„Moskau, Moskau…

…wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, ho ho ho ho ho, hey!“ Schon die Band Dschingis Khan besang 1979 die Schönheit Russlands. In Russland selber wurde dieser Song sehr populär, auch wenn er damals nicht käuflich zu erwerben war.
Im April 2013 war ich das erste Mal in Moskau auf Vertragsverhandlung. Die Verhandlungen waren langwierig. Viel sieht man auf Verhandlungsreisen ja nicht: Flughafen, Hotel, Büro. Damals sah Moskau, abgesehen vom Roten Platz und dessen Umgebung, für mich grau aus. Glücklicherweise durfte ich im alten Hotel Metropol residierem, das liegt quasi neben dem Roten Platz. Also bin ich damals in der kurzen Zeit, die mir blieb, am Abend allein über den Roten Platz und an der Moskwa entlang, jedoch nicht „down to Gorky Park“ :). Kaum war ich wieder im Büro schickte Siemens eine Mitteilung an seine Mitarbeiter herum, wie man sich in Moskau zu verhalten habe: Nie…, NIE alleine abends herumlaufen! Viel zu gefährlich! Oh je, dachte ich, haste aber Glück gehabt!

Auf dem Weg Richtung Süden liegt die Ukraine plötzlich auf unserer Route, denn Weißrussland verlangt ebenfalls ein Visum, das ohne Einladungsschreiben nicht zu bekommen ist. Diesen Stress wollten wir uns wegen der begrenzten Aufenthaltsdauer in Russland nicht antun. Auf dem Weg in die Ukraine gehörte nun auch Moskau zu unseren Zielen. Alex kennt es noch gar nicht und so richtig erlebt habe ich Moskau auch noch nicht. Und: Man muss auf jeden Fall mal dagewesen sein. Am Abend zuvor erholten wir uns noch direkt an der Wolga mit schönem Sonnenuntergang:

Als wir auf dem Weg Richtung Moskau waren, waren wir uns gar nicht mehr so sicher, ob Moskau so eine gute Idee ist! Die Vororte Moskaus beginnen ja schon über 50 km vor der Großstadt und ab da rollen Blechlawinen über die vielen „M“s (mehrspurige Straßen) spinnennetzartig Richtung Innenstadt. Grauenvoll. Wir brauchten mehrere Stunden. Der dritte Ring war auch kein Spaß: sehr voll und hier fährt man ein bisschen forscher, als anderswo. Wenn man Großstadtverkehr in Deutschland gewöhnt ist, schockt einen das nicht. Und trotzdem: diese Massen! Mit über 11 Mio Einwohnern platzt die größte Stadt und Hauptstadt Russlands aus allen Nähten. Große Wolkenkratzer werden gebaut, damit die vielen Menschen auch dort wohnen können. Wir spürten sofort die schlechte Luft, je näher wir der Innenstadt kamen. Deshalb haben viele eine sogenannte „Datscha“, ein Wochenendhäuschen außerhalb Moskaus auf dem Land, das der Erholung dient und Hobbygärtnerei ermöglicht.

Unseren Fusel haben wir auf dem kleinen Campingplatz im Sokolniki-Park abgestellt. Eine Nacht kostet hier 700/1.000 Rubel (je nach Platzgröße/Stand Mai 2016) für Fahrzeug inklusive Fahrer plus 450 Rubel für jede weitere Person. Das ist günstig dafür, dass man so nahe der Innenstadt steht. Außerdem hat man noch einen schönen Park um sich herum. Leider ist die Internetseite derzeit nur auf Russisch, weil es in letzter Zeit einige Änderungen gab und die Übersetzung nicht so leicht von der Hand geht. Auf dem Campingplatz spricht man Englisch; der Chef, Michael, ist unheimlich nett und spricht sogar sehr gut Deutsch!

