Unser neues Heim: Fahrzeugaufbereitung (5)

Er ist fertig, der Benz! Wir auch, aber im anderen Sinne :). Es hat nun doch länger gedauert, das Puzzle, das uns der letzte sogenannte „Fahrzeugbauer“ hinterlassen hat, zusammenzustellen. Der neue Fahrzeugbauer musste sich komplett neu reindenken. Zu allem Übel waren die angefertigten Gewerke offensichtlich nicht in Ordnung. Unter anderem war der Unterfahrschutz als zu instabil und wurde ausgetauscht. Schon weil die Aufnahmen klapperten; das hätte uns während der Fahrt wahnsinnig gemacht. Dann musste der Zwischenrahmen an etlichen Stellen verstärkt werden. Nicht auszudenken, was uns passiert wäre, wenn der Zwischenrahmen so verbaut worden wäre! Diese und andere (Nach-)Arbeiten kosteten unheimlich viel Zeit, zumal der neue Fahrzeugbauer ja die Verantwortung übernommen hat. Was wurde nun also sonst noch – abgesehen von den Halterungen für Staukästen und Tanks – gemacht?

Dachträger

Der Dachträger wurde auf des Benzys Kopf montiert und mit Alu-Riffelblech verkleidet. Die originalen Signalhörner der ehemaligen Feuerwehr, die wir als letztes Andenken drangelassen haben und die immer noch die vertrauten Feuerwehrlaute von sich geben können, sowie die Lichtleisten vorn und seitlich wurden dabei ausgespart. Durch die Alu-Verkleidung mit angebrachten Ösen könnten wir theoretisch eine größere Box auf das Dach schnallen, wenn da nicht das Kippen des Fahrerhauses wäre. Das geht nämlich nur mit manueller Kraft. Alex und ich schaffen das bei geöffneten Türen so eben. Sollte da eine Box auf dem Dach sein, wird es brenzlig. Also lassen wir es vorerst, wie es ist. Ist ja auch eine schöne „Terrasse“ zum Sitzen :).

Einstiegstreppe

Die Frage, wie wir eigentlich in die Kabine kommen wollen, hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet. Durch die bereits angebrachten Tanks und Staukästen sowie die Position der Eingangstür ist der Platz einer Treppe bereits irgendwie vorgegeben. Bleibt nur die Frage: wie umsetzen? Zum Glück standen wir mit dieser Frage nicht komplett allein da. Unser jetziger Fahrzeugbauer diskutierte mit uns die verschiedenen Möglichkeiten, aber erst nach dem Elchtest, bei dem der Benz schön ein Pfötchen nach dem anderen gegeben hat, stand fest, wieviel Platz wir eigentlich zwischen Kabine und Unterbau haben und vor allem, wo genau eine Treppe ihren Platz finden kann.

Einstiegstreppe

Unsere Bitte: eine Treppe, auf der man möglichst gefahrlos hoch- und runtergehengehen kann. Nach einigen Überlegungen steht der Plan des Fahrzeugbauers und die Treppe wird gebaut. Wir lassen uns vom Resultat überraschen. Die Treppe ist wirklich schön geworden: seitlich zum Fahrzeug, so dass man auch mit vollen Händen die Kabine verlassen kann. Wir haben sogar ein Podest auf dem wir sitzen können. Man kann die Treppe komplett bis zum Boden lassen oder bei Bedarf einen Bolzen herausziehen, der die Treppe etwas hebt, damit sie über dem Boden schwebt, so dass bei windigem Wetter kein nerviges Quietschen durch die Reibung der Treppe am Boden entsteht.

Durchstieg

Mit das Schwierigste am Expeditionsmobil ist die Lösung des Durchstiegs. Wirklich dicht ist auf Dauer wohl keiner. Am besten ist natürlich ein Fahrzeug ohne Durchstieg (ein Problem weniger), aber da wir hinten zwei, drei Sitze eingetragen lassen wollen, ist ein Durchstieg als Kommunikationsmöglichkeit nach „hinten“ unumgänglich. Die erste Herausforderung bei uns ist der Versatz zwischen Fahrerhaus und Durchstiegstür auf der Kabinenseite. Das macht einige Zentimeter aus, die ausgeglichen werden müssen: entweder durch das Material des Durchstiegs oder durch die Rahmen. Die zweite Herausforderung ist das Material des Durchstiegs. Da gibt es viele Möglichkeiten:

  • Neopren
  • UV-beständiger EPDM-Faltenbalg
  • Faltenbalg aus LKW-Plane (zB: Moser-Fahrzeugbau)
  • Gummiwulste, die gegeneinander reiben
  • Traktorschlauch
  • und vielleicht noch andere Möglichkeiten, die sich aber unserer Kenntnis entziehen 🙂

Wie das immer so ist: alles hat vor und Nachteile. Der Faltenbalg aus LKW-Plane scheint erst mal robust, aber wir haben schon gelesen, dass der reißen kann. Außerdem ist so ein Faltenbalg nicht billig. Wir haben spaßeshalber mal bei einem Fahrzeugbauer angefragt und bei dem Preis schlackerten uns die Ohren. Viel zu teuer! Das Vernähen des Faltenbalgs aus LKW-Plane muss auch gut gemacht sein, damit er nicht reißt. Gummiwulste, die gegeneinanderreiben haben den Nachteil, dass sie nicht dicht sind. Der Faltenbalg auf Gummi war zu schmal, als dass er den Versatz in der Verschränkung hätte ausgleichen können. Beim Test ist er einfach abgerissen. Unser Benzy verschränkt sich mit sagenhaften 28 cm ziemlich stark, stärker, als wir gedacht hätten.

