Sankt Petersburg und von russischen Autofahrern

 Am 26. April 2016 durchfahren wir die Stadtgrenze von Sankt Petersburg. Alex hat es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht; es ist mein Fahrtag (wir wechseln uns ja konsequent ab). Ich muss mit dem großen Fusel durch den Stadtverkehr. Im Internet liest man viele schreckliche Sachen über russische Autofahrer: riskante Überholmanöver, überhaupt zu schnelles Fahren und die vielen Kreuze an der Straße sowie ein paar Fahrzeuge in den Gräben scheinen dieses Bild zu unterstreichen. Aber gibt es das nicht auch in Deutschland? Es wird häufig sogar eindringlich davor gewarnt, selbst in Russland zu fahren, wenn man kein Russe ist. Oh je… Jetzt will ich aber mal eine Lanze für die russischen Autofahrer brechen: es ist alles in Ordnung! Bereits in Wyborg ist uns aufgefallen, dass die Autofahrer unheimlich rücksichtsvoll sind. Es wird nur gehupt, wenn es wirklich notwendig ist. Man bedankt sich höflich, wenn man vor- oder vorbeigelassen wird. Man warnt sich gegenseitig vor Geschwindigkeitskontrollen der Polizei. Die Autofahrer machen Platz (selbst für den Fusel!) und wollen nicht mit aller Gewalt noch vorbei. Und: sie fahren vorausschauend! Mehr als einmal haben wir die Verengung der Straße von zwei Spuren auf eine Spur etwas zu spät gesehen, aber es wurde Abstand gehalten! Das habe ich in Deutschland anders erlebt! Was stimmt, ist, dass die Russen sehr gerne und ohne erhöhten Blutdruck schnell fahren; gern mal 80 – 100 Sachen in Sankt Petersburg, wenn es die Straßeverhältnisse hergeben. Und ja, auch die Überholmanöver sind manchmal schon spektakulär (gerne auch vor der Kurve), aber das sind Ausnahmen. Generell fahren sie alle vernünftig.

Aber das weiß ich noch nicht als ich uns in die Innenstadt von Sankt Petersburg fahre (von Wyborg auf Sankt Petersburg zu schließen fand ich voreilig) und so bin ich – sagen wir mal – nicht ganz entspannt auf meinem Sitz. Alex jagt mich einmal quer durch Sankt Petersburg, weil wir auf die andere Seite müssen und obendrein auch noch durch den Berufsverkehr! Wir müssen schmale Straßen entlang, über mehrspurige Kreisel, Spurwechsel von ganz rechts auf ganz links usw. Ich werde immer ruhiger, je länger ich fahre. Düsseldorf ist schlimmer :)! Nein, im Ernst: vor Paris habe ich mehr Respekt; den Franzosen in Paris ist alles egal, die nieten auch Fußgänger um (ist mir fast passiert) und Rom ist ähnlich wie Paris. Aber Sankt Petersburg – da geht es gesittet zu. Und um es vorweg zu nehmen: in Moskau ist es zwar unheimlich voll, aber auch dort fährt es sich gut.

Die Einfahrt zum Hotel ist sehr schmal. Wir passen zwar noch gut durch, aber im Boden sind große Löcher und die bringen den Fusel so stark zum Schwanken, dass wir mit dem Aufbau fast gegen die Betonwand knallen. Wir sind im Hotel Elizar angekommen und stehen als einziges WoMo auf deren Hof. Platz ist für etliche Wohnmobile mit Stromanschluss, Ver- und Entsorgung. Eine Nacht kostet um die 25€, wenn man vor Ort bucht. Übers Internet kostet es 35€, weil Tatiana 10€ für sich behält. Tatiana vermittelt die Buchung und ohne Tatiana geht nichts, weil man über die Webseite des Hotels immer bei Tatiana landet. Das ist aber auch in Ordnung, weil man dann sicherstellt, dass man einen sicheren Stellplatz in einer so großen Stadt hat. Zudem stellt ja das Hotel auch Einladungsschreiben für das Visum aus.

Sankt Petersburg ist mit 5 Mio Einwohnern nach Moskau die zweitgrößte Stadt Russlands. 1703 von Peter dem Großen gegründet hieß sie zwischendurch mal Petrograd und – zu Ehren Lenins – Leningrad. Mit 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern ist die Innenstadt Weltkulturerbe der UNESCO. In dieser Hinsicht wird Sankt Petersburg weltweit nur noch von Venedig übertroffen.

Noch am selben Nachmittag ziehen wir los in die Stadt. Die dem Hotel nächstliegende Metrostation ist wegen Bauarbeiten gesperrt, also gibt es einen Transferservice vom Hotel zu Metrostation. Wir lassen uns also zur Alexandra-Newskogo-Station fahren, wie die folgenden Tage auch. Folgt man der Hauptstraße von der Metrostation, gelangt man in die Innenstadt. Wir verschaffen uns zunächst einen Überblick, weil wir festgestellt haben, dass die Sehenswürdigkeiten zu verschiedenen Zeiten geöffnet und auch an verschiedenen Tagen geschlossen sind. Man muss also gut planen.

