Orkanartige Böen, Gletscherlagunen und Grenzen des Fuso

Weihnachten bis Neujahr hatten wir schlechtes Wetter: Regen, Schnee und Sturm. Auch Anfang Januar mussten wir einen kräftigen Sturm auf unserer Südroute ausharren. Bei gutem Wetter sind wir zum (namenlosen) Gletscher in der Nähe von Skógar unterhalb des Eyjafjallajökull gefahren, in der Hoffnung, mit Steigeisen und Eispickel ein bisschen herumturnen zu können. Auf dem Weg dorthin nehmen wir unseren ersten Anhalter mit: einen französischen Tramper. Allerdings müssen wir ihn schon nach 5 km wieder vor die Tür setzen, weil wir vergessen haben, dass wir links zum Gletscher abbiegen wollten. Das tut uns total leid. Bis wir am Gletscher sind ist es sonnig. Aber schon in der Nacht wird das WoMo so schlimm durchgeschüttelt, dass wir uns nicht trauen, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Einen Tag warten wir ab, dann halten wir es nicht mehr aus: keine Lust, sinnlos herumzustehen, also bewegen wir uns weiter Richtung Osten. Ziel ist die Gletscherlagune Skaftafell. Aber auch hier haben wir Pech und steigen gar nicht erst aus. In der Gegend zwischen dem Eyjafjallajökull und dem Vatnajökull sind die Böen besonders schlimm! Und wir mittendrin. Am nächsten Tag wollen wir es zumindest bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón schaffen, kommen aber gerade mal ein paar Kilometer: auf einem relativ windgeschützten Parkplatz in Freysnes tummeln sich bereits wartende LKW-Fahrer, die das leuchtende Hinweisschild an der Ringstraße im Auge haben. Auf Island gibt es überall Warnschilder, auf denen Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Böen von bestimmten Messpunkten angezeigt werden. Fasziniert starren wir auf die Zahl, die unter „Böen“ steht: 45! 45 m/s (für Umrechnung in km/h = x 3,6)! Windstärke knapp über 30 m/s. Interessehalber habe ich mal nachgeschaut, was die Windskala der deutschen „Unwetterzentrale“ dazu sagt und wie man sowas bezeichnen kann. Also, zum Vergleich: ab 32,7 m/s, da hört dann die Skala auch schon auf, bezeichnet die Unwetterzentrale in Deutschland einen Wind als Orkan. Da, wo quasi die Windskala dort aufhört, fängt sie in Island erst an! Denn 45 m/s ist schon ordentlich, aber während unseres Aufenthaltes haben wir Windstärken von 50 m/s gelesen und sogar von 70 m/s gehört. Bis zur Nacht geht die Zahl auf gerade mal 32 m/s herunter. Wir sind geknickt. Auf die Wetterseite en.vedur.is ist ja auch nicht 100%ig Verlass, denn da steht nix von diesen Zahlen. Da wir auf dem Parkplatz eher wenig spüren, sind wir schon versucht, weiterzufahren, aber wenn selbst die LKW-Fahrer, die die vereiste Ringstraße mit hohen Geschwindigkeiten entlangheizen, Respekt haben, haben wir ihn umso mehr.

