Auf dem Weg zu den Lofoten

Die norwegische Sprache ist eine nordgermanische Sprache, zum Teil stark vom Mittelniederdeutschen geprägt. Beim Lesen kommen ein paar Wörter bekannt vor, kann sie aus dem Deutschen ableiten; teilweise finden sich sogar komplette deutsche Wörter im norwegischen Wortschatz. Das hilft aber trotzdem nicht weiter, weil man die Norweger ja doch nicht versteht. Die drei festlandskandinavischen Sprachen sind eng miteinander verwandt, daher verstehen sich Dänen, Norweger und Schweden untereinander ziemlich gut. Hierbei genießen die Norweger jedoch eine Art „Zwischenposition“: die Norweger verstehen die Dänen und Schweden besser als umgekehrt und auch besser als die Dänen und Schweden unter sich. 

Die Norweger erzählen gerne Schwedenwitze, wie zB.:

En nordmann og en svenske kjørte på en trang vei, de kom mot hverandre og rullet ned vinduet og sa:
Svensken: – Jeg rygger ikke for en idiot.
Nordmannen: – Men det gjør jeg.

Ein Norweger und ein Schwede fuhren einen schmalen Weg entlang. Als sie einander begegneten, rollten sie das Fenster runter und sagen:
der Schwede: – Ich mache keinem Idioten Platz.
der Norweger: – Aber ich.

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Hva har svenskene som ikke nordmennene har?
Svar: Gode naboer

Was hat der Schwede, was der Norweger nicht hat?
Antwort: Gute Nachbarn

Kommt mir irgendwie bekannt vor… 🙂

Wir wollen auf die Lofoten; da soll es ein paar Berge geben, die fürs Ski Mountaineering geeignet sind. Auf dem Weg von Oppdal nach Norden fahren wir u.a. durch die Ortschaft mit dem klangvollen Namen „Å“; in den Namen hat man alles an Kreativität und was das Alphabet so hergab reingepackt. Man findet in Norwegen nicht nur einmal diesen schönen Ortsnamen. Wir halten für eine Nacht in Trondheim am Øya Stadion (Tipp: in der letzten Reihe (und zwar NUR in der letzten Reihe) des Parkplatzes steht man kostenlos), wir trinken in der Stadt einen Kaffee (kleiner Café Americano und ein Latte Macchiato) und essen jeder ein kleines Stückchen Käsekuchen für insgesamt 23 €! Trondheim selber ist nicht so hübsch, aber von der Piren-Brücke, die streng genommen gar eine Brücke ist, sondern eigentlich nur ein „architektonisch wertvoller“ Holzsteg, hat man einen schönen Blick auf den Fluss Nidelva noch vor der geschichtsträchtigen „Alten Stadtbrücke“ (Gamle Bybro).

Trondheim

Von Trondheim fahren wir weiter auf der E6 nach Norden; viel Auswahl haben wir ja eh nicht, wenn wir nicht durch die Fjorde wollen bzw. vielmehr können. Durch die Fjorde fahren heißt: Fähren benutzen. Und das mehrmals. Wir haben gelesen, dass Fahrzeuge, die mitgenommen werden, auf 6m Länge begrenzt sind. Mit unseren 8,30 m fallen wir da ganz knapp raus. Also bleibt nur noch die E6; Hauptstraße Richtung Nordkapp. Billig ist das auch nicht, denn alle paar Meter wird Straßenmaut fällig. Die liegt so zwischen 2,50€ und 7,50€. Ganz schön teuer, wenn man 2.454 km durch Norwegen muss. Im Süden kann man da noch schnell von der Straße hüpfen und sich vor der Zahlung drücken, aber weiter im Norden, wo es nur noch die eine Straße gibt oder sich ein Umweg einfach nicht lohnt, muss man den Geldbeutel weit aufmachen.

Außerhalb der Ortschaften Übernachtungsplätze zu finden, ist nicht so einfach. Im Winter ist nur wenige Rastplätze geräumt und meistens liegen die ja unschön an einer Hauptstraße. Am Øvre Svenningvatn fahren wir von der E6 einfach runter auf eine kleine, schmale Straße und buddeln uns im Schnee einen Parkplatz; so geht’s. 

