Tromsø: wenn ein Telefonanbieter plötzlich verschwindet

Das gibt’s nicht: da sind wir mal kurz außer Landes und schon ist der Telefonanbieter weg. Unser Internet ist alle, wir brauchen neue Voucher. NetCom und Telnor bieten für viel Geld SIM-Karten für diejenigen an, die sich nur vorübergehend in Norwegen aufhalten. Just an dem Tag, als wir Ende Januar bei NetCom nach einer SIM-Karte fragten, gab es ein neues Angebot: 10 GB für 249 Nkr für 7 Tage (rund 27 Euro; nur so zum Vergleich: auf Island bekamen wir 50 GB für ca. 40 Euro für 30 Tage). Als die 7 Tage rum waren, stellten wir fest, dass man sein Guthaben doch nicht so einfach per Kreditkarte aufladen kann wie angepriesen: unsere deutsche Kreditkarte wurde und wird nicht akzeptiert. Das heißt, wir mussten uns  einen NetCom-Shop suchen, um dort aufladen zu lassen. Beim zweiten NetCom-Besuch klärte uns der nette Verkäufer darüber auf, dass wir Voucher kaufen könnten. Sobald unser Internetvolumen aufgebraucht sei, könnten wir einfach die Vouchernummer eingeben. Wir kauften zusätzlich zur Aufladung gleich drei Voucher. Das Aufladen klappte sehr gut. Seit Schweden sind sämtliche Voucher aufgebraucht. Auf den Lofoten gibt es keinen NetCom-Shop, der nächste befindet sich erst in Tromsø. Man kann zwar auch bei Rema1000, Coop oder Kiwi (allesamt Supermärkte) Internetvolumen kaufen, aber leider nicht für unsere SIM-Karte. Am 3. März 2016 sind wir nun also in Tromsø. In unserer Maps.me-App finden wir den NetCom-Laden und lassen uns dort hinnavigieren. Im Einkaufszentrum kommt uns zwar das lilafarbene Logo des Mobilshops irgendwie bekannt vor, aber der Name stimmt nicht! Statt NetCom steht da Telia. Aber das ist doch „unser“ Logo!? Wir stehen unschlüssig herum, sind schon auf dem Weg, das Einkaufszentrum nach NetCom abzusuchen, da will Alex dann doch mal fragen. „Ja, wir heißen jetzt Telia!“, klärt uns der junge Verkäufer auf, während er gerade eine Menge Luftballons mit „Telia“-Logo aufbläst. Seit dem 1. März 2016 passe man sich Schweden an, denn da heißt der Anbieter ja schließlich auch Telia. Ach, guck an! Wir decken uns mit Voucher ein, denn nach Tromsø kommt nix mehr, wo wir Internetvolumen „auftanken“ können.

Tromsø liegt 344 km Luftlinie nördlich des Polarkreises, was der geografischen Breite von Nord-Alaska entspricht. Tromsø hat die nördlichste Kathedrale der Welt; in der „Eismeerkathedrale“ kann man das größte Glasmosaikfenster Europas bestaunen. Tromsøs administratives Stadtgebiet ist genauso groß wie das Saarland. Das Stadtzentrum befindet sich auf einer Insel, auf Tromsøya.

Blick vom Gipfel des Blåtinden auf Tromsø

Tromsø durfte im 2. Weltkrieg mal ganz kurz Hauptstadt Norwegens sein, weil Oslo und andere südliche Gebiete besetzt waren. Die Stadt ist bis heute wichtiger Ausgangspunkt für Expeditionen in die Polarregion.

Nachdem wir das WoMo in der Hafengegend in der Nähe des Stadtzentrums geparkt haben, wollen wir uns heute etwas Ungesundes gönnen: wir gehen Pizza essen! Ausnahmsweise, denn sonst kochen wir jeden Abend. Heute sind wir fast 1.200 hm auf dem Gipfel des Blåtinden (mal wieder; ich hatte ja bereits geschrieben, dass sich die Kreativität, was die Namensgebung der Berge betrifft, in Grenzen hält) gewesen; da haben wir uns ein Restaurantbesuch verdient.

Schneeskulpturen in der Innenstadt
Schneeskulpturen in der Innenstadt: die Skulptur in der Mitte hinten ist vom deutschen Team

Nach Besichtigung der hübschen Schneeskulpturen in der Stadtmitte (das deutsche Team hat ein Korallenriff in den Schnee „gehauen“), fällt die Wahl auf – ja, darauf kommt man jetzt nicht so leicht – auf ein italienisches Restaurant namens „Da Pinocchio“. Als der nette Kellner vor uns steht und uns im feinsten Italienisch begrüßt, merkt er, dass wir Deutsch miteinander sprechen und fragt, ob wir lieber eine deutsche Bedienung bevorzugen würden. Er hätte da jemand, der Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und was weiß ich nicht noch alles spräche. Wir verneinen. Seine Spezialitäten des Tages (Erbsensuppe mit Ei als Vorspeise und mit Kürbis gefüllte Ravioli als Hauptspeise) lehnen wir dankend ab; wir wollen ungesunde Pizza. Als wir schließlich gehen, kommt ein Mann auf uns zu und verabschiedet uns auf Deutsch. Wir kommen sofort ins Gespräch. Ja, er habe in Deutschland gelebt. Als ich nachfrage, schlägt mein Herz höher: er habe in Düsseldorf gelebt! Die Welt ist klein. Er sei dort aufgewachsen und später nach Spanien gezogen, nach Gran Canaria. Da war’s ihm dann aber irgendwann wohl zu sonnig und zu schön, also hat er das andere Extrem gewählt: Tromsø (die Jahresmitteltemperatur liegt in Tromsø bei 2,5 Grad; auf Gran Canaria liegt sie bei 20 Grad, nur so zum Vergleich). Es stellt sich heraus, dass er der Chef des Ladens ist. Außerdem fragt er, ob alles zu unserer Zufriedenheit gewesen sei. Oh ja! Er verabschiedet uns mit einem Handschlag; an der Tür kommt unser Kellner noch einmal vorbei und gibt uns ebenfalls die Hand zum Abschied und wünscht uns alles Gute. Hach, wie nett! Das bisschen Pizza mit etwas Rotwein hat mal eben 80 Euro gekostet. Morgen wird wieder selber gekocht! 🙂

Bibliothek in Tromsø
Bibliothek in Tromsø; der Schnee rutscht einfach vom Dach auf den Bürgersteig: praktisch!

Advertisements

3 Gedanken zu “Tromsø: wenn ein Telefonanbieter plötzlich verschwindet

Gib Deinen Senf dazu, Feedback ist uns wichtig!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.