Canyoning in den westlichen Pyrenäen: Barranco Aguaré

Der Stellplatz am Ende des Ortes Canfranc ist sehr hübsch: direkt am Fluss auf einer gemähten Wiese. Zwischen 9 und 10 Uhr laufen wir mit unserem Canyoninggepäck, mit neuem Seil und Rucksack, in den Ort rein und folgen schließlich dem Wanderweg GR 11.1. Er führt bergauf, teilweise steil ansteigend, durch einen schönen Wald und bietet tolle Blicke auf die Umgebung. Eine kleine Zwangspause wird fällig: meine (nunmehr offenen) Blasen tun beim Laufen ziemlich weh und die Blasenpflaster halten der Reibung nicht stand. Daher taped Alex meine Füße.


Weiter geht’s. Fühlt sich zumindest für einen Moment besser an. Bei den Weiden von Gabardito…


…müssen wir ein bisschen suchen bis wir dem richtigen Trampelpfad folgen, stehen dann aber nach insgesamt einer Stunde am Flussbett und vor einem stattlichen Bullen, der im Fluss trinkt. Wir ziehen uns um und starten unseren rund 1,5km langen Abstieg mit den ca. 500m Höhenunterschied. Es handelt sich um eine sehr abwechslungsreiche Tour, Schwierigkeitsgrad III (von V), mit Abschnitten im offenen Flussbett und andererseits mit tiefen Einschnitten zwischen glatten Wänden. Auch einige Kaskaden prägen das Bild dieser Schlucht.

Um die 20 mal müssen wir uns abseilen; für meinen Geschmack etwas zu viel. Ich seile mich gerne ab, aber das ist nix, wobei einem warm wird. Alle paar Meter müssen wir zum Seil greifen. Hier ein paar Eindrücke vom vielen Abseilen:


  
 Der Standplatzbau, abseilen sowie Seileinholen beansprucht so viel Zeit, dass uns kalt wird. Andererseits ist das gut, um die Abseiltechniken zu verinnerlichen. Mit dem neuen Seil ändern wir nun unsere Abseiltechnik. Zuvor noch am Doppelstrang abgeseilt, wie wir das beim Klettern machen, seilen wir jetzt am Einzelstrang ab. Das Seil ziehen wir durch die Abseilösen des Standes und binden es mit einem doppelten Achterknoten als Stopper ab. Das hat den Vorteil, dass man das Ende des Seils variieren kann. Gerade im Wasser ist es sehr sinnvoll, das Seil knapp über der Oberfläche enden zu lassen, damit der Achter aus dem Seil läuft und man schnell wegschwimmen kann. Zur Sicherheit befestigen wir noch einen Schraubkarabiner in der Schlaufe des Doppelachterknotens. Dieser ist größer als die Öse und hält das Seil an jedem Fall, auch wenn der Knoten wider Erwarten doch mal durchrutscht. Das andere Ende des Seils bleibt im Rucksack, denn der letzte seilt sich sozusagen aus dem Rucksack ab. So verdrehen sich die Seile nicht.

 

So sieht unser Standplatz aus

Wir seilen uns selber mit dem Achter (Sicherungsgerät) ab. Das geht schön schnell und am Ende des Abseilvorgangs läuft das Seil einfach aus dem Gerät. Das Seil wird dann wieder in den Rucksack gestopft, so dass es nicht verknotet. Das sind die Vorteile. Natürlich gibt es auch Nachteile. Das Abseilen am Einzelstrang und aus dem Rucksack ist umstritten, weil man schnell mal den Knoten auf die falsche Seite knüpft oder zum falschen Seil greift (man hängt ja nur noch an einem Strang statt an beiden Strängen). Greift man zur Seilseite, an der der Knoten nicht stoppt, stürzt man in die Tiefe. Das ist wohl schon oft genug passiert. Deswegen ist es so wichtig, IMMER, und sieht der Standplatz noch so unproblematisch aus, seine Standschlinge zu befestigen und vor dem Lösen der Standschlinge zu testen, ob auch alles sitzt und hält (auch die Bohrhaken!). So, und um gleich einen Lerneffekt zu haben, greife ich direkt beim ersten Mal zur falschen Seilseite. Gut, dass mich meine Standschlinge hält. Alex grinst! Ein weiteres Mal passiert mir das nicht! Wir beide kontrollieren immer, was der andere macht und trotzdem können solche Fehler passieren. Ein weiterer Nachteil ist der doppelte Achterknoten mit dem Karabiner im Seil, der beim Abziehen des Seils leichter hängen bleiben kann.

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass WIR das so machen und das nicht heißt, dass das die beste oder eine perfekte Lösung ist. Wir sind beileibe keine Experten. Für UNS funktioniert das gut, wir fühlen uns damit sicher. Aber jeder muss für sich seine Abseiltechnik finden, womit er sich wohlfühlt und hierzu gibt es unendlich viel Literatur und jede Menge Tipps von Experten.

Ansonsten ist der Abstieg sehr schön, gibt wundervolle Fernblicke auf das Peña-Collarada-Massiv frei und ist eine mittellange Tour von ca. 4 Stunden.

 

Die Fernblicke während des Abstiegs sind besonders schön

Wir machen einen Tag Pause. Meine Füße müssen sich erst mal erholen.

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