IMG_9626

Am nächsten Tag, Samstag, den 20. Februar 2016, durchfahren wir Mo i Rana und wenige Kilometer weiter auch die Grenze des nördlichen Polargebiets! Der nördliche Polarkreis liegt (wie der südliche auch) auf dem bei 66°33’55“ (~66,57°) Breite liegenden Breitenkreis. Da sich die  Neigung der Erdachse langsam ändert, verlagern sich auch die Polarkreise. Auf jeden Fall sind wir jetzt höher als auf Island, das ja ganz knapp unter dem nördlichen Polarkreis liegt (leider wächst Island nur in östlich-westlicher Richtung). Damit man auch merkt, dass man besagten Breitenkreis überschreitet, steht da ein Häuschen, das einen darüber informiert, wo man sich gerade befindet. Nördlicher Polarkreis – wie das klingt! Man vermutet dann ja komplett andere Witterungsbedingungen. Als wir bei Shell (den Konzern muss man an dieser Stelle lobend erwähnen, denn hier haben wir immer Wasser bekommen!) tanken und um Wasser bitten, erzählt uns der junge Mitarbeiter von der Tankstelle, dass wir Glück hätten, denn vor kurzem sei es hier noch -37 Grad gewesen, sein Auto sei komplett eingefroren und er habe 24 Stunden gebraucht, es wieder aufzutauen. Unser WoMo funktioniert mit einer Dieselheizung; blöd, wenn der Diesel dann einfriert. Jetzt ist der Schnee vielleicht ein bisschen höher als im Süden, aber immer noch alles im „grünen Bereich“. Stark verschneite Straßen, wie in der Reportage über den norwegischen Abschleppdienst an Bord der Norröna, die während der Überfahrt von Island nach Dänemark gezeigt wurde, haben wir bisher nicht gesehen. Und auf den Campingplätzen, die an der E6 liegen, können wir (Wochenend-)Urlauber sehen, die Stühle und Tische herausgeholt haben und sich sonnen.

Snowkiten am Artic Circle
Snowkiten am Artic Circle

Dann, mitten im Nirgendwo zwischen Mo i Rana und Rognan auf der E6, übernachten wir auf einem Parkplatz neben einen heruntergelassenen Schlagbaum: kein Weiterkommen. Hier wird nur in Kolonne gefahren: ein Schneeschieber fährt vor, alle Autofahrer mit Warnblinker hinterher und ein weiterer Schneeschieber bildet das Ende der Kolonne. Damit sich das auch lohnt, werden zunächst Fahrzeuge gesammelt und erst dann kann das Stück der E6 passiert werden. Erst ist die eine Richtung, dann die andere dran. Diese Schlagbäume haben wir einige Male gesehen; immer da, wo kräftiger Wind immer wieder Schnee auf die Straße bläst und für Schneeverwehungen sorgt.

Arctic Circle
Gott sei Dank steht da ein Schild, sonst würde man’s ja nicht merken: man befindet sich am Arctic Circle

Der Plan ist, mit einer Fähre von Bodø auf die Lofoten zu kommen. Es gibt drei Möglichkeiten: Bodø – Moskenes oder Bodø – Svolvær oder Bodø – Stamsund; letzteres bildet einen Teil der Hurtigruten. Hurtigruten bedeutet nichts anderes als „Schnelle Route“, die Bezeichnung der norwegischen Postschifflinie, die ab 1893 die Orte der norwegischen Westküste verband, wobei der eigentliche Postverkehr 1984 eingestellt wurde. Heute fahren Fracht- und Passagier- sowie Kreuzfahrtschiffe diese Route. Wir wollen am südlichsten Ende der Lofoten unsere Tour starten, um ja nichts zu verpassen; daher entscheiden wir uns für Moskenes. Am 21. Februar 2016 stehen wir also in Bodø am Hafen und wollen ein Ticket für die Überfahrt zu den Lofoten kaufen. Aber niemand ist da. Ein Zettel an der Scheibe verrät, dass derzeit keine Tickets am Schalter verkauft werden. Vielmehr solle man sich einfach in die entsprechende Reihe „ohne Reservierung“ einreihen und man werde uns beim Befahren der Fähre zur Kasse bitten (der Vorteil, wenn man im Winter fährt). So ist’s dann auch. Um die 95 € müssen wir insgesamt für die 3 Stunden Überfahrt nach Moskenes bezahlen. Relativ günstig, wo wir doch für die Überfahrt Dänemark-Norwegen (ähnliche Dauer der Überfahrt) fast das Dreifache bezahlen mussten. Die Fähre startet um 21 Uhr. Gegen 0:15 am Montag legen wir in Moskenes an. Wir sind am Traumziel angekommen.

Übrigens: um in den Hafen von Bodø zu kommen, muss man eine Maut von ungefähr 5 € berappen! Kurz zuvor muss man, um überhaupt in den Ort Bodø reinzukommen, auch schon Maut zahlen… Wir sind jetzt schon gespannt auf unsere Endabrechnung über die ganzen Mautgebühren! Wir haben uns nämlich online für die Emailrechnung registriert und sollten irgendwann mal eine Gesamtrechnung bekommen.


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