Saint Malo und eine astronomisch teure Fährverbindung

Saint Malo haben wir vor Wochen bereits strategisch für unsere Reise zu den Kanalinseln ausgesucht. Es musste ein Ort sein, der nicht nur Fährverbindungen nach Jersey und Guernsey bietet, sondern auch noch mit einem Campingplatz ausgestattet ist, dieser am besten noch in der Nähe des Hafens. Also, wir hatten ziemlich konkrete Vorstellungen, kann man sagen. Das alles (und noch viel mehr) bietet Saint Malo. „Und noch viel mehr“ heißt: Shoppingmöglichkeiten und Marihuana. Aber der Reihe nach. Saint Malo (bretonisch: Sant-Maloù) ist eine Stadt im Nordwesten Frankreichs mit dem bedeutendsten Hafen der bretonischen Nordküste. Wegen der schönen, historischen Altstadt mit Festungsanlage zählt Saint Malo zu den meistbesuchten Orten der Bretagne.

Blick auf die Altstadt von Saint Malo vom Wasser aus

In diesen Tagen findet hier eine Segelregatta statt. Die Einwohner sind sehr stolz auf ihre Stadt, daher auch ihr Leitspruch: „Ni Français, ni Breton, Malouin suis!“ (Weder Franzose, noch Bretone, Saint-Malo bin ich).
Wir steuern zunächst einen einfachen Parkplatz an, der dennoch viel Geld nur für das Abstellen des WoMos fordert. Da wir mindestens zwei Nächte auch in Saint-Malo sein werden, schauen wir uns noch den Campingplatz an. Dieser befindet sich tatsächlich in Hafennähe (ca. 5 Minuten mit dem Fahrrad). Zunächst empfiehlt uns die Dame an der Rezeption einen Stellplatz („einen der besten verfügbaren Plätze“), der sich allerdings als ein Stück Wiese entpuppt, auf dem man weder gerade steht, noch seine Privatssphäre (soweit das auf einem Campingplatz überhaupt möglich ist) hat. Wir ziehen dann doch noch schnell auf Nummer 81 um, direkt gegenüber. Mit den Rädern fahren wir zum Hafen, um die Überfahrten zu den Kanalinseln zu buchen. Die Dame an dem Schalter für die Fähre  bei Condor Ferries hört sich unsere Wunschliste an: Wir wollen, erklären wir, zunächst nach Jersey, dann eine Nacht dort bleiben, am nächsten Tag nach Guernsey, dort zwei Nächte bleiben und dann wieder zurück nach Saint Malo. Weil ich denke, besonders witzig sein zu müssen, füge ich noch mit einem Lächeln hinzu: „A special wednesday afternoon price, please!“ Ich kenne das noch von Indonesien, da gibt es schließlich für alles Mögliche irgendwelche „special prices“. Na ja, es war ja auch nur als Witz gemeint. Die Dame hackt die Informationen in die Tastatur und sagt ziemlich ernst: „Two thousand two hundred Euro!“ Mir bleibt die Spucke weg und Alex lacht, weil er denkt, sie hätte den Witz verstanden. Hat sie aber nicht. Die Dame meint das todernst. Nachdem das Missverständnis über die Ernsthaftigkeit dieses Angebotes geklärt ist, fangen wir an, zu diskutieren. Ich sage: „2.200€ ist aber ganz schon teuer!“ Und das ist ja wahnsinnig untertrieben! Sie guckt uns verständnislos an und erwidert, dass wir ja schließlich nicht den üblichen Tagesausflug buchen wollten, der nur 99€ kostet. Da hat sie recht, trotzdem rechtfertigt das diesen Wucherpreis nicht. Ich weise sie darauf hin, dass das ja wohl ein krasser Unterschied sei, wenn die Fähren doch ohnehin zu den beiden Inseln fahren. Sie bleibt bei dem Preis. Das sei das, was ihr Computer ausgebe, sie könne das nicht ändern. Ich bin sauer und will wieder gehen, aber da schaltet sich Alex ein…, der Mann mit der Engelsgeduld! Alex fragt, ob er jemanden sprechen könne, der den Preis ändern könne. Da wird auch die junge Dame etwas säuerlich. Nein, den gäbe es nicht. Also fängt Alex nochmal von vorne an. Er rechnet ihr vor, dass die Differenz ja unmöglich dadurch gerechtfertigt sein könne, dass wir, anstatt jeden Tag einen Tagesausflug zu machen, einfach auf den Inseln bleiben. Keine Chance. Dann hat Alex eine zündende Idee: Sie solle uns doch bitte einfach drei Fähren buchen und wir würden dann einfach auf die springen, die uns jeweils zum Ziel bringt. Sie tippt das ein und sagt, dass das aber teurer sei, denn es koste nun über 300€. Wir sind erstaunt und erklären, dass das ja nun deutlich billiger sei, als 2.200€. Nun macht die Dame aber große Augen. „Wieso 2.200€?“ Na, das sei doch die ganze Zeit ihr Preis gewesen! „Nein!!!!“ erwidert sie, „220€!“ und wird rot. Wir atmen erleichtert auf. 2.200€ habe sie nie gesagt. Wir legen ein Veto ein; wir haben uns unmöglich beide verhört. Das sei ja auch der Grund gewesen, weswegen uns der Preis viel zu hoch war. 220€ allerdings, das sei angesichts der einzelnen Tagesausflugspreise zwar nicht billig, aber zumindest ein plausibler Preis. Schließlich gibt sie alles nochmal erneut in ihr Gerät ein und wir erhalten für insgesamt 220€ unsere Fährverbindungen: Saint Malo – Jersey, Jersey – Guernsey und Guernsey – Saint Malo.
Mit diesem Plan im Gepäck laufen wir noch durch Saint Malo. Prompt werden wir in einer der vielen hübschen Einkaufsstraßen von einem Mann mit grünen Zetteln angesprochen. Mir hat sich noch nicht erschlossen, was er von mir will und ich gucke interessiert auf die grünen Zettel, da zieht mich Alex auch schon energisch weg. „Was denn?“ frage ich. „Der wollte Dir Marihuana verkaufen!“ „Quatsch!“, sage ich. „Das waren doch Werbeflyer!“ Alex schüttelt den Kopf. Nix Werbeflyer, er habe das genau gesehen.

Wir gehen früh ins Bett, denn die Fähre nach Jersey legt am nächsten Morgen um 8 Uhr ab. Eine Stunde vorher sollen wir am Hafen sein, weil wir zusammen mit den Autos einchecken. Für uns heißt das: spätestens um 6 Uhr am Morgen aufstehen, was für uns eine Qual ist, weil unsere Aufstehzeit eher bei (gegen) 9:30 Uhr liegt.

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