Was wird’s denn? – Überlegungen zum passenden Basisfahrzeug

Eine gute Frage… Wenn man mit dem Gedanken schwanger geht, ein Basisfahrzeug zu kaufen, muss man sich die Frage stellen, was man eigentlich damit machen möchte. Was ist einem wichtig (zB: Für wie viele Personen? Wohin möchte man reisen und wie lange bin ich wie weit von wichtigen Versorgungspunkten entfernt? Welchen klimatischen Bedingungen ist das Fahrzeug ausgesetzt? Offroad oder nur schlechte Wege? Welche Länder sollen bereist werden? Wie viel möchte ich investieren?) Und die wichtigste Frage: Wo kriegt man was Gutes her und wer bereitet das Fahrgestell ggf. auf? Weil wir uns da auch erst reinlesen und herumsuchen mussten, hier unser „Werdegang“ mit hoffentlich ein paar nützlichen Links.

Wir überlegen und auf unserer Wunschliste stehen neben den alten Punkten, folgende  konkrete Anforderungen:

  • hohe Robustheit für das raue Gelände
  • Geländereifen
  • keine Elektronik
  • freie Dieselwahl
  • permanenter Allrad
  • weltweite gute Ersatzteilversorgung zu vernünftigen Preisen
  • Unabhängigkeit von Vertragswerkstätten
  • Radstand von ungefähr 3,60 m
  • guter Gesamtzustand
  • echte technische Reserven bei den Achslasten  (um eine ausgewogene Gewichtsverteilung realisieren zu können)
  • Drehmoment starker Motor
  • kurzes Fahrerhaus

Wir besuchen Fabian Heidtmann. Fabian handelt in Landsberg am Lech unter anderem mit Allradfahrzeugen, also sind wir bei ihm schon mal an der richtigen Adresse. Wir wollen uns zu 100 % klarwerden, welches das richtige Basisfahrzeug für uns wäre. Geliebäugelt haben wir eine ganze Weile, wegen der herausragenden Geländegängigkeit und des Coolness-Faktors (schaut Euch das bei Excap an, aber sehr teuer), mit einem STEYR 12M18 aus dem österreichischen Militär. Davon sind wir dann aber doch abgekommen, weil unter anderem der Radstand für unsere Kabinenwunschgröße (Länge) von 5,50 m zu gering ist (eine Radstandsverlängerung kommt für uns nicht in Frage). Außerdem schreckt uns die nicht weltweite Ersatzteilversorgung über MAN ab. Wir denken, dass man bei MAN erstmal  jemanden finden muss, der Lust darauf hat, einen STEYR-Kunden zu bedienen und dann damit rechnen muss, dass die Ersatzteile genauso alt sind wie das Fahrzeug selbst. STEYR-Fans schwören auf das gute STEYR-Netzwerk unter STEYR-Fahrern. Das mag in Europa gut funktionieren, aber über die Grenzen Europas hinaus? Ein STEYR wird es also nicht.

Aufgrund der Reparaturmöglichkeiten und Ersatzteilbeschaffung im Ausland wird schnell klar: ein Mercedes Benz muss es werden. Nach Mercedes Benz ist der MAN und IVECO weltweit noch gut vertreten. Aufgrund der weltweiten Ersatzteilversorgung entscheiden wir uns für einen

