Porto und ein Werkstattaufenthalt

Am 22. Juli 2015, einem Mittwoch, kommen wir schließlich in Porto, eine der ältesten Städte Europas, an. Sofort steuern wir die Peugeotwerkstatt am Rande Portos an; die Motorkontrolllampe leuchtet ja immer noch. Nachdem wir erklären haben, wo der Schuh drückt, notiert man sich unser Kennzeichen; wir sollen am nächsten Tag wiederkommen, man werde uns irgendwie dazwischenschieben. Da es in Porto selber keinen Stellplatz gibt, müssen wir mit einem Platz außerhalb Portos vorlieb nehmen; der ist allerdings 8-10 km von Porto entfernt. Blauäugig fahren wir zum Parque Biológico de Gaia ohne etwas vorab gebucht zu haben. Hier muss man wie auf einem Campingplatz einchecken. Wir haben richtig viel Glück, denn von den 10 Stellplätzen sind nur noch 2 frei! Zu dem Übernachtungspreis von 4€ pro Person und 4€ pro WoMo (inklusive Ver- und Entsorgung) erhält man freien Eintritt zu dem Park. Wir werden gefragt, ob wir Tiere dabei hätten. Oli gesteht die Anwesenheit einer Katze. Möhrchen muss an die Leine- Parkvorschrift, insbesondere wenn Katzen wie Möhrchen gerne stiften gehen. Wir zwängen uns in die engen, aber sehr schön gepflegten Buchten. Es ist 15 Uhr. Alex und ich brauchen noch Bewegung. Also Fahrräder runter und auf nach Porto! Die 8-10 km bis zur Stadt ziehen sich ganz schön und ich habe auf dem Weg dahin mal wieder einen Platten, weil ich mit ordentlicher Geschwindigkeit einen zu hohen Bordstein hochbrettere. Ich bin der Meinung, der Reifen muss das aushalten; der Reifen ist jedoch anderer Meinung: die Luft ist sofort draußen. Zum Glück hat Alex einen neuen Fahrradschlauch dabei, denn flicken kann ich meinen nicht mehr: es sind bereits zwei Flicken drauf und die Bordsteinnummer hat gleich zwei neue Löcher in den Schlauch gepustet. 

Stundenlang fahren wir durch Porto, eine unheimlich hübsche Stadt. Nicht so groß wie Lissabon, aber trotzdem ähnlich bergig. Ein Ziel ist unter anderem die „Livraria Lello & Irmāo“, eine Buchhandlung im Jugendstilgebäude mit neogotischer Fassade, die angeblich als Vorlage für Harry Potter diente, weil Joanne K. Rowling Anfang der 90er Jahre einige Zeit in Porto lebte und hier Englisch unterrichtete. Um da reinzukommen, muss man Schlange stehen. Es bleibt ein Geheimnis wie diese Buchhandlung überhaupt noch Umsätze machen kann, wenn doch die meisten Besucher gar nichts kaufen. Hübsch ist sie, diese Buchhandlung. Wesentlich kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Diese Buchhandlung zählt zu den schönsten Buchhandlungen der Welt. Seit 2013 ist sie unter Denkmalschutz gestellt. Viel Holz, darunter Büsten bedeutender Schriftsteller. Die geschwungene Holztreppe, die zur oberen Etage führt, sticht sofort beim Reingehen ins Auge. In der oberen Etage gibt es sogar eine Bar. 

 

Eine der schönsten Buchhandlungen der Welt: Llivraria Lello & Irmāo
  

Wir fahren kreuz und quer durch die Stadt. Porto liegt am Rio Douro, vor der Mündung in den Atlantischen Ozean. Die Stadt wird wegen der zahlreichen barocken Kirchen auch als „Barockstadt“ bezeichnet. Hier ein paar Eindrücke:

   
    
  

Enge gewundene Gassen und dichte Bebauung, die am Hang des Douro eine terassenförmige Struktur bilden, prägen das Bild der Altstadt, die seit 1996 als Weltkulturerbe der UNESCO eingetragen ist. 

