Guernsey und: Zu Besuch bei Victor Hugo

Wegen der Einkaufsaktion am Morgen (siehe Jersey) schaffen wir es gerade so zur Fähre, weil wir uns mit den Rädern auch erst mal noch verfahren. Um 10 Uhr legt die Fähre ab, eine Stunde später sind wir bereits in der Hauptstadt Saint Peter Port auf Guernsey.

Blick auf Saint Peter Port vom Wasser aus

Hier erkundigen wir uns im Hafen sofort nach einen Tagesausflug nach Sark. Am liebsten wollen wir gleich dorthin. Unsere Euphorie wird sogleich gedämpft: Fahrräder können nicht mitgenommen werden, denn es handle sich um eine reine Personenfähre. Also verschieben wir den Ausflug auf den folgenden Tag, um zunächst einen Campingplatz zu suchen, da wir unser Zeug im Zelt lassen wollen. Wir buchen also eine Fähre nach Sark für den nächsten Tag. Auch um Guernsey wollen wir komplett herum. Wie auf Jersey starten wir hier ebenso unsere Tour im Uhrzeigersinn.

Sausmarez Manor
Bucht bei Saint Martin
Badepause auf Guernsey


Guernsey ist nach Jersey die zweitgrößte der britischen Kanalinseln und gehört ebenso wie Jersey dem britischen Königshaus; ist also kein Teil des Vereinten Königreichs. Im Jahr 1815 gab es ein interessantes Experiment auf Guernsey: Lebensmittel gab es in Hülle und Fülle, doch Steuern und Zinszahlungen brachten den Zahlungsverkehr auf der Insel zum Erliegen. Der damalige Gouverneur schlug den Bau einer Markthalle vor. Die dafür benötigten 4000 Pfund Sterling wurden einfach selber gedruckt und als eine Art Zweitwährung in Umlauf gebracht. Fünf Jahre später hatte sich die Halle amortisiert; die 4000 Pfund Sterling wurden nicht mehr benötigt und verbrannt. Nach diesem Prinzip wurden mehrere Bauvorhaben nacheinander mit selbstgedrucketem und später wieder vernichtetem Geld realisiert.

Da man im Zweiten Weltkrieg einen deutschen Angriff befürchtete, verließen Soldaten, Vizegouverneur mit Familie und Verwaltungspersonal die Insel, die damit vollständig demilitarisiert war. 1940 wurde die Insel von der deutschen Wehrmacht besetzt und mit Befestigungsanlagen versehen. Guernsey sollte Ausgangspunkt für Angriffe gegen England sein. Während der Zeit wurde von Links- auf Rechtsverkehr umgestellt. Der Befreiungstag am 9. Mai 1945 wird jedes Jahr gefeiert.

In unseren Augen ist Guernsey noch gepflegter und hübscher als Jersey; die Vorgärten sind alle akkurat geschnitten und die Wohnhäuser so schön, dass man sofort einziehen möchte. Anders als auf Jersey mag man hier aber extrem Mauern. Jedes Haus ist irgendwie eingemauert. Selbst auf den Landstraßen fahren wir Mauern entlang. Es gibt noch eine kleine Besonderheit auf Guernsey (und auch auf Jersey): sogenannte Hedge Vegs. Fährt man auf Guernseys Straßen wird man immer wieder auf zusammengenagelte Marktstände stoßen, die dem Verkauf von Obst, Gemüse und manchmal auch Blumen dienen. Obst und Gemüse liegen in den Boxen und der Käufer wirft einfach den ausgeschriebenen Preis in die dafür vorgesehene Box, Büchse oder auch Milchkanne, was eben gerade verfügbar ist.

Hedge Veg auf Guernsey

In Deutschland kenne ich ein ähnliches System von Blumenfeldern, aber solche Stände habe ich noch nie gesehen. In den Wohngebieten wird dieses System auch für den Verkauf von DVDs, Bücher und Kleidung genutzt.
Gegen 17 Uhr sind wir auf einem der vielen Campingplätze. Das ältere Ehepaar, das den Campingplatz betreibt, begrüßt uns freundlich. Auf die Frage, wie teuer der Campingplatz sei, antworten sie: „12 Pounds.“ Das ist aber günstig, denken wir. Auf Guernsey haben wir satte 20 Pounds pro Nacht bezahlt. Wir bleiben zwei Nächte auf dem Platz mit Blick auf den Atlantik.

 
Für die Duschen müssen wir extra 20 Pence für zwei Minuten warmes Wasser bezahlen. Umso mehr überrascht uns als zwei Tage später ein Angestellter des Campingplatzes von uns plötzlich 48 Pfund (1 Pfund ~ 1,45 Euro) verlangt. Die Diskutiererei bringt wenig; wir hätten genauer nachfragen sollen.

Einen Tag verbringen wir auf Sark (Blog folgt als nächstes) und am 24. August geht es wieder zurück nach Saint Malo. Da die Fähre erst am frühen Nachmittag ablegt, wollen wir noch schön frühstücken und zu Victor Hugo nach Hause. Auf der Radtour am Vortag haben wir zufällig das Café „Victor Hugo“ entdeckt, wo es auch Frühstück gibt.

 

Das sieht von außen sehr ansprechend aus. Aber als wir die Karte sehen, sind wir enttäuscht, weil wir nichts finden, das uns zusagt. Also frühstücken wir im „Boat House“ am Hafen, ein hübsches Lokal in maritimem Stil.

Jetzt geht es noch schnell zum Haus von Victor Hugo. 1851 wurde der französische Dichter und Schriftsteller Victor Hugo in Frankreich inhaftiert, wurde aus Frankreich verbannt und musste ins Exil. Zunächst ließ er sich auf Jersey und dann auf Guernsey nieder. Bis 1870 lebte er in Saint Peter Port im Hauteville House. Heute dient dieses dreistöckige weiße Stadthaus mit ausgebautem Dachgeschoss als Museum und zeigt die von Hugo selbst entworfene Innenausstattung. Für meinen Geschmack ganz schön düster, aber je weiter man nach oben geht, werden die Räume immer heller und freundlicher. Das ausgebaute Arbeitszimmer ist ein Traum mit fantastischem Blick auf Guernseys Hafen. In diesem Haus vollendete Victor Hugo auch seinen großartigen Roman Les Misérables, eines meiner Lieblingsbücher. Hier ein paar Impressionen:

Das Stadthaus Hauteville vom Garten aus


Blick zum ausgebauten Dachgeschoss

Da wir etwas in Zeitnot sind, können wir den englischsprachigen Rundgang leider nicht abwarten und müssen mit der französischen Variante vorliebnehmen. Wir verstehen kein Wort. Der Besuch hat sich dennoch mehr als gelohnt!

Am frühen Nachmittag startet die Fähre nach Saint Malo; die Rückfahrt dauert nur zwei Stunden.

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