Col D’Argentière

Nachdem wir gestern nach Buet sind, um eine Skitour zum Col Terrasse zu unternehmen (wobei wir weiter rechts auf dem Grat gelandet sind, denn der Col Terrasse kam uns ziemlich steil und vor allem schneeleer vor), soll es heute ins Hochgebirge gehen: zum Col D’Argentière! Oli, Alex‘ Freund aus Frankreich, holt uns um 8 Uhr am Morgen ab. Mit dem WoMo stehen wir bereits (seit dem Vorabend) direkt an der „Grand-Montets-Seilbahn“. Wir kaufen uns ein Ticket und es geht auf ca. 3.300m. Hier oben gibt es nur eine schwarze Piste über den Gletscher. Wir fahren aber nicht links die offizielle Piste hinunter, sondern halten uns rechts und fahren neben der Piste über den Gletscher ca. 500 Höhenmeter abwärts auf die Gletscherzunge. Unten angekommen ziehen wir die Felle auf die Ski und seilen uns an, falls uns eine Gletscherspalte überrascht – es liegt nämlich wenig Schnee. Es geht die Gletscherzunge leicht aufwärts, was man in dieser Höhe sofort merkt. Der Wind ist sehr kalt und ich spüre bald meine Finger nicht mehr.

Am Fuß des Col D’Argentière machen wir eine kurze Pause und dann geht es ca. 800 Höhenmeter hoch auf fast 3.600m. Die Beine machen glücklicherweise mit, aber mich quält ein ständiger Durst in dieser Höhe. Teilweise esse ich einfach Schnee. Oli geht voran und zieht und zieht. Er hat’s etwas eilig, denn wir haben noch eine lange Abfahrt vor uns. In der Höhenlage geht es langsamer voran als sonst. Die Sonne scheint direkt auf uns und es wird warm. Wir passieren eine riesige Gletscherspalte.

Gletscherspalte am Col D'Argentière
Eine große Gletscherspalte auf dem Weg zum Gebirgspass

 

Oli zieht erbarmungslos weiter. Er lebt in den Bergen und ist die Anstrengung und vor allem die Höhe gewöhnt. Mein Herz rast! Je höher wir kommen, desto härter wird der Schnee. Oli geht ziemlich steil, so dass meine Ski immer wieder zurückrutschen; das kostet Kraft. Harscheisen haben wir keine drauf – keine Zeit, denn Oli will ankommen. Oli muss etwas flacher gehen. 100 Höhenmeter vor dem Gipfel nimmt er mir noch meinen Rucksack ab, damit wir etwas schneller gehen können. Mit zwei bis drei kurzen Trinkpausen haben wir es geschafft: wir stehen auf dem Col D’Agentière! Ein atemberaubendes Bild über die Gipfel zeigt sich vor uns.

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Auf dem Col D’Argentière mit Blick auf die Abfahrt
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Blick vom Col D’Argentière über die Gipfel

Leider ist es ziemlich kalt und etwas windig; also können wir dieses Bild nur kurz genießen. Außerdem rennt die Zeit, denn es ist bereits ca. 15:30 Uhr und wir haben ein ca. 20 km lange Abfahrt vor uns. Wir ziehen die Felle ab und es geht wieder abwärts. Oli fährt vor. Bei der Abfahrt vom Col D’Argentière stürze ich blöd und rutsche den Berg hinunter; glücklicherweise verfehle ich die Gletscherspalte. Alex kommt mit den Ski hinterher und wirft sich in den Weg, damit ich nicht weiterrutsche. Es geht weiter abwärts, über die Gletscherzunge hinunter und dann passieren wir das offene Gletscherfeld. Das macht mir ein ungutes Gefühl, weil ich befürchte, in die Löcher zu fallen, die sich links und rechts von mir befinden, denn so gut fahre ich noch nicht. Alex lotst mich jedoch erfolgreich hindurch. Die Strecke ist anspruchsvoll, weil sie teilweise ausgesetzt ist.

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Nach etwas Zittern landen wir endlich auf der schwarzen Piste – Erleichterung. Vor Ende der schwarzen Piste kommen uns bereits Pistenraupen entgegen; es ist schon 17 Uhr. Am Ende der schwarzen Piste führt eine rote Piste ins Tal: nach einer solchen Abfahrt selbst bei schummrigem Licht nicht mehr schlimm. Die Beine sind weich, die Piste halb vereist. Als ich unten bin, bin ich fertig. Trotzdem gehen wir noch ein Bier trinken.

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