Mercedes Benz

Schon mal geguckt, wieviele Modelle es gibt? Da wird einem ganz schwindelig, wenn man sich damit noch nie auseinandergesetzt hat: 814, 914, 817, 917, 1017, 1117, 1317, 1120, 1124, 12… Die Profis, wie Fabian, rasseln die Vor- und Nachteile so schnell runter, dass man am Ende des Gesprächs sämtliche Informationen vollkommen durcheinanderbringt. („Welcher hatte jetzt nochmal permanenten Allrad?“) Einen guten Überblick über die Motoren der einzelnen Modelle bietet hier Wikipedia. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich motorisiert die Modelle sind. Da wir einen starken Motor suchen, schränkt das den Kreis der möglichen Verdächtigen schon mal stark ein. Irgendetwas zwischen 170 (ähnlich unserem Fuso Canter 4×4) und 240 PS wär‘ toll, aber wichtiger ist uns ein hohes Drehmoment. Da wir insgesamt locker auf die 7,5 Tonnen Gesamtgewicht kommen werden, muss es mindestens eine 9, besser noch eine 10 sein, aber eine 11 vor der PS-Zahl, das wär’s. So kann man die Modelle gut unterscheiden: die erste Zahl gibt das zulässige Gesamtgewicht an, die beiden hinteren Ziffern die PS-Zahl. Das heißt, es sollte schon ein 1017, besser aber ein 1120 oder 1124 werden. Die Modelle ab 12 Tonnen fallen raus: zu schwer. Da fängt die SK-Klasse (Schwere Klasse mit großem Fahrerhaus) an. Da wir trotz allem so „leicht“ wie nur möglich bleiben wollen, kommt für uns nur die LK-Klasse (Leichte Klasse) für in Betracht.

Das Modell steht also fest:

Mercedes Benz 1120 oder 1124

Wir wollen ja ein Allrad-Fahrzeug, also gibt es die Möglichkeiten: ein AK (Allrad-Kipper) oder ein AF (Allrad-Feuerwehr). Die AK werden überwiegend auf Baustellen eingesetzt, die täglich große Lasten hin und her transportieren. AK haben daher häufig bereits eine hohe Laufleistung und sind schon ziemlich beansprucht worden.

Ein AF dagegen steht überwiegend bei einer Feuerwehr geschützt im Spritzenhaus (Feuerwehrhaus), wird regelmäßig gewartet und nur wenig bewegt. Da Feuerwehrfahrzeuge also ziemlich pfleglich behandelt werden, kann man, was die Fahrzeugaufbereitung betrifft, mit weniger Aufwand und Kosten rechnen. Zudem weisen diese Fahrzeuge eine sehr geringe Laufleistung für ihr Alter auf.

Damit steht fest, es wird ein:

Mercedes Benz 1120 oder 1124 AF

Nun stellt sich die Frage, welches dieser Feuerwehrfahrzeuge, die auf dem Markt zu haben sind, ist das richtige? Es gibt solche mit kurzem Fahrerhaus und solche mit Mannschaftskabine. Da wir die Länge des Fahrgestells so weit wie möglich für den Aufbau nutzen wollen, suchen wir nach einer kurzen Fahrerkabine. Jetzt gibt’s aber diese Fahrzeuge mit kurzer Kabine nicht wie Sand am Meer. Also könnte man theoretisch auch auf eine Mannschaftskabine gehen. Verschiedene Werkstätten bieten hier an, solche Mannschaftskabinen einzukürzen. Das hat den Charme, dass die eingekürzte Kabine länger sein kann, als das ganz kurze Originalfahrerhaus. Somit hätte man mehr Platz im Fahrerhaus. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich dadurch obendrein noch Geld sparen lässt, denn die Mannschaftskabine ist deutlich günstiger zu haben als das kurze Fahrerhaus. Solche Einkürzungen bergen jedoch immer das Risiko versteckter Mängel durch nicht fachgerechte Ausführung der Arbeiten!

Nachtrag vom 15.03.2018: Nach unseren jetzigen Erfahrungen bringen technische Veränderungen an Fahrgestell, Fahrgastzelle und Fahrwerk gravierende Probleme mit sich. Insbesondere die Fachwerkstätten tun sich mit der Ersatzteilbeschaffung schwer, sobald das Fahrzeug von den im System gespeicherten Daten abweicht.

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Beispiel: MB 917 AF bei Michael in Fulda

Also steht nun das Model komplett fest:

Mercedes Benz 1120 oder 1124 AF kurzes Fahrerhaus

Ob jetzt 1120 oder 1124 soll der Zufall entscheiden. Natürlich sind 240 PS schöner als 204 PS. Beide Modelle haben sowohl einen Turbolader als auch einen Ladeluftkühler. Über die letztendliche PS-Zahl entscheidet eine Einstellung in der Einspritzung. Das könnte man wohl auch beim 1120 nachrüsten.

Also kann die Suche nach dem Fahrzeug beginnen….


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