Ein Kriterium, das für uns sehr wichtig ist, ist neben der (einigermaßen akzeptablen) Haltbarkeit vor allem aber die Wiederbeschaffung! Wie können wir den Durchstieg außerhalb Deutschlands, außerhalb Europas reparieren? Da der Durchstieg ohnehin kaputtgehen wird, sollen die Kosten für eine Reparatur überschaubar bleiben. Aus diesem Grunde sind wir auf die Idee des Traktorschlauchs gekommen: kostet um die 30 € und ist überall zu beschaffen. Also haben wir zusammen mit dem Fahrzeugbauer eine Lösung entwickelt, die zwei Rahmen aus Edelstahl umfasst (einen an der Kabine und einen am Fahrerhaus), die jeweils leicht auseinandergenommen werden können. Außerdem ist der Rahmen von der Kabine extrem schnell zu lösen, weil wir ja das Fahrerhaus kippen können müssen. Der Traktorschlauch ist schnell eingeklemmt; kann also im Falle des Kaputtgehens mit ein paar Handgriffen gewechselt werden. Perfekt. Zusätzlich haben wir bei  Zusammenbau alles mit Deka Seal abgedichtet.

Den Alurahmen im Fahrerhaus haben wir uns schweißen lassen. Tausend Dank an Daniel M. für das superschneller Zusammenschweißen! Passt ausgezeichnet und sieht toll aus.

Heckträger

Der Heckträger war die nächste Herausforderung, der wir uns erst am Ende des Baus gestellt haben. Die Aufgabe an den Fahrzeugbauer war, einen Heckträger zu bauen, der

  • robust ist
  • nicht zu schwer ist
  • zwei Reifen, jedoch ein Reifen mit und ein Reifen ohne Felge) nebeneinander und zusätzlich bei Bedarf ein Motorrad tragen kann
  • die Plattform für ein Motorrad einklappen kann
  • nicht weiter als 1m mit ausgeklappter Plattform für das Motorrad von der hinteren Kabinenwand absteht
  • die Last mittels Seilwinde hochzieht
  • bis auf dem Boden absenkbar ist
  • bei Bedarf auch höher als in der Ausgangsstellung fixiert werden kann, um zB steilere Hindernisse befahren zu können
  • UND VOR ALLEM: trotz unterschiedlicher Lastverteilung (zB. Reifen mit Felge links und ohne Felge rechts) gleichmäßig und ohne zu ruckeln hochfährt!
  • bezahlbar ist 🙂

Einen solchen Heckträger haben wir bisher nicht gefunden.

absenkbarer Heckträger

Bei unterschiedlicher Lastverteilung verkanten andere Heckträger und das bedeutet, dass man „irgendwie“ das Gleichgewicht herstellen muss, zB  indem man Schneeketten in den Reifen ohne Felge legt. Geht, muss aber nicht sein.

Zusammen mit dem Fahrzeugbauer entwickeln wir also einen Heckträger, der direkt an die Rückwand der Kabine geklebt und verschraubt wird (zur Erinnerung: wir haben einen Stahlrahmen im Heck einbauen lassen) und der alle obigen Punkte erfüllt. Durch ausgeklügelte Technik, wird die Last schön gleichmäßig nach oben gezogen bzw. nach unten abgelassen. Bisher trägt der Heckträger nur zwei Reifen (mit und ohne Felge).

Einstiegshilfe

Der Abstand von der ersten Trittstufe vom Boden ist durch die großen Räder gewachsen. Es bedarf eines weiteren Tritts.

selbstgebaute Einstiegskette

Da sich dieser Tritt aber viel tiefer befindet, sollte er er flexibel sein. Daher entscheiden wir uns für Rollenketten. Leider weiß ich nicht mehr, wo wir sie bestellt haben, aber wenn man lange genug sucht, findet man günstige Angebote.

Zusammen mit Material- und Arbeitskosten von Daniel M., der uns Aufnahmen geschweißt, die Trittstufe aus Alu-Riffelblech gebogen und uns beim Einbau geholfen hat, liegen wir mit um die 50€ für beide Trittstufen ziemlich gut. Zwar sehen die Trittstufen optisch ziemlich gut aus; ich muss aber zugeben, dass ich immer noch den „Aufstieg“ über das Rad bevorzuge :).


6 Gedanken zu “Unser neues Heim: Fahrzeugaufbereitung (5)

  1. Hallo zusammen
    Habe seit 5 Jahren einen Heckträger an meinem Steyr 12 m 18 mit Zeppelin Shelter, der bis zum Boden fährt, für Quad, Reserverad mit Felge und einen kleinen Lastenträger. Gesamtgewicht ca. 500 kg. Kann mich auch noch drauf stellen. Nie ein Problem mit Lastverteilung gehabt. Erprobt in Tunesien, Albanien, Pyrenäen u. Griechenland.
    Schönes Reisen
    Gruß Norbert

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    1. Hallo,
      rechts und links eine Führungsschiene und in der Mitte eine Seilwinde, wobei ich auf die Seilwinde heute verzichten würde und einfach einen manuellen Flaschenzug, mit entsprechend vielen Umlenkungen einsetzen würde.

      Viele Grüße
      Alex & Nicole

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  2. Hallo,
    der Balk von der Fa. Moser ist kein Faltenbalk sondern ein Wellenbalk und dieser wird von der Fa. Hübner in Kassel auf Maß für einen Durchgang gefertigt.
    Ansonsten, eine sehr gute Ausbaudokumentation die ihr da gemacht habt.
    Gruß,
    Gerhard

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    1. Hallo Gerhard,

      danke für den Hinweis! Wir haben im Internet beide Begriffe (Wellenbalg, Faltenbalg) für ein und dasselbe Produkt gefunden. Vielleicht gibt es keine einheitliche Bezeichnung dafür.

      Viele Grüße
      Nicole & Alex

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