Auf in die Ukraine

Wir haben uns lange Gedanken darüber gemacht, wie unsere weitere Route nach dem Besuch von Sankt Petersburg aussehen könnte. Ursprünglich hatten wir geplant, über das Baltikum in den Süden zu fahren. Aber uns gefiel es so gut in Russland, dass wir länger bleiben wollten. Zudem hatten wir ja einige Tage damit zugebracht, eine russische Haftpflichtversicherung abzuschließen und das sollte sich nun auch lohnen. Also besuchten wir noch Moskau. Dann blieben drei Möglichkeiten:

  1. zurück nach Norden und wie geplant über das Baltikum, oder
  2. über Weißrussland, oder
  3. über die Ukraine

Richtung Süden zu fahren.

Das Baltikum schied aus, weil uns dort etwas Aufregendes fehlte. Weißrussland schied aus, weil wir uns wieder mit Visabeschaffung nebst Einladungsschreiben hätten herumärgern müssen. Also blieb nur noch die Ukraine. Und Ukraine klingt nach Abenteuer. Aufgrund der politischen Situation waren wir uns jedoch unsicher, ob eine Einreise über Russland in die Ukraine überhaupt ratsam ist. Also fragten wir zur Sicherheit Leyla, meine ehemalige Kollegin aus Moskau. Sie machte sich schlau und verkündete uns: alles kein Problem! Außerdem würden die Russen ganz normal Urlaub auf der Krim-Insel machen. Einer Einreise stünde nichts im Wege. Also versicherten wir uns noch mehrmals, dass wir kein Visum für die Ukraine brauchen (denn einmal aus Russland ausgereist kommt man nicht wieder rein und dann steht man da).

Von Moskau geht es also direkt zur ukrainischen Grenze, weil unser Visum langsam ausläuft. Wir hätten gerne noch Sochi und/oder Krim mitgenommen, aber leider bleibt dafür keine Zeit. Als wir durch die Ortschaften Richtung Grenze fahren, fallen mir immer wieder die schmucken Häuschen auf, die leider teilweise schon zerfallen.

Die alten typisch russischen Holzhäuschen weichen immer mehr mitteleuropäischen oder skandinavischen Häuschen. Schade eigentlich…

Als wir zum Grenzgebiet fahren, steht eine laaaange Schlange LKW vor uns. Da die LKW-Fahrer immer auf ihre Abfertigung warten, brausen wir an ihnen schnell vorbei; in der Hoffnung, dass kein Gegenverkehr kommt. Schließlich stehen wir an der Grenze. Raus aus Russland geht relativ schnell. Nur kurz reingeguckt und fertig. Glücklicherweise hatte uns Michael vom Campingplatz in Moskau geholfen, Migrationszettel zu beschaffen, weil wir bei der Einreise keine bekommen haben. Und da man an der Grenze nun mal nie Fehler macht, wäre es in jedem Fall unsere Schuld gewesen… Die Migrationszettel werden eingesammelt, unser Visum entwertet und wir sind durch.

Auf ukrainischer Seite wollen wir in den Grenzbereich fahren. Wir müssen zwischen schwarz-gelben Säulen, die links und rechts stehen und die Fahrbahn schmälern, hindurch. Auf dem Boden sind Bodenwellen. Auf dem Schild steht, dass man zwischen diesen Säulen auf keinen Fall stehenbleiben soll. Die Ampel ist grün, also sauen wir mit vorgeschriebenen 5 km/h durch (das sieht man auf Bild Nr. 3 ganz gut, sogar unsere grüne Ampel ganz rechts). Wir werden zurückgepfiffen. Angeblich sind wir falsch. Wir sollen links durch die Säulen hindurch. Die Ampel dort ist rot. Das soll mal einer verstehen. Wir bekommen einen weißen Zettel, auf dem unser Kennzeichen notiert ist.

Bei der Zollabfertigung ist man ebenfalls sehr freundlich. Hier stehen sechs (!) Männer mit Kalaschnikows um unser Auto herum; Alex ist von ihnen umringt. Schade, dass ich kein Foto davon habe :). Hier ist unser Auto ein Problem: Ob das unser Auto sei? Ja! Sie beraten und gucken auf unsere Fahrzeugpapiere. Das ist eine wirklich clevere Sache: die Fahrzeugpapiere, die man überall vorzeigen muss, sind nur in deutscher Sprache ausgestellt. Niemand kann das lesen und die armen Grenzbeamten müssen sich die Informationen mühsam zusammensuchen. Wir haben aber noch ein weiteres Problem: FUSO. Das kennt keiner! Mit unserem Fusel stehen wir irgendwie zwischen Mitsubishi und Mercedes. Zwar ist das Mitsubishi-Zeichen vorne drauf, aber es ist ja kein Mitsubishi mehr, denn Mercedes hat den FUSO Canter vor fast 10 Jahren gekauft und dieser wird auch von Mercedes betreut. Das weiß aber keiner. Deswegen suchen sich die armen Grenzbeamten immer einen Wolf, denn FUSO als Eigenmarke gibt es in ihren Systemen nicht. Und wir müssen höllisch aufpassen, dass auf den Dokumenten der richtige Name steht, sonst gibt das an anderer Stelle wieder Ärger. Die Grenzbeamten verschwinden und kommen nach 5 Minuten wieder aus dem Grenzhäuschen raus. Wir bekommen unseren weißen Zettel wieder (aber dieses Mal mit zwei Stempeln drauf), den wir am nächsten Schlagbaum abgeben müssen.

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Die Männer gucken alle nochmal interessiert in unseren Fusel.

Wir sind durch, fahren ein paar Kilometer und übernachten mitten im Wald am Rande eines kleines Dorfes.

Hätten wir gewusst, was auf uns zukommt, wären wir übers Baltikum gefahren. Aber das weiß man ja vorher nicht…

Letzte Impressionen Russland:

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