Ein Einzug läuft nicht wie geplant

Aufgrund unserer positiven Erfahrungen mit dem Tikro sind wir viel zu blauäugig an die Sache herangegangen, schließlich haben wir uns ja einen Aufbauer ausgesucht, der das schon seit 27 Jahren macht. In unserer Vorstellung war das circa so: Sachen aus dem Tikro raus, Sachen in den Fuso rein und los geht’s. Nur keine Zeit verschwenden. Nie mehr wiederkommen. Letztendlich wohnen wir vier Wochen im Fusel vor der Werkstatt von Herrn Woelcke, um Mängel beseitigen zu lassen. Unsere Mängelliste umfasst um die 50 Punkte; die gravierendsten Probleme sind die Heizungs- und Wasserinstallation, die in großen Teilen geändert werden muss, sowie Dieseltanks und Verkabelung. Der Höhepunkt der Mängelserie ist ein Schwelbrand in der Kabine, weil die Dieselheizung entgegen der Einbaurichtlinien von Eberspächer IN die Kabine statt außerhalb verbaut wurde. Gott sei dank haben wir den Rauch schnell bemerkt und konnten so Schlimmeres verhindern. Später haben wir zufällig gelesen, dass wir anscheinend nicht die einzigen mit einer so langen Liste sind, siehe hier. [Nachtrag März 2018: Inzwischen steht das Fahrzeug wieder beim Erzeuger; wir konnten mit gerichtlicher Hilfe den Vertrag aufgrund der massiven Mängel rückabwickeln]


(Nachtrag vom 10. Juni 2018: In den letzten drei Jahren haben wir sehr viel aus den Fehlern gelernt und versucht, es bei unserem Selbstbau anders/besser zu machen. Wir haben uns nach 9 Monaten Testphase entschieden, eine neue Rubrik auf der Seite zu eröffnen, in der wir unsere Erfahrungen teilen möchten. Diese Rubrik, die sich derzeit noch im Aufbau befindet und immer nach und nach um weitere Themen erweitert wird, nennt sich: LESSONS LEARNED.)


 

Während unseres Ausflugs in den Offroad-Park Langenaltheim (www.offroadpark-langenaltheim.com) stellen wir dann auch noch fest, dass es bei der Fahrt durch die vielen schlammigen Löcher außergewöhnlich stark vom Aufbau bis in die Fahrerkabine wankt.

Das liegt offensichtlich an dem vorne kaum und hinten gar nicht vorhandenen Federweg. Herr Woelcke ruft sofort bei der Firma Kurz in Friolzheim an, wo ganz schnell drei weitere Federblätter jeweils hinten und ein Federblatt jeweils vorne eingebaut werden, nachdem Herr Kurz glaubhaft versicherte, dass wir andernfalls spätestens nach einem halben Jahr einen Federbruch hätten.

 

Das Federpaket inklusive neuer Federn

Vorher lassen wir noch die Übergabeinspektion bei Mercedes Knoblauch, ein Spezialist für Fuso Canter 4×4, in Immendingen am Bodensee durchführen, die schlicht vergessen wurde. So können wir unseren Fusel gleich mal gute 300km auf der Autobahn testen. Hier lassen wir den Schalter für die – wie wir finden – fragwürdige Start-Stopp-Automatik austauschen. Die Start-Stopp-Automatik hat nämlich den entscheidenden Nachteil, dass das Fahrzeug beim ausgekuppelten Heranfahren an die Ampel einfach ausgeht und somit nicht mehr über einen Bremskraftverstärker verfügt. Dann 7,5 Tonnen zum Stehen zu bringen ist äußerst heikel. Auch passt sie nicht zur Anweisung im Handbuch, wo es heißt, man solle den Motor nach längerer Fahrt im Standgas abkühlen lassen. Die Änderung ist grundsätzlich schnell gemacht: einfach den vorhandenen Taster durch einen Schalter mit Permanent-Aus ersetzen, fertig…, wären da nicht beim Zusammenbau des Armaturenbretts durch die Firma Woelcke zwei Schalter (nämlich Spiegelheizung und besagter Start-Stopp-Automatik) vertauscht worden. Die Suche nach dem Fehler hat dann mal eben den ganzen Tagen gedauert und war auch nicht billig.

