geld dabei.

Danach folgen wir der 71 über Rafsanjan nach Kerman. Unsere finanziellen Mittel schwinden und wir müssen Geld tauschen. Das ist gar nicht so einfach, denn Banken tauschen kein Geld. Es dauert eine Weile bis wir herausfinden, dass nur Wechselstuben Geld tauschen. Und es dauert noch mal eine Weile bis wir herausfinden, wo sich die Wechselstuben in Kerman befinden.

Von Kerman geht es in die Wüste Lut.


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