Nur mal kurz nach Schweden…

Ich habe etwas Interessantes über Schweden gelesen. Um das loswerden zu können, müssen wir aber nun mal in Schweden gewesen sein. Wir müssen also schnell mal nach Osten abbiegen. Die E6 durch Norwegen führt ziemlich parallel an der schwedischen Grenze entlang. Ein Rüberkommen ist lange Zeit nicht sinnvoll, weil die Grenze zu weit weg liegt. Bei Narvik endlich die Gelegenheit: Länderwechsel. Wir biegen rechts ab und folgen der E10 nach Schweden. Das geht nicht nur schnell, sondern ist auch noch richtig teuer: 129 norwegische Kronen Maut (knapp 14 Euro) für eine Strecke (das tut gleich doppelt weh, denn wir müssen ja wieder zurück)! Ca. 50 km weiter haben wir die Grenze erreicht. Nun wollen wir aber auch wenigstens was in Schweden gemacht haben, also müssen wir wohl oder übel Skifahren. In Norwegen haben wir uns irgendwann mal über mangelnden Schnee beschwert und man sagte uns, das sei in Schweden ganz anders; da gäb’s genug davon. Und tatsächlich: der Schnee ist weißer! Je näher wir der schwedischen Grenze kommen, desto höher liegt das weiße Gold eines Skifahrers. Nachdem wir die Grenze durchfahren, befinden wir uns in Lappland.

Knapp hinter der Grenze gibt es eine Skipiste, die wir links bzw. rechts liegen lassen. Ein paar Kilometer weiter dann finden wir unseren Berg: den Vassitjåkka (1412 m). Wir übernachten auf einem Parkplatz in der Nähe der Bahnstation Vassijaure. Am nächsten Morgen sitzen wir unschlüssig beim Frühstück: es ist sehr windig, so dass wir lange überlegen, ob wir wirklich gehen sollen. Aber als wir zwei andere Tourengeher sehen, packen wir die Sachen und laufen los. Weit kommen wir nicht. Nach ca. 260 hm kehren wir um: der Wind wird immer stärker und kommt auch noch von der falschen Seite (dh, wir laufen exakt dort hinein, wo sich der Schnee türmt und Lawinengefahr besteht), die Sicht wird immer schlechter, immer mehr Wolken ziehen auf.

Wir drehen um.

Wieder im Auto wollen wir erst eine kleine Runde durch Schweden drehen, um der Maut in Norwegen zu „entkommen“. Als wir jedoch durchrechnen, dass uns der kleine Umweg mal locker 400 km mehr aufs Tacho bringen würde, drehen wir schnell wieder um und machen, als wir die Mautstation passieren, schnell die Augen zu.

So, und jetzt die Wahnsinns Info (die hoffentlich ihre fast 30 Euro wert ist): Bis 1967 wurde in Schweden noch auf der linken Fahrbahnseite gefahren. Am 3. September 1967 war mit diesem Unsinn dann endlich Schluss: ganz Schweden rückt geschlossen auf die rechte Fahrbahnseite. Die Umstellung erfolgte an einem Sonntag um 5 Uhr früh; die H-Ära begann. Sämtlicher Verkehr kam damals zum Erliegen, als alle Verkehrsteilnehmer pünktlich auf ein Signal aus den Radios und der Polizei die Seiten wechselten. 290.000 Sechseckschilder mit H-Mahnungen wurden aufgestellt, um der Bevölkerung den Seitenwechsel zu erleichtern. Heer und Kriegsmarine stellten 19 Hubschrauber und 700 Funksprechgeräte zur Verfügung. Sportveranstaltungen wurden abgesagt, ja sogar die Elchjagd wurde verschoben. Blindenhunde mussten per Spezialtraining umdressiert werden; die Pferde der Bauern ebenso (der Antrag eines Bauern auf Zuschuss für ein finnisches, an Rechtsverkehr gewöhntes Pferd, wurde abgelehnt mit der Begründung, dass eine Umschulung des Pferdes weniger aufwendig und kostengünstiger sei). Eine halbe Milliarde Mark insgesamt kostete die Umstellung auf Rechtsverkehr. Die Schweden sprechen von diesem Tag als „Dagen H“ (Tag H), wobei das „H“ für „Högertrafikomläggningen“ steht, was natürlich nichts anderes bedeutet als „Rechtsverkehrumstellung“. Bereits 1718 hatte es eine Rechtsverkehrsverordnung gegeben, aber das hatte nur bis 1734 gehalten; dann wurde wieder links gefahren. Im Zeitalter der Pferdefuhrwerke war die Frage nach Rechts- oder Linksverkehr noch kein Thema; im Zeitalter des Automobils dagegen schon! Und das ganze war deswegen problematisch, weil die lieben Nachbarn, Norwegen und Dänemark, so gar nichts von Linksverkehr hielten. Man stelle sich dieses Chaos bei der Grenzüberschreitung vor. Außerdem waren die Lenksäulen schon damals (anders als beispielsweise in Großbritannien) – ausgerechnet – auf der linken (!) Seite, wodurch sicheres Überholen erschwert war. Leidtragender war……? Die Straßenbahn! In Malmö und anderen schwedischen Städten wurde sie einfach abgeschafft: zu viel Aufwand! Neben der Umstellung der Weichen und Haltestellen hätten auch noch die Türen auf die andere Seite gemusst; zumindest bei den Straßenbahnen, die nur eine Tür hatten, oder der ganze Wagenfuhrpark hätte ausgetauscht werden müssen. Göteborg und Norrköping sind die einzigen Städte, die ihre Straßenbahnen auch nach der Umstellung auf Rechtsverkehr langfristig behalten haben. Die Stockholmer U-Bahn fährt bis heute im Linksverkehr, wie auch der übrige schwedische Schienenverkehr.


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