Am nächsten Tag, bei Windstärke 24 m/s versuchen wir also unser Glück; die LKW-Fahrer haben schon viel früher einen Wink erhalten; sie sind nämlich alle verschwunden. Obwohl wir auf der Straße ordentlich durchgeschüttelt werden, wollen wir es doch nicht versäumen, links und rechts der Straße zu schauen, also wollen wir einfach mal links abbiegen. Für die erste Abzweigung nach links sind wir auf der vereisten Straße zu schnell und kommen nicht rechtzeitig zum Stehen. Wir nehmen die nächste Abzweigung nach links und kommen so nur zufällig auf eine Schotterpiste, die uns schließlich zum Breiðárlón führt. Als wir einen kleinen Abhang herunter müssen, denk‘ ich noch: Oh, das is‘ aber mal steil! Fahrerwechsel: Alex muss runterfahren. Ich filme und erschrecke, wie stark der Aufbau des Fusels schwankt. Wir folgen der Straße, die an einem Gletscher endet, wo wir eine Eishöhle entdecken. Ein Guide buddelt da gerade im Schnee und mustert uns: Er könne uns ja nichts vorschreiben, aber ohne Helm und entsprechendes Equipment und eigentlich auch ohne Guide solle man lieber nicht rein! Alles klar! Wir kehren um, setzen unsere Kletterhelme auf, packen einen Rucksack mit ein paar Utensilien; einen Eispickel nehmen wir jeweils in die Hand und stiefeln professionell ausgestattet wieder in die Höhle. „Much better!“, sagt der Guide. Fakt ist, dass wir nur ein paar Meter weiter kommen, wir die Helme zwar gut gebrauchen können, da ich mir zumindest zweimal den Kopf am Eis stoße, aber das restliche Equipment total überflüssig ist, weil alles schön für Touristen vorbereitet ist und man sich schon so richtig Mühe geben muss, um da irgendwo reinzufallen! Die kleine Eishöhle selber ist ganz hübsch, aber an dem Tag doch etwas zu voll.

Eine richtig schöne Eishöhle gibt es noch an anderer Stelle am Vatnajökull, nur ist das mit dem Hinkommen im Winter problematisch. „Schnell“ geht’s wieder Richtung Ringstraße, doch wir werden vom besagten steilen Hang aufgehalten! Runter ging’s ja noch gut. Aber hoch… Nach drei Versuchen geben wir auf – keine Chance da hochzukommen: der Untergrund ist zu lose und daher zu rutschig, die Piste bereits durch die Super-Jeeps stark ausgefahren. Wir stellen uns an die Straße und hoffen, dass jemand vorbeikommt. Am besten ein Super-Jeep, den wir mit unserer Seilwinde missbrauchen können. Kurze Zeit später hält ein Super-Jeep neben uns. Als Anker für unsere Seilwinde müsse er gar nicht herhalten, es gäbe einen anderen, einen leichteren Weg; wir sollen folgen. Gesagt, getan. Der leichtere Weg reicht dem WoMo völlig. Hier (youtube-Video) der klägliche Versuch, den steilen Hang hochzukommen:

[ youtube https://www.youtube.com/watch?v=OzhXh6SPgZA ]

Am späten Nachmittag überqueren wir die Brücke, nach der es links Richtung Parkplatz der Gletscherlagune Jökulsárlón, am Südrand des Vatnakökull, geht. Im letzten Tageslicht sehen wir, wie Eismassen in die Gletscherlagune zurückgetrieben werden. In der Nacht haben wir wieder einmal das Glück, Polarlichter zu sehen, wenn auch nicht besonders stark:

Die Gletscherlagune zeigt sich am nächsten Tag im wundervollen Sonnenschein. Bereits am Morgen werden Touristen herangekarrt, die alle kurz einen Blick auf den See werfen und dann schnell zum nächsten Ziel gefahren werden. Wir wollen weg von den vielen Leuten und laufen den Gletschersee ab. Man muss schon ein Stückchen laufen, aber erst ab da lohnt sich – zumindest im Winter – der Besuch der Gletscherlagune! Die Eisbrocken, die sich am Parkplatz noch so dicht aneinander drängten, werden hier viel weniger und schließlich überwiegt das klare Wasser. Wunderschön! Während wir am Ufer entlanglaufen, sehen wir Eiderenten (gibt’s in der Galerie in groß):

Eiderente in der Gletscherlagune auf Island
Eiderente in der Gletscherlagune auf Island

…andere Vögel, die sich sonnen…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Vogel sonnt sich auf dem schwimmenden Eis

…und eine Robbe, die uns neugierig verfolgt und immer mal wieder mampfend neben uns auftaucht!

Und in der untergehenden Sonne präsentiert sich der Jökulsárlón im wunderschönsten Licht:

Es lohnt sich also, einen ausgedehnteren Spaziergang am Gletschersee zu machen.

Wir sich unseren kleinen Rundflug mit der Drohne über den Gletschersee anschauen möchte:

 

 


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