 
Portos historisches Viertel Foz Velha mit seinen engen Gassen wurde 2002 unter Denkmalschutz gestellt. Ein Großteil der denkmalgeschützten Häuser steht leer, weil die Mieten und Instandhaltungskosten für diese Gebäude sehr hoch sind.

Am Abend sitzen wir am Rio Douro bei einem Bierchen in einer Bar bei Sonnenuntergang. 
  

Der Weg von 8-10 km muss jetzt noch einmal bewältigt werden. 

   
 
Am nächsten Tag, Donnerstag, stehen wir Punkt 10 Uhr in der Peugeotwerkstatt. Ein sehr netter, gutaussehender Mitarbeiter, von dem Alex findet, dass er aussieht wie George Clooney, begrüßt uns. Wir sollen einfach in der Kundenecke Platz nehmen und warten. Mit iPhones bewaffnet sitzen wir in der Kundenecke mit WiFi und vertreiben uns die Zeit mit Updates. Und warten… und warten… und warten. Völlig ausgehungert sind wir um 17 Uhr als George Clooney zurückkommt und uns verkündet, man habe nichts machen können, wir sollen morgen wiederkommen. Also setzen wir uns ins WoMo und gesellen uns zu Oli, der zwischenzeitlich einen neuen Stellplatz am Strand gesucht hat. Am nächsten Morgen ähnliches Spiel: George Clooney begrüßt uns, schickt uns in die Ecke und da sitzen wir dann, dieses Mal mit iPhones und iPads ausgerüstet und warten… und warten… und warten. Da man am Freitag etwas früher Feierabend macht, schickt uns George Clooney heute am Nachmittag nach Hause. Man habe ein bisschen herumtelefoniert und herausgefunden, dass der Fehler wohl am Differenzdrucksensor für den Dieselpartikelfilter liegt. Man habe diesen bereits bestellt. Wir sollen am Montag zum Einbau und Test wiederkommen. Das passt uns ja gar nicht. Wir wollten längst Richtung Norden weiter und jetzt sowas. Nützt ja nix, mit Motorkontrollleuchte im Blick können wir auch nicht ruhigen Gewissens weiterfahren. Also fahren wir noch ein kleines Stückchen weiter die Atlantikküste hoch und verbringen dort das Wochenende. Der Atlantik ist dermaßen kalt, dass wir nur kurz reinspringen und gleich wieder raus ins warme WoMo. Die Männer schrauben ein bisschen am Grauen herum, in der Hoffnung, den Fehler eliminieren zu können. Ausbau des o.g. Sensors und Stromlosmachen des Fahrzeugs helfen leider nicht. 

Am Montag stehen wir also wieder bei George Clooney um Punkt 10 Uhr auf der Matte. Mit dem sind wir jetzt fast befreundet. Das Prozedere kennen wir ja schon, also richten wir uns büromäßig in der Besucherecke bei Peugeot ein und machen es uns mit iPhones, iPads und Macs gemütlich – die anderen Kunden gucken komisch. Auch ein paar Snacks habe ich uns heute vorausschauend eingepackt. Wir sind fast schon enttäuscht als George Clooney nach bereits 2 Stunden wiederkommt und uns das Auto zurückgibt. Unsere Updates laufen doch noch! Insbesondere die Macs klagen über „Update-Verstopfung“. So richtig gutes Internet hatten wir die ganze Zeit nicht; die Kundenecke bei Peugeot ist toll: Wir laden Gigabytes an Updates herunter. Wir bedanken uns, zahlen den wirklich fairen Preis von 136€, dafür, dass man so lange an dem Fahrzeug herumgetüftelt hat, und bleiben einfach in der Besucherecke sitzen bis die Updates geladen sind. Wir schicken Oli schon mal vor und wollen ihn auf dem Weg zum nächsten Übernachtungsplatz einholen.


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