Ski Mountaineering auf den Lofoten

Was, wenn man Skifahren will und der Winter is‘ weg?

So geht es uns als wir am Montag, den 22. Februar 2016, auf dem großen Parkplatz im Wendehammer in Å auf den Lofoten aufwachen und aus dem Fenster gucken. Das Thermometer zeigt 9 Grad, der Schnee schmilzt weg und die Berge zeigen nackt das schroffe Gelände.

Im Süden der Lofoten
Im Süden der Lofoten

Wo bitte sollen wir denn hier Skitouren gehen? Wir befinden uns schließlich im nördlichen Polarkreis auf den Lofoten, eine aus etwa 80 Inseln bestehende Inselgruppe vor der Küste Norwegens. Diese werden als todsichere Skitouren-Gegend proklamiert – sogar bis in den Juni hinein soll man hier mit den Skiern auf die Berge gehen können. Wir fahren ein bisschen enttäuscht durch die wunderschöne Gegend, sehen sogar Surfer im kalten Wasser auf die perfekte Welle warten, recherchieren, lassen Ort für Ort sausen, weil zu wenig Schnee liegt und dann…. ab Leknes dann endlich begehbare Berge, die wir von der Straße aus sehen können! Also fahren wir einfach auf einen Parkplatz, kleben noch am Abend die Felle unter die Ski und gehen auf einen kleineren Berg (Veggen, 490 m). Während des Aufstiegs kommt uns kurz vorm Gipfel eine Dame mit Wanderstöcken und Turnschuhen entgegen – wenn man schnell genug läuft, wird’s auch nicht kalt an den Füßen :). Auf dem Gipfel genießen wir den fantastischem Ausblick mit Vollmond!

Herrlich, genauso wie ich mir das vorgestellt habe. Die Berge sind auf den Lofoten nicht besonders hoch (Touren zwischen 500 und 1.100 hm sind möglich); da kann man locker jeden Tag eine Skitour machen. Auf dem Parkplatz übernachten wir auch gleich.

Am nächsten Tag werden wir von einer Deutschen mit zwei Collies angesprochen, die bereits seit 7 Jahren auf den Lofoten lebt. Sie erzählt uns, dass sie in den 7 Jahren nicht so wenig Schnee erlebt hätte; ganz im Gegenteil, man habe sich vor Schnee kaum retten können… Es ist einfach wie verhext. Am selben Tag verfahren wir uns bei einer Skitour (Himmeltindan, 962 m) wegen der schlechten Sicht: es schneit und regnet abwechselnd. Vom besagten Parkplatz gehen wir die Loipe entlang und biegen dann auf den markierten Wanderweg nach rechts ab. Als die Wolken immer dichter werden, drehen wir um – zu spät. Wir sehen schon nicht mehr, wo wir hinmüssen.

Schließlich landen wir zu weit links, denn wir erkennen die Gegend nicht mehr wieder. Glücklicherweise funktioniert das Handy noch und ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass wir ganz schön vom Weg abgekommen sind.

Blåtinden und Rundfjellet

Unser nächstes Ziel ist Svolvær. Hier machen wir gleich zwei Skitouren: auf den Rundfjellet und auf den Blåtinden (nicht zu verwechseln mit dem Blatinden – ohne Kringelchen (auch Bolle genannt) – der liegt nämlich ganz woanders. Aber auch den Blåtinden (mit Kringelchen) gibt es in der Nähe von Svolvær gleich zweimal. Das macht einen ganz wuschig, wenn man nach Bergen sucht: die gibt’s alle mehrmals. Unser Blåtinden (621 m) liegt direkt bei Svolvær. Startpunkt der Tour am 24. Februar 2016 ist ein Parkplatz bei der Bergrettung (wie praktisch!) in der Nähe des Stranda Stadion. Man folgt einfach der Wanderwegmarkierung.

Ausblick auf dem Weg zum Blåtinden: Blick auf Svolvær

Kurz vorm Gipfel müssen wir leider umkehren: Eispickel und Steigeisen wären nötig, haben wir aber nicht dabei. Sicherheit geht vor, also kehren wir um. Hier unser Video zur hübschen kleinen Skitour:

Um zum Startpunkt für den Rundfjellet (803 m) zu kommen, muss man der E10 nach Norden folgen und vor Vestpollen nach links Richtung Laukvik abbiegen. Auf der linken Seite kommt nach ca. 3 Kilometern ein Parkplatz. Wir nehmen die „Kudalsheia“-Route; es ist der 25. Februar 2016. Der Rundfjellet liegt ein bisschen versteckt, man sieht ihn vom Parkplatz aus nicht. Über ein paar Kuppen geht es dann über den Höhenzug Kudalsheia, der nach ca. 400 hm erreicht ist, dann durchqueren wir die Senke Richtung Gipfel. 100 hm unterhalb des Gipfels geht es durch eine (bei uns ziemlich vereiste) Kluft schräg nach rechts bis zum Grat. Hier erwartet uns ein grandioser Blick über einen Teil der Lofoten:

