Punta Umbria und Trauer um SCOTT

Wir müssen mit dem WoMo in die Werkstatt – das Fahrzeug fordert einen Ölwechsel. In Huelva finden wir eine Peugeot-Werkstatt, die aber leider schon geschlossen ist. In dem Ort selber wollen wir aber nicht stehenbleiben, daher müssen wir uns einen Stellplatz für die Nacht suchen. Punta Umbria, nur ein paar Kilometer entfernt, ist schnell auserkoren. Wir stehen am Ende des Ortes auf einem Parkplatz am Fluss Rio de Punta Umbria, der in den Atlantik mündet. Hinter uns befinden sich Hochhäuser. Der Parkplatz kostet 2 € und wir entscheiden uns bewusst dafür, auf dem Bezahlparkplatz und nicht auf den Parkplätzen vor den Wohngebäuden zu stehen. Als wir am Strand, am Playa de la Canaleta, sitzen, parkt ein Sprinter neben uns, aus dem eine Frau steigt. Wir lernen Magnea kennen, eine Isländerin, die bereits seit 8 Monaten unterwegs ist und sich bereits auf dem Weg nach Hause befindet. Da unser nächstes Ziel Island ist, fragen wir sie den ganzen Abend bei einer Flasche Wein aus. Wir verabreden uns jetzt schon für Reykjavik.

In der Nacht um 4 Uhr werden wir beklaut. Ich höre ein Geräusch als würde Alex die Fahrräder vom WoMo holen, will aber nicht richtig glauben, dass da wirklich jemand ist. Also warte ich noch ab. Als das Geräusch nicht aufhört, wecke ich Alex. Er krabbelt aus der Dachluke, sieht aber im Schein des Vollmondes niemanden. Wir legen uns wieder schlafen. Dann wieder dieses Geräusch. Dieses Mal krabbelt Alex soweit über die Dachluke raus, dass er die Fahrräder sehen kann. Er ruft mir zu: „Da fehlt ein Fahrrad!“ und schon rennen zwei junge Typen schnell davon. Alex schreit laut hinterher, um Krach zu machen. Als wir rausgehen sehen wir, dass man den Rahmen von Alex‘ Fahrrad, sein schönes SCOTT (auch ein Fully MTB), geklaut hat; die Räder hängen noch kläglich vom Fahrradträger.

 

 

Die Räder selber hatten wir super gesichert, haben aber vergessen, die Rahmen am Fahrradträger zu befestigen, weil wir nicht auf die Idee gekommen wären, dass uns jemand die Räder in der Höhe an unserem Fahrzeug klaut. Außerdem hatten wir die Abdeckplane nicht drauf, weil das Draufziehen immer so nervig und die Plane immer dreckig ist, so dass sich die Diebe theoretisch schon bei Tageslicht ein Bild machen konnten. Das ganze ist doppelt ärgerlich, weil Alex durch den kaputten Fuß auf das Mountainbike angewiesen ist. Jedenfalls hatten wir noch ein bisschen Glück, denn die Diebe hatten bereits beide Räder meines Rades losgeschraubt.

Alex ruft sofort die Polizei (112 funktioniert in ganz Europa), die auch innerhalb von 10 Minuten kommt und mit zwei Streifenwagen die Gegend abfährt. Man rät uns, am nächsten Tag zur Polizeistation zu fahren und eine Anzeige aufzugeben. Wir suchen noch mit Taschenlampe und Pfefferspray bewaffnet die Umgebung ab in der Hoffnung, dass die Täter den Rahmen in unmittelbarer Nähe haben liegen lassen. Leider Fehlanzeige. Schlafen können wir auch nicht mehr. Schließlich gesellt sich noch Magnea zu uns, die im geöffneten Sprinter neben uns geschlafen hat und fragt, was los sei.

Am Morgen fahren wir zur Polizeistation, an der wir zunächst mehrmals vorbeifahren, weil die sich unscheinbar in einem weißen Gebäude befindet. Wir fragen uns durch. Schließlich fragen wir, als wir schon fast davorstehen, einen Polizisten, der sofort schaltet und sagt: „Ach, ihr seid doch die mit dem gestohlenen Fahrrad!“ In der Polizeistation müssen wir ein bisschen warten, bis ein Gesprächspartner frei wird, der Englisch kann. Wir schildern, was vorgefallen ist. Ich muss das ganze in Englisch auf einen Zettel schreiben, damit das später übersetzt werden kann. Uns legt der Polizist einen Bericht in spanischer Sprache vor, den wir unterschreiben sollen. Der Polizist bedauert sehr, was vorgefallen ist und erklärt, dass man zwar ungefähr wisse, wer die Täter seien, ihnen aber nichts nachweisen könne. Außerdem sei jetzt noch Nebensaison. Sämtliche Wohnblocks seien nur zu höchstens 1/10 belegt; die Diebe gingen einfach von Haus zu Haus, ohne dass jemand etwas bemerke. Ich frage noch, wie wahrscheinlich es sei, dass der Rahmen gefunden würde. Das sei schon möglich, aber schwer. Zumindest sei SCOTT eine untypische Marke in Spanien, daher hätten wir etwas bessere Chancen. Die deutsche Botschaft würde sich melden, sobald der Rahmen gefunden sei, erklärt er uns.

Wir bedanken uns und sagen im schönsten Spanisch „Adiós!“, da lacht der Polizist Alex an und erklärt ihm, dass er das „Adiós!“ ziemlich tuntig sage. Er solle das gefälligst tief und mit mehr Bestimmtheit aussprechen. Zur Demonstration hören wir von ihm auch noch mal den Unterschied. Wieder was gelernt.

Jetzt müssen wir noch schnell zu Peugeot, der Ölwechsel steht ja noch an. Da das dauern kann, nehmen wir die Fahrräder runter und fahren ein bisschen in Huelva herum. Am frühen Nachmittag holen wir unser WoMo wieder ab und schauen noch schnell beim nächsten Decathlon vorbei: ein neues Fahrrad muss ja her. Als entscheidet sich schnell für ein schwarzes MTB.

Am Nachmittag passieren wir die portugiesische Grenze per Autobahn und werden sofort registriert. Sobald wir jetzt also auf eine gebührenpflichtige Autobahn innerhalb Portugals fahren, wird der zu zahlende Betrag von der Kreditkarte abgebucht. Bei der ersten Gelegenheit fahren wir wieder runter und übernachten am ruhigen und etwas abgelegenen Strand bei Santo António. Von dem Schrecken der letzten Nacht müssen wir uns erst mal erholen. Wir werden die nächsten Monate wegen dieses Vorfalls einige Nächte unruhig verbringen.

In Santo António machen wir eine große Farradtour in der Gegend bis Castro Marim, wo es übrigens einen WoMo-Stellplatz mit Ver- und Entsorgung gibt.


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