Am Nachmittag dieses 26. April 2016 werden wir von einer Militärparade rund um die Alexandersäule empfangen. Wie sich herausstellt, ist diese Parade nicht für uns, sondern eine Übung für den Auftritt zwei Tage später, weil Wladimir Putin zu Besuch in Sankt Petersburg ist:

Die Fahrzeuge werden am wichtigen Tag mit dem Wasser aus dem Kanal der Newa gewaschen, damit sie für die Parade glänzen. Uns kommt es vor, als hätte man ganz alte, ausrangierte Panzer hervorgekramt, diese einmal mit frischer Farbe überpinselt, um sie dann vorzuführen.

Die nächsten zwei Tage bestehen also aus Sightseeing und Genuss russischer Küche. Hier ein paar Eindrücke (das ist natürlich längst nicht alles, also demnächst schon mal eine Reise nach Sankt Petersburg buchen! 🙂 :

Die Auferstehungskirche:



Mikhailovsky Palast
:

Stroganoff Palast:


Die Eremitage:

Da die Eremitage so riesig und wunderschön ist, sollte man schon einen halben Tag für eine Besichtigung einplanen.

Uns ist aufgefallen, dass unheimlich viele Leute in den Museen arbeiten! Am Eingang sitzt ein Wachmann. In JEDEM RAUM sitzt ein/e Aufpasser/in (sie sind tatsächlich meistens weiblich). Manchmal gibt es auch Aufpasser, die aufpassen, dass die Aufpasser aufpassen! Verrückt.

Alte Post:

Altes Postamt
Altes Postamt

 

Sonstiges:

Kulinarisches:

(auf die Galerie tippen; unter den Bildern stehen jeweils die Namen der Restaurants)

Taxifahren ist momentan auch nicht teuer. Eine Fahrt von ca. 6 km kostet 300 Rubel. Einen Taximeter haben wir nicht gesehen. Dafür fahren die Taxifahrer mit Navi. Der erste Taxifahrer brauchte etwas, um den gewünschten Betrag ins Englische zu übersetzen. Wir schlugen 400 Rubel vor, er verneinte. Er wolle 300 Rubel haben. Zwei Tage später haben wir genau das andere Extrem kennengelernt. Mitten in der Nacht standen wir an der Newskogo-Station und bekamen einfach kein Taxi. Schließlich hielt ein schwarzer Wagen. Der Mann deutete uns, dass er uns fahren würde. Einen Preis nannte er nicht. Es stellte sich heraus, dass er Armenier ist, spielte uns armenische Lieder vor und fragte, woher wir seien und wohin wir wollten. Am Hotel schließlich zuckte er mit den Schultern, als wir nach dem Preis fragten. Wir gaben ihm 300 Rubel, wie an den Tagen zuvor. Er deutete auf einen 100er: einen mehr davon! Wir verneinen und gehen. Er lacht und wünscht uns einen schönen Abend.

Umgebung von Sankt Petersburg

Konstantinpalast:

Auf dem Weg zum Peterhof kommt man am Konstantinpalast vorbei. Wir wollen unser WoMo am BalticParking direkt am Meer abstellen, aber die Polizei hält uns davon ab. Den Palast können wir uns auch nicht anschauen: Herr Putin ist uns schon wieder auf den Fersen und hält sich ausgerechnet im Konstantinpalast auf. Ich will wenigstens ein Foto von weit weg machen, aber das 300er Objektiv missfällt den Polizisten und ich werde weggescheucht. Wir übernachten einfach 100 m vor dem Wachposten des BalticParking vor einem verlassenen Gebäude, obwohl Wildcampen in Russland eigentlich verboten ist.


Peterhof:

Das am Finnischen Meerbusen, ursprünglich von Peter I. errichtete und von seinen Nachfolgern ausgebaute Schloss Peterhof wird als das „russische Versailles“ bezeichnet. Seit 1990 ist es Weltkulturerbe der UNESCO. Bilder von Innen sind strengstens verboten. Um in das Schloss selbst zu kommen, muss man zunächst 700 Rubel bezahlen, denn man betritt ja schließlich die Parkanlage mit den vielen Fontänen. Die Besichtigung des Schlosses selbst kostet 500 Rubel.

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2 Gedanken zu “Sankt Petersburg und von russischen Autofahrern

  1. Ihr Lieben
    Es ist schön durch Euer Wort und
    Bild die Welt zu sehen.
    Ich freue mich zu wissen , da sind zwei
    unterwegs ,die Welt zu erkunden.
    Möge die Neugierde und Sehnsucht immer mit Euch sein.
    Gruß Lutz

    Gefällt 1 Person

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