Bei der Gelegenheit schauen wir uns noch die Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee (www.pfahlbauten.de) an:


  
In der 5. Woche stehen wir bereits am Sonntag Abend bei Mercedes in Neuss/Düsseldorf. Einige Tage zuvor bemerkten wir ein seltsames Rattern in der Hinterachse, begleitet von einem metallischen Schabgeräusch, das uns Angst macht. Dieses Rattern und Schaben zeigt sich besonders gerne in Kurvenfahrten, anfangs noch stark bei eingeschlagenem Lenkrad, später dann sogar stark bei Autobahnab- und – auffahrten. Bei Mercedes Neuss/Düsseldorf weiß man mit dem Problem nicht umzugehen, obwohl sie die Mitsubishi-Truck-Sparte führen. Der zuständige Servicemitarbeiter erklärt uns, dass wir nach seiner Sicht ohnehin aufs falsche Fahrzeug gesetzt hätten. Mit dem um die Welt? Niemals. Ja, genau das, was wir hören wollen! Zeitgleich, weil wir merken, dass man nicht so richtig weiß, was zu tun ist, rufen wir bei der Firma Penders in Mönchengladbach an und fragen, ob man das Problem kenne. Herr Penders wolle sich das gerne selber ansehen und anhören. Auf Nachfrage beim Servicemitarbeiter in Neuss, ob wir mal eben wegfahren könnten, antwortet er: das könnten wir schon, aber dann auf eigenes Risiko. Also fahren wir nicht, wir wollen’s ja nicht noch so richtig kaputt machen. Also warten und hoffen wir, dass die Anfrage (Mercedes-intern „Case“, von uns auch gern Käs‘ genannt) bei den Fuso Spezialisten unverzüglich bearbeitet wird, aber die antworten erst am nächsten Tag (!) mit der Frage, ob denn die Freilaufnaben auf „Frei“ gestellt sind? Ja, selbstverständlich!

Am Dienstag Nachmittag informiert uns der Servicemitarbeiter über den Stand seiner Ermittlungen: aus seiner Sicht müsse das Differential ausgetauscht werden; Lieferzeit: 31.03.2016!!! Angeblich müsste dieses direkt aus Japan kommen. Wir sind entsetzt. Außerdem schlägt er vor, ein Verkaufsschild an unser Fahrzeug zu hängen; vielleicht können wir noch einen akzeptablen Preis erzielen. Er sagt das sehr ernst. Wir können nicht darüber lachen. In der Zwischenzeit nehmen wir Kontakt mit Herrn Woelcke auf, der uns die Kontaktdaten des Marketingleiters der Fuso-Sparte nennt, den wir anrufen, weil wir das Gefühl haben, dass die Kommunikation sehr schleppend ist und wir etwas unternehmen müssen. Wie wir erfahren, nimmt man sich der Sache in Stuttgart schon mehr an als die Antwort auf die Anfrage vermuten lässt. Man denke über den Ausbau des Sperrdifferentials und den Tausch eines Lamellenpakets nach. Das Lamellenpaket sei sogar vorrätig. Wir sind frohen Mutes und besprechen unsere neue Erkenntnis mit dem Servicemitarbeiter. Der nickt. Das Problem ist nur: der wohl einzige Mitarbeiter bei Mercedes Neuss/Düsseldorf, der das mal gemacht hat, befindet sich bereits im Ruhestand. Man traue sich auch nicht zu, das Differential mal eben auseinanderzubauen…, im übrigen habe man auch nicht das richtige Werkzeug. Während wir also einen weiteren Tag vor der Werkstatt campieren, fragt der Servicemitarbeiter 1. das Lamellenpaket, 2. noch immer das Differential und 3. eine Fachkraft und/oder Werkzeug von einem anderen Standort, zB Duisburg, an.

In der Zwischenzeit lassen wir von Anke Prinzler (www.apc-web.de) unser Logo auf die Seite kleben, ferner bekommt die Outbound-Dachluke eine UV-Folie und die Frontscheinwerfer werden mit Folie vor Steinschlag geschützt; und das alles zu einem fairen Preis. Die Folie verlangt mindestens 10 Grad Lufttemperatur; Sonne wäre fantastisch, dann kann sich die Folie gleich richtig einbrennen. Wir haben immerhin 13 Grad, aber keine Sonne. Bis auf die Dachluke, für die es in den Folgetagen einfach zu kalt ist, hält alles wunderbar.

 

Unser Fusel bekommt unser Logo

Vielen Dank, liebe Anke, dass Du extra nach Neuss gekommen bist und um die vier Stunden bei Wind an unserem Auto herumgeklebt hast.

