Bosnien-❤️egowina

Bosnien und Herzegowina (BiH) hat mich (und Alex auch) sehr überrascht. Ich kannte BiH leider nur vom Bosnienkrieg, daher war für mich BiH insgesamt immer noch grau und zerfallen, obwohl der Bosnienkrieg ja inzwischen auch schon über zwei Jahrzehnte her ist. Die Bilder aus den Medien haben sich dermaßen im Kopf festgebrannt, dass ich ein komplett falsches Bild von diesem wunderschönen Land hatte. Denn die Medien berichten nicht von den glasklaren Seen und Flüssen, den saftig grünen Bergen, den hübschen alten Städtchen…

Eingezwängt zwischen Kroatien (Norden und Westen), Serbien (Osten) und Montenegro (Südosten) liegt es fast komplett im Dinarischen Gebirge. Reist man vom Norden aus Kroatien nach BiH ein, fällt auf, dass an der Grenze nicht steht: „Welcome to Bosna i Hercegovina“, sondern vielmehr „Welcome to Republika Srpska“. BiH besteht nämlich aus zwei Entitäten: der Föderation Bosnien und Herzegowina, das mehrheitlich von Bosniaken und bosnischen Kroaten, und der Republika Srpska, das mehrheitlich von bosnischen Serben bevölkert ist. Nachdem BiH 1992 seinen Austritt aus dem Staatsverband Jugoslawien erklärt hatte, folgten 3 Jahre Krieg zwischen bosniakischen, kroatischen und serbischen Einheiten. Zwar wurde 1995 der Dayton-Vertrag unterzeichnet, der aus dem Land die föderale Republik Bosnien und Herzegowina schuf, dennoch brodelt es weiterhin. Die bosniakischen Politiker wollen den Staat nach den EU-Forderungen zentralisieren, die Serben wollen dagegen eine weitere Dezentralisierung oder gar die Abspaltung der Republika Srpska.

Überrascht hat mich, in BiH kyrillische Schriftzeichen zu sehen, wo doch Kroatien die lateinische Schrift verwendet. So kann man die Standardsprachen kroatisch, bosnisch und serbisch unterscheiden: die Serben in BiH verwenden vorwiegend die kyrillische Schrift, während Bosniaken und Kroaten ausschließlich in lateinischer Schrift schreiben. Auf den Ortsschildern sieht man beide Schreibweisen, wobei sehr häufig die kyrillischen Buchstaben mit schwarzer Farbe übermalt wurden. Die kyrillische Schrift der Serben scheint den Grund in der gewünschten Abgrenzung von den anderen beiden Bevölkerungsgruppen zu haben, denn zeitweise war die kyrillische Schrift in der Republika Srpska konsequenter in Gebrauch als in Serbien selbst. Ansonsten sind die drei Sprachen eng miteinander verwandt und unterscheiden sich lediglich im Dialekt sowie in einzelnen Wörtern.

Konvertible Mark
Konvertible Mark

Bezahlt wird in KM, Konvertible Mark. Auch das ist sehr interessant, weil wir uns gewundert haben, weshalb wir beim Umrechnen die Preise lediglich durch 2 teilen müssen. Seit 1998 ist die KM Währung in BiH. Bis 2001 war sie im Verhältnis 1:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, seit 2002 an den Euro (1€ = 1,95583 KM). 1 KM entspricht 100 Fening (Kf). Guckt man in der Liste nach dem Umrechnungsfaktor sieht man statt KM immer BAM. Das liegt daran, dass die Währung selber nach ISO 4217 mit BAM abgekürzt wird: Bosnien und Herzegowina nach ISO 3166 (Länderkodierliste) wird mit dem Kürzel BA abgekürzt und das M steht für Mark. In BiH wird aber auch der Euro sehr gerne genommen.

Wenn man mit dem eigenen Fahrzeug durch BiH reist, sollte man immer die Gefahr von Landminen im Hinterkopf behalten! Neben dem Kosovo und Kroatien ist BiH das am stärksten verminte Gebiet Europas. Vor allem Wälder und Gebirgsgegenden sind minengefährdet; Siedlungen und landwirtschaftliche genutzte Fläche wurden bereits geräumt. Aus diesem Grund haben wir häufig auf Parkplätzen übernachtet.

In BiH leben überwiegend Mulime (neben orthodoxen Serben und katholischen Kroaten), daher sieht man überall Moscheen. Die bosnisch-herzegowinische Küche ist stark von der türkischen Küche beeinflusst, was mich persönlich sehr überrascht hat.

Sarajevo

Sarajevo ist die Hauptstadt und Regierungssitz von BiH. Während des Bosnienkriegs war Sarajevo in einen von Bosnien und Herzegowina kontrollierten bosniakisch-kroatischen und einen von der Republika Srpska kontrollierten Teil geteilt. In Sarajevo stehen Moscheen, Kirchen und Synagogen nicht weit voneinander entfernt, daher wird die Stadt auch gelegentlich EuropäischenJerusalem genannt. Es ist eine hübsche Stadt mit einer noch hübscheren Altstadt:

Mostar

Während des Bosnienkriegs wurde die Stadt durch Vertreibungen in einen kroatisch-westlichen und einen bosniakisch-östlichen Teil aufgeteilt. Das Wahrzeichen der Stadt, die Brücke Stari most wurde bei einem mehrstündigen Beschuss gezielt zerstört. Heute erinnern zwar noch Einschusslöcher in einigen Gebäuden an diese Zeit, aber diese wunderschöne Stadt sprudelt vor Lebensfreude. Die Brücke wurde erneuert und an warmen Tagen springen junge Männer von der Brücke in die glasklare, blaue Neretva, um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Unten am Fluss sitzen Touristen und kühlen sich ab.