Auf dem Grat ziehen wir die Ski aus und schlagen uns Stufen Richtung Gipfel. Der Wechsel zwischen Eis und Schnee macht die Abfahrt etwas anspruchsvoller. Auch hier haben wir einen kleinen Film zusammengeschnitten:

Geitgaljartind – anspruchsvollster Gipfel der Lofoten

Wir fahren zur größten Herausforderung auf den Lofoten: den Geitgaljartind! Er liegt zwischen Svolvær und Fiskebøl und ist 1.085 m hoch. Man startet direkt unten am Wasser. Zwischen Svolvær und Fiskebøl geht es irgendwann Richtung Liland; folgt man dieser Straße findet man einen Parkplatz beim Geschäft („Nærmat“). Der Geitgaljartind gilt als anspruchsvollster Gipfel der Lofoten und man darf die längste Abfahrt auf den Lofoten genießen. Zwei Tage zuvor haben wir uns den Berg vom Parkplatz an der E10 angesehen, weil leider nicht sehr viel Schnee lag. Wir haben den Berg fotografiert, um unsere Aufstiegsroute bestimmen zu können. Einen weiteren Tag müssen wir ausharren, weil die Witterungsbedingungen schlecht sind: es schneit und ist stark bewölkt. Wir stehen auf einem Parkplatz; Alex entgratet die Kanten und wachst mit Flüssigwachs.

 

Am nächsten Tag nehmen wir den Gipfel in Angriff. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen besteht Lawinengefahr und man muss mit herunterfallenden Eisbrocken und Steinschlag rechnen. Entlang der Loipe oberhalb des Geschäfts geht es bis zum Ende des Lilandsdals, dann durch Gehölz und steiniges Gebiet. Es folgt ein sehr steiler Abschnitt; wir müssen uns entscheiden zwischen einem steilen Couloir (Rinne) oder einem noch steileren Hang. Der Couloir trägt zu wenig Schnee, Steigeisen wären notwendig. Da vor uns bereits Tourengeher den steilen Hang gegangen sind, ziehen wir die Ski aus und steigen ebenfalls nach rechts rauf. Wir folgen dem Weg etwas nach links, dann in einem „Tal“ lang nach rechts bis zum Sattel; dann geht es nochmal 200 hm steil bergauf. Vor dem Gipfel müssen wir wegen des schlechten Wetters umkehren. Die Wolken werden immer dichter und versperren uns die Sicht. Glücklicherweise sind die anderen Tourengeher bereits abgefahen und so können wir den Spuren folgen: steile Rinnenfahrt und etwas weniger steile Talfahrten. Die steile Rinnenfahrt ist eine Herausforderung, da die Rinne teilweise vereist ist. Eine sehr rasante und spannende Abfahrt. Kurz vor Ende der Tour fängt an zu hageln. Unsere Handys sind aus unerfindlichen Gründen schon am Anfang der Tour ausgegangen. Einen kleinen Film gibt es Dank GoPro dennoch:

Middagsfjellet

Noch am selben Tag geht es weiter nach Harstad; der Ausgangspunkt für unsere Tour zum Middagsfjellet. Wir übernachten (ausnahmsweise) auf dem Campingplatz Harstad (ein wirklich schöner Campingplatz direkt am Wasser), weil wir Wäsche waschen müssen. Am nächsten Morgen brechen wir auf, fahren die E83 Richtung Borken, biegen dann links auf die 10 Richtung Sørli ab. Leider finden wir den Einstieg nicht. Wir landen in einem Militär-Übungsgebiet; Militärfahrzeuge kommen uns auch schon entgegen. Interessanterweise verläuft durch dieses Übungsgelände ausgerechnet eine Loipe! Während wir die Straße entlangfahren frage ich mich, worauf die Soldaten wohl so schießen :).Wir sind zwar auf der richtigen Straße, können aber weder Gipfel noch Wegmarkierungen noch Spuren sehen. Nach einer Weile des Hin- und Herfahrens geben wir auf. Tromsø und die Lyngsalpen rufen!

Impressionen Lofoten

Wenn die Schneeverhältnisse stimmen, bieten die Lofoten ein wundervolles Skimountaineeringgebiet, das man unbedingt besucht haben muss. Aber auch so sind die Lofoten sehr sehenswert; kein Wunder, dass sich Norwegen zu einem der beliebtesten Reiseziele innerhalb Europas entwickelt hat. Malerische Fjorde, atemberaubende Landschaften…, hier eine kleine Auswahl an Bildern, die ich auf den Lofoten geschossen habe:

 

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2 Gedanken zu “Ski Mountaineering auf den Lofoten

    1. Hei Marti, so nice to hear from you and thanks a lot for your kind words! Where are you from? Saw that you do mountain biking – great pictures! Our motor home is very comfortable and warm when it is -20 degrees outside 😀 If you see us again, please knock on our door; we would really like to meet you!!!!

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