Am Mittwoch ist das Lamellenpaket bereits bestellt und der Servicemitarbeiter teilt uns mit, dass er sich habe Mercedes-Werkstätten geben lassen, die das Lamellenpaket, das einen Tag später eintreffen werde, austauschen könnten. Und hier kommt die Firma Penders, mit der wir bereits am Montag telefoniert haben, wieder ins Spiel, denn die gehört zu den Werkstätten auf der Liste. Wir lassen uns durch den Servicemitarbeiter bei der Firma Penders anmelden und fahren noch am Mittwoch Nachmittag hin. Noch am späten Nachmittag nimmt sich Herr Penders höchstpersönlich die Zeit, um mit uns um den Block zu fahren und sich das Geräusch und die Vibrationen anzuhören bzw. anzuschauen. Seine Diagnose lautet ganz simpel: das automatische Sperrdifferential öffnet nicht geschmeidig. Das kann am Öl liegen, denn das Sperrdifferential möchte ein besonderes Limited Slip Öl haben. Das werde manchmal werkseitig schon mal falsch befüllt. Am nächsten Tag ist das Öl getauscht, wir fahren ein paar Kilometer auf der Autobahn, drehen ein paar Achten im Wendehammer und irgendwann fährt das Auto tatsächlich ruhig um die Kurve.

Am nächsten Tag ist das Rattern leider wieder da, leicht, aber dennoch gut spürbar. Wir wollen trotzdem damit fahren, in der Hoffnung, dass es sich mit der Zeit gibt. Herr Penders hat uns versichert, dass wir nichts kaputt machen können, selbst wenn das Geräusch da ist. Na denn: gute Fahrt.


6 Gedanken zu “Ein Einzug läuft nicht wie geplant

  1. Das ist ja übel, was Ihr da erlebt habt! So etwas wünscht man ja seinen ärgsten Feinden nicht.

    Das Video von Langenaltheim fand ich sehr interessant, da ich mit unserem Vario mit Woelcke-Aufbau auch schon bei einigen Trainings war und ich mir das Gelände in Langenaltheim auch noch anschauen will.

    Ihr schreibt, dass das Fzg. sehr geschwankt hätte. Das kann ich auf dem Video nicht erkennen. Bei unserem war anfangs das Schwanken wirklich beängstigend, vor allem wenn wir über querliegende Bodenunebenheiten gefahren sind. Das sah auch von außen ziemlich übel aus. Dämpfer mit stärkerer Zugstufe lösten schließlich das Problem. Seitdem ist alles paletti.

    Hinzu kommt, dass der Fusel kaum Verwindung gehabt haben dürfte, da ja – wie bei unserem auch – Fahrerhaus und Kabine fest miteinander verbunden sind. Dadurch ist nur noch eine minimale Verwindung möglich. Tellerfederlagerung hin oder her. Das Fzg. ist quasi durch die feste Verbindung „kastriert“. Auch das Wegrutschen auf offenbar glitschigem Untergrund dürfte z.T. damit zusammenhängen.

    Wir hatten übrigens nach der Übernahme unseres Mobils auch eine längere Mängelliste, was mich aber bei einem Individualausbau nicht wirklich verwundert hat. Auch wenn darunter ein oder zwei Sachen waren, die nicht hätten sein müssen bzw. dürfen. Seitdem hatten wir keine Probleme mehr. Die Installationen und der Möbelbau haben diverse Reisen, u.a. nach Marokko und mehrere Monate Island inclus. Hochland klaglos überstanden.

    Das nützt Euch nix, schon klar. Jedenfalls wünsche ich Euch mit Eurem neuen Fzg. gute Reisen und immer eine Handbreit Luft unterm Differential!

    Grüße
    Christian

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    1. Hallo Christian,

      vielen lieben Dank für Deinen umfangreichen Kommentar und Dein Mitgefühl!

