Andorra la Vella

Von Frankreich aus fahren wir in die Pyrenäen; unter anderem nach Andorra. Der Kleinstaat umfasst lediglich um die 450 qm – nur halb so groß wie Berlin. Die Entstehung des Staates ist interessant: es gab einen Streit zwischen den Grafen von Foix und dem Bischof von Seo de Urgel, die zugleich Ansprüche auf Andorra erhoben. Als 1278 beide Streithähne einsahen, dass eine gemeinsame Herrschaft vernünftig wäre, schlossen beide einen entsprechenden Vertrag. Dieser Vertrag hat bis heute überdauert und so hat Andorra immer noch zwei Staatsoberhäupter: den französischen Präsidenten und den Bischof von Seo de Urgel oder La Seu d’Urgell (aus Katalonien und da ändern sich gerne mal Ortsnamen; in Andorra spricht man katalanisch, wenn’s nicht gerade vom Staatsoberhaupt verboten wird). Jedenfalls hatte Andorra nie eine eigene Währung, woraus resultierte, dass in den Kassen zwei Schubladen existierten: man konnte früher überall entweder mit französischen Francs oder mit spanischen Pesetas bezahlen. Heute ist Andorra ein Nicht-EU-Land mit dem Euro, was dazu führt, dass man entweder die französische oder die spanische Grenze passieren muss. Rein geht es sehr schnell, aber raus…. Denn obendrein hat man in Andorra der Einfachheit halber Steuern einfach abgeschafft. Das führt zu langen Staus an den Grenzen; in Andorra kann man „Duty-free“ einkaufen. Unglaublich, wie viele Touristen sich da in den Straßen von Encamp, einem Shoppingparadies, tümmeln. Andorra besteht aber nicht nur aus Andorra la Vella, sondern aus mehreren Gemeinden. Wir konzentrieren uns aber auf Andorra la Vella, das eingekesselt zwischen Bergen liegt. Aber die Nacht verbringen wir noch vor der Hauptstadt auf dem Berg. Wir sind die Einzigen. Alle anderen halten nur kurz und fahren schnell weiter. Hier befindet sich ein Skigebiet und es liegt noch Schnee.

 

bei Encamp

Wie immer suchen wir eine ebene Stelle zum Stehen. Ich fahre den Parkplatz ab. Unser idealer Stellplatz befindet sich ausgerechnet nahe des Abhangs, wo es etliche Meter in die Tiefe geht. Wir ziehen uns dicke, hohe Wanderschuhe an und Stiefeln im Schnee herum, den Berg hoch bis zur Skistation. Die Nacht ist sehr ungemütlich: der Wind ist so stark, dass ich befürchte, er könnte uns vom Stellplatz blasen. Mehrmals in der Nacht werden wir wach. Der starke Sturm schaukelt unser WoMo kräftig durch. Die Plane, die unsere Räder schützt, schlägt lautstark gegen die Räder. Bei jedem Schaukeln kralle ich mich mehr an Alex fest. Als es am Morgen einen noch stärkeren Windstoß gibt, haben wir die Nase endgültig voll und hauen ohne Frühstück schnell ab.
In der Hauptstadt angekommen sehen wir viele Parkverbotsschilder für Wohnmobile oder Höhenbeschränkungen, die eine Durchfahrt auf einen Parkplatz unmöglich machen. In einem Kreisverkehr Nahe der Innenstadt, biegen wir einfach mal ab und finden auf Anhieb einen supertollen, kostenlosen Parkplatz. Wir können unser Glück kaum fassen und vergewissern uns mehrmals, dass wir nichts übersehen haben. Nein, da steht nix von Verbot, nix von bezahlen – perfekt! Wir nehmen die Mountainbikes vom WoMo und fahren herum. Zunächst fahren wir ein bisschen in der Altstadt herum – sehr hübsch und lohnenswert.


Dann ist uns der Trubel zu viel und wir folgen unserem Motto: immer rauf auf den Berg! Wir ignorieren einen Privatweg, der Durchfahrt und Betreten verbietet, und landen zufälligerweise an einem Bewässerungskanal mit Wanderweg. Genau da fahren wir lang. Der Weg ist ziemlich schmal, so dass wir für die vielen Fußgänger immer wieder anhalten müssen, aber die Sicht auf Andorra la Vella und Umland ist genial. Wir folgen dem Bewässerungskanal in beide Richtungen mit dem Fahrrad. In der einen Richtung können wir irgendwann nicht mehr weiterfahren, da der Wanderweg über große Felsen führt, also fahren wir zurück bis es nicht mehr weitergeht. Von dort aus folgen wir einfach einem anderen Weg, der wundervoll am Fluss entlangführt und an einer alten Kirche vorbei, wo gerade Kletterer den Fels bezwingen. Dem Weg folgen wir solange, bis er endet.


Wir fahren zurück in die Stadt, essen ein Eis und machen uns, nachdem wir für 0,99 € pro Liter (20 Cent pro Liter gespart) getankt haben, mit dem WoMo auf Richtung Spanien. An der Grenze werden wir kontrolliert. Alex zeigt schnell den in Frankreich gekauften Wein, aber die junge Dame interessiert sich gar nicht wirklich dafür. Fragt, was in dem großen schwarzen Rucksack ist. Unser Kanu. Dann dürfen wir auch schon weiterfahren.

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