Baden im Fluss Trebizat

Eigentlich waren wir auf dem Weg zum Kravica-Wasserfall, aber da es schon spät war, musste ein Übernachtungsplatz her. Durch Zufall fanden wir einen Platz, wo Trebizat und Studenčica zusammenfließen, unweit von A1 und M6 entfernt (aber nicht zu hören). Hier gibt es ein natürliches Schwimmbad, durch das ständig Flusswasser fließt und einen kleinen Imbiss. Der Inhaber hatte kein Problem damit, dass wir mit dem großen Benz dort stehen wollten. Das Bad oder Übernachtung kostet keinen Cent bzw. Fening; wir sind aber zum Dank etwas Essen und Trinken gegangen. Abgesehen vom Schwimmbad kann man ein paar Meter weiter auch direkt in den klaren Fluss springen, was viel schöner ist. Der Übernachtungsplatz ist so gesehen ein Traum. Außerdem waren wir ziemlich allein. Nachts fährt die Security Streife; man steht also obendrein noch super sicher.

Badeplatz in der Nähe des Kravica-Wasserfalls
Badeplatz in der Nähe des Kravica-Wasserfalls

Zum Kravica-Wasserfall sind wir zwar gefahren, aber als wir den Ansturm auf dem Parkplatz gesehen haben (voll mit Pkw und Reisebussen!) sind wir schnell wieder gefahren.

Der Neum-Korridor

Bosnien und Herzegowina hat, als es um die Verteilung der Küste ging, ziemlich schlecht abgeschnitten. Früher (bis 1947) gehörte noch ein kurzer Küstenstreifen in der Bucht von Kotor (heutiges Montenegro) zu BiH, aber den tauschte BiH mit Montenegro gegen ein Gebiet in den Bergen. Der einzige Zugang zum Meer bildet heute also Neum, eine Stadt direkt am Mittelmeer. Dieser Korridor ist deshalb interessant, weil er das kroatische Festland in zwei Teile teilt. Dieser Korridor stellt Kroatien vor das Problem, dass der kroatische Verkehr durch die Grenzkontrollen Kroatien-BiH gebremst wird. Die Situation hat sich seit dem Beitritt Kroatiens zur EU verschärft, da es sich um eine EU-Außengrenze handelt mit entsprechenden Personen- und Zollkontrollen. Der geplante Beitritt Kroatiens zum Schengener Abkommen wird die Situation wahrscheinlich noch weiter verschärfen. Der Bau der Pelješac-Brücke vom kroatischen Festland zur kroatischen Halbinsel Pelješac sollte die Situation ändern, aber aus finanziellen Gründen wurde 2010 der Bau zunächst gestoppt; es soll aber wieder weitergebaut werden. Wir haben direkt gegenüber der Stadt auf der anderen Seite der Bucht gestanden (Stellplatz). Hier gibt es lediglich eine schmale Straße am Kieselstrand entlang; für den Parkplatz muss man allerdings einige Euro (ja, man kann sowohl in KM als auch mit Euro) bezahlen.

Baden im Bilećko jezero

Zwischen Trebinje und Bileca an der M-20 fährt man unweigerlich am Bilećko jezero (Stausee) vorbei. Es gibt zwei Parkplätze mit Badeplattformen, überdachten Picknickplätzen und Grillstation. Das glasklare Wasser ist ein Traum! Eine perfekte Abkühlung bei warmem Sommerwetter.

Länderwechsel BiH – Montenegro über die M-18

Wer eine (für Europa) abenteuerliche Strecke fahren möchte, wird bei der M-18 ins Staunen geraten. Die M-18 ist eine Hauptstraße, die BiH mit Montenegro verbindet, aber verkleidet als Piste! Die Straßenverhältnisse sind katastrophal: große Löcher, abgebrochene Kanten, fehlender Straßenbelag und dazu Enge.

Letztes Jahr sind wir von der montenegrischen Seite gekommen und waren überrascht von den plötzlich schlechten Straßenverhältnissen. Das wirft erst mal ein falsches Bild auf das Land, weil man sofort denkt, wenn schon die M-18 so aussieht, dann sieht es überall so aus, was natürlich nicht stimmt.


 

Wir sind zweimal durch BiH gefahren und sind jeweils zweimal angehalten worden: Verkehrskontrolle. Die Daten aus dem Führerschein wurden akribisch notiert und dann durften wir weiterfahren. Bei der ersten Durchreise gerieten wir an einen Polizisten, der Alex fragte, ob er getrunken hätte. „Nee, ICH nicht! Ist noch zu früh!“, gab Alex lachend zurück, weil der Polizist selber so aussah, als hätte er schon etwas intus.

An der bosnischen Grenze wurden wir nach der GreenCard gefragt. Wir hatten nur eine Kopie dabei, weil zwischen Anmeldung des Fahrzeugs und Abfahrt so wenig Zeit lag. Also hat uns die Versicherung den „Zettel“ per Mail zugesandt. Ausgedruckt mit unserem Schwarz-Weiß-Drucker sieht das natürlich nicht grün aus und wollte nicht akzeptiert werden. Aber Alex bewies Engelsgeduld beim Erklären des Wieso und Weshalb und wahrscheinlich war es dem äußerst engen Grenzgebiet zu verdanken, dass wir trotzdem und ohne eine Extraversicherung abschließen zu müssen, einreisen durften.


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