Sonnenaufgang für Faule, Robben und: die nächste Aurora Borealis

Jetzt im Dezember geht die Sonne erst so zwischen 11 und 11:30 Uhr auf und bereits gegen 15:30 Uhr wieder unter! Das hat gleich mehrere Vorteile: man kann theoretisch lange liegenbleiben und man hat bei schönem Wetter wunderschönes Sonnenaufgangs- bzw -untergangslicht! An einem Stück! Und das vier Stunden lang! Das ist so schön, dass man am liebsten nur noch mit der Linse vor dem Auge herumlaufen möchte. Unser Tagesablauf hat sich also dem Licht bereits angepasst: genauso wie es in Deutschland im Winter schwerfällt vor 9 Uhr aufzustehen, verzögert sich diese Unlust hier nochmal um zwei Stunden. Meistens stehen wir jetzt im Dezember gegen 10 Uhr auf, und selbst das fällt unsagbar schwer, weil es um diese Uhrzeit ja noch dunkel ist. Im besagten wundervollen Licht ab 11:30 Uhr fahren wir also durch die Gegend bis zum nächsten Ziel und immer wieder müssen wir anhalten, weil ja nicht nur das Licht toll ist, sondern die Kulisse umso beeindruckender.
 

Auf der Fahrt in den Westfjorden
 

   

Die Farben sind echt!
 Ansonsten ist das Wetter leider ziemlich schlecht: viel Grau, viel Regen, viel Wind…. Die NRWler werden sagen: Na und? Ham wa hier ständig! Stimmt, aber irgendwie war ich der romantischen Vorstellung erlegen, dass hier im Winter immer viel Schnee liegt und die Sonne scheint. Der Golfstrom hat hauptsächlich Einfluss auf den Westen, Süden und Südosten. Wir haben ja im Norden angefangen und gleich frostige Temperaturen mit Stürmen erlebt (neulich warnte uns wieder einmal ein Isländer vor den Stürmen; im Süden habe man jetzt im Dezember 50m/s gehabt!!!). Aber hier ändert sich das Wetter ständig, auch gern mehrmals am Tag. Und so taut hier alles weg, friert dann wieder schön, dann regnet es wieder, dann schneit es, an einem Tag sind es fiese Minusgrade, am nächsten wieder Plusgrade. Die meiste Zeit ist es bewölkt. Wenn sich die Sonne jedoch blicken lässt, ist selbst das Herumfahren ein Genuss!

Da wir nicht mit den Ski unterwegs sein können, wollen wir wenigstens zu Fuß einen Gipfel stürmen. Der Gvendarskál auf der Trollhalbinsel soll es sein. Wir finden aber vor lauter Schnee den Wanderweg nicht. Im knietiefen Schnee staksen wir durch den Wald. Was dabei besonders wehtut ist die dicke Firnschicht auf dem Schnee, die unser Gewicht nicht tragen kann und beim Laufen bei jedem Schritt an die Schienbeine haut. Ich werde hinterher an beiden Beinen blaue Flecke haben. Am Ende des Waldstücks finden wir den Wanderweg immer noch nicht. Also gehen wir einfach den Berg gerade hoch! Da sacken wir zwar nicht mehr so tief ein, aber irgendwann wird der Firn so dick, dass man nicht mehr darauf laufen kann. Außerdem ist das Stück bis zum Endpunkt dermaßen steil, dass wir uns auf allen Vieren fortbewegen müssen. Dabei müssen wir die Fußspitzen stark in den Firn hauen, damit wir Halt bekommen. Das ist nicht ungefährlich: es ist dermaßen glatt und steil, dass, wäre einer von uns ausgerutscht, wir uns nicht hätten halten können! Während ich so meine Tritte in den Firn trete, schaue ich kurz runter und denke mit einem Schauder: Oh weih, bloß nicht ausrutschen! Unter uns befinden sich Steine, das würde mächtig wehtun. Mir tun ziemlich schnell die Fußspitzen weh, weil meine Winterschuhe fürs Stufenschlagen nicht gemacht sind. 

  
   

Bergsteigen light und Alex spurt
 Also muss Alex vor und haut Tritte in den Firn. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir endlich oben und genießen nur ganz kurz den Ausblick. 

  
Ich hinterlasse schnell eine Nachricht von uns im Gipfelbuch und lese: das letzte Mal war jemand am 11. November hier oben. Für den Rückweg wählen wir den Wanderweg, denn die Stöckchen sind vom Gipfel aus gut nachzuvollziehen. Erst im Wald im tiefen Schnee verlieren wir sie wieder. Das waren zwar nur 450 Höhenmeter, aber gutes Training, wenn sonst nichts geht.

Am 10. Dezember 2015 haben wir wieder eine wundervolle klare Nacht, dass ich mich mit dem Fotoapparat bewaffnet in die Kälte setze und ein bisschen mit der ISO und der Verschlusszeit herumexperimentiere, um die nächste Aurora Borealis einzufangen und siehe da: das Ergebnis ist gar nicht soooo schlecht für einen Anfänger wie mich:

   

Nordlichter überm WoMo
 
Wohlbemerkt: was die Kamera da herausgeholt hat, das habe ich bei weitem mit bloßem Auge nicht gesehen!

Ein paar Tage später sehen wir endlich Kegelrobben in den Westfjorden. Da liegen sie einfach auf Steinen rum, was ziemlich ungemütlich aussieht. Außerdem sind sie gut getarnt, da sie farblich als Teil der Steine durchgehen könnten. Sie sind scheu, aber auch sehr neugierig. Sie schwimmen etwas auf uns zu, um dann synchron ganz plötzlich im Wasser zu verschwinden. Und sie behalten uns beim Schwimmen immer im Auge!

   
   

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6 Gedanken zu “Sonnenaufgang für Faule, Robben und: die nächste Aurora Borealis

  1. Wahnsinn 🙂
    Das mit den Polarlichtern und der Kamera habe ich auch schon gehört/gesehen. Interessant, was man noch herausholen kann, selbst wenn mit eigenen Augen nichts erkennen kann.

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    1. Hallo Dirk,
      das ist aber schön von Dir zu hören!!! 😊 Ganz lieben Dank für Eure Weihnachts- und Neujahrswünsche!!! Wir wünschen Euch auch ein wundervolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Seid ihr auf den Philippinen?
      Verschneite Grüße vom Laugarvatn,
      Alex & Nicole

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    1. Hallo Ihr Zwei,
      danke für Eure Nachricht!!! 😃 Und Herzlichen Willkommen als Follower; wir freuen uns sehr! Wir wünschen Euch auch ein wundervolles Weihnachtsfest und einen tollen Jahreswechsel!!!
      Ganz liebe Grüße
      Alex & Nicole

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