      In Langenaltheim waren wir komplett unerfahren was Offroad und Expeditionsmobiltechnik angeht. Das Video zeigt natürlich nur einen kleinen Ausschnitt und stellt das Fahrgefühl in keiner Weise dar. Es ist tatsächlich so, dass der Aufbau des Fuso hinten schubfest mit dem Chassis verschraubt ist und nach vorne hin Feder-gelagert montiert wurde. Somit sollte die Verwindung des Chassis möglich sein und nicht in den Aufbau eingeleitet werden, so Herr Woelcke. Doch die Kabine wurde mit dem Fahrerhaus festverklebt, somit muss der Aufbau bei einer Verwindung das komplette Fahrerhaus tragen. Uns wurde dazu erklärt, dass das Fahrerhaus ja ausreichend gelagert sei, um die Verwindung auszugleichen. Das stimmt natürlich nicht, wissen wir jetzt. Schon nach wenigen Kilometern auf normalen Straßen mussten wir feststellen, dass das Fahrerhaus stark verzogen wurde, die Türen nicht mehr richtig schlossen und sogar die Fahrerhausbeleuchtung ständig flackerte. Um das Fahrwerk des Fuso mit 7,5t Gesamtgewicht fahrbar zu machen, reicht es leider nicht, nur die Stoßdämpfer auszutauschen. Das haben wir auch erfolglos versucht. Im Fuso-Forum gibt es einige Threads zu diesem Thema.

      Ich war überzeugt, dass das Unternehmen mit über 27 Jahren Erfahrung im Bau von Wohn-/ Expeditionsmobilen über ausreichende Kenntnisse im Kabinenbau und im Bereich der Wasser-, Abwasser-, Heizungs- und Elektroinstallation haben muss, so dass wir uns keine Sorgen machten. Was wir dann aber in den vier Wochen auf dem Werksgelände erlebt haben, ist uns bis heute unbegreiflich. Die meisten Fehler basieren auf mangelndem Grundverständnis, wie z.B. dass Wasser nicht bergauf fließt, wofür ein Rückschlagventil notwendig ist, wie sich Wasser bei Erwärmung ausdehnt, wie elektrischer Strom gemessen wird, wie heiß eine Heizung wird, etc… In den meisten Fällen hätte ein Blick in die Installationsanleitung der Hersteller genügt, um die Fehler zu vermeiden. Das schlimmste bleibt aber, dass der Fuso 1.000kg mehr wiegt als im Fahrzeugbrief eingetragen wurde. Uns wurden ca. 5,7t Leergewicht genannt, ausgeliefert wurde er mit im Fahrzeugbrief eingetragenen 5,9t. Als wir festgestellt haben, dass die falschen Reifengrößen mit zu geringem Lastindex im Brief standen, baten wir um Korrektur und haben einen neuen Brief erhalten, in dem das Leergewicht, ohne weitere Information, auf 6,7t erhöht wurde. Daraufhin haben wir nachwiegen lassen und stolze ca. 7t festgestellt!

      Auch ist es nicht so, dass Fehler, die zur Rückabwicklung unseres Vertrages geführt haben, nicht mehr gemacht werden. Genau gesagt, wurde bei unserem Fuso der komplette Boden des Alkovens ausgeschnitten und die Isolation mit einer nur 1cm starken Multiplexplatte hergestellt, die direkt auf das Fahrerhausdach geklebt wurde. So hatten wir unter der Matratze eine bis zu 15 Grad niedrigere Temperatur als im Fahrzeug. Schon in den nordischen Ländern haben wir so im Bett ordentlich frieren dürfen und schnell war unter der Matratze nicht nur Wasser, sondern auch noch Schimmel. Den gleichen Fehler habe ich bei einem Vario gesehen, der wohl gerade zum Ausbau bei Woelcke ist.

      Eines der weiteren „Highlights“ waren die Schutzrelais für die teueren Lifepo4 Batterien, die mit Spax-Schrauben ins Holz geschraubt wurden, ohne dass sie elektrisch angeschlossen waren!

      All diese Dinge haben nichts damit zu tun, dass Mängel aufgrund eines Individualausbaus vorkommen können, für die wir großes Verständnis haben. Ich muss auch noch einmal betonen, dass wir von einem Fahrzeug berichten, dass einen Preis von über 250.000 Euro hatte!!!

      Aufgrund der Antworten und des Verhaltens der verantwortlichen Personen kann ich nicht glauben, dass es je anders war und auch nicht anders werden wird!

      Aber toll sehen sie aus die Fahrzeuge……..

      Viele Grüße,
      Alex

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  2. Danke, dass Du Dir die Zeit für eine ausführliche Antwort genommen hast!

    Wir können bislang nur Gutes über die Firma berichten, aber ich kann verstehen, dass man das nicht so recht glauben mag, wenn man solche Erfahrungen gemacht hat wie Ihr.

    Alles Gute für Eure zukünftigen Unternehmungen!

    Grüße
    Christian

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