Im Vorhinein hatte ich Leyla kontaktiert, eine ehemalige Arbeitskollegin von Siemens, die in Moskau lebt. Sie hatte mich damals 2013 übers Wochenende bei der Visumsbeschaffung unterstützt, weil ich innerhalb von ein paar Tagen nach Moskau fliegen musste, und dafür wollte ich ihr nun persönlich nochmal danken :). An dem Tag, an dem wir uns mit Leyla und Anastasia trafen, war gerade V-Day, der Sieg im Zweiten Weltkrieg wird jedes Jahr gefeiert. Ganz Moskau im Ausnahmezustand! Sämtliche Straßen in der Innenstadt sind gesperrt, auf den Roten Platz kommt man gar nicht erst, weil der den Demonstranten vorbehalten ist, die mit Bildern verstorbener Angehöriger, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, an die Opfer Gedenken. Wenn man Sightseeing machen möchte, sollte man vielleicht nicht unbedingt DIESEN Tag wählen. Wir sind da ein bisschen reingerutscht, kann man sagen. Das war gar nicht geplant.

Sie und Anastasia nahmen sich den späten Nachmittag und den ganzen Abend für uns Zeit; es war ein ganz toller Tag, der beim Dinner in einem ukrainischen Restaurant namens Корчма „Тарас Бульба“ in der Mokhovaya Street, nahe der Lenin-Bibliothek…

….mit traditioneller Livemusik endete! Die Besucher des Restaurants durften sich etwas wünschen und sie sangen lauthals mit – fantastisch!



Tags drauf haben wir das Tolstoi-Haus besucht: Tolstois Wohnhaus mit komplett erhaltener Einrichtung! Ein Traum!

Auch im Kreml waren wir, aber da war’s einfach zu voll, um das genießen zu können.

Die 1735 gegossene Zarenglocke, die auf den Bildern zu sehen ist, wiegt übrigens mehr als 200 (!) Tonnen; das kleine Stück da, was herausgebrochen ist, wiegt satte 11,5 Tonnen. Damit ist sie eine der größten und schwersten heute erhaltenen Glocken weltweit. Diese Glocke wurde nie geläutet; seit 1836 steht sie als Sehenswürdigkeit auf einem Sockel.

Läuft man durch Moskau, fallen immer wieder Hochhäuser ins Auge: die sieben Schwestern Stalins. Sieben Wolkenkratzer erbaut im Zuckerbäckerstil im Auftrag Stalins. Acht hat er geplant, sieben wurden verwirklicht. Und: Ich habe mal gelesen, dass Putin angeblich sehr unglücklich darüber gewesen ist, beim Aufwachen nicht zu wissen, wie Moskaus Skyline aussieht, weswegen Moskau City entstanden ist und sich noch immer im Bau befindet.

Eine ruhigere, sehr schöne Ecke, die wir empfehlen können, befindet sich an der Metrostation Tretjakow.

Hier kann man ein bisschen Fußgängerzone, aber auch ein kühles Bier oder schönes Essen mit Blick auf einen wunderschönen rot-weißen Dom genießen.

Empfehlenswert ist auch noch dieses Gebäude hier, das wir leider nicht finden konnten:

Quelle: http://www.metropole-moskau.de/tretjakow-galerie-kunstsammlung-auf-weltniveau-49/

Die Beschreibung auf der Internetseite ist falsch. Es handelt sich hierbei um die Izmailovskiy Kremlin mit schönem Park, aber relativ neu. Es ist zwar eher für die Touristen gebaut, aber trotzdem sehr hübsch.

Am letzten Tag unseres Aufhaltes und nach einem Kaffee im Café Bosco am Roten Platz…

Blick vom Café Bosco im GUM
Blick vom Café Bosco im GUM auf den Roten Platz

…hatten wir Hunger, konnten uns aber nicht so richtig für ein Restaurant entscheiden. Zufällig, obwohl das von außen etwas finster wirkt, landeten wir im „Old-Tower-Restaurant“.

Eine wirklich fantastische Adresse zum Essen mit grandiosen Gerichten! Und dann saß plötzlich eine männliche Vierergruppe hinter uns. Ich hörte nur „Duisburg“ und konnte mich irgendwann nicht mehr mit meiner Frage zurückhalten. Ja, sie seien Siemensianer, Standort Mülheim. Die Welt ist klein! Oder wie Leyla sagte: Siemens ist überall. Wir haben uns noch eine Weile unterhalten und nun vielleicht zwei Leser unserer Webseite mehr :). Gruß nach Mülheim an Andreas und Mario!

PS: wir haben uns zu jeder Zeit in Moskau sicher gefühlt. Wir sind sogar nachts 3-4 km durch den Sokolniki-Park bis zum Campingplatz gelaufen!

 


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