Canyoning in der Sierra de Guara: Río Vero – oder: Länger als lang

Mit immer noch offenen Blasen an meinen Füßen wollen wir heute unsere bisher längste Canyoning-Tour unternehmen: den Rio Vero entlang. Es handelt sich um den berühmten Canyon zwischen Lecina und Alquézar, eine imposante Schlucht aus wundervoll gefärbtem Kalkstein. 8 km lang ist die Tour mit einem Höhenunterschied von 220 m. Am Abend zuvor haben wir uns bereits Gedanken darüber gemacht, wie wir wieder zum WoMo kommen. Wir stehen immer noch auf dem Portiacha-Parkplatz und da müssen wir auch wieder hin. Auf unserer vorletzten Tour im Barranco Basender haben wir einen Guide kennengelernt, der uns den Tipp gab, mit dem Chef eines Campingplatzes bei Alquézar am Rio Vero einen Abholservice zu vereinbaren. Aber irgendwie haben wir keine Lust auf die Hin- und Herfahrerei und wir befürchten, dass wir auch gleich eine Nacht auf dem Campingplatz verbringen müssen. Wir entscheiden, es am Ende der Tour einfach drauf ankommen zu lassen. Wenn alle Stricke reißen, können wir immer noch zu dem Campingplatz. Wir packen ein 20-Meter-Seil ein und los geht’s mit dem schweren Rucksack. Wir sind schon auf halber Strecke zum Rio Vero, da fällt Alex plötzlich ein, dass er wegen der Sicherung unserer Fotos am Vortag vergessen hat, die SD-Karte wieder in die GoPro zu legen. Voll doof, zurückgehen will aber auch keiner. Da sich die Tour nach einer gemütlichen Flusswanderung anhört, sagen wir „Egal!“ und entscheiden, auf die GoPro zu verzichten. Ein Fehler, wie wir später feststellen werden. Als wir auf dem uns inzwischen SEHR gut bekannten Weg zum Wehrhäuschen des Rio Vero befinden, passieren wir eine kleine Schlucht, die in den Rio Vero mündet und uns bereits aufgefallen, aber nicht in unserem Canyoningführer aufgeführt ist. Wir denken gar nicht lange nach, ziehen uns um und nehmen spontan diese kleine Schlucht, Barranco Argantin, auch noch mit. Damit wird schon der Weg zum Rio Vero wesentlich spannender.

Unsere Abkürzung durch den Barranco Argantin

Keine besonders anspruchsvolle Schlucht, gut abgesichert und mit einigen kleinen Gumpen ausgestattet. Damit sind wir dann schon mal warm für die eigentliche Tour.
Der Rio Vero selber ist eine einfache Tour mit einem Schwierigkeitsgrad II (von V); schwierige Stellen können einfach am Ufer umgangen werden. Wir umgehen nix und nehmen jede Herausforderung mit. Es muss Felschaos über- und unterklettert werden und wir suchen uns Wege durch Labyrinthe aus riesigen Felsblöcken.


Eine der beeindruckendsten Stellen im Canyon ist „Los Oscuros“, ein höhlenartiger Saal, den wir im Halbdunkeln durchqueren müssen.


Gefährlich auf dieser Tour ist der äußerst rutschige Sinterbelag auf den Felsblöcken, das ist wie Seife! Dieser Belag ist der Grund, weshalb wir die ganze Zeit mit Körperspannung durch den Canyon laufen, um nicht blöd auszurutschen, was extrem anstrengend ist. Wir müssen einige Wasserbecken durchschwimmen; an einer Stelle ist der Felsspalt im Wasser in Kopfhöhe so eng, dass wir gerade so mit dem Kopf durchkommen. Der Wechsel von langen Schwimmstrecken im kalten Flusswasser entlang der hochgezogenen Wände des Canyons, dann wieder Abschnitte im offenen Flussbett mit viel Sonne sorgen für eine sehr abwechslungsreiche Tour. Bis auf die wenigen Fotos, die wir mit dem Handy machen konnten, können wir wegen der fehlenden GoPro unsere Eindrücke leider nur in unserer Erinnerung festhalten.

Gegen 16:30 Uhr, also nach 6-6 1/2 Stunden im Canyon sind wir an der Villacantal-Brücke und entscheiden uns für den klassischen Ausstieg linksufrig zum Wanderweg. Erst mal raus aus den nassen Anzügen und rein in trockene Wanderklamotten. Theoretisch könnte man dem Rio Vero noch weiter bis zum Campingplatz folgen, jedoch ist der fortgesetzte Abstieg ziemlich langweilig. Nach einem Blick auf maps.me wollen wir zunächst Richtung Barranco de Lumos laufen, um dann irgendwie auf die A-2205 zu kommen, die Straße, die zu unserem Parkplatz führt. Laut Karte sieht das ganz gut aus. Dann sparen wir zumindest die 30-40 € Taxikosten vom Campingplatz aus. Gegen 17 Uhr machen wir uns also auf den Weg, steil bergauf Richtung Barranco de Lumos und hier überrascht uns: es ist ein Wanderweg nach Lecina ausgeschildert!!! Der führt direkt zum Parkplatz, ohne dass wir auf der Straße laufen müssen. Perfekt! Allerdings setzt dieser Weg auch einiges an Kondition voraus (insbesondere für Alex, der schleppt ja den schweren Rucksack): steil bergauf, steil bergab…, zwei Stunden lang in der Sonne. Der letzte Abschnitt mit Blick auf den Parkplatz ist sehr schön:


Als wir gegen 19 Uhr am WoMo sind, sind wir fertig. Meine Füße schreien nach einer Pause.


Am nächsten Tag hat Alex eine leichte Erkältung.


Gib Deinen Senf dazu, Feedback ist uns wichtig!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.