„Abwettern“ in Norwegen

Wir haben aber auch echt Pech. Auf Island steckten wir in den heftigsten (Schnee)Stürmen fest; ich habe neulich gelesen, dass das die schlimmsten Stürme seit 25 Jahren waren. Jetzt sind wir in Norwegen, haben eine der kältesten Wochen mit -20 Grad zwar knapp verfehlt, aber nun schmelzen Schnee und Eis bei 9 Grad – da is‘ erst mal Essig mit Skitouren. Nach 1 1/2 Wochen in Kristiansand wegen des Werkstattaufenthalts und Wartens auf Post (zumindest eines von drei Paketen hat uns inzwischen erreicht) fahren wir weiter nach Oslo. Ursprünglich wollten wir von Kristiansand „einfach gerade hoch Richtung Trondheim“ fahren. Als wir Frode von der Mercedes-Werkstatt unseren Plan erzählen und ihm stolz den Weg zeigen, den wir einschlagen wollen, schüttelt er nur den Kopf: die Straße, die wir da entlangfahren wollen, gäbe es gar nicht. Wir müssen über Oslo fahren. Man ist ja dann trotzdem versucht, den anderen Weg zu fahren, aber wir nehmen den Hinweis ernst. Insbesondere, weil uns auch gesagt wurde, dass es viele Touristen gibt, die sich ein bisschen mit der Größe Norwegens vertun. “Mal eben irgendwo hinfahren” kann da schon mal 7-8 Stunden dauern. Bevor wir also eine Strecke umsonst fahren, fahren wir also nach Oslo.

Die Hauptstadt Norwegens empfängt uns mit dichtem Nebel und starkem Wind. So sind wir ein bisschen ratlos, was wir machen sollen. Da wir nichts sehen können, gehen wir wenigstens auf die Piste am legendären Holmenkollen und fahren ein bisschen Ski. Leider gibt es nur eine schwarze Piste und so suchen wir ein paar kleine Herausforderungen abseits der Piste und durch Bäume. Es ist so schlechtes Wetter, dass noch nicht mal ein Oslo-Besuch lohnt; man sieht ja nix. Rund um den Holmenkollen ist die Hölle los: man bereitet sich auf den Skisprung Weltcup vor, der am Wochenende (06/07.02.2016) stattfinden soll. Das Teamspringen am Samstag kann durchgeführt werden. Doch dann das: Nachdem am nächsten Tag beim Skisprung-Weltcup der Herren nur zwei Athleten springen können, muss der Weltcup wegen des dichten Nebels zunächst unterbrochen und schließlich ganz gestrichen werden. Die Sportler könnten zwar springen, aber niemand kann sie dabei sehen. Die Kampfrichter haben aufgrund der äußerst schlechten Sicht so ihre Schwierigkeiten bei der Notengebung. Außerdem gibt es Schwierigkeiten bei der elektronischen Weitenmessung. Der Wettkampf soll nun am Freitag in Vikersund nachgeholt werden. Also, liebe Düsseldorfer, nicht nur der Rosenmontagsumzug musste aufgrund schlechten Wetters verschoben werden ;).

Man kann extra Reisen zum Weltcup buchen (hier ein Ausschnitt aus der Reisebeschreibung auf Skandinavientrips.de):

Sonntag, 07.02.16: Weltcup-Skispringen

Der Höhepunkt dieser Reise ist das Weltcup-Skispringen am Holmenkollen am so genannten „Holmenkollen søndag“. Von den Tribünenplätzen haben Sie eine gute Sicht auf die Skispringer. […]. Bringen Sie sich eine warme Sitzunterlage mit. Neben herrlicher Volksfeststimmung bietet sich Ihnen vom Skispringen am Holmenkollen aus auch ein traumhafter Blick über die norwegische Hauptstadt Oslo.

Montag, 08.02.16: Rückreise

Nach dem spannenden Skispringen am Holmenkollen und Ski-Wettkämpfen treten Sie heute die Heimreise an. […]

Schon blöd, wenn da dann das Wetter nicht mitspielt.

bei Lindesnes – Sør-Audnedal auf dem Weg nach Oslo

 

Für uns gibt es kein gutes oder schlechtes Wetter; es gibt nur günstiges oder ungünstiges Wetter fürs Ski Mountaineering. „Günstiges“ Wetter hoffen wir in Lillehammer und Umgebung zu finden – also nichts wie hin. Das Wetter auf dem Weg nach Lillehammer ist auch vielversprechend. Leider können wir in Lillehammer keinen vernünftigen Berg für eine Tour ausfindig machen. Wir fahren bis Øyer, ca. 16 km von Lillehammer entfernt und bleiben unterhalb des Skigebiets Hafjell stehen. In der Nacht schneit es auch noch leicht. Alex und ich spielen „Aushalten – Schnee“ (inspiriert von Joko und Claas): in Unterwäsche und Sommerwanderschuhen stehen wir draußen im Schnee und bewerfen uns die ganze Zeit mit Schneebällen bei 0 Grad. Nach 27 min haben wir genug; die Finger tun verdammt weh, als wir unter der warmen Dusche stehen. Am nächsten Morgen kommen wir raus: Tauwetter, die ganze schöne weiße Pracht ist gerade am Wegschmelzen bei 3-5 Grad. Gepaart mit Nebel und Wind ist das nicht mehr so „günstig“. Das gibt es doch nicht. Der Schnee unter unseren Füßen ist jetzt nass und schwer. Den Berg können wir nicht sehen. Wir lassen uns trotzdem nicht abhalten, kleben die Felle unter die Ski und laufen an der Piste entlang den Berg hoch. Der nasse, schwere Schnee klebt am Ski und erschwert das Laufen. Es fängt an zu regnen. Wir sind kurz davor umzudrehen, aber der Wunsch nach Bewegung ist größer, also laufen wir weiter. Nach einer Stunde merken wir den nassen Schnee deutlich in den Beinen. Nach einer weiteren halben Stunde nervt es, dass der Schnee so am Ski klebt. Nach insgesamt etwas weniger als zwei Stunden sind wir oben an der Skiliftstation. 835 hm haben wir hinter uns – und sind klatschnass. Leider keine Sicht; wir sind vollständig eingenebelt. Wir schlüpfen schnell in die kalten Daunenjacken, ziehen darüber wieder die Regenjacke an, bauen die Ski um und fahren bergab. Im nassen, schweren Tiefschnee ist das eine Herausforderung – es fährt sich beschissen. Es dauert nicht lange, da wechseln wir freiwillig auf die Piste.

Aufgrund des schlechten Wetters gibt es in diesem Beitrag leider keine Schneebilder.

P.S.: „Abwettern“ kommt ja eigentlich aus der Seemannssprache, aber ich habe diesen Begriff einfach mal für diesen Beitrag adaptiert.

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